Full text : 14.1934/35 (0014)

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llslhll Saar⸗-Sänger-Buud sIIe

pphih Seite 167

fürs Volk, das Volk ließe sich nicht zu ihr erziehen, es
gebrauche eben den Schlager, das Potpourri, die Opern—
antasie. Ein Märchen, das offensichtlich von jenen ge—
schäftstüchtigen Leuten erdacht wurde, denen mehr an
hrem Geldbeutel liegt, als an deutscher Seele und Kultur.
Wenn unsere Mänunerchöre und Chorleiter soweit sind wie
die des Gaues XIV, dann „Heil deutschem Wort und
Sang!“

Ddiese Konzerte der, wie gesagt zusammen 25000 Grenz—
andsänger waren auf einen einheitlbichen Grund—
ukkord abgestimmt: unterm Zeichen der heute führen—
den Männerchorkomponisten Armin Knab, Walter Rein,
uind Hans Lang (um nur die wichtigsten zu nennen!)
vurde das andere and neue Deutschland besungen...
Yan könnte noch von so manchem höchst Erfreulichen auf
»ieser so ganz ungewöhnlichen Tagung berichten, hervorge—
soben mag nur noch der ganz außerordentliche Anteil sein,
ovelchen das Reichssonfonieorchester unter seinem
reiter Franz Adam, München, in mehreren Konzerten
satte. Es durste auch den Haupttag mit einer weihevollen
darbietung der V. Sinfonie Anton Bruckners beschließen,
enes Werkes, das so ganz für die Gottesgläubigkeit des
hahren, erdverbundenen, frommen deutschen Menschen spricht
Heinrich Werlé,
Leipziger Neueste Nachrichten.
Das Festkonzert am Vormittag in der Stadthalle
»urde mit der Uraufführung der Kantate „Ein Volk ruft“
»on Bruno Stürmer überaus wirkungsvoll eingeleitet. Nach—
nittags sammelten sich die Scharen der Sänger zum
Festzug. Eine Stunde lang zogen 18000 Sänger in
zechserreihen durch die Hauptstraßen der Stadt Trier.
zehntausende von Zuschauern säumten die Straßen und
ubelnd wurden die Sänger der Grenzmark mit Zurufen
ind Blumenspenden begrüßt. Von dem kurfürstlichen Stadt—
chloß fand dann die gewaltige volksdeutsche Kundebung
 des Gaues Nahe-Mosel-Saar im Deutschen Sänger—
und statt. Fanfarenklänge leiteten nach dem Einmarsch der
hunderte von Fahnen die Feier ein. Rund 25000 Sänger
rugen unter Gauchormeister Beck, Saarbrücken, die beiden
höre „Weckruf“ und „Deutscher Morgen“ von Walter
tein vor. Dann sprach der Gaäuführer Stadtschulrat Dr.
zongard, Saarbrücken, der hervorhob, daß die deutschen
zänger zugleich Bekenner und Kämpfer seien, vor allem
»ie Sänger von der Saar. Gauleiter Staatsrat Gustav
zimon, Koblenz, feierte mit stürmisch bejubelten Worten
ie Ehre und Reinheit des deutschen Volksliedes. Der
Nassenchor von 25000 Sängern brachte zum Schluß der
dundgebung den Chor „Saarschwur“ von Walter Rein
nit Sprechchor und Orchesterbegleitung zum Vortrag. Mit
inem Kirchenkonzert in der Basilika und einem
Zzchlußkonzert in der Stadthalle fand das Saar-Sängeriest
einen Abschluß.
Magdeburgische Zeitung.
k*
Wiederum in anderm Saal führte man Walter Reins
zecherkantate „Fröhliche Kumpanei“ auf, ein Stück
yon betonter Haltung. Und als ob der D.S. B. beweisen
vollte, daß er weder engherzig noch humorlos sei, singt
nan danach Hans Stiebers köstliche Tafellieder: „Tan-—
ardei“ ... Die volksdeutsche Kundgebung einte wiederum
ingezählte Menschenmassen um die Losung: das deutsche
Lied. Herrlich wahr führten Knabs „Weckruf“ und
„Deutscher Morgen“ in die alles beherrschende Stim—
nuna der Verbundenheit aller ein.
G. St.
Dresdener Neueste Nachrichten.

L. Blumberger,
Dortmunder Zeituna.

Im Mittelpunkt des Trierer Sängerfestes stand das
Festkonzert am Sonntagvormittag in der bis auf den
etzten Platz besetzten Tonhalle. Nach dem norddeutschen,
jerben Brahms und dem tief religiösen klassizistischroman—
tischen Bruckner standen Chöre von dem lebenden Bruno
Stürmer: Aufgesang, Einigkeit, Recht und Freiheit,
in der Kantate „CGin Volk eruft“ zusammengefaßt. Kan—
tate ist etwas zu viel gesagt, denn der Instrumental-Blech—
läserkörper hat nur eine „vorbereitende Rolle“ zu spielen.
Ein neuzeitliches Werk von eigenartigem Reiz. Drama—
tisch bewegte Gesänge voll Herbheit und ekstatischer Auf—
zewühltheit. In klanglicher Hinsicht weiß dieses neue Chor—
verk, das übrigens als Uraufführung dargeboten wurde,
immerhin zu interessieren. Bruno Stürmer, ein Vor—
kämpfer radikaler zeitgenössischer Kompositionsbestrebun—
gen, ist nun hier bemüht, artistische Spekulationen zu
dermeiden, um einen an sich sehr reizvollen Text von
Walther Stein mit freudiger Vitalität zu behandeln. Im
ersten Teil, „Aufgesang“, strebt Stürmer nach primitiben
Wirkungen. Hier kommt die substanzhaltige Erfindung zu
schöner Geltung. Alle hypermodernen Mätzchen werden
hon vornherein ausgeschaltet. Der Eindruck ist trotz mancher
kühner harmonischen Gänge gut. Klare Ausdrucksweise,
tarke Neigung zum polyphonen Satz (nur Neigung eben).
Im Abschnitt „Recht“ fallen die Mischung von Schöpfertum
ind Inktellektualität auf, die Bevorzugung neuzeitlicher
Klangkombinationen, die Ballung des Klanges an sich, die
Verwendung der bldeeren Quinte. Nach einmaligem Hören
kann man nicht so recht entscheiden, ob die Form, die
Tendenz des Werkes unserer Auffassung über volkskul—
urelle Aufbauarbeit entsprechen, ob die Wurzel echt ist
— oder ob nur manche gut angesetzten, mitunter heroischen
Klänge eine originelle melodische Haltung ersetzen sollen.
Die technische Meisterschaft, die eiserne Rhythmik, das warme
Empfinden und das Ausformen des Textes zeigen den
sönner, den impulsiven Tonschöpfer. Hier ist ein Ansatz
Das Volk will lebendige Kunst und keine leere Gestit.
Warum noch oft so viel Angst oder Rücksicht vor der ge—
schwungenen, melodischen Linse? Vielleicht denken wir uns
den neuen Männerchor noch anders: naiver, musizier—
seliger. Bruno Stürmer verfügt über die letzte Formu—
ierung, über die fein geschliffene und gezirkelte Kunst
des Aufbaues (trotz mancher zu dick kostümierter Stellen)
Ansere jungen Komponisten müssen erst wieder buchstabieren
ernen, müssen primitiver schreiben und den notwendigen
geistigen Reifeprozeß durchmachen, um unsere national—
ozialistischen Kulturbestrebungen mit dem Herzen zu ver—
Aididoen

Dr. Kurt Varges,
Woestheutscher Benhachter

*
Auch das Eröfsfnungskonzert am Abend steht unter diesem
zymbolum, denn es bringt als erstes Stück den groß
ingelegten „Psalm der Befreiung“ nach Worten
zer Heiligen Schrift von Walther Stein, Musik von Erwin
dendvdai. Das Werk ist seit seiner Uraufführung durch den
zaar-Sängerbund auf dem Frankfurter Sängerbundesfest
n ganz Deutschland gebracht worden und hat allüberall
w größter Wucht auf das religiös wie vaterländisch
ief empfindsame deutsche Herz und Gemüt gewirkt. Ganz
zroßer Eindruck des unerhört gestalteten Werks, Beifalls—
ürme für den Liederkranz Saarbrücken (Dirigent Liebe),
as Reichssinfonieorchester und die Solistin Cantz, Stutt—
art! Lendvat hat gezeigt, wie man aus der Urzelle
apidar formt, wie man Großes und ewig Gesetzliches
iuf solche Weise ausdrückt .. . Dann aber braust Bruno
Ztürmers Kantate „Gin Volk ruft“ (zu unerhört ein—
rucksvollen und sormvollendeten Worten Walther Steins)
zuf. Sie ist eigens für dieses Werk geschrieben und be—
zeutet gegenüßer dem anderen, romantischen Stürmer, den
nhhon oeschildert ß6nhe. eine danze MNchsendrehund Oh—

Es sind kaum fünf Jahre her, da hatte der Deutsche
Zängerbund seine eigenen Sorgen um Bestand oder Nicht—
estand, und ganz Seutschland blickte mit hin auf diesen
größten Bund deutscher Volksmusik, dem die Vergehen
inzelner schweres Unheil gebracht hatten. Heute aber macht
ich dieser selbe, mehr als siebzigiährige D.S.B. die Sorgen
iner ganzen Nation zu eigen und stellt den Ordentlichen
Sängertag, wie den daran sich anschließenden, satzungs—
gemäßen sogenannten Kulturtag in den Dienst am
heutschen Saarland, „Jetzt erst recht!“ hieß es, als die
Regierungs- und Abftimmungskommission in Saarbrücken
die Abhaltung des Saar-Sänger-Bundesfestes daselbst ver—
hoten hatte — aus Angst vor der Macht des deutschen
Liedes, wie in diesen feierlich frohen Tagen in Trier mehr
als einmal festgestellt wurde. Und das ist das andere und
neue an diesem D.S. B., nämlich, daß er die ganze Tagung
unter der Losung abhielt: wie schaffen wir fortdauerud
 die Beteiligung des ganzen Volkes
Am Sinden am Musifmachen dor Gemeinschaft aller?
            
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