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wie großsprecherische und auf äußere Effekte gestellte heraufklingt, sondern wie ein goldener Hauch über fas
gekünstelte Bravourstücke — wie es ja das Volkslied allen seinen Werken steht.
aller Gaue in seltener Einhelligkeit veranschaulicht Diese Wesenheit Walter Reins wurde aus deutschen
Was den hier genannten Liedern Walter Reins den Art und deutschem Blut. Sie festigte sich auf deut—
Weg in die Herzen von Volk und Jugend schen Bildungswegen, läuterte sich im Schicksalstige!
ebnete, das ist vielleicht schon der schlichte, anspruchs- deutscher Kriegsnot und klärte sich ab in dem natio
lose, aus dem Herzen strömende, zum Teil gänzlich un- nalen Sturm, der in der Gegenwart über das deutsche
literarische Teyxt. Und dann die unverbogene Natür. Herz geht. Seine Wiege stand in Thüringen. Hier is
lichkeit der Melodie, die in ihrer gewiß ungewöhn er am 10. Dezember 1893 zu Stotternheim geboren
lichen, aber keineswegs gesuchten Linienführung über Früh für die Musik gewonnen, begegnen wir bereits
aus leicht eingängig ist und wie unmittelbar zum dem Knaben bei Kompositionsversuchen, namentlich
Herzen spricht, bei Hans von der Saar in ihrer schar! Stücken für seine geliebte Violine. In der Jugend
rhythmisierten Dramatik, bei Walter Rein leicht be. vewegung kommt Rein vor dem Kriege durch den
schwingt daherschreitend in edelster Lyrik. Rhythmin „Zupfgeigenhansl“ in Verbindung mit dem Volkslied
und Melos als die Urelemente musikalischen Aus- und man kann wohl sagen, daß diese Begegnung mit
drucks sind vorherrschend. Die Dynamik wird sekun dem deutschen Volkslied das entscheidende musikalische
där, sie wird zum notwendig abgeleiteten, sich von Erlebnis seiner Jünglingsjahre war, wie es sich in
innen her ergebenden Vorgang. zahlreichen Bearbeitungen für die Fahrtgemeinschaft
Walter Rein ist voll tiefer Empfindung und des- vezeugte. Dann kam der Krieg, der unsern jungen
wegen auch schöpferisch von wesenhafter Erfindung NMusitker mit Hunderttausenden und Aberhunderttau
Er ist aber vor allem ein Meister des Satzes fsenden in die Schrecken des Fronterlebnisses hineinzog
Wahrlich nicht im Sinne verstandesmäßigen Ausklü. Vier Jahre steht Rein im Feuer Flanderns, Rußlands
gelns, raffinierten Berechnens! Seine meist polyphone Frankreichs und kehrt schwerverwundet mit dem
Stimmführung — gänzlich vobal gedacht — ergibt Fisernen Kreuz 1. Klasse frühgereift in die Heimat
Klangbilder von hohem Reiz und starker Einprägsam. und zum Berufsstudium zurück. Es folgen intensive
keit. Man folge einmal besinnlich den goldenen melo Kompositionsstudien bei Erwin Lendvai, Richard Wetz
dischen Fäden der einzelnen Stimmen in einem Volks- in Weimar, Waldemar von Baußnern in Berlin, ein
lied satz wie „Muß i denn zum Städtle hinaus“. Wie Durchgangsweg, der sicher notwendig war, um sich
anschaulich und bildhaft sind die Szenen erfaßt, wie selbst zu finden. Mehr und mehr entfaltet er Sicher—
sinnvoll die wechselnden Gemütsstimmungen heraus heit und Strenge des eigenen Stils. Am
gehoben und unterstrichen, wie sorgsam sind die Lasten Volkslied gebildet, bleibt ihm das Volkslied Quell
in Auf- und Abklang in den Stimmen aus- und abge seines Schaffens. Ueberall bleiben Volksnähe und
wogen, wie feinfühlig Spannung und Entspannung Volkstümlichkeit spürbar, aber nicht jene billige und
ausgeglichen! Zu feinster Filigranarbeit steigert sich die anrüchige Volkstümelei, die auf Wirkung berechnet ist
Verknüpfung der goldenen Fäden des Stimmgewebes Er sucht und findet in bewußter Abkehr von der her—
in zahlreichen seiner Lied- und Chorsätze durch Ver kömmlichen sich romantisch gebärdenden Chorliteratur
wendung einzelner Instrumente, wie sie auch der musikalische Erneuerung aus den Kräften unseres
musizierenden Jugend zur Hand sind: Violine, Flöte Volkstums. Und so erkämpfte sich Walter Rein seinen
Und dadurch entsteht mit den einfachsten und volksstum. Platz in der ersten Reihe neuzeitlicher Tonschöpfer neben
lichsten Mitteln bei Liedern mit mehreren Strophen wie Armin Knab, Erwin Lendvai, Bruno Stürmer!
dem — Punte Mauninfaltinkett Die Sängerschaft an der Saar sieht sich Walter Rein
gtheit.
Echt deutscher Humor beschwingt manche seiner zu besonderem Danke verpflichtet. Nie versagte —
Tanspf 5.5 — * 4 er Ruf von der Saar an den vielbeschäftigten
Toashöpfungen, froͤhliche Liebeshebder scheimische Jiger. vdenn der Ruf nge
stücklein, launisch kecke Kantaten vom edlen Wein, Ka— elb aesor erging. ee de —
nons für frohe gesellige Stunden. Aber auch hier Ise un Dies r in D von Anen v
heraugnet sich Rean mcht. Aittes bleibt in edlem Maß, orleiterkursen, als Sachverständiger bei unsferen
in den reinen Grenzen, die nur der oft allzu leicht Wertungssingen, als Leiter der Chorleiterschule des
uberschreilet der keinen Wein vertragen kann und fůr Bundes und füngst wieder als Dozent im Schulungs
den offenbar Gott ihn auch nicht wachsen, reifen und lager in Bernkastel. Mit unbestechlichem Urteil wie⸗
so voller Wonne werden Ueß. er Wege in die wertvolle Chorliteratur. Aus reicher
Und so gehen denn auch die beiden anderen Erlebnis— Praris heraus befruchtete er die Tochnit “ Ehor
sphären restlos und letzten Endes als tiefster Exponent erziehung. gmmuor richtete er den Blick der Chorleiter
u seiner Wesenhert auf: die lebendig beschwingte Auf die Erfassung des Ganzen einés Kunst
Siebe zu Beimat, Volt und Vareriand, werkes, Jauf, die Ausschöpfung des Stimmungs—
die sie unter andern auch so glutvoll aus dem , Deut, gehaltes. Allüberall überzeugte er durche ig
schen Schwur“ spricht und die herzenstiefe echte delbst, daß niemand ergreift, der nich
Fabmmnigreit vol tiefer echt deutshen Inneruch selbst im Tiefsten ergriffen ist.
keit; die nicht nur aus Chorälen und geistlichen Sätzen Walther Stein.
J. Geropp, Saarbrücken 1u. 3I rTeefon Ne
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