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auf gegenseitigem Vertrauen und Vertrauenwollen, be⸗- zleich gesagt, ein Großteil der kulturellen Pionierarbeit
ruhende Verbindung mit der Praxis, hier mit seinen nit leisten helfen. Hans Bongard und Walther Stein,
Chorvereinen und deren Leitern, hergestellt und aufrecht— hier vor allem der letztgenannte, der getreueste Mitkämpfer
erhalten hat. Er holte sich nicht nur die Chöre herein, »es Saarsängerführers, haben hier inmitten eines früher
poudern er brachte auch fertig, zu dem damals immer noch iblichen Wusts sogenannter Sängerblättchen — die mehr
ührenden Erwin Lendoai, als er sich in Saarbrücken der minder eigensüchtigen Interessen dienten und es
ziedergelassen hatte, die künstlerische Fühlung zu halten. benso offen zuzugeben pflegten — das aufgebaut, was
Das konn,te Auftakt, zu einem gewaltigen Vorwärts— ins im Reich schon immer gefehlt hat: eine Zeitung, die
stürmen auf breiter, allerdings nur künstlerisch getragener vohl betont dem engern Zweck zu dienen hat, darüber aber
Basis werden. Sie ist, nicht zur Reife gekommen in zu keiner Zeit des andern und nicht minder Wichtigen
Lendvais eigen-praktisschem Wirken! Das soll weder ergißt: immer den Kern, das ist die Arbeit an der ge—
ein Vorwurf gegenüber ihm, noch zum Saarsängerbund hin amtdeutschen Kultur, herauszuschälen. Der Erfolg des
jein — auch andere haben früher in ähnlichen Aufträgen Zzaarsängerbundes, das Sichstellen in den Mittelpunkt deut—
vbersagt, versagen mümssen. Eines aber, und ein Unver— cher Arbeit an und in der Volksmusik, wäre nicht so ein—
gängliches, hat Lendvais Wohnen im Saargebiet, ver— »eutig stark hervortretend, wenn sich diese Aufbauarbeit
hunden mit der Betrachtung, des dort volkhaft Seien- »on größten Ausmaßen nicht nur durch Jahre des Kampfes
den geboren: den „Psalm der Befreiung“ (nach Worten im deutsche Art auf die SSZ. hätte stützen können, wie
»on Walther Stein)., Dieses Werk ist künstlerisch und auch inderseits für alle nachkommenden Jahrläufte dort ebenso
cein seelisch Höhepunkt des Frankfurter Sängerbundesfestes iberzeugend nachprüfen ließe.
(1932) geworden. Tausend Ohren, tausend ergriffene Diese einzige Saarsängerzeitung — man gestatte mir,
ꝛeutsche Herzen erlebten dieses Werk, das schon 1932, wie »ies eine und mir wichtig Dünkende herauszustellen — hat
1865 der „Frithjof“, Ausgangspunkt zu einem entschei— inter Bongard und Stein erfolgreich den Kampf mit den
denden Umbruch in den neuen, den im tiefsten Sinne zeit— m Westen früher allerorts üblichen Gesangswettstreiten
genössischen Männergesang, hätte werden können — leider rufgenommen. Als man in Großbünden noch darüber stritt,
waren die sogenannt,„Maßgeblichen“ von der Organisation vem man mehr oder weniger bei der notwendig gewor—
richt mit dabei. Aber nahe beim Bachsaal der einstigen »enen Erneuerung auf diesem Gebiete entgegenkommen solle,
Frankfurter Internationasen Musikausstellung (1927) etzte der Saarsängerbund für sich mit Wertungssingen ein.
vurden bei diesem Deutschen Sängerbundesfest noch zwei »ie den rein erzieherischen Sinn solchen „Wettstreitens“
andere Chorwerke aus der Taufe gehoben: Knabs „Lieder erausarbeiteten.
der Zeit“. Sie verebbten in decr akustisch und seelisch mor— Der Saarsängerbund hat seinerseits bewußt eingegriffen.
denden Festhalle der Achtzehntausend, und zudem war ja ils es galt, wertvoll neues Musikkunstgut auf chorischem
noch die Zeit, da der deutsche Volksgenosse solche Dinge vebiet zu schaffen — er vollbrachte aber noch ein anderes
mit sich selber, im stillen Kämmerlein, ausmachen mußte .. ind nicht minder Wichtiges: er hatte s. Zt. die Vertonung
Die Saarsänger kehrten von Frankfurt heim, heiß in des Psalms der Befreiung in Auftrag gegeben und setzte
der Seele, glühend im Herzen, ja, bis zum Hals hinan. »iese Gepflogenheit, welche sich in alter Zeit oft genug be—
Dda holte jener Hans Bongard, ehedem Kämpfer in vährt hat — auch die Haydnsche Kaiserhymne verdankt
Oberschlesien, aus zum Weg ins eigen Andere und Neue. hr Entstehen einem Staatsauftrag — fort, überall an—
„Weshalb?“ fragt er in der Einleitung zu einem kurzen egend, wo es an Gebrauchsgut sür seine Chorvereine
Aufsatz. „Der deutsche Männerchor hat lange auf der nangelte. So wird das Saarsängerbündesfest eine ganze
Flucht in das Ueberwundene und Enge sein Heil gesucht. deihe von Uraufführungen wertvollsten vaterländischen
Er ringt sich, wie das letzte Deutsche Sängerbundesfest riedguts bringen, dafür zeugen schon die Namen der
erfreulicherweise endlich beweist, jetzt zu der Ueberzeugung domponisten Armin Knab, Bruno Stürmer.,
durch, daß dieser Weg hemmende und gefährliche Iso— Valter Rein, Georg Nellius.
lierung bedeutet. und daß gerade in künstlerischen Fragen Endlich aber hat dieser Saarsängerbund seit dem Um—
das Treten auf der Stelle aus inneren Gesetzen eine Un— ruch in die neue Zeit unseres Volkes alles daran ge—
nöglichkeit ist. Das bewährte Alte — aber auch nur das vendet, den deutschen Sänger selbsttätig an einer Gemein—
bewährte! — soll und muß auch in Zukunft geachtet und chaft aller teilnehmen zu lassen, die mehr, unendlich
zepflegt werden; es darf gerade uns Sänger aber nicht nehr ist als alles Singen in der Vergangenheit. Mitten
hindern, Blick und Willen frei zu halten für die gesunde n das Ringen um ein neues und zeitgenössisch bedingtes,
Weiterentwicklung, für die Erkenntnis, daß jene Zeit das vie getragenes volkstümliches Lied wirft der Saarsänger—
Recht und die Pflicht hat, ihre Ausdrucksmittel eigen zu und eine Reihe von Liederblättern, die dem volkhaften
zestalten, und daß es ein Zeichen von mangelnder Kraft Zingen den Boden mit bereiten wollen. Von größter Schlag—
ind fehlendem Charakter ist, wenn sie nur von Anleihen raft ist „Eines Volkes Stimme — vier Lieder von der
aus der Vergangenheit leben kann.“ eutschen Saar“. Ich habe in anderm Zusammenhang da—
Unter dieser Wegleite trat mein Leipziger Kammer— yon gesprochen und beschränke mich hier, noch, einmat
hor am 7. Oktober 1932 seine zweite Grenzfahrt ins »arauf hinzuweisen, daß die Wucht der diesen Gesängen
Zaarland an — mehr als dreißig neue bzw. unbekannte nnewohnenden Idee Berge versetzt und ein Volk von
Werke, viele davon noch nicht gedruckt. Ich denke nicht 300 000 Seelen mit uns im Geiste vereint. Drüben an
daran, pro domo zu sprechen. Nur dieses eine: wir fuhren »er Saar hallen diese Weisen des „Hans von der Saau“
sin im Wollen, zu trösten und zu stärken und kehrten — chon in den, Straßen und Gassen wider; wann singen wir
elber bestärkt im Glauben an deutsche Musik in urdeut— ille sie mit? Walter, Rein hat sein großes handwerk—
schem Volkstum heim. Wo war es doch? Ach, ja, in jenem iches Können bei der Vertonung zweier prachtvoller Ge—
Bergarbeiterstädtchen Sulzbach, da reckten an einem ichte eingesetzt (das eine ist, von Friedrich Rückert, dag
Montagnachmittag 1500 Hände sich empor zum deutschen Lied der deutschen Saar“ hat Walther Stein seherisch
Schwur, und tags zuvor, im ebenso deutschen Sgarlouis, tiedergeschrieben) — J
var es nicht anders. Man kann darüher weder schreiben, So gliedert sich dieser unermüdliche Saarsängerbund ein
noch davon erzählen... n das ewig lebendige Volksliedschaffen — derweilen wir
Wir durften den Saarsängern neues deutsches Chorgut m Reich uns oft noch in hypothetischen Auseinandersetzun⸗—
zringen, und sie haben es mit weit geöffneten Herzen jen erschöpfen, setzt er einfach das andere und neue Kultur⸗
aufgesogen, aufgenommen. um für es zu zeugen im be— zut hin. „Da, nehmt hin!“ — so hören wir jene präch⸗
drohten Land. igen Menschen rufen, die unsers Mitleids wahrlich nicht
Allein, flüchtig ist auch der tiefste Eindruck, wenn man »edürfen. Nein, es ist schon so: sie werden uns auch beim
der Jahre gedenkt, die ihm folgen, folgen müssen. Der Neuaufbau unserer volkisch deutschen Kultur die Fahne
Zaarsängerbund aber dachte auch daran und richtete zur »orantragen. Wir werden ihnen folgen. Kampf hat ihnen
selben Zeit eine Chorleiterschule ein. Nicht etwa die Seele gestärkt, und so gießen sie aus den Bronnen
ein Inftitut zur „Einführung“ in 48 Stunden (zwanzig hres unverfälschten Volkstums über unser Reich, über
Stunden notwendigen Schlafes abgerechnet), sondern eine Laterland und Heimat, über jenes Volkstum, welches sich
Bemeinschaft zur Anschulung in vielen Monaten. wig erneuern wird unterm Zeichen des urschöpferischen
Wo kannft du, lieber Volksgenosse, im Reich, dir Auf⸗ vedankens vom ebensolch ewigen Deutschen.
chluß über die Ergebnisse dieser Lernarbeit unter Walter Dozent Heinrich Werlé,
Resisnn holen? Nunñ, blick in die Saarsängerbundes; Leiter der Abteilungen Chor und, Volksmusik
reitune gdiesfe Sdgorsänoerhundeszeitung hat. das sei in der Me-Rundfunkaruvpe beim Reichssender