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Saar⸗Sänger⸗VBund
Jlphh Nr. 2
wird auch in Dortmund den Zyklus unter Albert Lamberts
zum Erklingen bringen. Die Komposition gilt als eines
der technisch schwierigsten Werke der neueren Literatur.
Lamberts wird weiter noch einen neuen Chor von dem
Hannoveraner Hans Stieber dirigieren, „Wetter—
leuchten“, einen einstimmigen hymnenartigen Chor, der
auch durch seine melodische Linienführung etwas bisher
Ungewohntes in der Männerchorliteratur darstellt.
Die Programmaufstellung zeigt, daß der DSB. seine
Bemühungen um neue Chorliteratur nicht auf die Nürn—
berger Sängerwoche beschränkt. Die Dortmunder Auffüh—
rungen bringen neben ganz wenigen problematischen Werken
eine lange Reihe „Gebrauchsmusik“, d. h. solche Werke,
die für eine große Anzahl der im DSB. vereinigten Ge—
sangvereine passend sind. Er beweist damit erneut, daß er
bon sich aus nichts unversucht läßt, den so oft gehörten
Wunsch nach „einfacher, aber wertvoller“ Literätur zu
zrfüllen. Hoffen wir, daß es gelingt, die Lösung dieses
so häufig behandelten Problems in greifbare Nähe zu
rücken. Dr. Ewens.
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unksingen.
achdem seit der Wiederaufnahme und Neuregelung
R der „Stunde des Chorgesangs“ im Süd—
westdeutschen Rundfunk nun über ein Jahr vergangen ist,
werden auf Grund der bisherigen Erfahrungen den Ver—
einen, die künftig im Rundfunk zu singen beabsichtigen,
einige Winke willkommen sein, um ihnen die Verwirk—
lichung ihrer Wünsche zu erleichtern und ihnen Enttäu—
schungen zu ersparen. Bis in den Herbst 1933 sind bereits
alle Stunden des Chorgesangs besetzt und alle Programme
festgelegt. Vereine, denen noch kein bestimmter Termin zu—
gesagt worden ist, oder die sich in Zukunft melden, müssen
also von vornherein damit rechnen, daß etwa ein Jahr
vergehen kann, ehe die Reihe an sie kommt. Bei der
ständig im Wachsen begriffenen Zahl der eingehenden Mel—
dungen werden auch die Anforderungen an die Leistungs—
fähigkeit der Vereine und den Wert der Programme
immer strenger werden müssen.
Der schwierigste Punkt ist und bleibt die Programm-—
frage. Es muß immer wieder betont werden, daß Chor—
gesänge, die dem typischen Liedertafelstil angehören oder
sonst keine kompositorischen Werte aufzuweisen haben, von
der Vortragsfolge ausgeschlossen werden. Aber auch all—
bekannte, allzu oft gesungene Chorwerke höheren Wertes
müssen häufig aus dem Programm entfernt werden, da
man nicht immer dasselbe bringen kann. Das ——S
muß auch im Ganzen eine gewisse einheitliche Linie auf—
weisen, d.h. es dürfen nicht Werke der verschiedensten
Zeiten, Stile und Gattungen wahllos durcheinander ge—
würfelt sein, ohne daß irgend einé verbindende Eigenheit
vorhanden wäre. Dabei braucht die Ordnung durchaäus
keine „historische“ zu sein, und die Einheitlichkeit wird
auch keineswegs durch Zugrundelegung einer poetischen
Idee (wie „Nächt, Morgen, Mittag, Abend“ oder „Lieder
des Waldes“ usw.) gewährleistet, wenn — wie so oft —
unter solch einer Idee die tollsten Mischungen von Chor—
werken ganz unterschiedlichen Stiles und Wertes zusammen—
gefügt werden. Es geht aber auch nicht an, einsach das
gesamte Vereins-Repertoir, gewissermaßen den ganzen
Notenschrank, einzuschickken und damit die Kommissivn für
die Stunde des Chorgesangs gleichsam aufzufordern: „Nun
sucht euch selbst etwas aus!“ Manchen Vereinen will es
gar nicht einleuchten, daß oft aus einer großen Zahl
solcher „Repertoirftücke“ kein für diesen Zweck brauchbares
Programm gewonnen werden kann, und überdies ist die
Aufstellung der Vortragsfolge Sache des Dirigenten. —
Um den großen Programmschwierigkeiten zu begegnen und
die Vortragsfolgen abwechselungsreicher und interessanter
zu gestalten, wird der Südwestdeutsche Rundfunk jetzt mehr
und mehr dazu übergehen, nur noch Programme, die voll—
kommen oder wenigstens zum größten Teil verwendbar
sind, anzunehmen und in allen übrigen Fällen den Ver—
einen vollständige Programme oder einen erheblichen Teil
derselben „aufzugeben“, wobei natürlich der Größe und
Leistungsfähigkeit der betreffenden Vereine Rechnung ge—
tragen wird. Die Noten der „aufgegebenen“ Chöre werden
den Vereinen vom Rundfunk leihweise kostenlos zur Ver—
fügung ne und können auch für Konzertauffuͤhrungen
wieder, kostenlos vom Rundfunk geliehen werden, soweit
dadurch nicht Schwierigkeiten mit den betreffenden Ver—
legern entstehen.
Es sollte selbstverständlich sein, daß die endgültig fest—
gelegten Programme von den Vereinen auch Unverän-—
dert, durchgeführt werden. Dennoch ist es verschiedentlich
vorgekommen, daß Vereine über das vorgeschriebene Pro—
gramm hinaus noch „Zugaben“ spendeten (wohl für den
tarken Beifall der Rundfunkhörer?) und dann oft noch
olche Chöre wählten, die von der Programmkommission
nit gutem Grunde abgelehnt worden waren. Damit wird
tatürlich alles Bemühen und alle Arbeit (auch alle Ver—
aintwortung) der Programmkommission hinfällig. Vereine,
die sich künftighin solche Eigenmächtigkeiten leisten (zu denen
ie auch der betreffende Ansager nicht ermächtigen kann!),
nögen sich mit dem stolzen Bewußtsein brüsten: „Wir
zaben doch gesungen, was wir wollten!“ Sie mögen aber
auch bedenken, daß sie damit zum letzten Male im
Rundfunk gesungen haben!
Für alle, die nicht im Frankfurter Senderaum, sondern
»on ihrem Heimatort oder einem Nachbarort aus singen,
st zunächst auch die wichtige Frage zu prüfen, ob von
diesem Ort aus den Mindestanforderungen für eine gute
debertragung entsprochen werden kann. Das Vor—
handensein telefonischer Verbindung genügt watürlich an
ich nicht. Es müssen Spezialleitungen vorhanden sein,
ogenannte „Rundfunkkernvierer“, die in den neuen Fern—
'abeln eingebaut sind. Der Südwestdeutsche Rundfunk hat
n seinem Bezirk eine Reihe von Orten bestimmt, von
denen leitungsmäßig zufriedenstellende Uebertragungen
»urchführbar sind. Nur von diesen Plätzen können Ueber—
ragungen künstlerischer Art zukünftig noch stattfinden.
dabei ist zu bedenken, daß die Ueberlkragungstechnik auch
esondere Anforderungen an die Räume stellt. aus denen
ühertragen wird.
Nun noch einiges zur Ausführung im Uebertragungs—
aum selbst. Hier ist zunächst die Aufstellun'g des
Lhores eine oft nicht leicht zu lösende Frage. Große
Vereine haben es doppelt schwer, am schwersten größere
zemischte Chöre. Die dem Mikrofon am nächsten stehenden
Stimmen werden leicht zu sehr zur Geltung kommen,
zu Ungunsten der weiter zurückstehenden. Daher die
l. Tenöre (und vor allem im gemischten Chor die Soprane)
ticht zu nahe ans Mikrofon und die sonst zurückstehenden
Stimmen möglichst mit nach vorn ziehen! Es muß aus—
orobiert werden. Bei großen Chören (besonders gemischten)
st mitunter eine vollständige Umgruppierung nötig, wobei
reilich die ungewohnte Aufstellung und das veränderte
gjegenseitige Hören Gefahren für die Sicherheit und Rein—
heit des Chorklangs mit sich bringen. — In dynami—
scher Hinsicht wird im allgemeinen das feinste pp noch
zut zur Geltung kommen; doch heißt es Vorsicht in An—
vendung des FF. — Daß die Aussprache hier, wo keine
derte nachgelesen werden können, besonders gepflegt sein
nuß, versteht sich von hde Vorsichtige Behandlung er—
ordern die Reibelaute, besonders das s. — Der Dirigent
nuß sich peinlichst jeder hörbaren Einflußnahme auf die
Zänger enthalten: Nicht mitsingen, nicht mitzählen, nicht
Takttreten! (Unsitten, die auch sonst unterbleiben sollten).
Desto eindringlicher und lebhafter können dafür die Gesten
und Zeichendeutungen sein, da sie ija nur von den Sängern
gesehen werden. —
Von der ursprünglich geplanten Zustellung einer Kritik
st im ersten Jahr der neu geregelten „Stunde des Chor—
gesangs“ noch abgesehen worden. Doch wird vom 1. Oktober
1932 4b allen Vereinen, die im Rundfunk gesungen haben,
ine kurze Besprechung übermittelt, die einen Auszug
aus den eingezogenen Urteilen erster Fachleute darstellt.
Jede Kritik ist natürlich von den nicht immer gleich
zünstigen peherirgneerinten abhängig und daher
icht immer in allen Teilen als unbedingt positiv anzu—
prechen. Dr. Rubdolf Werner, Frankfurt a. M.