Full text : 14.1934/35 (0014)

Seite 166 lhhnn
trotz eines ungeheuren chorischen und instrumentalen
Apparats doch bis zuletzt die Frage sich vordrängt: Mußte
das so sein? Ich glaube jedenfalls, daß sich dieser rein
Pprachlich an sich vielfarbige Text zur Vertonung gar nicht
eignet, weil er sich selbst seine Musik gibt ... Stärksten
Eindruck aber gibt wieder Armin Knab, „der“ Kom—
ponist des neuen Deutschland. Sein Zyklus von Bauern—
gesängen (R. Billinger), sein „Weckruf“ und sein „Deutscher
Morgen“ — ja so lebt und empfindet der Mensch von
heute und auch noch von morgen. Aber Walter Reins
Deutscher Schwur“ gehört in die Nähe...
Bruno Stürmer erscheint in Vertonungen dreier
Kichendorffscher Gedichte, im ganzen mit Werken, die
allenfalls in die Zeitspanne eines wehmütig klagenden
Uebergangs gehören, wohl kaum aber in das Heute. Der—
selbe Stürmer läßt drüben in der wahrhaft beängstigend
überfüllten „Tonhalle“ eine kraftstrotzende Kantate urauf—⸗
führen, „ßFin Volk ruft“, zu herrlich abgeklärten
Worten von Walther Stein. Dieses eine Mal möchte ichs
sagen: für die Saiensänger aus dem Saargebiet eine
Leistung, die „über ihre Kraft“ geht und doch mit er—
schütterndem Gelingen sich entlädt.. Ich sage noch ein—
nal: diese Tage dürfen und können nicht mit Kund—
gebungen von früher verglichen werden. Gewiß, manchmal
trahlte ein ferner Abglanz der Verbrüderung deutscher
Sänger auf dem Wiener Fest von 1928 herein, allein es
var nur ein Sonnenstrahl, wenn auch einer, der nicht
untergehen kann. Hier aber, in Trier, gab es ein Mehr:
Brenzlanddeutsche, aus tiefster Not und im Be—
vußtsein der Schicksalsverbundenheit zu uns ins Reich
herübergetragen, sangen, beteten, riefen, schrien ihren
Treuschwur hinaus, ins ganze Deutschland. Möchte dieses
Bekenntnis nicht überhört werden — vor allem nicht bei
den Fremden im Saarland — nein, möchte es millionen—
fältige Frucht tragen unter diesem sieghaften strahlenden
Sinnbildsgedanken: Alles für Deutschland. wh
Kieler Zeitung.

s Saar⸗Sänger-Vund IIIIPliinn

7 Puaee Nr. 8

Das Gaufest der Saar-Nahe-Mosel-Sängerschaft, über
as wir schon kurz berichteten, hat nichts zu schaffen mit
rüher üblichen Sängerfesten. Es greift auch kulturpolitisch
veit über die Mauern der alten Grenzstadt Trier hinaus
ind wird auf lange hinaus bestimmend für die
Nusikpolitifk des Deutschen Sängerbundes sein und
leiben . . .. Die vier neuen Lieder von der Saar,
Eines Volkes Stimme“, drei andere von Rein und Stilz,
ine deutsche Hymne von Schönauer — all das einte sich
‚läubigem Hoffen und Flehen zum Anfang dieser Sänger—
age. Abends das Eröffnungskonzert: an der Spitze des—
elben Erwin Lendvais: „Psfsalm der Befreiung“,
in starkes Werk voll Demut und Inbrunst, aber auch ge—
ragen durch die sichere Hoffnung auf den Endsieg. Auch
ie „Edda-Lieder“ von Otto Schrimpf entfalten sich
u Worten von Karl Schneiders bedeutendem Format. Der
zestsonntag brachte eine lange Reihe von Einzelkon—
erten. Mit geringen Ausnahmen vermittelten sie
ebendigerweise einen Blick auf das führend zeit—
enöfssische Chorschaffen, vor allem, was den
Nännergesang betrift. Mit einziger Ausnahme der Pfingst-—
agung der Lobedasänger in Würzburg hat man seither
ticht erlebt — in diesem Ausmaß von innerer
Beschlossenheit überhaupt noch nicht —, daß
»in Sängergau bewußt eine solche Drehung
uim die ganze Achse vollzogen hätte.
Schlesische Zeitung, Breslau.

Das Eröffnungskonzert im Festsaal der Triviris brachte
»en in Dortmund bekannten und seinerzeit heiß umstrit—
enen „Psalm der Befreiung“ von Erwin Lendvai.
Ausführende waren der Saarbrücker Liederkranz und das
steichs-Sinfonieorchester der NEDAP. unter Leitung von
dans Liebe. Eine nicht mehr zu überbietende Echtheit der
nusikalischen Ausdeutung, ein sicherer, gepflegter Chor,
in feinstes abgewogenes, sicher zeichnendes Orgelspiel und
ine treffliche Solistin (H. Cantz, Stuttgart) fänden die
zum fruchtbaren Verständnis notwendige Empfangsbereit—
chaft der Zuhörer, so daß den Darbietenden ein von Teil
zu Teil sich steigender, tosender Beifall wurde. Waren
dem Rezensenten früher doch schließlich Zweifel an der
seinheit und Echtheit des Lendvaischen Werkes aufge—
aucht, so muß er nunmehr gestehen, daß seiner Meinung
iach die heroische Dichtung Walther Steins hier eine
harakterfeste, überzeugte und meisterlich gekonnte Ton—
assung erhielt, deren Bekenntnis zu J. S. Bach ein Be—
enntnis zu deutschem Volk und seiner Kultur ist. ... 2500
zänger sangen hier mit letztem Aufgebot an stimmlicher
disziplin, mit verinnerlichten und gesammelten Sinnen
Valther Steins „Weckr uf“ und „Deutscher Mor—
en“ in der musikalischen Offenbarung (Komposition zu
agen wäre hier fehl) Armin Knabs. Hier ist Wort und
kdon, Gehalt und Gestalt von Dichtung und Musik eins
zseworden, eins auch mit dem deutschen Saarvolk, als
essen ideale Willensäußerung diese Lieder zu gelten
„aben. Hier wurde das Ziel, um das der Saarsänger so
imermüdlich und hartnäckig kämpft, erreicht. Dichter und
Musiker haben hier mit einer Sparsamkeit der künstle—
ischen Mittel geschafft, die sich nur der wahrhaft Großke
leisten“ kann.
Ueherblicken wir zum Schluß Verlauf und Höhe des
Festes, so erkennen wir, wie Grenzlandnot, Kampf um
sie gefährdete Kultur, um die Erlösung aus niederdrücken—
der Knechtschaft die Saarsänger vor allen anderen Gauen
»es DSB. gereift hat. Zu dieser Höhe der künst—
erischen Werkwahl hat sich vorerst nur der ehe—
nalige Saarsängerbund durchgerungen... Was in größtem
Maße gelungen ist, was restlose Anerkennung verdient, ist
»ie Erziehung des handschaffenden Volkes
um tiefen Erleben selbst fsakraler und hym—
rischer Musik, wie sie in Bruckners Symphonien, im
Verk Palestrinas, Gumpeltzhaimers, Ducis oder Bachs lebt.
30 sang ein Chor einfacher Mädchen und Bergleute in
»er in erhabener Feierlichkeit und Größe ruhenden Ba—
ilika mit großer Vollendung Teile aus der Missa Papae
Mexcelli von Palestrina und andere nicht minder an—
pruchsvolle Werke. Wer das gehört hat, wer ferner sah,
nit welcher Ergriffenheit und Andacht der sogenannte un—
zgebildete Mann des Volkes den Klängen Brucners lauscht,
zer erbennt die ganze Fadheit und Plattheit der Be—
rvanntung die Günst unerer oroßen Meister soi nichté

Mläe

In musikalischer Hinsicht bewegte sich die Veranstaltung
auf einem Niveau, wie wir es im deutschen Westen
und weit darüber hinaus bisher noch nicht erlebt haben.
Bergische Zeitung.

Bei den zahlreichen gesanglichen Veranstaltungen des
Festes standen überwiegend Schöpfungen zeitge—
vösfischer Komponisten im Vordergrund: zumeist
auch solche, die in Geist und Haltung schon von den
Inhalten einer neuen nationalen und sozialen Epoche er—
füllt sind. Nur indirekt dürfte Erwin Lendvais „Psalm
der Befreiung“ dazu zu zählen sein. Das Werk ist
nicht mehr unbekannt und besteht durch Solidität der
Arbeit und ungewöhnliche Geschicklichkeit des Chorsatzes.
Mit Spannung entgegengenommen wurde ein Werk des
Saarbrücker Otto Schrimpf: eine Folge von Gesängen der
Ed da für Einzelsprecher, Sprechchöor, Männerchor, Orchester
und Orgel. Die technische Behandlung hat gewiß etwas
Bestechendes, und Wechsel der Sprech⸗ und Singstimmen
erlaubt bedeutende melodramatische Steigerungen, und das
hegleitende Orchester braucht beinahe nur mit, grundieren—
den Farben nächzuhelfen. Von außerordentlicher Technik
waren in einem der sechs sonntäglichen Frühkonzerte drei
Eichendorff-LZieder von Bruno Stürmer, der hier dem
Männerchor zwei äußerst apart behandelte Hörner bei—
gibt. In demselben Konzert waren, außer fünf Sätzen aus
der Deutschen Messe vvon Georg Nellius und der
meisterhaft angelegten doppelchörigen Hymne an das Licht
»on Josef Haas, kleinere Chorlieder von Böttcher,
Knab und Herman Simon zu hören, von denen Knabs
„Wir Bauern“ und Simons „Bauernerde“ als sehr be—
deutender volkskünstlerischer Gewinn zu buchen sind. Von
Bruno Stürmer gab es am gleichen Vormittag noch in der
Tonhalle eine Uraufführung: Kantate „KGin Volkruft“.
Die Aufführung wurde mit sehr warmem Beifall aufge—
nommen. Aehnlichen Widerhall fanden am Nachmittag bei
der volksdeutschen Kundgebung auf dem Palastplatz zwei
»om Blasorchester begleitete Männerchöre Ar min Knabs
und der Saar-Schwur für Sprechchor, Chor und Orchester
von Walter Rein. Walter Abendroth,
Roerliner Lofal-Anzeiger
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.