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Daß zu Beginn dieser Sängertagung ein Positivum lich“ wird Herr v. Peinen sich einen mit Alfred Rosen-—
steht — des sudetendeutschen Dichters Ernst Leibl flam- erg, der am 22. April in Berlin von jener Ehrfurcht
nendes Bekenntnis zur großdeutschen Idee im deutschen esprochen hat; die wir ein für allemal dem Musiker und
Menschen schlechthin, greift zutiefst ans Herz. „Nicht um Menschen Franz Schubert zollen. Ih für mein Teil —
des innerlich längst morschen Oesterreich sind wir einst in nan verzeihe mir diese unbescheiden anmutende Feststellung
den Krieg gezogen, sondern für ein einiges, allumfassendes, — bin also der Meinung, daß es zunächst gar nicht darum
ain das deutsche Blut gebundenes Großdeutschland. Ihr eht, zum Beispiel die klassische oder romantische Musik
deutschen Sänger seid heute die deutsche Vollsgemeinde im umzuschmelzen“. Sondern es gilt, dieses Werk der
leinen, sofern dieser Gedanke vom ewigen Deutschtum in Lergangenheit erst einmal wieder im Sinne des treuen
zꝛuch glüht.“ Leibls Gesamtgedankengänge sind zugleich von dienstes am Werk Jlebendig zu machen. Dem Nichtzrößter“
kulturpolitischer Bedeutung, wie Tragweite. Denn ausiker v. Peinen versichere ich, daß eben dieser Schubert
sie rücken das rein Menschliche in den Vordergrund, mmer noch der menschlich musikalischen Auferstehung harrt,
enes Naturgemäße, das sich aus dem ganzheitlich an Rasse vie anderseits jene Erkenntnis heute gar nicht so un—
und Volkstum geketteten Menschen immer und immer wieder vichtig sein kann, nämlich, daß Beethovens „Neunte“ mit
emporreckt, auch dann, oder vielmehr: dann erst recht, hrem Schlußhymnus nicht bezeichnend ist für die eigen—
venn äußere Ueberlagerungen es vorübergehend zu ver— zerfönlich weltanschauliche Haltung und Gesinnung ihres
schleiern suchen. Die Ideenwelt dieses Auslandsdeutschen Zzchöpfers. Ist das aber wahr, so brauchen wir vorerst
Ernst Leibl ist auch ohne weiteres Programm-Kern des zar nicht darum zu streiten, ob dieses Werk auf den einfach
neuen Weges im DSB., weil es im Grunde heute gar urn Darbietung „geführten“ deutschen Arbeiter wirkt oder
nicht anders gehen kann. Rückt man diese Forderungen richt ...
Leibls — ich nehme an, daß sie an anderer Stelle aqus— Pioniere einer andern und, wie gesagt, neuen Kultur
führlicher, also im einzelnen, abgedruckt werden — geisti-— — und ich rechne v. Peinen in seinem Menschsein dazu —
ger Weise im allgemeinen, wie seelischer Weise im nüssen als Fanatiker im guten Sinn immer über das
besonderen, in das Zentrum des Kulturwillens dieses DeSB., Ziel hinausschießen. Tas darf man ihnen niht übel nehmen,
so kann schon grundsätzllich ein Beschreiten von Irre- dndern muß es ihnen zuqute halten. Allein, sie müssen
wegen künftig nicht mehr stattfinden. ich ünnerhalb dieses TSBl., dem sie sich beigesellt haben
Ich glaube aber, daß manchmal davon gesprochen werden u verantwortlihem Schaffen, auh sagen lafsen,
kann, daß auch im Werden dieses DTSB. der Umweg aß trotz aller Betonung des Laue ncharakters dieses Sän—
größeren Schaden angerichtet habe. Man glaubte, das Ziel berbundes die ganze Kulturwelt nach wie vor, und heute
ar vor sich zu sehen und näherte sich ihm zögernd im Ist, recht, ein Inteéresse daran hat, daß diese andere
Zick-Zack, oder aber, man ging, im Kreise um es herum. Nission desselben Sängerbundes, Mitentwickler und Hort
Beides entspricht nicht dem Sein und Wollen des zeitge- ines künstlerisch getragenen Kulturlebens zu sein, heute
nössischen Menschen und ebenso gewiß ist, daß dieses Umher- um des Hauptziels, das volkhaft Menschliche zu tragen,
schweifen — psychisch, vor allem aber auch physiologisch arzustellen und vorwärts zu treiben, nicht beiseite ge—
gedacht — uns in der Vergangenheit mehr als einmai hboben werden darf.
am ganze Epochen zurückgeworfen hat. Ich sehe die Dinge ganz nüchtern. Weil ich mir aber
Wenn aber Zeitspannen untersinken, erhebt sich jedesmal nmaße am neuen deutschen Männergesang zum bescheidenen
im Sauf, des Gesamtwerdens deutscher Kultur entweder deile mitgebaut zu haben, stelle ich, zu Herrn v Veinen
ein Wehklagen, oder aber ein anklagendes Urteilen und Ver- lewendet, sest:
aurteilen. Es wird und muß dort stärker, ja, zustärkst ausge— Das ganze nene Chorwerk von Armin Knab. Lndwin
prägt sein, wo von vornherein Bindungen fehlen, deren Weber. Walter Rein, Sermann Erdlen, Hans Lang, und
Innewerden vielleicht eines oder das andere hätten ver- vie sie alle heisen mögen, iit dafür niedergeschrieben
tändlich machen können, ohne daß dadurch etwas Grund- vorden, daß es bei seiner Wiedergabe gekonnut und
ätzliches in der an sich verneinenden Haltung sich gewandelt richt bloß gewollt werde.
zätte. Man, muß Bernhard v. Peinens Ausführungen Dieses Können hat ganz gewiß nichts mit einer äußer—
zuf diesem Sängertag nicht nur mit angehört, sondern ichen Technif der Vergangenheit' zu tun, es ist zum Bei—
sie auch noch nachher wieder und wieder gelesen haben, piel dynamisch niemals in' die Zeitspanne der Klaffik dder
um diesen zmutigen Kämpfer um den andern und neuen Jar der Romantik hineingezwängte sondern es hat zu—
deutschen Menschen zu verstehen. Wohlgemerkt: v. Peinen fsererft jenen ewig menschlichen“ Gesetzen zu folgen, die
ringt um den deutschen Mensschen der Zukunft, und inerseits so gut wie nicht medergefchrieben alfso meinetdieser
hat bei ihm vorläufig nichts mit demz Mugßier vegen schulmeifterlich fesigelegt sinde sich anderfeits aber
an sich zu tun. Teshalb gerät er auch diesem Nur⸗Musiker urchaus mit dem geistigen und menschlichen Sinngehalt
edesmal in die Haare, so oft er dessen RurWelt es Laientums der deutschen Chormufit im dB.
ich auch bloß nähert. Und daxum ist es auch nichts Unge- ereinen läßt. Wenn es in“ der Zukunft gelingt. diefe
vöhnliches, daßz v. Veinens Klagen, Anklagen und For⸗- zynthese berzustellen im Werkgedanken, in der Werkvraxis,
derungen im Sagle einen manchmal äußerlich wahrnehm- ei den Werkträgern und den das Werk lebendig Machen⸗
baren, ganz bestimmt aber innerlich bestehenden und den dann ja dann erst wird auch diefer Deutsche
iich aufreckenden Widerspruch auslösten, ein Auflehnen, wel- Zängerbund ein Neues und Anderes gebären, aber nicht
ches nicht allein von, der Seite der Chorleiter herkam, n der Trennung, wie ich hier fagte, vielleicht guch nicht
ondern sich auch bei Sängern bemerkbar machen mußte — inzig imnerhalbe der vborzunehmenden Um schmelzung,
e3 Hricht, pfychologisch gesehen, auch vofitiv sich aus, ondern im Zusammensschmelzen, das alle jene be—
aämlich unterm, Zeichen ihrer menschlichen Treue Irgen sollen, die guten menschlichen Willens sind.
jegenüber dem Nur-Tirigenten von gestern. Die heute oft gehörte Beteuerung, niemand denke an
Sollen wir dieses seelisch Achtenswerte im Grund aus-— ine Zertrümmerung des Konzerts, berührt m. E. nur
rotten? Ich sage neinm, denn es hieße weniger, diesen has Formale, oder aber, ist als Beschwichtigungsmittel
jeute noch lebenden Chormeisster töten, als vielmehr jedacht und deshalb billig, allzubillig. Dem Grund des
sene Kulturwerte an sich, im deutschen Kulturwerfk, esamtproblems rückt zielbewußt und ebenso energisch Hans
herabmindern, welche wir nicht verlieren dürfen. M. E geht gongard näher, wenn er immer und immer wieder bei
s primär nämlich gar nicht um diesen deutschen Chorleiter en Großmeifstern der Vergangenheit, bei Wagner, bei
oon ehedem, sondern um die Aufführunasvraris zruckner, das zutiefst menschlich Bedingte und ebenso Ge—
chlecht him. ragene aufspürt und es »dem deutschen Sängermenschen
Wenn Herr v. Peinen einsieht — und ich zweifle daran vie einen Spiegel vor die Seelenagugen hält. Und doch
richt im geringsten — daß ein gutes Kunstwerk, oder ein nüfsen wir auch dieses Andere sehen erkennen: daß
in sich wahrhäftiges deutsches Volksgut ewig lebendig ist oeder Wagner noch Bruckner im entscheidenden Gesamt⸗
und' bleibt, wenn es nur ebenso wahr, das heißt hier: rusdruck ihres Lebenswerks das volkhaft Männergesangs—
lebendig, dargestellt wird, dann, ja dann, so glaube ich, näßige aufgesucht und darzustellen gewollt hahen. Wagner
werden wir jene Krise des inneren Widerstandes sieg- ils unübertrefflicher Voskspsochologe ahnte es nicht nur,
ceich überwinden, welche uns heute noch umgibt und be— ondern er nutzte es auch aus. aber nur gelegentlich und
droht. Jenes „Warum denn“, das zumindest einem Um- iur mitten im Ganzheitswerk, oft daher nur als Mittel
veg gleich uns behindert und die Bildung neuer geistiger um 8Zweck. und weder arundsätzlich noch sinnbaft in
Sräfte sinuszßaert Mit dieser Achtund des Guten In vo Qufunft greaifond