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auch nur der sachliche Wille zur Objektivität? Kann man den
Blauben daran gerechterweise erwarten, wenn die Ab—
timmungskommission so schwerwiegende negative Ent—
scheidungen fällt, ohne es für nötig zu halten, den Be—
roffenen vorher auch nur anzuhören? Kann man im
Zeitalter der Presse, des Rundfunks, des Verkehrs, im
Ernste jemanden den Glauben zumuten, der Besuch des
Saargebietes durch die Gaumitglieder von Mosel und Nahe
iei der wirkliche Grund?
Das Gesetz, daß jede Politik der Kirchturmperspektive
und Scheinobjektivität immer das genaue Gegenteil von
dem schafft, was sie beabsichtigt, wird sich auch an der
Saar bewaäahrheiten, und das unverständliche, weil völlig
anbegründete Verbot der Abhaltung ihres Gaufestes in
Zaarbrücken wird den Saarsängern der stärkste Ansporn
sein, diesem Gesetz durch verdoppelte Arbeit zum Durch—
bruch zu verhelfen durch alle Widerstände. Denn die Saar—
frage wird nicht von der Außenperipherie her entschieden,
auf der Abstimmungs- und Regierungskommission stehen,
wie überhaupt jede wirkliche Regierung und Politik nicht
oon außen nach, innen, sondern nur umgekehrt möglich
st, vielmehr von dem unzerstörbaren inneren Zentrum des
im Natürlichen und Sittlichen verhafteten Kulturellen her,
in dem alles Deutsche an der Saar geschlossen steht. Von
diesem allein wesentlichen und deshalb entscheidenden Ge—
sichtspunkte her muß also mit aufrichtigem Bedauern fest—
zestellt werden, daß eine der ersten Taten der Abstim—
nungskommission in völligem Einvernehmen mit der Re—
gierungskommission darin besteht, ein Sängerfest im Saar—
gebiet zu unterbinden, das ein hochkünstlerisches Gesicht
hat, das in einem Werke wie Bruckners V. Sinfonie endet
und gipfelt, das niemandem im Saargebiet irgendwie An—
laß zu berechtigtem Anstoß geben konnte, das allerdings
für Abstimmungs- und Regierungskommission offenbar den
zinen Fehler hat, daß. es deulsch ist von der tiefsten
Wurzel her und zum liefsten Boden hin. So steht dieses
zroße Volksmusikfest, mag man seinen Ausgangspunkt oder
sein Ziel ins Auge fassen, nicht nur im Widerspruch,
sondern im völligen Einklang mit dem Saarstatut, das
den Saarländern, ihre Sprache, ihre Sitten und Schulen,
d. he ihre deutsche Kultur gewährleistet, eine Tatsache,
die das Verbot nicht gerechter und verständlicher macht.
In Saarbrücken wäre dieses Sängerfest natürkiches und
fiefes Bekenntnis gewesen; wenn es jetzt über dies Be—
enntnis hinaus leidenschaftlicher Protest und Angriff wird,
dann ist das ganz allein die Schuld der Abftimmungs—
und Regierungskommissions Die Gauführung hat sofort
das Fest nach Trier verlegt und seine Durchführung in
allen Einzelheiten bereits gesichert. Allen Gaumitgliedern —
es kann jetzt keine einzige Ausnahme mehr geben —
por allem denen von der Saar und unter ihnen in erster
dinie den aktiven Sängern — wird die in jseder Hinsicht
unverständliche Verhinderung des Festes au der Saar,
die wieder einmal an das bekannte Wort des schwedischen
Staatsmannes Oxenstierna erinnert, ftärkster Auntrieb sein,
das nunmehr mit noch größerer Liebe und Energie, mit
doppeltem Opserwillen durchzuführen, und sie wird da—
bei gerade infolge des Verbotes auf ein verstärktes In—
eresse und eine gesteigerte Unterstützung der ganzen Be—
pölkerung an Nahe, Mosel und Saar rechnen können.
Nun erst recht!
Deutscher Sängerbund Saarbrücken, 15 .Auq. 1934.
Gau XIV
Nahe-Mosel-Saar)
An alle Sangesbrüder!
Das folgende Rundschreiben haben alle Vereinsführer
in der nächsten Singstunde zu verlesen; sollten in ihr
nicht alle Sangesbrüder anwesend sein, so ist es wieder—
solt zur Verlesung zu bringen. Darüber hinaus bitte ich
dafür zu sorgen, daß auch die inaktiven Vereinsmit
glieder, von seinem Inhall Kenntnis bekommen. Von
einer Veröffentlichung in der Presfe ist abgesfehen.
1. Das Fest findet jetzt untér allen Umständen
in Trier statt. Die Ansprache bei der großen Sängev—
undgebung auf dem Palastplatz wird der Fachminister
für das deutsche Chorwesen haälten, Reichsminister Dr.
Boebbels.
2. Das Verbot der Abstimmungs- bzw. Regierungs—
kommission des Sgargebietes Wnge unser Gaufest zu
einer nationalsvofitischen Veranstaltung voön er664125*
nuhm Saar-Saänger-Vund pur
Ap Nr. 6
Bedeutung. Es kann kein Gaumitglied — weder ein
aktives, noch ein inaktives — geben, das angesichts
dieses Verbotes der Meinung ist, das Fest hätte bis
iach 1935 verschoben werden können, weil eine solche
Meinung mit deutscher Haltung und deutscher Würde ein—
ach unvereinbar ist.
3. Diese Tatsache bedeutet, daß nun erst recht unter
Aufwendung aller Kräfte und Mittel das Fest durch die
Beteiligung aller Vereine und aller ihrer Mit-—
Jlieder begangen wird, daß es keine einzige Aus—
iahme geben kann. Für „wenn und aber“ ist bei der
hne unsere Schuld entstandenen Lage keinerlei Mög—
ichteit und Zeit. Die ganze Gauführung hat sofort und
reudig die gerade für sie außerordentlich erhöhte Ver—
utwortung übernommen, und sie darf deshalb von jedem
Zäuger das Letzte an Pflichterfüllung erwarten.
4. Die finanziellen Opfer werden für die Gesamt—
ängerschaft durch die Verlegung nach Trier — eine
indere Möglichkeit, das Fest in dem vorbereiteten Rahmen
»urchzuführen, gab es nicht — nicht größer, sondern sie
erteilen sich nur anders. Wenn die Sänger von Daun,
Prüm, Bernkastel usw. freudig und geschlossen nach Saar—
„rücken kommen wollten, da mußß man gerechterweise
tuch pon allen Sängern im Saargebiet verlangen, daß
ie ebenso gerne zu dem räumlichen Mittelpunkt des
ßaugebietes fahren, nach Trier. Man muß das ebenso
zuch von allen Sängern von Nahe und Mosel erwarten,
veil lokalpatriotische, persönliche oder irgendwelche
e wesentliche Einzelrücksichten nicht mitsprechen
ürfen.
5. Der Gau verlangt nur alle 5 Jahre eine Be—
eiligung an seinem Fest, das doch das Fest jeden ein—
zelnen Sängers ist, und seit 152 Jahren wird immer
vieder mündlich und schriftlich um Anlegung von Reise—
parmarken gebeten. Vereinen, die ordnungsgemäß ge—
irbeitet haben, macht also die Erfüllung ihrer vor—
tehmsten Gaupflicht keine Schwierigkeit, auch wenn viele
zänger erfreulicherweise zu der großen Kundgebung nach
doblenz fahren.
6. Die Parteileitung in Trier, die Regierung und
SZtadtverwaltung und alle überhaupt in Frage kommen—
den Stellen arheiten in dankenswerter und vorbildlicher
Weise mit der Gauführung zusammen, um jedem Sänger
nuch dem arbeitslosen und minderbemittelten — die Teil—
ighme zu ermöglichen: Fahrtermäßigung, billige Ver—
»flegung, Freiquartiere usw. Es ist setzt Aufgabe eines
eden Vereins innerhalb seiner eigenen Reihen, seiner
naktiven und der ihm zugänglichen Bürgerschaft Fahr—
arten zu sammeln, wie es in manchem Verein schon
geschehen ist. Wo der Geist wirklicher Sängergemein—
schaft vorhanden ist, wird kein Sänger zu Hause vbleiben
nüssen. Der Pfälzer Sängerbund, uͤnser Nachbargau im
deB. kommt mit 3000 Sängern zur Mitwirkung nach
Trier bei viel höheren Fahrpreisen, wie sie unser Gau
jebiet verlangt. Sollen wir uns von den Sangesbrüdern
ius Ludwigshafen, Pirmasens usw. beschämen lassen?
7. Bei der durch die Sagarregierung geschaffenem
zwangslage muß eine ganz klare Haltung und die dus
hr sich ergebende Pflichterfüllung, und Opferbereit—
chaft von jedem Gaumitgliede verlangt werden: in erster
Anie von den Kreis- und Vereinsführern und ihren
Mitarbeitern, von den Chorleitern, nicht minder aber
on jeder Sängerin und von jedem Säuger. Aus dem
berantwortungsgefühl des Sängerführers und des deut
chen Mannes kann ich unangedrachte Bedenklichkeit und
lnentschiedenheit unter keinen Umständen dulden, kann
ch nicht dulden, daß sich aquch nur ein Verein qus—
chließt. Ich verletzte gröblich meine Pflicht, wenn ich
richt jeden Führer sofort abberiefe, der auch jetzt noch
ich schieben läßt, wenn ich nicht jeden Verein aus
schlösse, der sich durch Nichtbeteiligung selbst ausschließt.
Wer trotz aller Schwierigkeiten quch jetzt noch nicht
äberzeugt und vorbehaltlos „ja“ sagt, der gehört nicht zu
uns. Es gibt jetzt keine Kompromiffe und Konzessionen
mehr; nur die Tat gilt als Beweis der deutschen
Zängergesinnung und der deutschen Sän—
ewate Also auf zur Tat! Nun erst
recht!
Mit deutschem Sangesgruß und
Heil Hitler!
Roöondaord