Full text : 11.1933-1934 (0011)

Later

zdgebung in Sr. Ingbert.

9.

J nach Tausenden zählende Volksmenge hatte sich
E in der Mittagstunde auf dem reichgeschmückten
Marktplatz eingefunden, um Zeuge einer großen, über
alle deutschen Sender verbreiteten vaterländisch en
Kundgebung zu sein, die für den Bundestag in
St. Ingbert den festlichen Höhepunkt bedeutete.
Sämtliche Gesangvereine des Gaues und der Orchester—
oerein St. Ingbert hatten sich unter dem Stabe von
Gauchormeister Wilhelm
Hans vereinigt zu den wir—
kungsvollen Massenchören, Frisch
auf zum Streit“ von Armin
Knab, „Drei Lilien“ von R.
Haußner, „Es blies ein Jäger
wohl in sein Horn“ von Hans
Heinrichs und „Deutschland,
Heiliger Name“ von Waldemar
von Baußnern, die der Veran—
staltung den würdigen Rahmen
gaben.
Stadtbürgermeister Dr.
Schier sprach sodann Worte
der Begrüßung:
Deutsche Männer! Deutsche
Frauen! Zum 14. Male seit der
Gründung des Saarsängerbundes
kommen die Sänger des Saar—
gebietes heute zusammen, um
ihren Bundestag zu begehen. Es
ist für mich eine Ehrenpflicht, alle
Sänger und Gäste, die von Nah
und Fern gekommen sind, im
Namen der Stadt zu begrüßen
und willkommen zu heißen. Mehr
als 30 000 Sänger haben sich im
Saargebiet im Zeichen des deut—
schen Liedes vereinigt. Ohne An—
sehen des Standes, der Konfession
oder der Partei haben sie sich in
dieser Organisation zusammenge—
schlossen, um das deutsche Lied,
dieses kostbare nationale Kleinod,
das uns von Heimat und Vater—
band, von Kampf und Sieg, von
Liebe und Leid so unendlich viel
zu sagen weiß, zu pflegen“ In
unserer an inneren und äußeren Wirren so reichen Zeit
ist es etwas Erhebendes, Männer aller Stände voll
Idealismus zu wissen, denen das deutsche Lied nicht nur
Klang, sondern Erlebnis ist. Es läßt die Herzen in edler
Begeisterung glühen und schlingt das Band der Eintracht
um Menschen, die sich sonst im Veben aleichgültig gegenüber
stehen würden.
Die deutsschen Männergesangvereine, die auf eine mehr
als 120jährige Geschichte zurückblicken, sind in Zeiten größter
dölkischer Not als Pflegestätte wahrér Väter—
landsliebe entstanden und zu Trägern hohen deutschen
Kulturgutes geworden.
Die ums Jahr 1840 entstandene Idee der geistigen Ver—
einigung der deutschen Stämme durch die Vereinigung ihrer
Sänger fand Ausdruck in der Gründung des deutschen
Sängerbundes, die in Koburg im Jahre 1862 anläßlich
eines Sängertages ins Leben gerufen wurde.
Die Gegenwart, die mit der Gründungszeit der
deutschen Gesangbereine so viel Aehnlichkeit hat, zeigt uns,
daß der alte Geist noch wacht und weiter gehegt wird. In
den hinter uns liegenden Jahren des Niedergangs, der
Demütigungen und Zerrissenheit des deutschen Volkes waren
die Gesangvereine Horte der inneren Sammlung und För—
derer der Einigkeit, Ueber ihre Grenzen hinweg hat der
deutsche Sängerbund den Weg auch zu senen deutschen

Volksgenossen gefunden, die das Schicksal dem Vaterland
ernhält. Der Saarsängerbund als Teil des Deut—
chen Sängerbundes hat in dem vom Vaterland abgetrennten
Zaargebiet seit 14 Jahren die alte Tradition hochgehalten
und dadurch einen hervorragenden Dienst an Volk, Heimat
und Vaterland geleistet. Nicht wirtschaftliche Faktoren allein
önnen auf die Dauer die Geschicke der Völker bestimmen.
Tultur und Geisteswerke werden alle künstlichen Gebilde
iberdauern und Wirtschaft und Politik beeinflussen. Ge—
cade diese Werte stehen im Saargebiet in höchster Blüte.
Von unsern Saarsängern, die
Träger eines großen Teiles dieser
Geifles- und Kulturwerte sind,
vird die Geschichte nach 1935
agen müssen:
Was sie gesungen allezeit
Es war zur deutschen Ehr,
Es galt der Heimat Herrlichkeit.
Dem Vaterland zur Wehr.
Bundesvorsitzender
Stadtschulrat Dr. h. c
Bongard führte aus:
Zum zweiten Male tagt der
Bundestag des Saar—
Sänger-Bundes im pfäl—
zischen Teile des Saargebietes, in
St. Ingbert; zum letzten Male
findet er statt unter dem Namen,
den unsere treuen Sänger zu
Ansehen und Ehre gebracht haben.
Nach einstimmigem Beschluß tritt
der Saar-Sänger-Bund, dem ge—
unden volkspolitischen Zuge dieser
Zeit folgend, unter Ausschaltung
alles Unwesentlichen und Bundes—
egoistischen in das größere Ganze
des Rheinischen Sänger—
bundes über. Er weitet und
oertieft so ganz bewußt seine Auf—⸗
gaben und Ziele; denn nach seiner
Ansicht und Erfahrung liegt in
edem Zusammenschluß gleichge—
richteter Kräfte der Fortschritt im
Sinne einer inneren Entwicklung
don Bestand und damit ver
tärktes Leben. Er macht seinen
Beschluß kurz vor dem Schicksals—
tage der Abstimmung zur Tat als
deutliches Zeichen und lauten
Ausdruck unerschütterlichen Wol—
lens nach restloser Wiedervereini—
zung mit dem deutschen Reich und Volk, zu denen die
Zaar sich durch die Jahrhunderte bekannt hat und immer
dekennen wird. Und weil unser Wille nach volksbrüder—
lichen Wiedereinssein alle Notwendigkeiten des Natur—
saften in sich trägt, deshalb weiß er nichts von der Frage
rach Gedeih oder Verderb, geschweige von irgend einer Be—
dingunge — Herr Bürgermeister Dr. Schier hat das Er—
sebende und Einigende betont, was sich in den deutschen
Chorvereinen auswirkt und durch Generationen bewährt.
Bbei seinen Worten kam mir in Erinnerung, was Bismarck
893 in Friedrichsruh zu Barmer Sängern sprach: „Ich
‚ähle der deutschen Lieder Klang zu den starken Impondera—
zilien, die den Erfolg unserer Einheitsbestrebungen vorbe—
reitet und erleichtert haben; ich möchte das Lied als Ver—
zündeten auch für die Zukunft nicht unterschätzt wissen
und meinen Dank aussprechen für den Beistand, den die
deutschen Sänger mir geleistet haben, indem sie den natio—
nalen Gedanken oben erhielten und hinaustrugen.“
Der deutsche Chorgesang kann seinem Ursprung
und seinem Ziele nach nur vaterländisch sein. Deshalb sah
eꝛr in Deutschland niemals äußere, unorganische Grenzen
als Trennungsstriche an, deshalb hat er immer entschieden
ibgelehnt die konstruierten Engen äußerer und innerer Ver—
'astung, wie sie Parteien, Klassen und Konfessionen bis vor
urzer Zeit so verhängnisvoll bildeten. Unser Chorgesang

Es blies ein Jäger wohl in sein Horn
            
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