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Freude Ausdruck geben, daß wir zur Klarheit ge- wichtig und grundlegend gewiß musikalisches Wissen
kommen und die Wege wieder frei haben, und Können sind —, wird nicht erkennbar, daß noch
unsern Anteil am Aufbau des jungen entscheidender die menschliche, die pädagogische
deutschen Volksstaates beizutragen. Grundhaltung ist, dieses wahre und einzige Be—
Ist diese Aufbauarbeit, soweit die Sängerbewe- rufensein?
gung in Frage kommt, zu leisten durch Redner, Orga⸗ Ich weiß nur zu gut, daß ich Tausenden von Chor—
nisatoren, Repräsentanten, so notwendig sie an ihrer leitern, die jetzt noch den Taktftock führen, damit eine
Stelle sein mögen? Bauen sie nicht mit all ihrem völlige Achsendrehung abverlange; aber ich
Fleiß, ihrer Begabung und ihrer Liebe letzten Endes muß sie als verantwortungsbewußter Sängerführer ver—
auf Flugsand, wenn ihr Arbeiten Selbstzweck, also doch langen, denn wir müssen hindurch. Den Chor—
Leerlauf bleibt? leiter, der diesen Persönlichkeitstyp darstellt,
Wer wirklich ein inneres Verhältnis zum hrauchen wir, müssen wir bekommen, wenn anders
deutschen Gemeinschaftssingen, zur Musik als Volks- aunsere Arbeit in Gau und Bund überhaupt Sinn und
bildungsmittel hat, der weiß, daß Anfang und Ende Inhalt haben soll. Wir wollen ihn nehmen aus den
unseres ganzen Wirkens damit steht und fällt, daß der Kreisen der Berufsmusiker, soweit sie bei gründ⸗
Chorleiter nun endlich im letzten und lichem chorfachlichem Können sich der Bedeutuug der
tüefsten Sinne zum Bolkserzieher wird. Volksmusik für Mensch und Gemeinschaft bewußt sind
Wem diese Frage selbstverständliche Kardinalfrage ist, und so ihre Eignung aus dem Geiste echten Volks—
dem muß es sehr zu denken geben, daß der Deutsche erziehertums beweisen; wir wollen ihn nehmen aus
Sängerbund trotz vielfacher Auregung bis heute noch den Kreisen der Lehrer, die so oft opferbereit im
niemals seine Gauchorleiter zusammengebracht hat zur Dienste am Volke ausgeharrt haben, wenn und soweit
Herausarbeitung einer klaren künstlerischen und musik⸗ sie dem Typus Mensch entsprechen, der hinter dem
politischen Linie, wie es doch mindestens alljährlich in Chorleiter zu stehen hat, denn das allein ist das
einem Arbeitstreffen geschehen müßte. Wesentliche.
Ein alter griechischer Denker sagt: „Die Liebe zur Dieser Typus Mensch steht als Chorleiter nicht
Kunst wächst aus der Liebe zu den Menschen“ und wurzellos, heimatlos, zeitlos im leeren Raum, er ist
bohrt damit den Quell an, aus dem allein der rechtée vielmehr Exppnent seiner Zeit und seines
Chorleitergeist fließt. Aus dem Wesen des deut- Volkes, ihr stärkster und lebendigster Ausdruck. Ge—
schen Gemeinschaftssingens muß der Chorleiter in erster rade weil er nicht fertig ist und nie fertig wird, steht
dinie Mensch sein. Die Sänger bringen ihm ihr Ver- er mitten in der neuem ewig jungen deutschen Kunft.
trauen und ihren Glauben entgegen; er muß ebenso Er weiß, daß des Lernens kein Ende ist, und haßt
an seine Sänger glauben und sich in ihnen wieder- nach Goethes Wort jede halbe und schlechte Arbeit wie
finden; denn keine Gemeinschaft ohne Glauben, der die Sünde. Er wird das Volk, das endlich Gemein—
sie ja trägt. Von dieser Haltung aus ist der Sänger schaft bildet, sich den Gemeinschaftsgeist aus dem Herzen
nicht Objekt der Tätigkeit des Chorleiters, sondern Sub⸗ und in das Herz hineinsingen bassen. Geht das aber
jekt — ganz konkretes lebendes Du —. Von dieser anders als durch bewußte Abwendung von
Haltung aus ist die Chorleiterarbeit kein Beibringen qualitätsloser Liedertafelei und beifall—
von außen, keine Bevormundung, keine Fürsorge. süchtigem artistischen Seiltanz? Anders als
Der rechte Chorleiter will nur dem Sänger helfen, durch ebenso bewußte und betonte Hinwendung zum
zu sich selbst zu kommen, mehr Mensch zu werden, mehr einstimmigen Lied, zum Volkslied als dem leben—
deutscher Mensch; er will ihn so zur tiefsten Verant- digen Ausdruck gerade der artgleichen Gemeinschaft.
wortung führen, nämlich zur Verantwortung gegen sich Er wird das Ueberzeitliche in der deutschen Chorkunsi
selbst und damit gegen sein Volk. Deshalb spricht er der Vergangenheit als kostbares Vermächtnis gegenwär⸗
ganz konkret an, was in der Brust des deutschen Sän- tig halten, aber mindestens ebenso mit Juteresse und
gers ruht, löst er ihr Persönlichstes, stellt es in dig aktiver Liebe auch die heutige Kunst als stärksten und
reinste und innigste Gemeinschaftsform und macht die persönlichsten Ausdruck unseres augenblicklichen deut⸗
Singenden durch die gestaltende Kraft der Töne und ichen Erlebens fördern und pflegen.
der Muttersprache reicher, reifer, freier. Seine Singstunde wird keine Probe sein — ein
Kann ein Chorleiter diese verantwortungs- Wort, das man endlich ausmerzen sollte —, sondern sie
oolle Aufgabe lösen, wenn er die Sanges- wird jenseits des oft nur nach außen gerichteten Kon—
bruderschaft nicht selbst im reinsten vorlebt, zertlichen eine Stunde innerlicher Gemein—
wenn er deutsche Singgemeinschaft bilden will, schaftsarbeit darstellen, die sein gründliches musik—
ohne selbst innerlich und äußerlich in ihr zu stehen, theoretisches und praktisch-methodisches Wissen und
wenn er glaubt, die Sänger seien seinet- und nicht Können selbstverständlich und sicher bewahrt vor allem
vielmehr er ihretwegen da, wenn er sich nicht gewissen- Halben und Oberflächlichen. So ist das Was und das
haft immer wieder die Frage vorlegt: Weshalb Wie der Arbeit des wirklich berufenen Chorleiters
kommt der Sänger zu dir: Der Industrie- eine einzige Darstellung deutschen Geistes
arbeiter, der Bauer, der Angestellte? Wie ein Land- und deutscher Seele in deutscher Prägung.
mann, der seine Saat in einen Boden wirft, dessen Der Chorleiter dieser Haltung veranschaulicht echtes
Eigenart ihm unbekannt ist, wie ein Baumeister, der Führertum: im Mitarbeiten, Miterleben, Mitge—
einen Quaderstein heben muß und nicht sein Gewicht stalten unterscheidet er sich nicht wesentlich, sondern
kennt, noch weiß, wo und wie er den Hebel ansetzen im Grade von seinen Sängern, er gibt selbst sein
muß, also ist ein Chorleiter, der die elementarsten Eigenstes, lockert das Persönliche in allen, führt es,
Grundlagen und Vorbedingungen, die Ansatzpunkte wie in einem Flußbett die Wellen, organisch zusammen
seiner Tätigkeit nicht erforscht, erfühlt. erfaßt. So zu einer rein innerlich getragenen Gesamtleistung, zn
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