Full text : 14.1934/35 (0014)

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des GBaues XIV des D.sS.s. & Nahe-Mosel —„saar.
Nund ooo Vereine mit oo ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des GBaues
von Hanus Bongardeu. Walther Stein. — Druck und Verlag der Buch und Kunstoöruckerei Gebr. Hofer AG.
Saarbrücken u. Völklingen, Tel. Saarbr. 226015. Volklingen 13. — Bezugasnreis füs Mitalieder 10 Ryf., für Nichtmitglieder 28 Npf.
Ur. 12 14. Jahrgang

Armin

Rnab.r

Er waltet der Töne wie der Priester am Altare
geheiligter, in Jahrtausenden wurzelnder Zere—
monien. Luthers Wort auf einen Zeitgenossen können
wir auf Armin Knab
anwenden, daß er mit
den Tönen macht, was
er will, indessen die
andern tun müssen, was
die Töne wollen: so
eigenartig ist seine melo—
dische Linie, so groß seine
Spannung von Atem und
Intervall, so gezügelt sein
rhythmisches Leben, das
über das einengende Me—
trum hinweg eins wird
mit seinem melodischen
Prinzip. Wir empfinden
seine Musik nicht wie
längst gedroschenes Korn
und sie stößt uns nicht
ab als brutaler Neue—
rungswille. Wir leben in
ihr wie in der Luft, die
ewig neu wie vor Ur—
zeiten über unserer Väter
Erde weht. So ist Altes
und Neues in seinem
„Ton“ nicht vereint, son—⸗
dern eins und daher
von der gleichbleibenden
Gültigkeit wohlgeformter
Rhythmen der Jahreszei—
ten — sofern menschlichem
Werk solche Dauer über—
jaupt eigen sein kann.
Dies zumal in jenen
seiner Werke, die aus der
bäuerlich gepflegten
Scholle und der greif, Armin Knab.
baren Frucht dieses Bodens emporwuchsen in den
mythischen Geist christlich-germanischer Volksseele. Da
bindet er zur engen, steilen Garbe das Werk der
Sprache und des Tons, die Ehrfurcht vor irdischer

Speise und die Denkbarkeit für himmlisches Brot, Geist
und Form. So steht in seinem „Tischgebet“ (Lobeda—
Singebuch 2) abseits aller blutleeren Symbolik die dyna—
mischen Wellen gleiche
Melodie als Ausdruck un—
seres irdischen Willens
und das reine Intervall
als mystische Verkörperung
unserer transzendentalen
Vorstellung. Dieses
Halten zweier Begriffe
(des irdischen und des
überirdischen) in einer
Schale entspricht voll und
ganz den Stehr'schen Wor—
ten. Wie hier verfährt
Knab mit allen dichte—
rischen Werken, die zu
tomponieren er unter—
nimmt. Er bleibt nicht am
äußeren Wort und mög—
lichen engen Wortsinn haf⸗
ten, gibt auch kein poe—
tisches Stimmungsbild an
———
die geistige Mitte des
Dichters und schafft von
hier aus gleichsam in
Personalunion mit ihm.
Die Zeilen des großen
Schlesiers (sie könnten
vom Leser hier auch auf
die Knabsche Kunst be—
zogen werden) sollen das
kräftig beleuchten:
„Möge mich auch diese Speise
siärken auf der Lebensteile.
mög sie werden gutes Sinnen,
wahres Reden, und Beginnen,
Kraft im Glücke, und im Schmerz,
wache Seele. frohes Hera,
daß ich alle meine Zeit
lebe in der Ewigkeit. — Amen.“
Dieser Werkgattung ist auch Knabs kräftiger Kreis
„Die Bauern“ des markigen und sehr innerlichen
Richard Billinger und Guido Gezelles „Wer kann da
Korn anschaun“ (Zeittfranz) hinzuzurechnen. Zumal
            
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