Full text : 14.1934/35 (0014)

Nr. 11 * Mihl Saar⸗Säuger-Vund nuh Seite 227
Aus der Musikwelt.

Am 24. Januar wurde Emil Mattiesen, der bekannte
deutsch-baltische Liederkomponist, 60 Jahre alt. Der in
Dorpat Geborene ist von Haus aus Philosoph und Natur—
vissenschaftler. Als solcher unternahm er Reisen in Asien
und Amerika, arbeitete von 1904-1908 wissenschaftlich
in England, hernach in Berlin (1908-2 1915) und Rostock
19155 1922. Von 1922- 1925 bebte er bei München,
seitdem in Gehlsdorf bei Rostock. M. ist erst seit 1910 auf
Beranlafsung von Carl Muck und dem, Hugo⸗Wolf-Ken—
ner Professor Paul Müller als Liederkomponist hervor—
getreten. Die herbe, großartige Liedkunst dieses Norddeut—
schen hatte es in einer Zeit des Niedergangs des Liedes
nicht leicht, sich durchzusetzen. Erste Kuünstler wie Lula
Mysz⸗Gmeiner, Franziska Martienssen, Paul Lohmann,
Paul Bender u. a. traten jedoch mit Nachdruck für sie ein
und auch die übrige Fachwelt siellte sich geschlossen hinter
dieses eigenwüchsige Talent. So bekennt ein Mann wie
Paul Graener freimütig, daß die Lieder Mattiesens für
hn „zum Schönsten und Wertvollsten des deutschen Lied—
schafsens“ gehören. Heute ist M. zwar allgemein bekannt,
aber noch viel zu wenig gekannt, wenn man an die über
100 Gesänge denkt, die in der Edition Peters erschienen
und unter denen noch zahlreiche Schätze zu entdecken sind.
Heinrich Spittas Kantate „Deutsches Bekenntnis“ ge—
langte durch die Reichssender Hamburg, Köln, Königsberg,
Mumchen sowie wiederholt im Deutschlandsender zur Wie—
dergabe. Weitere Aufführungen dieses Werkes, dem die
hereits weitverbreitete Hymne „Heilig Vaterland“ ent⸗
stammt, werden u. a. aus Kreuznach, Düsseldorf, Lüben,
Stettin, Ulm und Tilsit gemeldet.
Im Verlauf der diesjährigen Händel-Festspiele in Göt—
ringen gelangte Händels selten aufgeführtes Pastoral „Aeis
ind Galatea“ unter der Leitung von Kapellmeister Fritz
enn mit großem Erfolg zu szenischetänzerischer Dar—
stellung.

Foseph Haydus Violoneello-Konzert in der ursprüng⸗
lchen Form. Das bisher nur in romantisierenden Umar—
zeitungen verbreitete Violoncellokonzert D-eDur von Haydn
hat nunmehr Kurt Soldan erstmals mit der originalen In⸗
trumentation veröffentlicht. Da die Haydnsche Besetzung
neben Streichorchester nur 2 Oboen und 2 Hörner vor—
sieht, tritt der kammermusikalische Charakter des Werkes
erst jetzt deutlich in Erscheinung.
Gerhard von Keußler, der z. Zt. bekanntlich als Diri—
gent in Melbourne (Australien) wirkt, wird daselbst sein
Dratorium „Zebaoth“ zur Erstaufführung bringen.
Karl Straube gab soeben Bachs „Acht kleine Präludien
und Fugen“ aus dem VIII. Band der Orgelwerke in einer
sorgfältig bezeichneten Ausgabe in der Edition Peters
heraus. In einer Vorbemerkung vertritt Straube die An—
icht, daß genanntes Werk zwar aus Bachs „Werkstatt“
tamme, nicht aber von Bach selbst herrühre.
Der Verlag Ernst Eulenburg hat zwei der erfolgreich—
sten Volksliedbearbeitungen der Nüruberger Sängerwoche
1934: ,Lippe Detmold“ für Männerchor von Ad. Prümers,
und „Maienluft“ für Frauenchor von Chr. Artl, sowie
für Männerchor eine weitere Volksliedbearbeitung von R.
Wickenhauser ‚Eine Tageweise“ und das Arbeitslied „Ehret
die Arbeit“ von Ed. Haänsen in einem Partituren-Katalog,
der den Dirigenten auf Verlangen zur Verfügung steht,
herausgebracht. Auch von dem „Matrosenlied“ von Rudolf
Pehm, das einen äußergewöhnlichen Publikumserfolg bei
der Erstaufführung durch den Währinger Männergesang—
berein erzielte, sind Propaganda-Partituren erhältlich.“
Eine beispiellos erfolgreiche Uraufführung fand das
reue Oratorium „Das Lebensbuch Gottes“ von Joseph
Haas am 6. November in Essen durch den Städt. Musik⸗
berein unter Johannes Schüler. Die Aufnahme seitens
des Publikums war in höchstem Grade begeistert.
Das neue Bratschenkonzert mit Kammerorchester von
Wolfgang Fortner wird von Georg Jochum am 30. No—
bember im Frankfurter Museumskonzert mit Kurt Forst
AIs Snölift aus der Taufe gehoHhen Von FSortner dgesonden

erner das Konzert für Streichorchester demnächst in Zü⸗—
ich zur schweizerischen Uraufführung, eine weitere schwei—
erische Aufführung veranstaltet das Kammerorchester unter
deitung von Ernst Klug, St. Gallen. Eine Kompositions—
tunde mit dem gleichen Werk und der „EweelinckSuite“
ür Kammerorchester im Reichssender Berlin fand kürzlich
ie besondere Beachtung der Presse.
Von Ludwig Weber, der den Gedanken der Chorgemein—
chaft in praktischer Form zum ersten Male verwirklicht
sat, wurden die 4. Chorgemeinschaft „Dem Trutze und der
Zuversicht“ und die 5. „Der Vergänglichkeit“ am 25. No—
jember durch die Städtischen Theater- und Konzertver—
instaltungen in Mülheim (Ruhr) mit großem Erfolg zur
lraufführung gebracht. Die früheren Chorgemeinschaften
anden bis jetzt Aufführungen in: Bochum, Muͤnster, Krefeld
ind anderen Orten; auch die Staatl. Akademie für Musitk
n Berlin bereitet eine Aufführung vor.
Hermann Reutter's Oratorium „Der große Kalender“
jelangte durch den Lehrergesangverein in Mannheim unter
heneralmusikdirektor Philsipp Wüst am 23. November mit
großem Erfolg zur Aufführung. Weitere Aufführungen
dehen in dieser Saison bevor in: Breslau, Koblenz, Wien,
Neheim, Arnsberg usw.
Der Bachverein Barmen unter Gottfried Grote brachte
Ernst Pepping's „90. Psalm“ für sechsstimmigen Chor
1 cappeélla in Wuppertal zur Uraufführung. Das bedeut—
ame Werk hinterließ einen tiefen Eindruck. Auch eine
Viederholung in Duͤsseldorf hatte den gleichen Erfolg;
veitere Aufführungen beabsichtigt der Bachverein Barmen
n Köln, Düren und Mülheim.
Die erfolgreiche Uraufführung der vaterländischen Kan—
ate „Aus Nacht zum Licht“ von Franciscus Nagler fand
ürzlich in Zella⸗-Mehlis statt. Das Werk wurde ferner
rufgeführt in Leisnig (unter Leitung des Komponisten)
ind Lengefeld (Erzg.) Weitere Aufführungen stehen bevor
n Bremerhaven, Detmold, Döbeln, Hainichen, Hartha,
Delsnitz, Plauen i. V., Pr. Holland, Roßwein und Wald—
eim.
Im HerbstKonzert des Leipziger Schubertbundes gelang—
en zum Vortrag die beiden Volkslieder-Phantasien für
Männerchor mit Klavier⸗é und Instrumental-Begleitung:
„Waldvogel als Bote“ und „Der Müller“ von R. Wicken⸗
zauser. Der Müller“ mußte auf stürmisches Verlangen
viederholt werden.

Für Feiern anläßlich der Rückgliederung des Saargebietes
und des Tages der Deutschen Arbeit erhalten Chormeister
kostenlos den nenen Partiturenkatalog

Riehare Trunsite

Inhalt:
Op. 64. „Du, mein Deuts ehlandis für Mannerchor
Nr. 1. Klage
Nr. 2. Deutschland
Nr. 3. Glaube
Op. 66. „LlIeder der Arbeĩtes für Mannerchor
Nr. I. Lied der Werkgemeinschaft
Nr. 2. Deutsches Arbeitslied
Nr. 3. Heilige Mahd
Nr. 4. Bruder, deine Hand!
Nr 5. Der deutschen Arbeit Feiertag
Ebenso stehen mein Partiturenkatalog Nr. 8 (Umfang 80 8.)
sostenlos, Sowie Ansichtssendungen vaterländischer Chöre
u. a. von H. K. Schmid. R. Trunk, E. Wendel, H. Zöllner usw.
gern zu Diensten. 226

Leuckarts Sortiment (Martin Sander)
Leẽipzig C.l. EgSelstraße 8

F
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.