Full text : 14.1934/35 (0014)

Seite 228 II. sPlISaar⸗Saänger⸗Bund Nr. 11
Aufgabe unserer Gesangvereine! Auf dem Wege über die Stimmen, einige davon unbegleitet, andere nur mit Be—
Thorrereinigungen“, so brachte Präsidialrat Ihlert von der zleitung des Klaviers (Continuo), eine ganze Reihe aber
Reichsmusikkammer in seiner Schlußrede im Hamburger nmit obligaten Instrumenten, die in der Begleitung oder
Rathaus zum Ausdruck, „in welchen sich musikliebende uuch in Vor⸗ Zwischen- und Nachspielen in Taͤtigkeit treten.
Menschen freiwillig zusammenschließen, um in dem Volks— die Inhaltsüber sicht führt folgende Werke auf: Caspar
lied die Musik zu pflegen, sehen wir die beste Möglichkeit, dittel (4638): a) Ein jeglich Ding; P. Ohimè Amor;0)
das Musikempfinden des ganzen Volkes in die Bahnen zu Wahr ist es und nachzusagen; 9) Die Sonn hat sich
lenken, wieder Freude an dem Konzertleben zu haben, nur ertrochen. Heinrich Albert saus der Kürbishütte, 1649:
um der Musik willen. Das Konzert soll Musikerleben des 3) Nun ich jung noch bin; b) Wenn der rauhe Herbst nun
ganzen Volkes sein und nicht nur gesellschaftliches Ereignis mpt; c) Sieh mich an und denke dran. J. Marfin Rubert
einzelner Kreise. 1647): Corvdon als bäurischer Liebhaber, „Nun so will
Walter Abendroth bringt, im Verlage Albert Langen- He hegen Fepzdoh. Weichmann (648): a9. Tugend ist
44 * der beste Freund; bp) Wer da will ...; 6) Abendlied.
GBeorg Müller, München, soeben die erste authentische Dar— Sbaftitee Knapffe ———.
17 ——— “ eb fer (1663): a) Ade, du Tausend-Schatz;
eeihehihtit qon doppelseitigen Faheln und 5 ganze eutre ze y nile ß teedirze
eitigen Abbildungen im Tert umjassen. „Was acht ich deine Gunft?“ Tarq. Merula (1629. 3)
Die Zeitschrift für Musik bringt in ihrer Januar-Nummer Cominatiso hie haec hoc; P) Nominativo quis vel qui.
eine kritische Würdigung von Bruuo Stürmer Op. 76 Ein dan. Friderici (1632: Zum Gefundheit-Drincken. G. Cat
Bolk ruft, Kantate fuͤr vierstimmigen Männérchor à cappella, äffimi? Bart-Scherz. Joh. Theile: Unser Matz hat einen
Text nach Worten von Waliher Stein, Part. 8,20 RM. xroßen langen Vart. NG. Tärifsimi— ) Testament Leinc«
P. Jt Tonger, Köln. Sie lautet: Diese Kantate, auf Ver- Ffels., Rusticus cum mortuun; b) Requicin jococum,
anlassung des Saar-Sänger-Bundes vor dem Jahre der Quande mon mari“, c) Drei Schmied bei einem Ambos
Abstimmung gedichtet und komponiert, ist ein einziges ein- uünden. fErasmus Kindermann?“ (1655; NRurndergisches
Rudspolles Gebet um die Gesundung und, Befreiung duodlibet? „Hört zu, laßt daufen“. Joh. Cajp. Horn (178670
Deutschlands Ein Unisono-Aufgesang beginntekk und ein⸗ die fünf Mägden Heéran, herau du Gäanseschar“ Joh. Welch.
dringlich. Dann shließen sich drei Hauptteile: Einigkeit, Fletle (1675): „Frisch auf, ihr Muficanten“. Joh Meich
Recht,Freiheit. Tert sehr schön, die Musik ebenbürtig. Fletle (1689: eens capitult g6intet prbden
Die 12 bis 16 Quartentakte im zweiten und dritten Teil, daniel Speer (1685): Mayen- und Gukgukslied „Hört,
in ihrer Primitivität Dokumente einer überwundenen Zeit. vie der Bauren-Hänßle“. Joh. Melch. Caefsar (1688): Das
einträchtigen den Wert e8.Werkes nicht wesentlich. Un;? Sprichwort, Potztäufend. Valentin Kathgeber (15339: dDie
überwindliche technische Schwierigkeiten bietet, das Werk Zettelzech. Ioh Caspar Seyffert 17 6 ινιαααιN
nicht und kann als zeitgemäß warm, empfohlen werden. Feid der Wein' vas Frauen unmer“ Joh. Gregor
Prof. Jos. Achtélik. Verner (um 1750: Der Wienerische Tandelmarkt. Fraͤnz
Corydon von Hans Joachim Moser, Henry Litolfs Ver- dosj. Aumann (um 1770: 3) Das Gevatterbitten; b Das
ag, Braunschweig. In einer Zeit, die mit Recht die Ge- dohenauer Schiffsgeschrei. Franz Xavver Brixi (um 1779):
angvereine in Stadt, und Laänd aufruft, sich durch die Schlußterzett aus der Schulkomödie „Schulmeisterius“. W.
Betonung des Gemeinschaftsgesangs in den Dienst des A. Mozart (7): a) Pater Peter Pomp; b) Sprüchwörtersinfonie.
oölkischen Wiedergufbaus zu stellen, gewinnt ein Standard— Den Generalbaß setzte kein Geringerer als Max Seiffert
werk deutscher Musikwissenschaft doppelt an Bedeutung, zus, so daß die Lieder unmittelbat zur Benutzung griff—
namentlich Auch an Frattischer Bedeutung, das Hans Zereit find. Dieses übergus reivolle Mussgerant dedeute
Joachim Moser, der Direktor der Staatlichen Akademie die stärkfte Anregung für die Wiedererweckung der deut—
ür Kirchen⸗ und Schulmusik in Berlin, unter dem Titel chen“ Hausmusik;“es sammelt die hauslihen Sänger ums
Corydon kürzlich herausgebracht hat. In einem Tertband Zglavier herum —eine lebendige Vorgeschichte in Tönen
und einer Werksammlung bietet der zu diesem Werk wahr⸗ u Schumanns „Spanischem iederspieteund Brahms „Lie—
haft berufene Verfasser eine Geschichte des mehrstimmigen deslieberwalzern“ Besdueßen wit unsern warm emp—
diedes und Quodlibets im Zeitalter des Barock dar und ehlenden Hinweis nit der Harakteristischen Probe; Corydon
V wie Serenastaie e ed e itane als bäurischer Liebhaber (J. Martin Rubert 16479
eben des 17. un .Jahrhunderts erfü aben, un m15
wie die ersten, Meister diefem gesfelischaftüchen Vedürfnis ⏑
nach edler Gebrauchsmusik für die Familie und den ge— Weil er liebet schlecht und recht * ein Bauernenecht
— 9 u wrn 4
Bemütstiefe begegnet sind. Seine gelehrten Forschungen Wenn die Morgenrsth anbricht, mag er seine gFillis sehen,
— Darf sich auch befürchten nicht, daß auf ihn die Leute schmahen
berschollene Schätze, die in irgend einer Auslandsbüchereit Kömpt er gleich zu spater Nacht, wird er gleich für gut geacht.
yvergraben waren und nun durch Hans Joachim Mosers taum hergegen dürfen wir einmahl unsere Stadtjungfrauen,
„Ausgrabung“ zu herrlicher Urständ erwacht sind: ernste Wenn sie stehen für der Thür nur mit halben Augen schauen,
* ehe ende in einee 8 Sehen wir sie freundlich an, merkt es bald ein jedermann.
phonie Rundgesänge, Kanons, zu gleichen Stimmen, für Kömpt der Bauer Corydon zu der Fillis hingetreten
Bemischten Chor, für die tieferen Lagen von Männer⸗ Und nicht eben gleich fo schön, wie man pfleget in den Städten,
stimmen, a apella und mit Begleitung einzelner In— Ist das Haar nicht ausgestralt, er der Fillis doch gefällt.
strumente, ewissermaßen ein id a masitaisher Nicht zieht Corydon auch lang an den Hut mit bielen Bücken,
——— —— Schus geruden Laß vin⸗ Stehet wie ein Soppenstang und macht nicht viel krummes Knicken,
Im ersten Band wird ein ungeahnter organischer Ent— Dennoch liebet Fillis ihn. daß er sey nach ihrem Sinn.
wicklungsstrom in der ohnehin so fesselnden Liedgeschichte Corydon mag, weunn er will, Fillis in die Arme nehmen,
des deutschen Barock neu aufgedeckt“ Drei Hauptkapitel Ja, er mag sie in der Still baurisch küssen ohne scheuen,
behandeln folgende Hauptzüge der Entwicklung: Heinrich Hat noch aroßen Dank zu lohn und bleibt liebster Corydon.“
Schütz als Liedmeister und seine Schule — Das Gesellig—
keitslied von Melchior Frank bis zu Caspar Horn —
Die Augsburger Schule von J. Melch. Gletle bis zu Mozart.
Eine Einleitüng und ein Ausklang schließen den geschicht
lichen Rahmen. Zeittafel von 1609 bis 1770, ausfuͤhrliches
Sach- und Namenverzeichnis, mehrere ganzseitige und Text—
Illustrationen und 81 teilweise sehr ausführliche Noten—
beispiele vervollständigen den Inhalt des Bandes. Im
zweiten Band sind insgesamt 838 mehrstimmige Lieder,
Besänge und Quodlibets in originalgetreuͤen, jedoch für den
praktischen Gebrauch bearbeiteten Partituren vereinigt. 38
Werke von 20 Komponisten ergeben ein ungeheuer viel—
farbiges, überraschend neuartiges Bild der reichen Musik—
woche des Barock Es finden sich Gesänge zu 2 bis53

224
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.