Full text : 14.1934/35 (0014)

nll Saar⸗Sänger-Bund UfJitetnnn *uppuhhi“ Nr.
Aus der Musikwelt.

Franz Mädings letzte Fahrt. Wie ein Blitz aus heiterem
Himmel traf den Gauvorstand die erschütternde Nachricht, daß
der in allen Sängerkreisen
bestens/ bekannte Verlags—
direktor Franz Mädingç
unerwartet am 24. Februar
gestorben ist, nachdem er
noch wenige Tage vorher
voll frischen, frohen Lebens—
mutes in Saarbrücken im
Kreise der Vorstandsmitglie—
der geweilt hatte, die ihm
nun in Heidelberg auf seiner
letzten Fahrt das Geleit
geben mußten. Als junger
Kaufmann erst in Leipzig,
dann in Prag tätig, führte
ihn sein Weg am 1. April
1906 nach Heidelberg,
wo ihm in dem Hause de—
aufstrebenden Musikverlages
Karl Hochstein treffliche
— Gelegenheit ward, seine starke
und vielseitige Begabung aufs reichste auszuwirken. Als
Schriftleiter der von ihm gegründeten, sehr angesehenen
„Süddeutschen Sängerzeitung“ als Musikkritiker in Fach—
und Tageszeitungen, als Dichter oft vertonter Lieder,
Balladen und Singspiele und als Schöpfer einer Reihe
von Theaterstücken machte sich Franz Mäding einen überall
geachteten Namen. Mit feinem Verständnis und starken
Energien begleitete und förderte er das Chorschaffen der
jungen Komponistengeneration. Unvergessen soll es ihm
im Saarsängergau bleiben, wie lebendig und taten—
froh er an dessen künstlerischer Aufwärtsentwicklung all—
zeit Anteil genommen hat, als glühender Patriot stets
bereit, im Kampf für das Deutschtum sich mit seiner ganzen
Person einzusetzen. Er wird in unser aller Gedächtnis aber
auch als Freund weiterleben mit seinem feinen Menschen—
tum! W. St.
Deutsches Lied in Amerika
Aus Anlaß der Wiederkehr des 250. Gedenktages der
ersten deutschen Auswanderer nach Nordamerika schrieb
F. C. Badendieck in dem amtlichen Blatt des Deutschen
Sängerbundes, der Deutschen Sängerbundeszeitung, einen
Artikel, in dem er u. a. Ausführungen machte über die
Bedeutung der Liedpflege fsür die Erhaltung des Deutsch—
tums: „Politisch hat sich das Deutschtum in den Ver—
einigten Staaten bis heute nicht durchzusetzen verstanden,
obwohl immer wieder und bis in die letzte Zeit hoff—
nungsvolle Ansätze sich zeigten. Das Schwergewicht deutschen
Lebens liegt im Vereinsleben, im deutschen Lied und be—
onders im deutschen Turnen. Das deutsche Lied ist schon
n religiöser Form mit den Einwanderern ins Land ge—
kommen. Der erste weltliche Gesangverein, der heute noch
besteht, der Männerchor von Philadelphia, wuürde 183—
begründet. Das erste deutsche Sängerfest fand 1849 in
Cincinnati statt. Später wurden Bundessängerfeste ver—
anstaltet und am Goldjubiläum des Nordöstlichen Sänger—
bundes nahmen in Brooklyn im Jahre 1900 147 Vereine
mit mehr als 6000 Sängern teil, um den Preis des
deutschen Kaisers zu gewinnen. 1915 wurde dieses Wett⸗
singen um den Kaiserpreis wiederholt. Auf dem letzten
Deutschen Sängerbundesfest in Franksurt a. M. waren
die Amerikaner zahlreich und begeistert vertreten. Der be—
deutsame Anteil deutschen Blutes und deutscher Leistung
am Aufbau der Vereinigten Staaten ist leider im Amerika—
Deutschtum selbst viel zu wenig bekannt. Hier liegt eine
Aufgabe, deren Ziel die Stärkung deutschen Selbstbewußt-⸗
seins und damit die Erhaltung und Förderung eines be—
sonders wichtigen Teiles des Auslanddeutschtums ist. Hieran
hat nicht nur das deutsche Volk, sondern auch das große
nordamerikanische Staatswesen selbst ein Interesse, dem sich
die Deutsch-Amerikaner als besonders treue Bürger ver—
bunden fühlen.
Eine Konzertouvertüre „Lützow“ von Lothar Windsperger
gelangt demnächst durch den Frankfurter Sender unter
Hans Roshaud zur Ursendund.

Der Frauz-Liszt-Bund hat beschlossen, in Weimar, wo
er seinen Sitz hat, jedes Jahr ein Musikfest abzuhalten,
dessen Programm im Geiste Franz Liszts in der Haupt—
sache aus Werken lebender Küuünstler bestehen soll.
Die süddeutsche Uraufführung der Oper „Madame Lise—
lotte“ von Ottmar Gerster findet am 26. Dezember am
Badischen Staatstheater in Karlsruhe statt, die Erstauf—
ührung im Opernhaus in Chemnitz am 13. Januar.
Strawinstys Ballett „Der Feuervogel“ wurde vom Stadt
cheater in Zürich erworben.
Am 2. September feierte der bekannte Pianist und Päd—
agoge, Professor Willy Rehberg, Mannheim, seinen 70
Geburtstag.
Das neue Violin-Konzert H-Moll von Richard Wetz
pielte im Rahmen der Stunde der Nation der Violin—
Virtuose Hugo Kolberg in einer Darbietung des Ostmarken—
Rundfunks. Prof. Reitz spielte es in Görlitz, Weimar und
Aachen. Eine Aufführung in Berlin steht bevor.
Leudvai's „Psalm der Befreinng“ wurde am Volkstrauer—
ag in Königsberg aufgeführt und durch den Ostmarken—
Rundfunk übertragen. Das Werk ist für verschiedene, in
diesem Jahre bevorstehende Sängerfeste zur Aufführung
vorgesehen.
Graener's neues Chorwerk „Marien-Kantate“ hatte bei
der Aufführung des Danziger Lehrer-Gesang-Vereins, die
durch den Ostmarken-Rundfunk übertragen wurde, sensa—
lionellen Erfolg. Zahlreiche weitere Aufführungen stehen
devor, u. a. auf dem im Juni stattfindenden Schlesischen
Musikfest in Görlitz.
Dr. Fritz Busch dirigiert im März 6 Konzerte in Ver—
retung des erkrankten Willem Mengelberg mit dem
Concertgebouw-Orchester in Amsterdam und anderen
)olländischen Städten und wird im Mai in England die
Fröffnungs-Aufführungen eines von dem englischen Kunst—
mäzen Mr. Christie errichteten neuen Festspielhauses auf
dessen Besitzung in Glyndebourne, Sussex, leiten.
Im April-Konzert bringt Generalmusikdirektor Hugo
Balzer in Düsseldorf einen Chorhuymnus für Männer⸗
timmen und Orchester von Erich Held, Düsseldorf, zur
draufführung. Die Worte stammen von dem bergischen
Dichter Ullenberg. Ein Chor von 400 Stimmen wird das
Werk aus der Taufe heben

Unsere musikpädagogisch interessierte Sängerschaft möchten
vir auf zwei grundlegende Werke empfehlend aufmerksam
machen, die im Verlage der Dürr'schen Buchhandlung in
deipzig erschienen sind. Das erste Das Kind und die
Schule, Ausdruck, Entwicklung, Bildung, gibt zuerst in
Aufsätzen von Spranger, Stumpf, Brahn, Meumann und
deuchler die allgemeinen Grundlagen: Hauptströmungen der
Bädagogik bis zur Gegenwart, Kinderpsychologie, Sprache,
3prachunterricht, Singen und Gesangunterricht. In den
olgenden Kapiteln sprechen sich wiederum erste Fachautoren
rus über Zeichnen, Schreiben, Lesen, Lernen, Sprechen,
Zingen, Musik. Es folgt: Kinder, Lehrer und Schule in
dunst und Karikatur. Den Beschluß bilden Schulgeschichte,
Statistik und päd. Fachpresse, sowie Ausblick und Wünsche.
Das zweite Werk Sprechen Singen Musik, Grund—
und Zeitfragen aus der Stimmkunde, der Musiktheorie und
der musikalischen Jugend- und Volkserziehung läßt eben—
'alls erste Fachwissenschaftler und Fachpraktiker in be—
onderen Aufsätzen zu Worte kommen über Stimmforschung
and Stimmbildung, Rhythmische Erziehung, Theorie, Musi⸗
kalische Jugend- und Volkserziehung und Geschichte der
Methodik des Gesangunterrichts. Beide Werke sind sehr
instruktiv, dabei fesselnd geschrieben, reichlich veranschau—
sicht und sie umschreiben den ganzen Umfang aller ein—
schlägigen Probleme. In diesem Iwamenans nennen
wir aus dem gleichen Verlage: Die Musik in der
künftigen Lehrerbildung von Richard Wicke. Die
Erkenntnis von der hohen Bedeutung des Lehrers als
Chorleiter und musikalischer Volkserzieher läßt uns auch
die Ausführungen dieser kleinen Schrift mit starkem
Interesse verfolden
            
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