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Wie im Ihalt, so sucht dieses Fest bewußt auch in
den Formen neue Wege, Wege in die Zukunft. In
Zaarbrücken hätte kein Konzert mit Ausnahme des
großen Brucknerschlusses länger als eine Stunde ge—
zauert; in Trier bedingten die anderen Saalverhält—
nisse und die durch sie notwendig gewordenen Um—
legungen kleine Verschiebungen. Begeisterung und
Stimmung lassen sich nicht auf Flaschen ziehen, lassen
sich nicht dehnen wie ein Gummiband; gerade tiefe
Eindrücke überschlagen sich sehr schnell und leicht.
Das Weniger ist — übrigens nicht nur auf künst—
erischem Gebiete — fast immer ein Mehr.
Das Fest sucht in verschiedenen Konzerten auch
den Gedanken des Konzertes in sich und aus sich weiter—
zuentwickeln durch stilgleiche Zwischenmusiken, durch
feierliche Intraden. Aber in allen Konzerten beweist
dieser Volksmusiktag, daß das Konzert durchaus nicht
oeraltet ist und verschwinden muß, und daß man auch
durch Hören wachsen kann. Die Konzerte dieses Festes
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deruhen sämtlich auf derselben tiefen und alles umfas—
enden Gesinnungsgrundlage, und sie sind
»eshalb einheitliches Bekenntnis und erhalten
»arin nicht nur ihre Berechtigung, sondern sogar ihre
stotwendigkeit. Das Konzert als Ausdruck dieser
ßrundlage, als Gestaltung seelischer und geistiger
Begebenheiten des Gemeinsamseins wird immer seinen
ZzZinn und seine Bedeutung bewahren; das Konzert
illerdings als Angelegenheit von außen, als Gelegen—
seit, sich zu produzieren und zu prostituieren — so—
vohl vom Ausübenden wie vom Hörer aus — ist mit
diesem tiefen Geiste deutscher Kunst, d. h. deutschen
ZSichoffenbarens und Bekennens völlig un—
zereinbar. Gerade uns Sängern der deutschen Grenz—
narken ist jedes Singen deutsches Bekennt—
nis. Das ist der tiefste Grund, weshalb für dieses
SZängerfest im Saargebiet nicht Raum war.
Hans Bongard.
Jrier an
der Mosel.
Mayi hat das Moseltal mit seinem sanft dahinglei—
DBAt tenden Fluß, dessen zahlreiche Windungen uns immer
neue, oft überraschende Landschaftsbilder eröffnen, das
värmste von allen Nebentälern des Rheins genannt. Die
Königin dieses Tales aber ist Trier. Wer auf einer die
Stadt umgebenden Höhen steht, dem kommen unmittelbar
so schöne Städtebilder wie Salzburg, Heidelberg, Würzburg
oder Florenz in den Sinn. Kein geringerer als Schinkel,
der Vielgereiste und Kenner südlicher Landschaft, glaubte
n Trier ein Italien nördlich der Alpen wiederzufinden.
zgeler Säule, ein Grabmonument, das sich der Besitzer
iner an der Stelle des heutigen Dorfes Igel, unweit
Trier, gelegenen Villa errichtete, das großartigste römische
hrabdenkmaäl diesseits der Alpen, einzigartig wie das Wahr—
zeichen Triers, die Porta nigra.
Die Römer sind es auch gewesen, die den Wein an der
Mosel angepflanzt haben. und sie haben ihn auch schon
St. Matthiaskirche
Kaiserthermen
Das ist es wohl auch gewesen, was die Römer, als
sie den Rhein zum erstenmal in der Geschichte zur poli⸗
ischen Grenze gemacht hatten, veranlaßt hat, gerade an
diesem Punkte eine Stadt zu bauen und das diese Stadt
hnen so angenehm machte, daß hier Kaiser wie Konstantin
der Große Jahre hindurch residiert haben. Wie sehr die
Römer dieses Landschaftsbild beglückte, das spricht sich in
dem berühmten Moselgedicht aus, das Ausonius, der Er—
zieher eines diefer Kaiser uns hinterlassen hat; davon
rzählen uns die Reste der Luxusvillen, welche die Römer
und die zu Römern gewordenen alten keltischen Landes⸗
einwohner in der Umgebung Triers errichtet haben, ant
hekanntesten die Villa von Nennig, deren großer Mosaik—⸗
hoden mit Darstellungen von Kampfszenen, wie sie sich im
vohlerhaltenen Trierer Amphitheater abspielten, eine Be—
rühmtheit ist. An diese Villen, die Zeugen eines raffi—
nierten Luxus gewesen sind, wie er auch aus den Resten
der Ausstattung der römischen Bäder in Trier, der Barbara—
und Kaiserthermen, unter anderem aus dem Torso einer
wunderschönen, wie ein griechisches Driginal anmutenden
Amn— richt erinnert auch die sogengauntée
u würdigen verstanden. Das bezeugen zahlreiche römische
denkmäler, wie das Moselschiff und andere Originale im
ßrovinzialmuseum sowie die Nachbildungen dieser Denk—
äler in einem hochinteressanten Saal des Deutschen Wein—⸗
nuseums in Trier. Angesichts dieser Sachlage ist es be—
zreiflich, daß man den Moselwein nirgendwo besser und
iirgendwo mit größerem Verständnis trinkt, als in Trier.
dieses dauernde innige Verhältnis der Stadt zum Wein,
zas sich auch in den alten Trierer Weinversteigerungen, die
itjährlich wiederkehren, ausspricht, hat niemand so tref—
end gezeichnet wie, Goethe in den Versen;:
Trierifche Hügel beherrschte Dionysos, aber der Bischof
Dionñysius trieb ihn und die Seinen herab;
Christlich lagerten sich Bacchanten-Scharen im Tale. Hinter
die Mauern versteckt übten sie alten Gebrauch.“
der dichter hat recht, das Christentum hat in Trier
Ane so reiche Entfaltung gesunden, weil die Stadt schon
n römischer Zeit Bischofsstadt gewesen und es bis
ruf den heutigen Tag geblieben ist wie Köln und Mainz.
Als Kirchenfürsten haben die Trierer Bischöfe mit ihren
Heinischen Kolsegen gewetteifert in der Richtung vräch—