Full text : 14.1934/35 (0014)

Zeite 120 MN'e“.
J Freiheit — das ist Tugend kraft—
vollen Selbstbewußtseins, ist Verdienst männlicher
Selbstzucht und adligen Willens. Sehnsucht nach Frei—
heit ist jedes Volkes Lebensinhalt, das brutaler Macht,
bluts- und bodenfremder Art auf Gnade und Ungnade
ausgeliefert ist. Körperlich gewordenes Freiheitssehnen
ist die befreiende Tat. Die Tat des Helden, des hel—
dischen Volkes, das seines Wertes sich wohl bewußt,
schmachvolles Joch kleinstirniger oder entmenschter
„Sieger“ von sich zu schütteln trachtet. Diesen ist Frei—
zdeit nicht eigen, die da über Bedrückte zu herrschen
vähnen, wenn sie diese unter ihren Willen „zwingen“
nüssen. Sie sind Sklaven ihres geistigen und seelischen
Unvermögens, dem die Erkenntnis mangelt, daß wahr—

ilpph Saar⸗-Säuger-Bund !.

as 5l11av.

Fuga. Zwischen Weser und Elbe liegt niedriges
Land. Es ist nur vereinzelt bewohnbar. Das Wasser
iberschwemmt allzuoft weite Gebiete. Oede und
nenschenleer wechselt das Bild zwischen Moor und
Zzumpf, Wüste und Wasser. Diese Flußmarschen werden
dem Erzbischof Adalbert von Bremen im Jahre 1063
durch seinen Freund, Kaiser Heinrich IV. zum Geschenk.
Einige Niederländer erwerben vom Bischof das Recht
der Ansiedlung von Landleuten. Landnot herrscht von
seher. Und so kommen aus den nachbarlichen Rand—
zebieten bald Scharen arbeitsfreudiger Siedler. Nieder—
änder, Friesen und Niedersachsen. Alles art- und
vesensgleiche Bewohner verwandter Landschaft. Doch
richt nur Landnot läßt sie die engere Heimat fliehen.

Repräsentanten sieben friesischer
Baue, welche der Jurisdiktion der
Bischöfe von Münster unterworfen
varen, bringen dem hl. Paulus als
»em Schutzpatron des Domes Opfer⸗
zaben: Butter, Käse und Haustiere;
die beiden knieenden Häuptlinge über⸗
eichen Schalen voll Goldstücken.
(Wandgemaälde aus dem Jahre
1250 im Dom zu Münster.)
drummstab und Adel üben schon längst unliebsamen
Druck aus, engen die persönliche Freiheit in sinnloser
Weise ein. Hier, in der neuen Heimat, soll friesischer
Freiheitssinn zu alten Ehren kommen. — Nach altem
jermanischen Recht betreuen jetzt die vom Volk ge—
ürten Bauernführer das freie, bäuerliche Gemeinwesen,
»as nach Schließung des „goldenen Ringes“, der kunst—
»ollen Deichbauten, aufblühte wie das bearbeitete Land.
dier stehen, wo sonst die Wasser der Weser über das
dand hinfluteten, reiche Höfe, Denkmäler eines stolzen,
arbeitsfreudigen Geschlechtes. inmitten üppigen Frucht—
andes.
Aber es ist stets so gewesen, daß an der Saat Un—
»eteiligten das Einheimsen der Ernte sehr am Herzen
iegt. Nachbarliche Mißgunst und Habsucht ist in
Zonderheit uns nie vorenthalten worden. Wir spüren
ie allerorten. Hier sind es die beiden Mächte, Kirche
ind Adel, denen die Stedinger entgangen waren, die
nit List und Macht kultiviertes Land erobern wollen,
um es dann den Eigentümern als ihren „Leibeigenen“
u Meierrecht wieder zu lassen. Es wachsen da und
dort schon Zwingburgen ins freie Land. Gewalt zwingt
Leib und Gut. Der Vogt hat hier seine gleiche Auf—
zabe wie im Süden bei den freien Eidgenossen. Hier
vie dort gebiert Freiheitssehnsucht und namenlose Wut
gegen die Unterdrücker den Rache- und Treueschwur.
In den Alpen auf freier Bergwiese ob dem föhndurch—
Jlühten Urnersee. Im Norden — ebenfalls in dunkler
Nacht — in düsterem Gehölz am Brookdeich. Im Süden
zrechen Melchtal und seine Stammesbrüder die Zwing—
esten, im Norden fallen die Burgen unter der Zornes—
aust der Stedinger. Brennende Fanale in beiden Län—
dern künden den Sieg über Gewalt und Unrecht. —
„Nach dem Sieg binde den Helm fester!“ Wo nicht
nratürliche Grenzen schützend liegen oder befreundete
Stämme wohnen, werden Wälle und Gräben geworfen.
Am Rand der Delmenhorster Geest wird ein Stein—
raben geschaffen. dessen Ufer bis zur Höhe eines

haft frei nur der Ichbesieger sein kann, der also auch
seine Machtgelüste über ihm nicht zustehendes Gut er—
ttickt hat. Freiheit ist die Frucht bangen Hoffens,
treuesten Glaubens, geopferten Schweißes aus der
unlöslichen Ehegemeinschaft: Blut und Boden. Nur
der Schollenverbundene seit Erbväter Zeiten kennt voll
die Schmerzen böswillig geknebelten Willens. Nur er
weiß um den furchtbaren Groll, um den unhemmbar der
Erfüllung entgegenreifenden Sieg unkterdrückten, edlen
Volkes, das sich in Nacht und Nebel zum verpflichten—
den Treueschwur fand. Der Sieg kommt! Die Be—
freiung naht! Immer! Und käme sie mit dem Tod!
Bermanischer Glaube führt die im Kampfe gefallenen
helden nach Walhall. Dort leben sie zu den Vätern
dersammelt in erdengelöster Freiheit. — Germanisches
Land — wie oft warst Du nicht Tummelplatz neidischer,
habsüchtiger Nachbarn! Wie viele glaubten, Dir ihre
zweifelhaften Kultur- und Zivilisationsfrüchte be—
scheren zu müssen! Dir, dem Land der Barbaren! Wie
oiele wähnten umgekehrt mit der materiellen Besitzergreifung
 unserer Lande auch unsere Seele, unsern
Geist, unsere einsame Höhe zu erobern! Wie oft zeigt
deutsche Geschichte, daß je heftiger unsere Unterdrückung
durch fremde Gewalt, desto größer unsere Kraft. desto
euchtender unser Sieg wird!
„Deutsch“ sein heißt „göttlich“ sein! Unser Name
jtammt von Teut, dem Gott. (Teuts Land ist eben
Teutschland, Deutschland.) Und Göttliches stirbt nicht,
auch wenn irdischer Tod dem Leben scheinbare Grenzen
tteckt. So war von jeher deutsche Losung: „Lieber den
Tod als in der Knechtschaft leben!“ Kraftvollste For—
mung dieses Freiheitswillens ist aber der Stedinger
Schlachtruf: „Liewer duet, üs Slav“ (im heutigen
aiederdeutschen Sprachgebrauch „Lever dot as Slav'“).
„Stedinger“, das sind Bewohner des „Gestades“, des
Ufers. So sagt schon der Name dieses Volksstammes,
wie sehr er mit seinem von ihm dem Wasser mühsam
abgerungenen Boden yerhunden ist
            
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