Full text : 14.1934/35 (0014)

Nr. 1 It

Callllhhh Saar-⸗Sänger-Bund Issfnez Asuh Seiten*
g „Recht so, — recht so, Herr Disvonent!“, giftete Frau
ruse.
„Wen meint Er damit?“, fragte der Kavellmeister.
„Sie meinten den Nichtmusiker. — ich meinte den Nicht
hankkundigen!“
Er stand aus. Kruse vergaß vor Verblüfstheit an seiner
Pfeife zu ziehen. Er warf einen scheuen Blick auf Frau
ruse, deren Atem laut durch die Nase blies.
„Er ist ein Brausekopf, Ringelberger!“, schalt er ver
söhnlich, „Was will Er fortrennen? Wer hat Ihm denn
wvas zuleide getan?“ Er drückte ihn auf den Stuhl zurück
„Herr Disponent!“, polterte er jetzt, „Sie wollten doch,
venn ich den Grund Ihres Besuches recht verstanden habeé,
um die Hand Charlottens anhalten? Sie kommen in meiné
Familie, wollen meine Tochter zu Ihrer Frau machen,
vollen mein Schwiegersohn werden und mich möglicher
weise zum Großpapa, machen! Zum Henker, das ist doch
nicht dasselbe, als ob Sie zu mir kommen und Klavier
unterricht oder weiß der Teufel was nehmen. Das muß
doch geprüft, das muß doch überlegt fein! Sind Sie
nusikalisch?“ Nein, Sie haben ein huündemäßiges Gefühl
für Harmonie und Ton. Sie gefallen mir nicht, wenigstens
darin nicht, das andere steht auf einem anderen Blatt.
Zur Ehe gehört Harmonie, und Harmonie hat nur einer,
der Musik im Leib hat, und musikalisch ist nur einer, der
venigstens einen Kanon richtig singen kann. Das können
Sie festgestelltermaßen nicht! Was ist denn ein Kanon?
Jeder hat einmal die Stimmenführung. Wesentlich, Herr
Disponent! — Der Mann bläst nicht immer die erste Flöte.
Nur wenn er es einmal fertig bringt wie ich — Frau Kruse
cäusperte sich, „ein pagr Triolen zu improvisieren, dann
hat er das Zeug zum Dirigenten in der Ehe!“
Er klopfte ihm vertraulich auf die Schulter.
„Herr Disponent! — Spaß beiseite, — man ist Vater,
nan muß seine Pflicht tun. Wenn Er mit meinen Frauen—
zimmern einig wird, — von mir aus kann er das Mädel
haben!“
„Die Musik, immer nur die Musik!“, stöhnte Frau Kruse
mit röchelndem Atem.
„Jawohl, die Musik!“, echote der Kapellmeister, nahm
seine widerstrebende Ehehälfte an beiden Händen, zerrte
sie zum Piano. „Nehmen Sie sich ein Beispiel, Herr
Disponent!“ Und er sang und spielte seinen Haus- und
Ehekanon: „Viva la musica — Viva la musica“ — nur
ür zwei Stimmen, und Frau Kruse sang die Einsätze und
Tempi richtig und mit trillernder, selbstgefälliger Stimme
vährend der Kapellmeister die — zweite Stimme brummte
Alfred Vetto.

einander her, reichten sich die Hände, der dritte mischte
sich darunter, der erste löste die Hände, an seiner Statt
ergriff der dritte die Hand des zweiten, und so fort, ein
neckisches Voneinanderstreben, Nebeneinanderschreiten und
Zueinandergehen, sinnvoll abgestimmt und symmetrisch ge—
zeichnet. Herr Kruse spielte die drei Stimmen auf dem
Pianoforte und sang obendrein die dritte Stimme. Mit
einemmale, als sei er des simplen Treibens überdrüssig,
tat er dies: er setzte wieder mit der Oktav an, aber dies—
mal variierte, umkränzte, umtänzelte er in verspielten
und doch kühn geschwungenen Triolen die Grundmelodie,
ohne Zweifel eine schwierige Leistung, die nur ein musik—
beflissener Mann wie Herr Emanuel Kruse zu vollbringen
vermochte.
„Was sagt Er, he?“, fragte Kruse, nachdem der Kanon
zu Ende war.
„Sehr schön, ganz hervorragend, Herr Kruse!“ lobte
Ringelberger, „das werde ich freilich nie fertig bringen!“
Herr Kruse setzte sich im Sessel zurück und lächelte ge—
schmeichelt.
„Wie gefällt Ihnen übrigens Charlottens Stimme?“,
wollte Frau Kruse wissen. Vielleicht hoffte sie bei dieser
Gelegenheit ein Lob ihrer eigenen zu hören.
„Sehr gut —“, sagte Ringelberger verwirrt, „so gut,
liebe Frau Kruse, daß ich mich eigentlich —“
„Schäme!“, ergänzte KKruse, „Er hat allen Grund sich
zu schämen, Herr Disponent! Ein Ehemann sollte ent—
weder musizieren oder wenigstens einen Kanon singen
können!“
„Ach, —“ fauchte Frau Kruse, „das ist doch zweifellos
übertrieben, — Du bist in deiner Musik so —“
„Ein Mann, der weder musizieren noch wenigstens einen
Kanon singen kann,“ apostrophierte Herr Kruse, „der sollte
es vorziehen, ledig zu bleiben!“
Frau Kruse schnalzte verärgert mit der Zunge.
„Hören Sie nicht darauf, Herr Disponent!“, suchte sie
ihres Eheherrn Ansicht abzuschwächen. „Er ist nicht, wie
er tut!“
Ringelberger lächelte grämlich. Er saß eine Weile schwei—
gend da. Sein Blick süchte Charlotte. Sie sah ihn mit
großen Augen an. Wehr dich! sagte dieser Blick.
„Herr Kapellmeister!“, nahm sich Ringelberger jetzt einen
Anlauf, „Sie sagen, ein Mensch, der nicht entweder musi—
zieren oder wenigstens einen Kanon singen kann, der solle
es vorziehen —“
„Ledig zu bleiben, jawohl!“, fiel Kruse ein.
„Ich aber sage, ein Mensch, der sich nicht auf Börsen—
und Girogeschäfte, Lombard, Kontokorrent und Depositen
ee der solle es gleichermaßen vorziehen, ledig zu
eiben!“

u

s
“gB

sf . n »althe uflti
— —— — —

7
iss
348
—Voouhl
V—

Irau Mia Kägelgen —Belz
MOpern⸗ und Konzerksänqerin
Gelanasunterrichtf

„Saardeutsches Streichquartett“
empfiehlt sich zu Veranstaltungen aller Art.
Anpfragen an Konzertmeister cq
W. Rirchner., Saarbrücken
Gustav-Bruchstrasse 87. Teéelefon Nr 26850

47

Saarbrücken 3. Großkerzoqg-FIrieörick-Ofraße 85

Margit Fabian

Kammersänger Michael Dietz
Saarbrücken 1, Gärtnerstraße 27, Fernsprecher 22730
* Baßbariton
Debernahme von Solopartien zu allen Gelegenheiten

Konzertsangerin zur Laute
Saarbrücken 5, Brunnenstr. 3, Tel. 258 54
LIntferricht im künstl. Lautensviel.

THEODOR BEBR αααα O

————— — — —
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.