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dem kristallklaren Wasser zu trinken, verwandelt sich auf zeben im Bild, wie es Meister Richter und Schwind
einmal in ein Rehkälbchen. Wahrlich, im Märchen lebt zetan. Im Film — so scheint mir, erstirbt nicht nur sein
ene Phantasie, die der Dichter einmal das „unge— zuftiger Hauch, sondern sein ganzes Leben. Es will auch
zeure Riesenweib“ genannt hat, jene kühne, oft groteske richt Buchliteratur und Buchwissenschaft bleiben, sondern
Phantasie, die alles kann, weil sie alles muß. Sie muß s will erzählt werden — „unveränderlich in einem singen—
aus allen Schicksalshsemmungen Auswege sinden und springt zen Silbenfall an einem Schnürchen weg“, wie Goethe im
deshalb fortgesetzt aus dem Wirklichen ins Unwirkliche, Verther meint. Und so möchten sie weiter leben, die deut—
aus dem Möglichen ins Unmögliche, aus dem Irdischen ins hen Märchen, im deutschen Volke von deutschen Müt—
Unirdische. Alle guten Geister sind im deutschen Märchen ern treu gehütet, von deutschen Müttern, die mit ihrem
zu Haus, und deshalb spüren wir es überall wie Flü— Närchenschatz in den Herzen deutscher Kinder „die Frohnatur
gelschlag einer hohen sittlichen Weltord— ind die Lust zum Fabulieren“ erhalten sollen. Wohl ist
nung. Hier ist noch nicht, wie bei uns im Leben, das as deutsche Märchen vvon Indien her und von an—
Böse oder das Gute kompliziert, es ist gut oder böse erneuropäischen Völkern beeinflußt und befruüuch—
ichlechthin. Es darf dem bösen Wolf nicht gelingen, Rot— et worden. Aber das deutsche Volk hat seine Märchen an—
äppchens Einfalt zu ihrem Schicksal werden zu lassen. ächtiger und liebevoller gepflegt als irgendein
Zu Rotkäppchens und der Großmutter Rettung erscheint nderes Volk der Welt. Als es bei jenen mißachtet und
deshalb noch eben früh genug der beherzte Jäger. Das ergessen war, hat Herder ihren Reichtum neu erfüllt
Böse findet eben im Märchen seine verdiente Strafe, aber ind an die deutsche Romantik weitergereicht. Und als in
die Unschuld hat im Himmel einen Freund! breußens Unglücksjahren deutsche Mütter in Kriegsnöten
So wollen wir uns nun eine kurze Stunde auf die uim ihre Großen bangten und weinten, da haben die Ge—
Kinderbank setzen und den Märchen lauschen, die im Wort »rüder Grimm das deutsche Märchen wieder in die
und von der weißen Leinwand her m Bilde uns in den dinderstuben unseres Volkes getragen, zum Trost und zur
Bann ihrer Wunder ziehen wollen! herzenserhebung. Zahlreiche Kulturgüter deutscher Nation
sehören bestimmten sozialen Schichfen an. Das Märchen
chlägt die versöhnende Brücke, ihm lauschen die Kinder
n den Palästen der Reichen, wie in den Hütten der
Armut. Möchte auch in der Gegenwart und na—
nentlhich in den traulichen, von Weihnachts—
erzen überstrahlten Winterabenden deut—
scher Geist von deutschen Müttern durch das
ege Dad ede unsern Käindern wieder
f e en!
gewe und gepflegt werden Walther Stein.
Zur VNeuoroͤnung der gemischten Chöre
im Rheinland.
Eine Unterredung mit dem Staatlichen und Bau-Musikfachberater Erhard Krieger.
In der Neuordnung der musikalischen Verhältnisse be— „Gerade diesem Uebel gilt es durch vertrauensvolle Zu—
BBaginnen sich nach anfänglichen Unklarheiten und Ueber— ammenarbeit an dem großen Werk, der Schaffung einer
schneidung organisatorischer Maßnahmen, wie sie revolu— yölkisch echten Musikkultur, zu steuern. Wir wollen pfleglich
ionären Epochen nicht erspart bleiben, klare Linien abe nit den bestehenden guten Verhältnissen und Ueberliefe—
zusetzen. Der Reichsleiter für Volksmusik und Chorwesen, rungen umgehen, nicht voreilig und eigenwillig einreißen,
Professor Stein, hat das Ziel folgendermaßen ümrissen: bas längerer Umwandlungsfrist bedarf. Alle scheele Miß—
Es soll an Stelle der früheren überalistischen Maioritäts— unst zwischen den städtischen Musikvereinen und den
ansprüche, der Zersplitterung, ja Bekämpfung der einzelnen rivaten Chören muß aufhören. Jedes leistungs- und
Grupppen, eine nationale Einheitsfront des deutschen Chor— ebensfähige Unternehmen wird unsere Unterstützung und
wesens treten, die in Verantwortung für Volk und Kultur insern Rat finden können. Auch in der Chorleiterfrage
nach einem einheitlichen künstlerischen und volksvolitischen rate ich Mäßigung an. Daß ich auf dem Boden sozial—
Programm erzogen werden soll tändischer Forderung stehe, ist selbstverständlich, wenn Eig—
Um mich über die Ausführungsmöglichkeiten und -not— ung aufzuweisen ist, aber auch nur dann. Ein Chorleiter
wendigkeiten dieses Programms zu unterrichten und sonder- nuß in erster Linie ein sängerisch aufgeschlos—
lich die Lage der rheinischen Maßnahmen zu erkennen, ener Chorerzieher sein.“
ꝛ2ab mir der Gau-Musikfachberater für die gemischten Chöre „Und welche Maßnahmen gedenken Sie hinsichtlich des
des Rheinlandes, Erhard Krieger, in liebenswürdigster Weise ünstlerischen Aufbaues zu ergreifen? Eine Frage, die
Belegenheit. den musikalisch-kritisichen Mitarbeitern auf den Nägeln
Krieger als Fachberater steht mit reichen musikalischen rennt.“
Kenntnissen, mehr noch mit heiligem Eifer in der Organi— „Sie haben nicht Unrecht, dieses Problem als brennend
sationsarbeit, die ihn ganz erfüllt und die er ganz mit u bezeichnen. In der Tat hängt Sein und Nichtsein
neuem Geiste ausfüllen möchte. Er kennt nur soachliche inseres Wollens von diesen Maßnahmen und ihrer richtigen
Erwägungen und verbindet mit sicherm Blick für das ind sachgemäßen Turchführung ab. Hier im rheinischen
Wesentliche einer Situation schnelle Entschlußfähigkeit für Vesten besteht ja eine besondere Situation, drängen sich
ihre Lösung. Meinem Wunsche, sich über die Organi-— igenartige Neuansätze chorischer und musikalischer Belebung
sation der weltlichen gemischten Chäre aus— ervor. Ich darf Sie an Ludwig Weber und seine Schaffung
zusprechen, kommt er gleich nach. horgemeinschaftlicher Werke erinnern, die das Loch zwischen
„Wir sind erfreulicherweise zu ganz klaren Verhältnissen ßodium und Hörer im Sinne gemeinschaftlichen Wirkens
gekommen“, beginnt er seine Tarlegungen, „die sämtlichen üllen möchten. Wir wollen auch die Burgmusiken auf
weltlichen gemischten Chöre, auch die sich bislang dem 5chloß Burg zu einer volksmusikalischen Wallfahrt aus—
deutschen Sängerbund angeschlossen hatten, dazu die Frauen— ind aufbhauen. Die ersten Anfänge geben mir den Mut
und Jugendchöre, bilden den Reichsverband der ge— u energischer Fortsetzung.“
mischten Chöre. Mitgliedschaft ist Pflicht. Es ist da— Wir kommen noch auf eine Reihe wichtiger künstlerischer
her allen Chören nahezulegen, sich schnellstens bei der Fragen zu sprechen. Immer werden sie auf das volks—
Bauleitung zu melden. Ter Jahresbeitrag für jeden Senger erzieherische Ziel ausgerichtet werden. Der groß ange—
dinschließlich Stagma-Beitrag zur Aufführung geschützter egte Plan Berliner Stellen, in einem gewaltigen Aufriß
Werke heträgt 1 Mark. Nun kann die Aufbauarbeit be- die gesamte Chorliteratur in stilistisch wesentlichen Einzel—
ginnen.“ zeispielen am Ohr der Sängergemeinden vorüberziehen M
„In welcher, Richtung soll sie sich bewegen? Es ist assen, hat auf Anregung der Gaustelle der Westdeutsche
durch mancherlei Maßnahmen örtlicher Stellen eine ge— tundfunk aufgegriffen. Die leistungsfähigen Chöre sind
misse Beunruhidung in die Roreinsfkpreise Jetragen Mwor—don“ ur Mitorheit einaosadon und aufgerufen Mir saanffon douf
So hätten wir denn mitten in der brandenden Woge
der Großstadt in Wort und Bild eine Stunde dem deuft—
schen Märchen gewidmet, stille gestanden vor seiner
poetischen Schönheit und seiner naiven, sittlich
hohen Weltdeutung. Das Märchen kann, will es
seine hohe Macht an Menschenherzen erweisen, nur im
lauschigen Winkel, in der Dämmerstunde erlebt werden.
Vielleicht kann Künstlerhand ihm sinnlich Form und Farbe