Full text : 11.1933-1934 (0011)

haben. Unter dem Motto „Frühling“ läßt sich schon eher ein
Programm aufziehen, weil es großen Spielraum gewährt.
Ueberhaupt hat nur die literarische Idee Existenzberechtigung,
die den Rahmen möglichst weit spannt. Und noch eins: Man
stoße das Publikum nicht zu aufdringlich auf das Motto. Es
prange nicht stolz und überragend gauf dem Programmzettel!
Es genügt, wenn der Zuhörer den Zusammenhang erfühlt.
Nichts ist zudem gefährlicher als eine lehrhafte Absicht. Mit
Schulmeisterei will das Publikum nichts zu tun haben!

Nr. 4 IL.

A Saar⸗Sänger⸗Bund jltsh.
Fin Abend ausschließlich mit alter Musik, etwa Barock oder
16. Jahrhundert, bietet für einen Männerchor nicht genügend
Abwechslung. Anders schon solche Abende für gemischten Chor,
ralls man das gecignete instrumentale Gegengewicht zu geben
mstande ist. Geeignet im übrigen ist fast nur die verpönte
Romantik. Leicht hingegen sind zwei Perioden miteinander zu
herbinden; am besten vielleicht Alte Meister des 16. und
17. Jahrhunderts (möglichst in Originalwerken!) und als Gegen—
iberstellung im zweiten Teil zeitgenössische Meister. Vielfach geht
nan bei der Programmgestaltung von lokalen Gesichtspunkten
rus und veranstaltet einen Abend „Wiener Meister“, einen
„Rheinischen Abend“, einen Abend „Berliner Meister“, einen
„Nordischen Abend“ usww. Auch hier immer wieder dasselbe:
genügend Spielraum. Und noch eins: Viel zu leicht läßt man
ich verleiten, um der einmal mit soviel Mühe gefundenen
Idee willen ein Werk einzuschieben, das zwar vorzüglich „vaßt“.
dessen Wert aber mehr als zweifelhaft ist.
Wir sahen also, die Möglichkeiten einheitlichen Programm—
gestaltens sind verhältnismäßig gering. Aber es kommt viel
veniger auf diese doch sehr äußerliche Einheit an. Die Einheit
iegt viel mehr in der Tiefe des musikalischen Geschehens. Und
zdie Bewegung dieses musikalischen Geschehens zu verfolgen und
von sich aus durch ein Programm zu gestalten, dazu gehört
Heschmack. Und nichts ist reizvoller als ein Programm, das diese
nnere, tiefere Einheitlichkeit und Geschlossenheit zeigt.—

sh Seite 87

Größere Bedeutung haben die Programme, deren Einheit eine
musikalische ist. Alsso Programme, die den ganzen Abend etwa
in den Dienst eines Komponisten stellen. Aber auch diese
Programme sind nur dann möglich, wenn sie genügend Ab—
wechstungsmöglichkeiten, genügend Spielraum gewähren, das
heißt wenn sie nur solche Komponisten berücksichtigen, die
i. genügend gute Männerchöre geschrieben haben, 2. genügend
andere Werke GSololieder, Instrumentalwerke) zur Auswahl
stellen. Ein Abend Mozart, Beethoven, Hahdn, Weber, ja selbst
Bruckner ist unmöglich. Schubert, Schumann, auch Brahms
schon eher, vorausgesetzt, daß man von letzterem seine größeren
Werke (Altl⸗-Rhapsodie, Rinaldo) hinzunimmt und die von Hegar
besorgten Bearbeitungen seiner, Volkslieder in Kauf nimmt
Unter den neueren sind Kaun, Kämpf, Rinkens, Lendvai, Rein
mit Erfolg schon für ganze Abende in Anspruch genommen
worden, da sie hinreichend änderes als Männerchöre geschrieben
haben. Bei Knab und Hans Gal ist ein reines Männerchor—
konzert schon schwierig. Bei Berücksichtigung ihrer Werke für
gemischten und Frauenchor dagegen ist das Problem sofort
gelöst. Recht gut lassen sich zwei oder drei Komponisten mit—
zinander verbinden.
Für die „Stilprogramme“, die einen Ueberblick über
eine bestimmte Epoche der Musikgeschichte geben, gilt dasselbe

Es ist hier versucht worden, die Frage der Programmgestal—
zung von einem einheitlichen, ästhetischen Standpunkt aus zu
ösen und doch dabei möglichst praktisch zu bleiben. Eine ganze
Reihe auftauchender Einzelfragen muß einem weiteren Aufsatz
iherlassen bleiben. Dr. Ernsit Stilz.

—

Saar-Genossenschaftsbank

X

Gersweiler Sparkasse e. G.m. b. H. *
Saarbrücken 3 ⸗ 1 Võlklingen, Saarlouis, Dil-⸗
enabe Hpareinlagen
Saarbrückens dulzbach. EFriedrichsthal
Sönenetr. Kredite an Mitglieder Quigrectd αναα
Gersweiler (Saar) Wechsel-Diskontierungen inegen Aenturen

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12——

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vVᷣ—

und Tag nicht begegnet ist — und noch immer regnet's
Sechser, Zwölfer, Vierundzwanziger und Siebenbätzner! Das
macht uns natürlich lustig, und wir lassen uns das Bier
schmecken; wir konnten's ja! So scheint der lichte Tag zu
den Fenstern 'rein, eh' wir es uns versehen; und es war
uns wahrhaft leid, daß wir nun Feierabend machen mußten
ich wenigstens wäre am liebsten gleich für immer auf
dem Orchester sitzen blieben. Allein, es kann ja nicht immer
so bleiben hier unter den Wechseln des Monds — wir
mußten zuletzt eben doch an Aufbruch denken. Weiß der
Kuckuck, war's das viele Geld in unsern Taschen oder das
Bier in den Köpfen oder beides zusammen? Kurzum, das
Gehen zeigte Schwierigkeiten, auf die wir nicht gerechnet
hatten, nicht, Hanshenner?“
Dieser hatte unterdes die Saiten auf seine Baßgeige ge—
spannt, strich sie prüfend an und leuchtenden Angesichts be—
gleitete er die rasselnden, schnarrenden Töne mit zufriedenem
Kopfnicken. „Das geht ja wie geschmiert! Sag' ich's nicht
allzeit, solchen Baß trifft man nimmer Land auf Land ab,
der ist gar nicht tkot zu machen!“ lobte er sich und sein
Instrument, strich liebkbsend an dem alten Gehäuse herum,
slellte es äußerst vorsichtig in eine Ecke, und wendete sich
nun erst zu seinen Kameraden. „Was sagt er, der alte
Aufschneider? Glaubt ihm doch nicht! Ich sage euch, ich
war fo nüchtern wie mein Baß!“
„Ei jawohl!“ lachte der Hansaden, „das kann zuletzt jeder
oou uns behaupten, denn aus Frühstück hatte keiner gedacht!“
Während sich's nun Hanshenner auf der Ofenbank be—
quem machte, eine Pfeife stopfte, heimlich lachend liebevolle
Blicke auf seine Baßgeige richtete, fuhr Nikel fort: „Ja, es

var ein mühseliges Marschieren, und um das Unglück voll
zu machen, hatté es die Nacht geregnet, Glatteis gesetzt,
Weg und Steéeg weit und breit war ein Spiegel! Gab viele
dinfälle, doch ging noch alles gut ab; weder Menschen noch
Instrumente kaämen zu Schaden. So hatten wir mit Ach
und Krach den schlimmsten Teil des Weges überstanden, und
der Hanshenner, der, ob ihm gleich der schwere Baß auf
dem Rücken hing, bis jetzt der einzige war, den noch kein
Unfall betroffen, fing eben an, uns auszulachen, als wir
ins anschickten, nach Lindenthal hinabzusteigen. Ich sagte
zrade: „Hanshenner, berede nichts! Guck auf den Weg, und
rimm dich in acht!“ Da gab es einen argen Krach, und der
danshenner samt dem Baß war verschwunden. Ach, du
ieber Gott, Hanshenner, schrie der Wasserfuchs in tausend
Aengsten, diesmal holt der Teufel den Baß! Eben kam aber
der Hanshenner hinter einem Busch zum Vorschein und
achte: Diesmal noch nicht, vorderhand sitz' iscch drin! Und
'o war's auch! Als wär' der Baß ein Schlitten, sauste der
danshenner — hast du nicht gesehen — im Baß die Höhe
sinab, er kam besser drunten an als wir alle!“
Hanshenners lustige Aeuglein verschwanden fast hinter
»en lachenden Backen, und nach seinem Baß hinüberrückend,
chmunzelte er: „Ja, 's war eine Mordgeschichte! Dennoch
zrummt die alte Base wieder, als wäre nichts vorgefallen,
uind hat doch weder Schreiner noch Instrumentenmacher
dand an sie gelegt! Ich sag's ja, nicht tot zu machen ist
nein Baß!“
Als sich das Gelächter gelegt, meinte der mit seinem
Werk zufriedene Wasserfuchs: „Ja, 's ist überall so mit
em Altertum, bei Instrumenten. Geziefer und Leuten! Das
            
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