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horgesang und Tharakterbildung.
Wie in einzelnen Kompositionen der Charakter
0 des hinter dem Werte stehenden Schöpfers zu Tage
ritt, so sind auch die an eine bestimmte Periode der
dölkischen Entwicksung gebundenen Kompositionen in ihrer
Besamtheit charakteristisch fir den Ausdruck ihrer
Zeit. Ein Tonsetzer, der mit der Zeit mitzugehen weiß,
fühlt instinktin dias künstlerische Wollen seines Volkes,
mit dem er sicdh innerlich verbunden betrachtet. Er macht
sich zum Sprachrohr völkischer Ideale und formt in seinen
Schöpfungen den Geist seiner Zeit nach. Das ist ja letzten
Endes das Geheimnis aller künstlerischer Erfolge: daß
der Hörer seine eigenen Gefühle, seine eigenen Gedanken
in dem Tonwerk verkörpert sieht, daß er sich selbst mit
dem Inhalt des Tonstückes identifiziert und seine eigene
seelische Verwandtschaft mit der künstlerischen Schöpfung
spürt, die allgemeine Probleme in eine künstlerisch ver—
edelte Form bringt.
So gewinnt jede Schöpfung einen charakteristischen Wert
im Zusammenhang mit den geistigen Strömungen der Zeit,
denen sie ihr Entstehen verdankt. Ist das nicht der Fall,
stellt sich die Komposition in bewußten Gegensatz zum
Volksempfinden, versteht sie es nicht, den Regungen der
Volksseele Rechnung zu tragen, so bleibt sie ein Fremd—
körper im Volksgeschehen, vermag nur dann vorüberge—
hende Erfolge zu erringen, wenn die erkrankte Volksseele
nicht die nötige Widerstandskraft gegenüber diesen ein—
dringenden Zersetzungskeimen aufzubringen vermag, die aber
im Verlaufe eines völkischen Gesundungsprozesses nach und
nach von selbst ausgeschieden werden.
Keine andere künstlerische Form, keine Sinfonie, keine
Oper kann sich so unmittelbar zum Sprachrohr eines Vol—
kes machen wie der Chorgesang. Denn er wächst un—
mittelbar aus dem Volke heraus, er verfügt über das
oolkstümlichste aller musikalischen Instrumente, die mensch—
liche Kehle, und keine Schulung, kein langwieriges Studium
—
gen von der Volksseele auf das Tonwerkzeug. Taraus folgt
wiederum, daß sich neue Gedanken, neue geistige Regungen
einer Zeit zuerst im Volksgesang ausprägen. Er wird
zu einem höchst wichtigen Barometer der Volksstimmung,
das kein Musiker, kein Kulturpolitiker unbefragt lassen
darf. So mißt man den Charakter einer Zeit am besten
an dem Charakter des Chorgesanges. Und als kultur—
politischer Wertmesser verdient darum der Chor—
gesang eine Rolle, die alle anderen musikalischen Kunst—
zweige an Bedeutung weit übertrifft.
So war es auch zur Zeit des nationalsozia—
listischen Umschwunges, der sich im Lied, im Gesang
auf Jahre voraus bereits angekündigt hatte, lange bevor
sich die anderen Komvositionszweige auf diese innerliche Er—
neuerung des musikalischen Lebens vorbereitet und ein—
gestellt hatten. Ter Charakter eines Volkes prägt sich—
zu allererst in seinen Liedern aus — und das Lied, das
dunderttausende von Herzen höher schlagen läßt, ist eine
ewige, unversiegbare Kraftquelle, die den eigenen Charakter
stählt, andere, noch zögernde und zweifelnde Volksgenossen
unwiderstehlich mit sich fortreißt zu einem allgewaltigen
Strom. der in alle derzen und Seelen einmündet.
Daraus ergibt sich die charakterbildende Kraft
des deutschen Liedgesanges. Das Lied kann ver—
veichlichen, es kann uns in unfruchtbare romantische Träume
und Stimmungen einhüllen, es kann unsere Sinne be—
äuben und, unfruchtbar machen für die großen, harten
uind gewaltigen Aufgaben des Tages. TDas Lied kann
ins vom Leben wegführen statt uns für die rauhen An—
orderungen des Lebens zu stählen. Aber umgekehrt können
vir dem Liede den Mut zu zielbewußter Arbeit entnehmen,
»as Lied kann uns beseelen und bestärken in unferem
debenswillen, es kann uns Begeisterung schenken, Glauben
ain die Zukunft, Vertrauen zu unserer eigenen Kraft.
Tadurch erhält das Chorlied unserer Tage
einen eigenen stilistischen Ausdruck. Es läßt alle Weich—
ichkeit und Verschwommenheit weit hinter sich zurück, es
tellt sich auf die Wirklichkeit ein, es ist hart und rauh,
zegenwartsnahe und doch irgendwie vom Hauch einer reinen
dunst verklärt, die ihr Gefuͤhl nicht offen zur Schau stellt,
ondern hinter einer festen, nur scheinbar undürchdring⸗
ichen Schale verbirgt. Im wuchtigen Rhythmus dieses
Lhorliedes klingt der Marschtritt der Zeit. Und unauf—
yörlich hämmert sich unserer Seele mit eiserner Gewalt
das Gebot der Stunde ein: „Landgraf, werde hart —
sart wie dieses Eisen!“
Mag sein, daß dieser elementare Ausdruckswille nicht
»enjenigen Idealen entspricht, die man mit einer wirk—
ichen „Kunst“ verknüpfte. Und sicher wird die Kunst—
entwicklung auch nicht bei diesen Stilmomenten stehen
o»leiben, sondern sie in ihren Bann zu ziehen und zu ver—
deln suchen. Aber dieses scheinbare Zuviel ist für unsere
zeit sehr gesund — ist das beste Heilmittel gegen verweich—
ichende Sentimentalität, die unserem Volkskörper Schaden
genug zugefügt hat. Und dieses Kraftgefühl, das dem
infachen Lied entwächst, bemächtigte sich auch der Kunstwus.ik,
um sie nach dem Willen des Volkes zu formen.
Zo hat beispielsweise der Komponist Walter Rein
seim Saarfängerbund folgende Richtlinien für einen
teuen Stil in der Chormusik gegeben: „Erneuerung der
ünstlerischen Gestaltung — das Ganze wächst organisch gus
»iner, Zelle in Konzentration der melodischen und har—
nonischen Substanz, in Besinnung auf innere Kraft. Der
chöpferische Geist des Komponisten geht durch strenge, for—
nale musikalische Zucht. Komponist, Dirigent'und
ingendes Volfk müssen im Glauben an die
Tdraft und den Erziehungswillen des neuen
deutschen Liedes zusammenstehen!“
Das war es auch, was Alfred Rosenberg, der Ehren—
zräsident des Teutschen Sängerbundes, bei seiner Ansprache
'n Berlin anläßlich der Neuwahl des Bundesführers meinte,
venn er vom Männerchorwesen verlangte, daß es auf die
nusikalischen Kenntnisse der SA., der SS. und Hitler—
Zugend lauschen solle. Hier weht uns ein musikalischer
Beist, entgegen, der das Volk erzieht und erhärtet. Und
ver dazu beiträgt, den Stil dieses neuen Liedgutes in das
derz aller Volksgenossen zu übertragen, der fördert damit
die charakterbildende Kraft des deutschen Liedes, das aus
einer neuen Zeit heraus neue Menschen formt.
Dr. Fritz Stege,. Berlin.
D cw Führergedanke ist keine Angelegenheit des Slimmzettels. sondern der
2beng,. die auf Vertrauen beruht.
Artur Moeller van den Bruck
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