Nr. 6 IIIIII' uffhj Saar⸗Sänger-Bund puu Seite 117
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Musiknpolitik — die seimzelle musikalischer Erkenntnis.
Wie weit liegt die Zeit schon hinter uns, da das Wort die sich dem völkischen Gedanken unterwirft, dient in
„Musikpolitik“ verpönt war vor den Ohren jleicher Weise dem vom Volk gebildeten Staat. Musik—
weltabgewandter Musiker, die einen energischen Tren- bolitik wird zur Helferin der Staantspolitiet.
nungsstrich zwischen „Kunst“ und „Welt“ gezogen hatten?
Das Gesicht der Zeit hat sich inzwischen auch in dieser Be—
ziehung grundlegend geändert. Heute wissen wir, daß nur
solche Kunst wertbeständig bleibt, die fest im Leben
des Volkes verankert ist. Die sich nicht an er—
träumte, nie erreichbare Ideale verliert, sondern die Wirk—
achleit mit dem Glanz einer künstlerischen Veredlung um—
leidet.
War einst „Musikpolitik“ verachtet, so steht dieser Be—
riff heute naturgemäß im Mittelpunkt aller musikalischen
krörterungen und Geschehnisse. Es gibt schlechthin kein
nusikalisches Gebiet mehr, das ohne Beziehungen zur Musik—
politik lebensfähig wäre. Auch in der Wissenschaft tritt
»ie Abkehr von einem einseitigen Intellektualismus ebenso
n Erscheinung, wie in der Musikerziehung, in der repro—
uzierenden Kunst. Theoretische und praktische Fächer und
zweige der Musik kommen sich auf dem Boden der Musik—
olitik entgegen. Erst kürzlich verkündete Prof. Dr. Ernst
zücken als Mitglied der Deutschen Akademie die neuen
ziele der Musikwissenschaft: „Die Musikwissen—
chaft wird sich weit mehr, als es bisher geschah, auch um
die Fragen der Musikpolitik zu kümmern haben. So wird
»ie Musikwissenschaft mithelfen können, die große, unsere
Musikkultur bedrohende Krise zu überwinden, wie sie
indererseits die ihr im eigenen Hause drohenden Gefahren
richt besser als durch kräftige Bejahung aller Gegenwarts—
rufgahen bannen wird“
Eine solche Kunst, die tief in das wirkliche Leben des
Volkes hineinragt und ihre Anregungen der Volksseele
entnimmt, kann nicht bestehen ohne innere organische Bin—
dungen mit dem sozialen Leben. Es gibt keine Kunst
mehr, die für sich allein Bestand hätte ohne
ezin engeres Berhältnis zum völkischen
Wesen. Wie sich in der Musik unserer Tage die Seele
des Volkes spiegelt, so wird auch in der Volksseele die
Liebe zur Musik entzündet, die das tönende Echo
»ölkischen Empfindens ist. Der Komponist gibt dem Volke
in künstlerischer Form diejenigen Werte zurück, die dem
ureigenen Lebenskreise des Volkes entstammen. In dieser
Wechselwirkung beruht das Geheimnis des künstle—
cischen Erfolges.
Dieser Erfolg wäre aber unmöglich ohne die genaue
stenntnis der Lebensbedingungen unseres Volkes. Liebe
zur Musik erzieht den Tonkünstler, Liebe zum Volke
aber gibt seiner Musik erst den Inhalt. Den Grundpfeiler
aller musikalischer Erkenntnis bildet also die Sozio—
logie, die den Künstler über völkisches Wesen und Wollen
aufklärt. Ist aber das Volk Träger des Staates, so ge—
bührt der volksverbundenen Musik ein nicht minderer An—
teil an der Ausgestaltung der Staatsform. Eine Musik.,
Musikpolitik wird zum Generalnenner unseres gesamten
Musiklebens. Aber hinter diesem Begriff steht ein leben—
ziges Wort, das allein dazu angetan ist, die Beziehungen
wischen Musik und Politik zu klären und die Bedeutung
»er Musikpolitik als der Keimzelle aller musikalischer Er—
enntnis zu erhärten: Das Wort „Leben“. Dem wirk—
ichen Leben des Volkes entwächst die neue und doch so
iltgewohnte Betrachtungsweise der Musik, und auf dem
eimkräftigen, fruchtbaren Boden des Lebens reichen sich
Musikpolitik und Staatspolitik die Hand.
Dr. Fritz Stege.
Wille und Weg des Deutschen Süngerbundes!
Medee Alfred Rosenberg sprach auf dem
Sängertag des DEB. im Preußenhause zu Berlin
im April ds. Is. den wegweisenden Gedanken
aus: „Es ist das Ziel der nationalsozialistischen Weltan—
schauung, den ganzen deutschen Menschen in seiner tiefen
inneren Geistes- und Willensrichtung und in seiner ge—
samten Seelenhaltung zu erfassen, die auf das Ganze des
deutschen Volkes hinzielt, von diesem Ganzen kommt und
zu diesem Ganzen wieder hin will. Das ist die große Auf—
zgabe, die auch der Deutsche Sängerbund zu tragen hat:
denn wenn andere Künste ihren Einfluß vielfach verloren
haben, in der deutschen Musik und im deutschen Lied steckt
ein sich ewig erneuerndes und die Millionen immer wieder
verbindendes Mittel.“ Durch diese den Menschen und die
Gemeinschaft formende Macht rückt das Singen im neuen
deutschen Volks- und Staatsleben an eine entscheidende
Stelle. Als nationalpolitisches Erziehungsmittel hat es die
Aufgabe, zu der Willenshaltung zu führen, die in rechter
Verbindung von Kraft und Innerlichkeit den heroischen
deutschen Menschen formt.
Die Durchführung dieser Aufgabe ver—
langt, daß in den Lebensformen des Vereins die Musik
nicht mehr Mittel der Außenwirkung, nicht mehr Schau—
stück ist, sondern daß sie aus dieser Randstellung wieder
zurückgeführt wird zu ihrer ursprünglichen Bestimmung,
das Leben des einzelnen zu durchdringen
und Kraftquelle und Ausdruck der Gemein—
schaft zu sein; daß an die Stelle verkrampften und ge—
ünstelten „Vortrags“ ein aus innerem Erleben
erwachsendes gelöstes und natürliches Sin-—
gentritt; daß nicht „Probe“ und Konzert das Vereins—
leben beherrschen, sondern, daß vielmehr alle die Formen
Raum finden, die zu einem echten Musitzieren im
Zängerkreise und darüber hinaus in der Volksgemeinschaft
führen; daß abgerückt wird von dem gefühlsüberbetonten
ich-zhaften Ghorlied. das tertlich und musikalisch in seiner
weichlichen und seichten, wie auch in seiner häufig un—
wahren und bombastischen Art dem männlichen Geist
der Zeit widerspricht, sondern daß eine entschlossene
hinwendung zu der Chorliteratur erfolgt, die all—
gjemein gültige, heute jeden angehende Gehalte birgt und
ich einer objektiven und überzeugenden Formensprache
zedient.
Die Durchführung dieser NAufgabe ver—
langtaber auch, daß über die Vereinsgrenzen hinaus
die so geformte Sängergemeinschaft in stärkstem Maße dem
Folksganzen dient und daß sie im Einsatz bei Kund—
sebungen, Feiern und Festen, in offenen Singstunden, Ge—
neinschaftssingen und Liedertagen und schließlich auch in
der Erhaltung heimatlichen Brauchtums ihr lektes und
söchstes Ziel sieht.
Die Durchführung dieser Aufgabe hat be—
timmte Voraussetzungen, die nur durch sorgfäl—
ige Auswahl und gründliche Schulung der organi—
atorischen und musikalischen Führer zu
chaffen fsind. Die Erziehungsarbeit im Bund, Gau
ind Kreis erfolgt im wesentlichen durch Schulungslager, da—
ieben auch durch Lehrgänge, Arbeitsgemeinschaften, Ta—
zjungen, Wertungssingen und Musterveranstaltungen, nicht
uletzt auch durch vorbildliche und würdige Ausgestaltung
iller Sängertrefsen. Der KThorleiter als der Träger
der musikalischen Arbeit ist verpflichtet, jdede von Bund,
ßHau und Kreis geschaffene Schulungsmöglichkeit zu nützen
uind die gewonnenen Anregungen in seinem Wirkungskreis
»oll auszuwerten. Daß aber erfordert Hingabe, Uneigen—
ützigkeit und Gemeinsinn. Die gleiche Forderung ist zu
tellen an jede deutsche Sängerin, an jeden deutschen Sänger.
Gemeinsinn zu zeigen und Gemeinschaft
zu bilden, ist Wesensausdruck deutschen
Singens. Deshalb sind die deutschen Sän—
zerimnen und Sänger stärkste Stützen der
kehendidgen deutschen Voltsqgemeinschaft