Full text : 11.1933-1934 (0011)

Nr. 3 J
Turnerschaft bringt entsprechende Mittel ebenfalls auf, in
einer wirtschaftlich hoffentlich bald besseren Zeit wären
diese Kosten durch eine geringe Beitragserhöhung vielleicht
beizubringen.
In der Aussprache bejahte auch Bundesschriftführer
Stein den zentralen Chormeisterkursus, namentlich für alle
Bundeschormeister, damit im ganzen D.S. B. eine einheitliche
Kulturpolitik einsetzen könne. Er trat aber nachdrücklichst
auch für die bündischen Kurse bzw. für Chorleiterschulen
ein, wie sie im S.S. B. unter Professor Rein bereits reiche
Fruͤchte trage. Nur so könne auf bodenständiger, heimat—
ucher Basis auch der einzelne Chorleiter erfaßt werden.
Redner bejahte gleichfalis zentrale Kurse für die orga—
nisatorischen Leiter der Bünde, Gaue und Vereine, damit
die Vorsitzenden führen, die Schriftführer berichten, die
Kassenwarte richtige Kassensführung lernen. Das ist der
D.S.B. auch der „weißen Weste“ schuldig.
Staatskapellmeister Dr. h. c. Robert Laugs sprach über
„Musikalische Zeitfragen im DSB.“. Das ganze
deutsche Volk wird in allen Klassen von der Sängerbewe—
—F erfaßt. Jedes Volk besitze in seinem nationalen Volks—
iedergut wesentliche musikalische Kräfte, kein Volk ist an
Volkslsiedern so reich wie das deutsche. Aber dieses Gut
war nicht immer gut behütet, von Allerweltskomponisten
degradiert, besonders im zunächst erfreulichen Liedertafel—
wesen. Der Sportcharakter des Sängerwesens hob die ge—
sangstechnischen Leistungen. Wettstreit und Vereinsmeierei
waren kunstfeindliche Elemente, denen schon Wilhelm II.
beim letzten Kaisersingen Einhalt gebot. Der Sängerbund
will das Gemeinschaftsgefühl aller Sänger stärken, war in
der Vorkriegszeit aber noch nicht stark genug, den privaten
Vereinsinteressen zu wehren, der ganze Maͤnnergesang ge—
riet damals in einen Mißkredit, der auch heute noch nicht
restlos geschwunden ist, wenn auch der Meinungsumschwung
nicht zu verkennen ist, besonders nach den großen Sänger—
jsesten in Hannover, Nürnberg, Frankfurt a. M. Heute
schreiben auch die besten Komponisten für den Männerchor.
Nicht nur bei festlichen Konzerten wird in Zukunft der
Chorgesang erklingen, der nicht als Selbstzweck betrieben
werden darf. Der künstliche Konzertbetrieb der letzten Jahr
zehnte kann nicht aufrechterhalten bleiben. Es muß gearbei—
let werden, aber gern und nicht im Drill. Mit sportlichen
Vereinen müßten Arbeitsgemeinschaften geschaffen, große
Sportfeste durch Gesangsvorträge umrahmt werden, um
die zaͤhlreiche Sportjugend zu interessieren. Jugend will
fich betätigen, sie muß zur Vereinsarbeit herandgezngen

Uhl Saar⸗Sänger⸗Vundelh

spuu Seite 66
verden. Der Musikausschuß des DSB. ist nicht verkalkt
and rückständig, sondern neuen Kompositionen durchaus zu—
zänglich. Romantisch-kitschiger Ueberschwang ist heute schon
ehr beschränkt in den Konzertprograämmen. Mänches aus
den 4 Liederbänden des DSB. ist heute nicht mehr emp—
sehlenswert, aber noch immer enthalten sie viel gute Werke.
die Künste des 16. und 17. Jahrhunderts können nicht
alleinseligmachend sein für gegenwärtiges Chorsingen. For—
n nach gediegenem, leicht singbarem modernen Liede
zut bleibt nach wie vor sehr dringend, scheinbar fast uner—
üllbar. Durch die Herausgabe der „Liederblätter“ sollen
illgemeine Richtlinien für alle Sängerbünde geschaffen
verden. Das volkstümliche Lied muß bevorzugt werden,
Lhorlieder mit Begleitung einzelner Instrumente, Einzel—
rauenstimmen. Die Einrichtung der Nürnberger Sänger—
voche hat sich nach den bisherigen Erfahrungen bewährt,
venn auch die Ausführung der dortigen Konzerte nicht
mmer mustergültig war und dadurch die Auswirkung auf
zas allgemeine Sängerleben noch beeinträchtigt. Der Küultur—
ag als beständige Einrichtung wird in dieser Beziehun
ehr segensreich wirken können. Aus ideellen Gründen 3
en die Komponisten weiter geschützt werden durch die
Tonsetzerschutzgesetze; es ist allerdings nötig, daß alle Ton—
etzer Mitglieder dieser Schutzgesellschaften sind. Es geht
rufwärts mit dem DEB. Wir Führer werden uns unserer
Berantwortung bewußt bleiben. Das romantikliebende
deutsche Volk hat sich seine Freude an Musik durch keine
naschinellen Neuerungen rauben lassen. Der stolze Bau des
70jährigen Sängerbundes steht unerschüttert, er wird nach
krweiterung seiner Aufgabe durch Aufnahme der Frauen—
höre das deutsche Chorlied mit gleicher Liebe betreuen. Im
neuen Deutschland wird die Pflege des Liedes als nationa—
es Kunstwerk wach bleiben, um eine selbstverständliche
Ehrenpflicht zum Aufbau nationaler Kultur zu erfüllen.
Musikdirektor Plantenberg, Recklinghausen, wandte sich
in der Debatte mit scharfen Worten gegen eine Wieder—
aufnahme von chorischen Wettstreitveranstaltungen jeder Art
und forderte vom Sängerbund tatkräftiges Eintreten für
zine intensive Mitwirkung künstlerisch hochwertiger Männer—
chöre im Rundfunkwesen. (Fortsetzung folgt.)
Alle im Druck erschienene Noten und Theaterstücke
F liefert Ihnen sicher und schnell 79
9
Musikhaus R. ochorr, Ilingen⸗Saar
Televbon Mummer 2309
zroßen gotischen Tome mit düsteren Fenstern, in dessen
zunklem Grunde Tausende von Menschen lauschten, tief
nnerlich mitbeteten, mitjubelten und mitbluteten. Seine
Thöre! Seine Stimme! Sein Blut! Er würde sie noch
einmal hören, wie er sie noch nie gehört, das Meer würde
sjie ihm ins Ohr singen und dann — — —
— — dann würde der Tirektor des Kurhotels ig
ärgern, denn die Toten des Meeres verderben ihm das
Geschäft. Tie Polizei wird den Leichnam besichtigen und
dafür sorgen, daß er begraben wird. Sonst kümmert sich
niemand üm ihn. Sein Kind wird mit ihm gehen.
Tas blonde aähnungslose Ding spielt dicht am Wasser mit
leinen Muscheln. Es hat eine kleine Grube mit Wasser
gefüllt und versucht nun, ob die Muscheln auch schwimmen.
Zwei Jahre alt ist sie. Vor zwei Jahren, da lebte
eine junge Frau noch,. Ta standen sie zu zweit am
Meer, haktten sich umschlungen und Luftschlösser gebaut.
Abends musizierten sie zusammen. Sie saß an dem kleinen
Klavier, er spielte Geige.
Und dann kam der entsetzliche Tag, der sie zur Mutter
nachte — und tötete. Wie ein wahnsinniger war er in den
Tünen umhergelaufen, ihr Leiden nicht ansehn zu müssen.
Aber die Tünen sind trostlos und das Meer unabsehbar.
Er lief zurück. Die ganze Nacht, blieb er an ihrem
vett, sah da und hielt ihre beiden Hände fest. Was half
ꝛs8! Morgens war sie tot. Tot, fort für immer, fsür
mmer!“ gast, zerschlug ihn zunächst das Bewußtsein
des Unabänderlichen, des nie wieder 8 zu
nachenden, des Niemals⸗mehr. Dann sagte er alle Ver⸗
pflichtungen ab. Er gab seine Organistenstelle auf, er spielte
richt mehr im Kurorchester mit, er gab keine Stunden
nehr. Er vegetierte nur noch. Nachbarn nahmen sich des
dindes an, das er jedoch, als mit der Zeit die Aehnlichkeit
nit der Toten nicht mehr zu verkennen war, nicht mehr von
sich ließ und eifersüchtig hütete.

Wozu?
ODie Sonne ist schon im Meer versunken. Die Kurgäste
haben das Schaäuspiel gebührend und gratis bewundert
und find dann weg zum Kurhotel, wo heute abend wieder
getanzt wird.
Es will noch nicht recht dunkel werden. Himmel und See
strahlen ein gedämpftes, warmes Sommerlicht aus. Schwül
und still liegt der Abend an der Küste.
Ta steht ein Mann am Meer.
Weitab von dem Kurbetrieb dehnen sich die Tünen in
einsamer Unberührtheit. Wäahllose Hügelketten, von zer—
zausten Grasbüscheln gekrönt, als sause noch immer der
Sturm in ungezügelter Hemmungslosigkeit darüber hin,
dee johle, heule heihol hinein ins Land und reiße
se ruppigen Tünenköpfe an den Haaren. Und das Meer
braufte immer wieder rasende Weklenkolonnen heran und
klatschte sie auf den Sand, verzischt und vergraben unter
dem folgenden Schwall.
Aber nein, das Neer ist ruhig. Der Wind schweigt und
der Dünensand ist glatt wie Schnee, Manche Flächen
tragen noch die Spuren des Windes, lange wellenförmige
Streifen. Einige weiße Wolken fliegen leicht, wie hin—
geblasen, am Haͤmmel.
Der Nann sieht auf das ruhige Wasser. So ruhig es ist.—
es genügte doch. Man brauchte nur, langsam hineinzugehen,
die Füße wurden naß, weiter, die Beine, jetzt stieg es den
Leib hinan, an den Hals, an den Mund — und dann ließ
man fich finken, ohne noch einmal nach der Welt, nach dem
Leben umzuschauen. Jubelnde Chöré rauschten dann in
den Ohren. Ein gewaltiges Unisono, das emporwuchs,
wie ein Baumstamm und sich dann in braufendes Astwert
teilte. Weitere Chöre fallen ein, eine gewaltige Orgel
erhebt ihre Stimmen, es hallt wie in einem Saal, einer
Hakle, einer Kirche, wie in einem großen Tome, einem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.