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»Ihlll Saar-Sänger-Bund IIP

iunnn Nr. 6

riger Kirchen, vor allem eines Domes, und es ist gewiß,
daß der Trierer Dom an Größe und Erhabenheit hinter
teinem der rheinischen Dome zurücksteht, sie aber übertrifft
durch die Eigenart seiner Entstehung, — seinen Kern bil—
det, noch heüte an den Außenmauern deutlich erkennbar,
eine gewaltige römische Halle, die mit verschwenderischer
Pracht ausgestattet war. So lebt hier, wie es Goethe

heherrschten. Neben dem ernsten römischen Bau der Basi—
ika, in dem sie lange gehaust haben, stellten sie Neua—
»auten im Stile der Zeit, im 18. Jahrhundert eine von
debenslust und Heiterkeit überschäumende Rokokofassade.
Und wie die Landesherren sind stets die Landes—
inder gewesen. Sie folgten deren Beispiel und machten
)as Gute nach, der Adel, der so prächtige Bauten wie das
Palais Kesselstatt in feinfühliger Rücksichtnahme auf Dom
ind Liebfrauen in deren Nähe geschaffen hat, das Bürger—
um, das in einer fast unzähligen Schar von stilechten
zdäusern aus allen Perioden sich ein Denkmal gesunden.
vrtschrittlichen Geistes gesetzt hat.
Das glückliche Zusammenwirken beider Faktoren, der
Treue, mit der das gute Alte festgehalten, und die Freude,
mit der das gute Neue aufgenommen wurde — es kam
viederholt aus Frankreich, wurde dann aber jedesmal in
deutsche Form umgeprägt —, hat Trier im 19. Jahrhun—
dert, als man überall dem Neuen und Neuesten nachzu—
agen begann und mancher Ort verschandelt wurde, das
schöne alte historische Stadtbild in seiner bezau—
z»ernden Eigenart in allem Wesentlichen erhalten, und
aindererseits wieder aus der ältesten deutschen Stadt
ine ganz moderne Stadt gemacht, in der alle Er—
ungenschaften der neuzeitlichen Technik, die das Leben
eichter, angenehmer und gesunder machten, zu Hause sind.
Ddie Stadt, ein Gemeinwesen von rund 70000 Seelen, be—
serbergt ein großes mit einer Talsperre verbundenes Elek—
rizitätswerk, das ein sehr ausgedehntes Versorgungsgebiet
vat. nordwärts Trier, weit in die Eifel hinein,. diesen

Liebfrauenkirche
ausspricht, die Tradition weiter. Die Verwurzelung in
antiker Tradition zeigt auch die prachtvolle Fenstergruppe
des Frankenturmes, des ältesten steinernen Wohnhauses auf
deutschem Boden. Wie eine Foritsetzung des Stiles der—
artiger Turmbauten aber erscheint das schöne Dreikönigs—
)aus aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, ja auch die
nalerische spätgotische zinnengekrönte Steipe au der Ecke
des Hauptmarktes zu Trier, der in seiner Geschlossenheit
ein Kabinettstück städtebaulicher Kunst ist. Unwillkürlich
aucht beim Betrachten des Trierer Hauptmarktes der
timmungsvolle Marktplatz des Moselstädtleins Bernkastel
vor uns“ auf, mag jener äuch viel kleiner sein, wir fühlen,
hier waltet dieselbe Schönheitsfreude, die, so sehr sie in
ziefem alten Kulturlande seit den Römertagen Tradition
st, immer wieder angeregt wird und eine eigene, gesunde,
gediegene, manchmal behäbige Note erhält durch den genius
Bei doen Wein

—
—

Steipe
und Rotes Haus

2

sturfürstliches
Valais

dustbereich aller Wanderer und Naturfreunde, nach Süden
n das Hochwaldgebiet, das Eldorädo aller Freunde
der Poesie des deutschen Waldes und der Jägerei. Ein
edeutendes Werk moderner Technik ist auch die neue
Moselbrücke, die als Gegenstück zur alten Römerbrücke
m Jahre 1913 mit einem Kostenaufwand von rund 2
Millionen Mark geschaffen worden ist und sich vortrefflich
in die wundervolle Landschaft, eine Erholunaslandschaft
ersten Ranges, eingliedert.
So darf man wohl sagen, daß, wer versäumt, die alte,
chöne, von Romantik umwobene und zugleich jeden An—
pruch des modernen Menschen zufriedenstellende Stadt zu
ehen, sich selber um ein unvergeßliches Erlebnis bringt.
Prof. Dr. Kentenich,
Jyrios

2

Diese Festhaltung an der Tradition hat aber eine freudige
Anteilnahme an gesundem Fortschritt niemals gehindert.
Ihm haben die Trierer Erzbischöfe gehuldigt, als sie neben
den romanischen in der Antike verwurzelten Dom ein form—
bollendetes Werk der frühen Gotik, die Liebfrauenkürche
 stellten oder im 18. Jahrhundert dem Rheinlande
n der Paulinuskirche die graziöseste Rokokokirche
schenkten. Der große Würzburger Balthafar Neumann hät
ihre innere Ausstattung geschaffen. Denselben fortschritt—
lichen Geist zeigt der Trierer Residenzbau, den die
Trierer Erzbischöfe schufen, als sie Landesherren und Kur—
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