Full text : 14.1934/35 (0014)

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h Saar-Sänger-Bund Pilhbnn

— rrTontun Nr. 8

formen sich betätigen wollen. Möge auch das Saarsängerfest
den letzten Zweiflern darüber die Augen öffnen, daß der
»om Bundesführer eingesetzte Leiter der Musikpolitik des
D.S.B., Dr. Bongard, keineswegs gewillt ist, sich in das
radikale Fahrwasser einer zersetzenden Einseitigkeit treiben
zu lassen. Sein Kampf gilt in erster Linie einer Auf—
vertung unserer Literatur. In Verbindung damit ist unser
bor einigen Wochen veröffenklichtes Kulturprogramm durch—
zuführen, das ja, wie sich jeder überzeugen kann, sich
bon aller Einseitigkeit fern hält und die Ausdrucksformen
des Chorgesanges gleichberechtigt nebeneinander stellt.
Dr. Ewens,
Deutsche Sänger-Bundes-Zeitung, Berlin.

zie Tat umzusetzen. Wahrlich, dieses Singen war der
döhepunktgemeinsamen musikalischen Wir—
ens einfacher, unbekannter, deutscher Sän—
ger. Der Gauchormeister Hitzelberger, Saarbrücken, mag
zeglückt sein ob dieser Treue und dieser Arbeitswilligkeit
einer Sänger. Vom Balkon des Kurfürstlichen Platzes
ius lassen sich mühelos 30000 Festteilnehmer errechnen.
vin Fanfarenstoß von der Dirigentenkanzel leitet die Ver—
nstaltung ein, machtvoll ertönt hierauf der von Armin
dnab komponierte „Weckruf?“, vorgetragen von vielen
sundert Sängern unter Leitung des Gauchormeisters
Natthias Beck, Anschließend wurde „Deutscher Mor—
den“, eine Schöpfung des gleichen Dichters und Kom—
onisten, dargeboten. Den triumphierenden Ausklang des
janzen Festes bildete die vV. Symphonie von Anton
Zruckner, welche das Reichssinfonieorchester unter Franz
Udam zu Gehör brachte. Das Saarfest der deutschen
Zäuger in Trier. Wahrlich es war ein Erlebnis! Die
eutsche Kunst, in solcher Erhabenheit unter schwierigsten,
rückendsten Verhältnissen ausgeführt von deutschen Men—
hen, von unbekannten Soldaten des Deutschtums! Wir
anken ihnen und wollen's ihnen nachtun. Wir wollen in
zranken im nächsten Jahre ein Sängerfest ausrichten. Darum
sabe ich Euch, Ihr Sänger, so ausführlich beschrieben,
das unser Gaufuͤhrer Lebegern und ich erlebten? mögen
zie Saarsänger, wenn sie erst beim Reich sind, zu uns
ommen im nächsten Jahre und mögen sie dann fest—
tellen dürfen, daß wir in der Stadt der Reichspartei—
age auch zeitgemäß singen; d. h. uns unserer Auf—
zaben der Zeit und der Singekunst gegenüber ebenso be—
vußt sind wie sie.

So stand denn das alte Trier in diesen Tagen im
Mittelpunkt großer Ereignisse, nicht nur auf volksdeutschem,
auch auf kulturellem Gebiete. So gewaltig und erhebend
auch das Bekenntnis unserer Sangesbrüder von der Saar
zum deutschen Vaterland war, in musikalischer Hin-—
icht bedeutete die Veranstaltung ein Ereignis ganz
besonderer Art. Dagegen verblaßt alles,
was wir bisher im deutschen Westen an
größeren und trefflich vorbereiteten Sän—
gerfesten erlebt haben. Das Fest der Saarsänger
war eine Musterveranstaltung für den ganzen
Deutschen Sängerbund, wobei es garnicht darauf
ankommt, ob nun die neu herausgestellten Kompositionen
restlos die Zustimmung der Kritik und des Publikums
zefunden haben. Das ganze Programm der musikalischen
Aufführungen zeugte von großem Verständnis für
dres fortschrittliche Entwicklung unseres
CLhorgesangwesens, ohne daß dabei das gute Alte
zurückgedrängt wurde.
F. Hasenclever,
Rheinische Sängerzeitung „Lied und Heimat“.

F. Binder,
Fränkische Sängerzeitung.

Der musikalische Teil sprach vom Saarkampf. So zuerst
ie „Deutsche Hymne“ für Männerchor und Orchester
on Wolfgang Heinrich Schönauer, ein Werk, getragen von
soher Gesinnung. in der Faktur stark im Konventionellen
efangen; so auch die „Pler Saarlieder“ von Hans
»on der Saar, die mit packender, schlichtseinfacher Melodik
»en Ton solcher Kampflieder ideal zu treffen vermögen.
zier ist eine Kraft am Werk, die aus dem Empfinden des
Lolkes heraus schafft und in lapidarer Sprache mitzu—
eißen versteht: Dieses Urteil mag dadurch bestätigt wer—
»en, daß das eine dieser vier Lieder später in der offenen
Zingstunde begeistert von der Menge aufgegriffen und
rfaßt wurde. Und dann hörte man noch drei feine kleine
Lhorsätze, ebenfalls Sgarlieder: „Wir wollen heim“ von
Bhilipp Stilz, „Arm Saarvögelein“ und „Deutsches
zgarlied“ von Walter Rein. In diesen Sachen liegt
ieben dem hohen Glauben eine vornehme Kultur, gepflegter,
sochstehender Satz ... Das Eröffnungskonzert am Samstag
tellte zwei Werke, entstanden an und für die Saar, zur
diskussion. Zuerst den „Psalm der Befreiung“ von
xrwin Lendvai nach Worten des Saardichters Walther
Sztein. Das steht außer Zweifel: Die Komposition dieses
Verkes, die sehr anspruchsvoll für Chor, Solisten, Or—
hester und Orgel geschrieben ist, ist durchaus gekonnt und
sor allem mit leichter Hand wirkungsvoll konzipiert. Aber
s steckt in dieser Wirkungssuche auch ein Moment, das
zgedenken hervorruft, wir exinnern an die Einleitung mit
»em Choral: „Aus tiefer Not“ als Cantus firmus. der in
einer farbig-effektvollen Behandlung leicht an den be—
ühmten Hugenotten-Choral erinnert. Daß manches stark
klektisch ist, mag nebensächlicher sein, als die oft krachige
und knallige Verwendung des Apparates, wie z. B. beim
—zchluß mit der Wirkung um jeden Preis. Einen guten
kindruck hinterließ das zweite Werk des Ahends: „Ed da—
ieder“, Weisheit der Wala, für Einzelsprecher. Sprech—
hor, Männerchor und Orchester. von Otto Schrimvf, das bei
zkonomischer Behandlung des Apparates vor allen Dingen
zinige trefflich gearbeitete Chorsätze enthält und sicher durch
Berzicht auf den stets problematischen Sprechchor und die
nelodramatiichen Formen gewonnen hätte.
Dr. W. Leib,
Süddeutsche Sängerzeitung, Heidelberq.

Das Saarsängerfest vermittelte starke Eindrücke. Da der
Bauleiter, Dr. Bongard, nicht nur als Obmann des Musik—
beirats des D.S. B. an der kulturpolitischen Arbeit des
Bundes den wohl stärksten Anteil hat, hatte der Aufbau
des Festes eine für die Allgemeinheit bei—
pielgebende Bedeutung.. . Die Hauptsache ist,
eststellen zu können, daß an der „neuen“ Art des Singens
schon etwas „daran“ ist, wenn, was hier allerdings der
Fall war, wirklich musikalisches und musi—
—antisches Gut ausgewählt wird

Ernst Schlicht,
Die Tonkunst, Berlin

*
Zum Beschluß gab es dann eine Uraufführung, und zwar
„Ein Volk ruft“, Kantate von Brunod Stürmer. Ge—
schrieben für Männerchor àa cappella (die Einleitungsakte
verden jeweilig von einem Blasorchester gestützt), ist es
eingeteilt in die Sätze „Aufgesang“, Einigkeit“, „Recht“
und „Freiheit“. Dauer etwa 35 Minuten. Alles war
gespannt auf diese Uraufführung, denn tags vorher hatte
man schon von den Sängern gehört, daß es unmenschlich
sichwer sei. Und sie hatten recht! Ich möchte mich des
Urteils über das Werk selbst enthalten, weil ich mir
rotz einiger Erfahrung eine solche nach einmaligem Hören
nicht erlauhen möchte. Eine Partitur hatte ich nicht. Aber
über die Aufführüng selbst kann man nicht Worte des
Lobes genug finden. Hört ihr fränkischen Sänger: ein
modernes, äußerst schwieriges Werk von über halbsftündiger
Dauer a cappella wurde gesungen von — einem Massen—
hor! Ein Kollege, der auch Gauchormeister ist, und zwar in
einem Gau, in dem sehr gut gesungen wird, sagte zu
Ar: „Wenn ich dieses Werk mit einem Massenchor auf—
ühren wollte — ich könnte es nicht!“ Und so sagten nach—
zer noch andere! Wir hatten so etwas noch nicht gehört,
an die Möglichkeit auch niemals geglaubt! Langeé häbe ich
darüber nachgedacht, wodurch dieses große Wagnis gelang!
Ich kam zu dem Schluß, daß bei der Vorbereitung für
dieses Singen nicht nur der auch sonst zu findende gute
Wille, Begeisterung, Disziplin, Ehrgeiz, Schulung usw. mit—
zeholfen haben, sondern daß das gemeinsame Leid, der
zemeinsame Schmerz, welche diese Sängerherzen jahrelang
an der Saar zusammengeschmiedet haben letzten Endes aus—
schlaggehend gewesen sind. das sonst Unmnädsiche hior in

*
Der Hauptfesttag vereinte mehr als 20 000 Sänger in
Trier, darunter etwa 2000 Pfälzer. Zwei Sonderzüge
von Ludwioashaffen und aus der Westhfalz murden in
            
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