Full text : 14.1934/35 (0014)

Nr. 8 Ieu
dustriewerken, Verlagsunternehmen und Zeitungen, die man
bisher meist vergebens im Konversationslexikon suchte, bringt
der Brockhaus sorgsam alles Wissenswerte. So läßt der
neue Band die Entwicklung der Verlage von Teubner und
Stilke, die des Stollwerkschen Unternehmens und die der
Standard Oil Co. verfolgen, wobei man erfährt, daß dieser
Riesenkonzern selber kein Oel fördert, sondern nur die
Rohrleitungen angelegt hat und das Oel raffiniert und
oerkauft. Technische Probleme behandeln die Abschnitte über
Straßenbahn — mit sehr sinnfälligen Bildern über Strom—
zuführung und Stromleitung — und Straßenbau mit einer
Karte über die deutschen Reichssautobahnen und die Kraft—
wagenverkehrsstraßen in den USA. Auch kleine technische
Dinge wie die elektrische Taschenslampe werden durch gute
Bilder allgemein verständlich gemacht, und beim Telegraphen
wird auch der alte Zeigertelegraph mit seiner umständ—
ichen Zeigerumstellung im Bilde vorgeführt. Er galt noch
um die Mitte des 19. Jahrhunderts als Fortschritt, leistete
aber noch nicht einmal dasselbe wie die griechische Licht—
elegraphie, die in einer Nacht, die Meldung von der Er—
oberung Trojas nach Mykenä übermittelte. Ueberall wirkt
der Broͤckhaus für ein gutes Deutsch, wenn er z. B. darauf
hinweist, daß die landläufige Bezeichnung „Parkett“, wenn
is sich um einen Stabfußboden handelt, durchaus irrig ist.
Einen interessanten Blick in die Unendlichkeit der Ster—
nenwelt öffnen verschiedene Sternkarten, wenn sie den—
selben Ausschnitt des Sternhimmels in mehrsacher Ver—
zrößerung uͤnd daneben die Sterne bringen, die man mit
zloßem Auge sehen kann. Die Bildtafeln über Talsperren
zeben eine Uebersicht davon, was diese moderne Wasser—
virtschaft geschaffen hat, und im Hinblick auf die neuen
Delerschließungsarbeiten im Hannoverschen Oelgebiet ist der
Abschnitt üͤber Tiefbohrgeräte von größtem Interesse. Sehr
anschauliche Bildtafeln erläutern die Technik des Theaters,
farbige Tafeln geben einen Begriff von der Schönheit alter
und moderner Teppiche. Prächtige farbige Bilder Jahen
einen Einblick in die Tiefseefaung tun, andere zeigen das
Tier in der Kunst. Dem Tierschutz sind zwei lehrreiche
Tafeln gewidmet, die sehr beachtenswerte Ratschläge auf
diefem Gebiet geben. So zeigt ein Bild, wie man erschöpf⸗
den Pferden helfen kann, und wie die alte Pferdekrippe
doch viel praktischer ist als der Futtersack, bei dem den
Pferden der Häcksel in die Nüstern gerät. Wie der Brock⸗—
haus seine Leser und Besitzer in allen praktischen Tages—
ragen schnell und sicher berät, so sind auch die zahlreichen
Abschnitte über Steuerfragen ein ficherer Wegweiser durch
zie Leitgedanken der Steuerpolitik im Dritten Reiche. Aber
auch in Kleinigkeiten erfährt man beim Blättern viel Im—
teressantes. So über die Südjuden, von denen nach ihrer
Vertreibung aus Spanien heute noch mehr als 100000
in Mazedonien leben und noch das Altkastilianisch sprechen,
das in Spanien selber längst verklungen ist. Auch daß das
Marinelied: „Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot“ ur—⸗
sprünglich einem Singspiel entftammt, das 1886, über die
Frnug der Varietés ging, verzeichnet der Brockhaus. Es
ft wieder ein gehaltvoller Band, den man als den 18. in
die Reihe stellt, und mit Spannung sieht man dem Er—
scheinen der beiden letzten entgegen. die das Werk zum
Abschluß bringen.
Die blauen Bücher, Verlag Karl Robert Langewiesche,
Königstein i. Taunuüs und Lesipzig, bilden seit Jahrzehnten
die Freude aller Bücherliebhaber. Wer kennt sie nicht,
diese sorgsamst redigierten Textbildwerke, die den ganzen
Umfang deutscher Kultur umfassen und in wesentlichen
Ausschnitten ins Licht rücken! Ihre buchtechnische vorzüg—
siche Russtattung bei außerordentlicher Wohlseilheit machen
ie zu einem Geschenkwerk erster Ordnung (Einheitsbpreise
1,80 und 2,40 RM.). Wir greifen heraus: Deutsche Dome,
Deutscher Barock, Teutsche Burgen, Teutsche Bürgerbauten,
deutsche Junenräume, Tore, Tuͤrme, Brunnen aus deutscher
Vergaungenheit, Wohnbauten und Siedlungen, Bauten der
Arbeit und des Verkehrs, Bauten der Gemeinschaft, Deut—
che Wohnung der Gegenwart, Deutsche Plastik des Mittel—
alters, Bildmüsse aus drei Jahrhunderten, Der Blumenkorb,
Dder stilse Garten, TDTas Haus in der Sonne, Griechische
Bildwerke, Michelangelo, Wilde Blumen, Blüte und Frucht,
Tiere in schönen Bildern. Der, erfreulich wiedererwachte
Heimatsinn richtet unsere Aufmerksamkeit besonders auf:
Feutsches Land in 111 FZlugaufnahmen, DTie schöne Heimat,
Deutsch⸗Südost, Ter deutsche Park und Deutsche Bau—
er Fa finden wir zuerst Fnapp. zuverlässio und

JI Saar-Sänger-Buud n

Inll Seite 175

inschaulich eine Darstellung der Haus—- und Hofformen
m geschlossenen deutschen Volksgebiet. Und dann enthüllen
ich Wunder über Wunder deutscher bäuerlicher Siedlungen
zus allen deutschen Gauen, aus Friesland, den Halligen,
Vorpswede, Westfalen, Rügen, dem Oderbruch, Sachsen,
Vestpreußen, Spreewald, Schwarzwald, Bayern, der deutsch—
ämmigen Schweiz. Es wird deutlich, daß hier Bauernstols
ebendig werden mußte und daß sich an dieser urwüchsigen
ßroßheit deutsches Volkstum immer wieder erneuern konnte.
lnter dem Gesamtnamen Der Eiserne Hammer
ringt der gleiche Verlag eine ebenso sorgsam ausgestattete
ind bearbeitete Sammlung ganz billiger (0,99 und 120 RM.)
zultur-Bändchen heraus, wie die blauen Bücher. Auch hier
nden wir wieder entzückende Einblicke in deutsche Land—
haften: Wolken über Land und Meer, Der Baum, Deutsche
Reeresküsten, Teutscher Wald, Teutsche Alpen, Deutfche
ztröme, Blühende Welt, Die Lünebuürger Heide, fserner
eutsche Bauten! Drei Kaiserdome (MMainz, Worms, Speyer),
der Kölner Dom, Der Bamberger Dom, Drei tausendjährige
ztädte. Weiter Deutsche Maler: Dürer, Rembrandt, Spig—
veg, Thoma, endlich: Goethe, Arbeit bringt Freude, Kos—
tijche Heimat, Kosmiiche Ferne. Eben liegen uns zwei neue
zstliche Gaben vor: Luise Königin von Preußen von Ina
zeidel mit 7 farbigen und 9 einfarbigen Bildern und
Roritz von Schwind. 15 farbige Bilder zu dem Märchen
Tae sieben Raben“, erzählt von Lisa Tetzner. Auch diese
iberaus reizvollen Bändchen laden — namentlich die Jugend
— zu liebevoller Vertiefung ein. In den Bändchen „Eiser—
er Hammer“ wird — wie es bei den Blauen Büchern längst
IIgemein erkannt und anerkannt ist — ein wertvolles Stück
eutscher Volksezriehungsarbeit geleistet. Sie eignen sich zu
zeschenkzwecken und Massenverteilungen in Vereinen und
zchule. Wir haben unfere Leser gern über diese bedeut—
en Erscheinungen des deutschen Büchermarktes unters
ichtet

Neues Singen nach dem Neuen Gesaugbuch von Univer—
itäts-Musikdirektor Georg Kempff, Stiftungsverlag Pots-»am,
 Preis 1,60 RM. Ein Berufener spricht hier über
zehnsucht und Erfüllung der singenden ev. Kirche nach
inem neuen, rhythmisch bewegten Singen und nach Verein—
eitlichung des Liedgutes aus. Den Neuausgaben der jüng—
ten Provinzialgesangbücher liegt das vom Dtsch. ev. Kir—
henausschuß geschaffene „Auslandsgesangbuch“ zugrunde,
son dem 342 Choräle ihren ersten Teil ausmachen. Viel—
eicht ist die Zeit günstig für das von vielen langersehnte
Reichsgesangbuch“. Der Verfasser erörtert in dieser in—
eressanten Schrift die Angst vor dem Neuen Ges.“Buch —
neist nur der Musiker — die Freude des singenden Kirchen—
olkes über das neue Singen, das Liedgut nach Text, Melo—
»ie, Rhythmus und Takt und gibt endlich aus lebendiger
Zzraxis erwachsene Weisung, das neue Singen in den Ge—
neinden einzuführen. Der Verfasser sieht in der Chorab—
»flege mit Recht ein wesentliches Stück religiösen und
irchlichen Lebens: seine begeisternden Worte werden in den
zeteiligten Kreisen gewiß Begeisterung wecken!

4

Sterbetafel.
Ludwig Schellenberg, aktives und Ehrenmitglied der
Sängervereinigung 1848 Saarlouis 1, agestorben im
Alter von 71 Jahren.
starl Kohl, Ehrenpräsident des MGV. Nohfelden, ge⸗
storben am 12. September im Alter von 59 Jahren.
Johann Comtesse, aktives Mitglied des MGV. Frohsinn
Saarbrücken 1, gestorben am 8. September im Alter
von 32 Jahren.
Nikel Hellbrück, Mitglied des Männerquartettvereins
Humes, gestorben am 26. Juli.
Fritz von Zütpfen, aktives Mitglied des Sängervereins
gäcilia Saarlouis 2, gestorben am 24. Auaust im
Alter von 52 Jahren.
„Stumm schläft der Sänger........
Vereine Kreise Gau bewahbren ihnen ein dankbares Andenken
            
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