Full text : 14.1934/35 (0014)

Saarkunögebungen.

as deutsche Volk, das fünszehn Jahre lang mehr oder
O weniger interessiert Auge und Ohr auf den tragischen
Kämpf der Saardeutschen gerichtet hat, bekundet seit Jahres—
frist wärmer und lebendiger auch nach außen hin die un—
lösbare Verbundenheit von Reich und Saar. In Stadt
und Land finden überall Saarkundgebungen statt,
an denen die Gesangvereine entsprechend der über 70jäh—
rigen nationalen Tradition des DSB. betont beteiligt
find. Aus der lawinenartig angeschwollenen musitalischen
Literatur geben wir hier — nach Schwierigkeit geordnet
— eine kleine Auswahl. Es verdient gewiß Beachtung, daß
aus seiner Grenslandnot heraus das Saargebiet wieder

Winterberadenkmal.

Glückliches Unglück. Von Heinrich Schaumberger.
(Fortsetzung.)
Als das Mädchen fassungslos ihren Kopf an seine
Schulter lehnte und er nun fühlte, wie sie unter den
Sloößen des Schmerzes zuckte, quoll es ihm wieder heiß
auf. Heftig schob er seine Mütze hin und her und klagte:
FJa, du haft freilich recht zu weinen, was hilft's uns,
daß du einsiehst, ich kann nicht anders? Dein Vater, daß
sich Gott erbarm, dein Vater kommt nimmermehr zur
Erkenntnis, nimmermehr gibt er nach. Und nun auch noch
die Geschichte mit dem Hofmartin! Evebärble, was sols
nun werden?“
Das Mädchen hatte lauschend den Kopf gehoben, jetzt
schluchzte sie: „Ich weiß nicht; mein Kopf ist wie ausge⸗
brannt! Ich weiß nur: ich bin das unglücklichste Mädchen
auf Gottes Erdboden! Horch!“ fuhr sie auf, „sie kommen!
Ich bin dein, Paul, für immer und ewig, was auch kommen
mäg, ich bleib' dir treu! Was aus uns wird, weiß ich nicht;
gewiß ist nur, daß uns noch viel Leid bevorsteht! — Hörsi
du nichts um Gott! — Paul! — Fort, sort! Es
wäre mein Tod, müßte ich denken, du könntest den Rotten—
steinern in die Hände fallen! — So eil' dich doch! —
Was ftehfi du da und siehst mich an? — Wenn du mich
gern haft, geh! Gott weiß, was mir bei den Eltern be⸗
dorfstettt. foll ich aucs deinetwegen noch zittern und z2agen?“

im Volkslied schöpferisch geworden ist. Nicht nur in dem
hekannten „Deutsch ist die Saar“, das ja heute im lieben
Vaterland jedes Schulkind singt. So soll denn in meiner Aus—
wahl den „Saarkampfliedern“ der Vortritt gelassen werden:?
i. Hans von der Saar, Vier Saarlieder (Eines
Volkes Stimme, Wir kommen heim ins Vaterland, An der
Saar die deutsche Front, Glück auf der Saar) nach Ge—
dichten von Fr. H., leichte Volksliedsätze, meist einstimmig
Hejt 1v der Liederblätter des Gaues, XIV des Dew.
Nahe⸗Mosel-Saar, Karl Hochstein-Heidelberg, dasselbe im
gleichen Verlag für Singstimme mit Klavierbegleitung unter
dem Titel: Eines Volkes Stimme.,)
2. Walter Rein, Arm Saarvögelein nach dem be—
kannten Gedicht von Friedrich Rückert und „Deutsches
Saarlied“, zwei schlichte ein⸗- bis dreistimmige volksliedartige
Sätze (Hest VI 'obiger Liederblätter in gleichem Verlag,).
3. Philipp Stilz, „Wir wollen heim“ nach Worten
von Albert Korn, für Männerchor a cappella (Heft
der genannten Liederblätter).
4. Armin Knab, Weckruf und Deutscher Morgen,
volksliedartige Sätze, meist unisono, mit Blasorchester, ge—
dichtet und komponiert für das Gaufest September 1934
in Saarbrücken, wo die beiden Chöre zur Uraufführung
kommen.
5. Josef Schwartz, Saar-Hymne nach Worten von
Friedrich Thamerus, Verlag des Saar-Sänger-Bundes.
Saarbrücken, Ludwigsberg.
6. Wallier Rein, Echwur des Volkes, Kantate für
Männer-, Gemischten oder Frauenchor, Sprechchor oder Ein—
zelsprecher, mit Klavierbegleitung oder Blasorchester, Dich
ldung von Hanns Maria Lux. Uraufführung bei der Saar—
kundgebung auf dem Niederwald 1933. In der Partitur
befindet sich als reichSsdeutsche Ausgabe, um das
bedeutsame Werk auch für alle Zukunft lebendig zu er—
halten, ein für alle vaterländischen Zwecke geeigneter Text
Verlag Karl Hochstein).
7. Erwin VLendvai, Psalm der Befreiung, Kantate
für Männerchor, Sopran und Orchester, gedichtet und kom—
poniert im Auftrage des Saar-Sänger-Bundes für das
Sängerbundesfest in Frankfurt, wo das Werk seine Urauf—
führung erlebte. (Verlag Ernst Eulenburg, Leipzig.)
8. Bruno Stürmer, Ein Volk ruft, Kantate für
Männerchor (mit Blasorchester ad lib. gedichtet und, kom—
poniert für das Gaufest des SseB. September 1934 in
Saarbrücken, wo es zur Uraufführung kommen soll (Ver—
lag P. J. Tonger, Köln).
9. GrLorg RNellius, Lieder von der deutschen Saar:
Vorspruch, Heimweh, Saarfahrt, Brautlied, Trauerlied an
den Wein, darstellbar nur durch sehr leistungsfähige Ver—
eine. (Verlag Karl Hochstein, Heidelberg.)
2— — J —— —
„Evebärble, mein gut's Evebärble! Es soll anders
werden, ich — —“
Dmein Gott! — Hörst du nicht, wie, sie das Haus
umkreisen? — Mach' fort, eh's zu spät ist!“
Paul wandte sich zur Flucht. — Zu spät! Von allen
Zeiten prasselten Holzscheite in den Hof und splitterten
an Wänden' und Eckeu. Allen Kameraden weit voraus
ftürmte Martin um die Ecke. Mit lautem Zornruf warj
er sich auf den verhaßten Nebenbuhler. Doch auch dem
Schülzle hatte die Gefahr Ruhe und Besonnenheit wieder—
gegeben. Geschickt wich er dem Anprall aus, Während
Märtin noch von der Wut des Stoßes baumelte, packte er
ihn und schleuderte ihn den anstürmenden Rottensteinern
entgegen. Vann fühlte er seine Hand ergriffen. Er tauchte
in Line dicke Finsternis, eine Tür sprang ins Schloß. Zu—
gleich krachte ein solch furchtbarer Stoß gegen das Bohlen—
berk, daß ein dumpfer Schlag,durch das stille Haus schüt⸗
lerte. Aber umsonst hatten sich die Gegner draußen mit
boller Kraft gegen die Türeée geworfen; sie hielt. Eve—
bärble schob rasch noch den Regel und Sperrhaken vor
Für den Augenblick war Vaul in Sicherheit. Für den
Augenblick!
Warm und kalt überlief es den Burschen, während er
im stichdunkeln, eisigkalten Treppenraum neben dem leise
veinenden Mädchen stand, draußen seine Gegner, schnau⸗
ßeuß dos S3s iobtfen. bald än den Haus-— und Stall—
            
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