Full text : 14.1934/35 (0014)

Nr. 1 IIIMhPinnn u. IIIP Saar⸗Sänger-Bund Pihin ...
Unsere Sängerzeitung muß jetzt nach der Vergrößerung Der Rundgesang war die ursprüngliche Form des Gemein—
des Bundesgebietes einen neuen Titel haben. Der Bundes- chaftssingens, vielfach in der Form des Kanons. Wir haben
vorstand wird beauftragt, die Angelegenheit weiter, zu ver— uins heute erst wieder in den Kanon hineinzufühlen, in
folgen. Der Bundesführer unterstreicht und ergänzt die eine Melodie, in seinen Text. in seine Beziehungen, der
Ausführungen des Bundesschriftführers. Er bittet vor allem Melodiezüge untereinander. Der Kanon ist die strengste
noch einmal, bei Berichten aus den Vereinen nur das Form der Polyphonie, die natürlichste Einführung in die
Sachliche hervorzuheben, vor allem das viele Eigenlob zu Mehrstimmigkeit, in die Harmonik. Der Kanon ist Mittel
unterlassen. Wir hätten alle unsere Arbeit dort zu leisten, zur Gemeinschaftsmusik. Alle Singenden sind und werden
wo wir ständen, nach dem Satz Friedrichs des Großen: deim Kanonsingen beschäftigt, und zwar gleichberechtigt.
„Davor bin ich da“. Weiter bittet er darum, unsere freie Das Kanonsingen soll nun beim nächsten Bundestag in
willig übernommenen Verpflichtungen gewissenhaft und ge- den Mittelpunkt der künstlerischen Aufbauarbeit gestellt
nau auszuführen, der Sänger an seinem Platz, genau so verden. Bundesführer Dr. Bongard ergänzte und ver—
wie der Führer an dem seinen. Der Bundesführer gibt iefte die Anregungen des Bundeschormeisters. Er stellte
weiterhin die Anregung, keine neuen Vereinsfahnen zu est, daß wir seit langer Zeit keine echte Volksmusik mehr
erwerben, da der Deutsche Sängerbund in kurzer Zeit saben, daß aber im Volke nach wie vor musikalische Schwin—
einen Grundentwurf für den ganzen Bund herausbringen zjungen vorhanden sind. Daraus ergibt sich für unsere
und damit zur Vereinheitlichung der Vereinsfahnen beitra- Komponisten die Aufgabe, neue Musik zu schaffen, die zur
gen will. Volksmusik werden kann. Es wird angeregt, ein Lieder—
7. Bundesschatzmeister Düren gibt eine Ueber- dertbuch zu schaffen, das wertvolle Kanons und wertvolles
sicht über die Zahlung der Gau- und Bundesbeiträge, sowie instimmiges Liedgut sammelt, um es den Vereinen in die
Zeitungs⸗ und Tonsetzergebühren. Er bittet die Gauführer, dand zu geben. Die Chorleiter müssen heute es oft fest—
die Schatzmeister anzuweisen, möglichst bald die fehlenden tellen, daß vor allem junge Sänger nach der Probe aus
Beiträge einzuziehen. eigener Wahl ganz andere Lieder singen als die, welche
8. Bundesgeschäftsführer Rauchholz berichtet über die in den Chorstunden einstudiert wurden. Daraus ergibt sich
Schaffung des neuen Bundesabzeichens. Der Bundesführer die Aufgabe für die Chorleiter, diesem Streben nachzu—
schlägt vor, eine Eingabe an den Deutschen Sängerbund Jehen und ihm gerecht zu werden. Wir Sänger haben die
zu machen, daß auch hier Richtlinien herausgegeben werden. Loße Aufgabe, das deutsche Gemüt zu pflegen, durch unser
Dem Antrag an den Deutschen Sängerbund ist eine be- Singen die Seele zu öffnen. Wir haben den unechten, un—
— Zeit zu geben. Für den Augenblick soll kein neues vahren, seichten, sentimentalen, Liedern unerbittlich den
Abzeichen für unsern Bund geschaffen werden. Kampf anzusagen. Wir führen ihn konsequent durch. Neben
9. Bundeschormeister Bec berichtet üher die statte dem Neuen pflegen wir selbstverständlich das gute Alte,
gefundenen Wertungssingen der Gruppe 8. Er stellt mit denn wahre und gute Tradition ist auch uns etwas Heiliges
Freuden fest, daß einheitlich gute Literatur geboten wurde. Z3u diesem guten Alten gehört vor allen Dingen das Lied—
Was uns aber noch fehlt, ist Sprachkultur. Dankbar wird haffen von Friedrich Silcher. Wir wollen aber dabei nicht
allseitig anerkannt, dast auf Grund unserer Wertungssingen tehen bleiben, sondern auch dem, Neuen ein Wegbereiter
das Gesamtniveau unserer Vereine sich bedeutend dee ein. Wir wollen Verbindung schaffen zwischen dem Sänger
hoben hat. und, der Kunst. Das ist nur möglich durch die Pflege wahrer
10. Verschiedenes. a) Der Bundeschormeister bittet die Bolkskunst, wahrer Volksmusik, dien Beziehung hat zur
Vereine, die Chöre, die zum Bundesfest geübt werden, auch geistigen, Gestaltung und seelischen Beschaffenheit des sin
für die eigene weitere Vereinsarbeit nutzbar zu machen. genden Volkes. Hier liegen die eigentlichen, die Erszieher
p) Es wird das Thema: Wie gewinnen wir die Jugend? aufgaben des Chorleiters.
angeschnitten. Dieses Thema wurde ausführlich in der 2. Der Bundeschormeister wiederholte noch einmal seine
Sitzung des Musikausschusses besprochen. c), Bei unserm In der Vorstandssitzung gemachten Ausführungen über die
Berhältnis zu anderen Chorvereinigungen müssen wir ver- musikalische Umrahmung des Bundestages und des Bundes—
suchen, durch Vernunftgründe ruhig und klar auf das Zu— festes und gab musikalische Anregungen. Sodann berichtete
sammenarbeiten und Zusammenschließen hinzuarbeiten. Wir eꝛr über Dirigentenkurse und Chorleiter—
wollen durch unsere Arbeit werben. d) Der Bundes- schule. Er hob hervor, welchen Wert und welche Aufgabe
führer teilt mit. daß der Deutsche Sängerbund den Vor- deide Einrichtungen für den, Chorleiter unmittelbar und
schlag macht, das Wort „Führer“ nur einem „Ginzigen“ veiterhin für die Vereine haben. Auch hier konnte bisher
zukommen zu lassen. Bei allen anderen ist hinzuzusetzen: ruchtbare Arbeit geleistet werden. Für die neuen Gaue
Gauführer, Kreisführer, Vereinsführer usw. Im Ausklang ist eine Chorleiterschule für die Zeit um Ostern 1934
der Sitzung erinnert Dr. Bongard noch einmal an die gro⸗— zeplant.
ßen Leitgedanken unserer weiteren Arbeit: Volkssingen, 3. Der Musikausschuß befaßte sich sodann mit der Frage
Pflege des Volksliedes, Volksmusik, Gemeinschaftsgedanke! der Wertungssingen. Der Bundeschormeister stellt
e) Die nächste Sitzung findet am 10. und 11. März 1934 erneut fest, welchen Wert für uns die Wertungssingen
statt. hatten und haben. Da wir eine lebendige, arbeitende
gez. Dr. Bongard, gez. Stein, Organisation find, unterliegt es keinem Zweifel, daß auch
Bundesvorsitzender. 1. Bundesschriftführer. auf diesem Gebiet alles im Fluß bleiben muß, daß auch
gez. Greber, hier etwas, was sich nicht bewährt hat, ersetzt werden muß
2. Bundesschriftführer durch Neues. Die Aussprache drehte sich vor allem um
die Abschaffung oder Beibehaltung der Zensierung. Der
Deutscher Sängerbund Bau XIVV Nahe-Mosel⸗Saar Firnn a J neede r
a) Da ertaingssingen so ie Arbeit eines jeden Chors
Musikausschußsitzung am 10. Dezember 1933 in Trier. — — ungeuine eigenen Kraft nicht gemeffen
Bundeschormeister Musikdirektor Beck eröffnet und leitet ĩn dem Können des anderen. b) Der Wertungssachver—
die Sitzung. An dieser Sihzung nahmen der gesamte Gau- ktändige darf nicht — wie ein Preisrichter — eine ein
vorstand und sämtliche Gauführer teil. nalige Leistung zensieren wollen, sondern aus den vor⸗
1. Der Bundeschormeister spricht über das Thema „Der getragenen Chören Rückschlüsse auf die Gesamtarbeit tun,
Kanon als wertvorles mufikalisches Aus- also feststellen, ob hier unter den gegebenen Verhältnissen
drucksmittel im Dienste des Gemeinschafts- und mit den vorhandenen Mitteln das Höchste erreicht ist
gedankens“. Eingangs dieses Vortrags stellt er die dessen diefser Verein fähig ist. c) So ist der Wertungssach⸗
Frage: Haben wir die Lüeratur, die dem Gebiete der Zeit derständige Erzieher, Lehrer, Bildner, nicht Richter. d) Der
entspricht und der Bewegung, in der wir leben? Wie Wertungssachverständige soll den Verein zum Bundes—
bringen wir die Jugend. in der das Neue so stark pulsiert, ingen einladen, der ihm am geeignetsten, strebsamsten er—
an uüns heran. Wir müssen die Jugend für unsere Sache cheint, nicht den objektiv besten also möglichenfalls jedes
begeistern. Aber bisher war es fo daß der Männerchor Jahr den gleichen, der mal Spitzenverein ist. 9). Das
hinter der Musikentwicklung zurückgeblieben ist. Die Jugend- Bundessingen soll erlesene Chorliteratur vor allen Sängern
bewegung hat uns in ihrer Literatur neue Wege gezeigt. zum, Erklingen bringen höchstmöglichster Vollendung. M Wir
Sie gibt uns frisches Blut, neuen Antrieb und neue An- nüssen Wertungssachverständige berufen, die zu diefem
regung. Wir waren einseitig geworden; durch die Jugend Erzieheramt befähigt sind. Der Wertungssachverständige
kommen wir wieder in die Familien. Durch das Singen nuß sein Urteil bilden aus der Gesomtsichau und nicht aus
in den Zamilion worden wirß wieder oin sfihbdgendes MNaolsf dor EFinzelschau

zuhchhhhh Seite 19
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.