Full text : 14.1934/35 (0014)

Nr 11 Il- alttth Saar⸗Sänger-Vund II Ausll Seite 225
tarken Stimmung Schumannscher Chöre. Vorwärts bringt ab, durfte bei einem Männerchor, die technische Schwierig—
er die Entwicklung der Gattung aber vor allem durch eine eit hinsichtlich der Ausführbarkeit niemais, auzu größ
d e aneder — en Anwendung einer an wenn der Komponist damit rechnen wollte, dvaß sein
modulatorij ornehmeren Harmonik. Lhor nur einigermaßen oft aufgeführt wird. Den Forde—
Ehe wir uns mit Mendelssohn beschäftigen, wollen wir ungen nach leichter Niht anehn einerfeits öνι
noch einen Blick zurückmachen und zusammenfassen, in zewissen Eingänglichkeit und unterhaltenden Voltstümlich—
velcher Art die einzelnen schon genannten Meister stilisti— eit anderseits haben nun die Werke jener Wieister, die
schen Anteil an der Entwicklung des Männerchores als n den letzten 7 Jahrzehnten auch auf anderen Musik—
unstform genommen haben. J ebieten, etwa der Sinsonie, der Oper oder der Kammer—
Haydn und Zelter können uns gewissermaßen als die nusik hervorragten, zumeist nicht in genügendem Maße
Schöpfer der Keimzellen des Männerchores gelten. Silcher intsprochen. Die Folge davon war, daß sich eine fast in
zefruchtet die Gattüng von seiten des Volksliedes her, schuf ich geschlossene Gruppe von Komponisten bildete, die vor
die Grundlagen des volksliedhaft-volkstümlichen Männer— illem die Männerchorkomposition kultivierte, daß die Gat—
hores. Kreutzer trägt durch die bewußte Auswertung des ung des Männerchorkomponisten ins Leben trat. Unter
Stimmungsmäßigen ein neues Stilelement in die Gattung. en eigentlichen Männerchorkomponisten der letzten 7 Jahr—
ste vhnte nden uee un ente Daniter von Aenereme
Jei ren di ndlag i eite ickl un tang, wie au ilettanten, die unter dem De tel de
eeeedeas Chores. Schubert ist das — tett und Volkstümlichkeit dem anaeet
unter allen Rhythmus, Harmonie, Melodik, Kontrapunktik zublikumsmassen nur allzu sehr entgegengekommen sind.
wirken bei ihm in verfeinerter Weise lange vor jener Zeit, Nach diesem ganz allgemeinen Ausblicke auf die Ent—
wo die Gattung eern so weit entwickelt ist, zue vicklung des Mäaͤnnerchores als Kunstgattung, kehren wir
sammen. Wirklichen Einfluß auf die Entwicklung der Gate jzun zu unserem eigentlichen Ausgangspunkte, zur Zeit nach
tung — gewinnt7 — — Nendelssohn und Schumann zuruͤck.
frühen Tode. Schumann beeinflußt den Stil dur er⸗ 3836—c6aff *
e e ee Lilut denn Sut dc de te e aeee r
abgelauschte ythmik. *. e te, r —
Nun noch von Mendelssohn. Sein Chorschaffen ist durch neg eedat We ahiste lun
die Lehren seines Meisters Zelter gewiß beeinflußt. Trotz V„5 Jahrzehnte Harakteristisch, Daß sie au
dhe uiseheveueter den hom bphonen Satndie hac »em Männerchorgebiete hinsichtlich Form und Stil irgend—
tunst hevorzugt er de h Sa68 vie Neues nicht brachten, trotzdem die Männerchorproduttion
nonisch begleitete Oberftimme. Obwohl er keine wesentlich
neuen Stilelemente durch seine Chöre der Gattung zu— 5 dieser Zeit eine ungeheure gengnnt erden kann.
uhrt ist er doch ein Eigener. Auch in seinem sonstigen 73 istisch ist erwiesen daß in den Zahren 1863 6bi8 188353.
tonkünstlerischen Schaffen ist ja das gleiche zu bemerken. so in zwanzig Jahren, nicht weniger als 20 000 Männer-Seine
 eicht füßliche Melodik und Haärmonik ist zu vor— höre im Druck erschienen sind. Wieviele mögen dann über⸗
nehm, um“ unangenehm zu wirken. Vielleicht kommt man Athi dieser Ini — e iper
der Wahrheit am nächsten, wenn man seine Männerchor— Aerp cht, An ur Pert d dentar ranpen
ee Pastdolteneserae her uit Siche in deen deges und ilr dWrrdtten, Hgiesem KWiege solgenden
5 ⸗ — Jahren bemerkbar. Vorwiegend waren es Chöre jener Art,
getretenen, vom Volksliede abstammenden Richtung des
Raännerchores bezeichnet. Er hat viele Nachahmer gefun— ve upeder isrrosre tumichhumorvoiter —8 r
Kr —33 enti nd, Weise dem Unterhaltungsbedürfni
den. Die meisten unter ihnen schrieben Aber m dieder enügen wollten. Beispiele für diese Art von Chören
tafelstil. Mendelssohn hat dadurch, daß sein Stil in diesem 3
e e ietden dad verftacht worden It, ungewollt ind Werke von Engelsberg. Engelbergs Werke gehören aller—
An eb nhestien intsug buf' die wentere Eunatung ings zur künstlerisch wertvolleren Gruppe unter den Wer⸗
dhe Moeenen weden en dieser Zeit. Ueber 100 Werke für Männerchor hat
Wir haben nun etwa die Hälfte unseres Themas „Die deer useere nds geschriepen, der von Beruf
4 y — * ꝛig er Staatsbeamter war.
natng Wrangregegandet D ean het, eben und Veweg ang in den, man darf wohl so sagen—
ieser gunstgaitsnge Sollen wir' Ramen nennen, dann öüllig zu erstarren drohenden Mannerchorstil brachte in den
muͤssen vir einerseils Hegar, anderseils Paul Hindemith als etzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts Friedrich
die Eckpfeiler diefes Zeitabschnittes bezeichnen degar. Er war ein von Grund auf gediegen gebildeter
Diente hie zeit von Huchael Hayon bis etwa Mendels— Nusiker und hat auch auf anderen Kompositionsgebieten
die Aufgabe der folgenden Jahrzehnte, bis in unsere —— der OQf
Fegeuͤwarte das ererbie Kunstgut nicht bloß weiterzu⸗ Abei nur an die damals sehr im Vordergrunde des Inter—
flaͤnzen, sondern es gauszugestalten, die alte“ Form mit sses stehende sinfonische Dichtung, ins Botale gewisser⸗
euen Inhalten zu füllen“ darüber hinaus aber, die alte naßen ühersetzt zu haben, ist sein unauslöschliches Verdienst.
Form Vdem neuen Inhalt entsprechend. auch neu zu ges zeine gesunde, stets charakteristische und glücklich charat⸗
lalten. giterende Eindung d allem billigen Ihseth aus dem
Beobachten wir die Wandlung und Entwicklung des Zege geht, seine in der Chorpraxis gewonnene Ersahrung.
Maͤnner hdres als Ganzes, so fallt uns auf, daß in den ersten ie ihn technische und ästhetische Grenzen nie überschretten
y Fahrzehnten der Entwicklung des Männerchöres jene ieß, machte seine zumeist sehr groß angelegten Chorwerke
Kompponisten gewissermaßen die Zifuarin enene upeas an eydal gen ei wan Reuem Ind eben
auch sonst dürch ihre Werke auf anderen musikalischen ännerchorkompositionen ge⸗
sebieten im Vordergrunde des Intereffes und des kunfi- viesen. Nicht blotz um melodische Schönheit und sangbare,
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ishen Geschehens standen. Man denke etwa an Weber, Vrische Gefälligkeit ist es Hegar in seinen Chören zu tun—
Mendelssohn, Schubert, Schumann. Etwas anders verhält nee un Vanepeit deeen ichen itedrae a
8 sich schon in den letzten 7 Jahrzehnten der künste er Dichtung, gelegentlich auch, Um „den is
erischen iedun des Männerchores. Gewiß schreiben ast brutaler Realistik. Daß es dabei zu einer Auflockerung
ruch in dieser Zeit die führenden Meister Vee d Kom⸗ Dnd rmonit honnmt und manchengar die nniee —9—
ponisten Männerchöre. Man denke an Bruckner, Brahms, hue h che i ergi
Aßzt, Reger, Wolf, um nur einige zu nennen, Diese Meister elbst.
zeherrschen aber nicht mehr die künstlerische Produktion So groß nun auch Hegars Einfluß auf die Chorkom—
dieser Kunstgattung. Sie beherrschen mit ihren Werken auch wsition der folgenden Zeit gewesen sein mag und vielleicht
nicht mehr die Programme, sondern sind gewissermaßen die ioch heute ist, so war es doch nicht, er allein, der maß—
hzesonderen Zierstücke in diesen Programmen. Fragen wir jsebenden Einfluß auf die Kompositionsweise seiner Zeit
uns nach den Gründen für diese Tatsache, dann werden wir senommen hat. Damals stand die Welt unter dem Ein—
diese Frage etwa wie folgt beantworten müssen: Von allem lusse Wagners, Liszts und der neudeutschen Schule. Dieser
Anfange an hat sich die Gattung des Männerchores unter dinfluß ist auch am Männerchore nicht spurlos vorüber—
dem Einflusse sener Kreise entwickelt, die eine leicht eine egangen. Man, wurde freier in harmonischer Hinsicht,
gängliche Volkstümlichkeit, das gefällig Unterhaltende allem egte größeren Wert auf Wahrheit des musikalischen Aus—
anderen in der Kunst vorgezogen haben. Sieht man von zrucks und suchte durch Tonmalerei der Stimmung des
ziner kleinen Zahl technisch besonders leistungsfähiger Chöre kextes und Liedinhaltes gerecht zu werden
            
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