Full text : 11.1933-1934 (0011)

ustige musikalische Ecke.

unn Saar⸗Sänger-Bund

un Seite ?

Auch eine Genugtunng. Richard Wagner konnte mitunter,
namentlich bei den Proben, recht grob werden. Bei einer
Parzival“Probe lehnte der Ballettmeister eines kleinen
Hoͤstheaters, der bei der Regieführung beteiligt war, ganz
gralversunken“, an einer Kulisse und lauschte. Da ent
deckt ihn das Späherauge des rastlosen Meisters. „Was
ftehen Sie denn da und himmeln? Sie alter Schafskopf?“,
dringt es plötzlich aus des Meisters Mund. „Sie verstehen
doch nichts davon. Scheren Sie sich lieber auf Ihren
Poften!“ Aus allen Himmeln gerissen, dem heimlichen
Kichern der Anwesenden ausgesetzt, ich der so grob
angefahrene Ballettmeister davon. Nach der Probe lud der
Meister seine Künstler zum Abendessen nach der Villa
Wahnfried. Der beleidigte Ballettmeister aber erklärte, er
werde nur kommen, wenn der Meister ihm Genugtuung
gebe. Das Theater leerte sich, während der Speisesaal
sich füllte, und richtig war der gekränkte Ballettmeister zur
Stelle. „Nun,“ fragte ein Kollege erstaunt, „hat Ihnen
der Meister Genugtuung gegeben?“ „Allerdings“, antwortete
der Ballettmeister und drehte verschmitzt den Knebelbart
durch die Hand, „als der Meister meinen Entschluß, nicht
zu kommen, erfuhr, ist er auf mich zugekommen und hat
gesagt: „Nun sehe ich, daß Sie wirklich ein alter Schafs—
sind.“ „Da konnte ich natürlich nicht länger wider—
tehen.“

Grob. Junger Komponist: „Nun, was sagen Sie zu
neiner Katzensinfonie?““ — Musikkritiker: „Sie ist für die
atz

Der Suob. Landor kauft sich eine Karte sür die „Lohen
zrin“Aufführung. Irrt sich aber im Datum. Gerät in
eine Aufführung der „Zauberflöte“. Nach dem zweiten
Akte wendet er sich an seinen Nachbarn: „Ach, Verzeihung
wanu kommt denn eigentlich die Gans?“
„Was für eine Gans?“
„Na, die den Lohengrin auf die Bühne zerrt!“
„Aber, lieber Mann, das ist doch nicht die „Lohengrin“
Anfführung Heute abend wird doch die „Zauberflöte“ ge
pielt!
„So? Die „Zauberflöte?“ Na, dann kann ich ja nach
dause gehen. Von der „Zauberflöte“ kenne ich nämlich
jeden Ton.“
Falsch vorstanden. Erscheint da ein dickleibiger Barden—
änger im Rasierladen, um sich der Seife und dem Messer
auszuliefern. Der Rasierer macht sich an die Arbeit, und
da er ein klein wenig zittert, schneidet er den Gast ein
venig. Grob schnauzt der Eingeseifte den Rasierer an:
„Sehen Sie, das kommt vom Saufen.“ Höflich entgegnete
der Figaro: „Jawohl, mein Herr, das macht die Haut so
spröde. Das hat man sehr oft bei den Herren Sängern“

—IIL

Wacholder⸗Destillieri
Ligl beveer e

Stimme aus dem Publikum. Ein berühmter Bassist setzte
um das Jahr 1810 folgende Ankündigung auf den Konzert—
zettel: „Ich werde heule in einer Bravourarie das tiefe C
aushalten.“ Er hielt in der Tat sein Versprechen. Plötz⸗
lich aber ertönte die Stimme eines Schiffskapitäns im
Parterre eine Terze tiefer: „Bravo!“
Hugenotten. Als in einer Hugenotten-Probe der Chor
allzu laut und ungeschliffen sang, rief Bülow auf die
Bühne herauf, die Leute möchten doch nicht so schreien,
da sie Hugenotten, aber keine Hottentotten seien.
Schauspieler. „Warum jagen Sie die Stechfliegen von
Ihrem Gesicht nicht weg, Herr Koclege?“
„Dort drüben sitzen zwei Kritiker, die sollen sehen, daß
ich gegen Stiche unempfindlich bim.“
Künstlereitelkeit. Rubini, der einst so gefeierte Tenorist,
wurde derart vergöttert, daß seine Eitelkeit ins Maßlose
wuchs, und viele benutzten diese Schwäche, um ihn ersolg
reich anzubettenn. In Neapel drang einmal ein Dieb in
Rubinis Hotelzimmer ein, während der Sänger im Theater
auftrat. Die Vorstellung war aber früher zu Ende, als
der Räuber gedacht hatte, denn als er den Kleiderschvank
geöffnet hatte und dann mit dem Nachschlüssel an anderen
Möbeln herumprobierte, hörte er Schritte. Schnell hüpfte
er in den Schrank, und kaum hatte er die Türé hinter sich
zugezogen, als Rubini eintrat. Der Sänger legte den
Mäntel ab und wollte ihn seiner Gewohnheit gemäß in
den Kleiderschrank hängen. Zu seinem Entsetzen berührte
feine Hand einen menschlichen Körper. Einen Schrei aus
stoßend eilte er nach der Tür und öffnete sie, um nach
Hicfe zu rufen. „Halt, Exzellenza, einen Augenblick!“, rief
der Dieb, ihm nacheilend, in bittendem Tone. „Wer sind
Sie? Was wollen Sie?“ fragte Rubini, während seine Hand
nach dem Glockenzuge faßte. „Ich bin ein armer Teufel,
der den größten Saͤnger Italiens verehrt und gern eine
Locke von ihm zum Andenkten haben möchte. Deshalb habe
ich Sie hier erwartet.“

Dirigent Hans von Bülow sollte ein Gastspiel an einer
Oper geben, deren Intendant ein Meister im Schlichten von
Streitigkeiten war. Bei den Proben fühlten sich die Mu—
siker durch Bülows herrische Art beleidigt und schließlich
prang einer, den Bülow dauernd tadelle, auf und rief
dem dirigenten zu: „Sie haben ja das Pulver auch nicht
erfunden!“ Empört stürzte Bülow zum Intendanten und
erzählte ihm den Vorfall. Erst schwieg der Intendant
eine Weile. Dann fragte er seelenruhig: „Nun, haben Sie
denn das Pulver erfunden, Herr von Bülow?“ Worauf
Bülpwuwieder zum Orchester ging und die Probe fortsetzte.
Das doppelte Jubilãum. Festredner: „Wir feiern eigent—
ich ein doppeltes Jubiläum, hochverehrte Musikvereinsvllegen.
 Zehn Jahre gehört unser Freund der Musik—
ereinskapelle an, und gerade fünf Jahre ist er heute seine
Vereinsbeiträge schusldig.
Die Geige. „Ich wünschte, meine Frau spielte Geige an—
statt Piano.“,
„Warum?“
„Weil man eine Geige leichter aus dem Fenster werfen
ann.“
Platz machen! Sängerin: „Hast du bemerkt, wie meine
Stimme den ganzen Saal erfüllt hat?“
Freundin: „Ja, meine Liebe, das ist mir Jug aufgefallen,
manche Leute sind sogar gegangen, um der Stimme Platz
zu machen.“
Das verkannte Dnartett. Josef Joachim hatte wieder
zinen seiner bekannten Quartettabende gegeben. Die Zu—
örer waren begeistert, die Kritiken glänzend. Am zweiten
Tage nach dem Konzert erhielt Joachim den Brief einer
xunstsinnigen“ Dame, dem ein Scheck über tausend Mark
zeilag. In diesem Brief stand geschrieben: „Falls andere, wie
ich hoffe, meinem Beispiel solgen, so werden Sie, ver—
ehrter Meister, bald imstande sein, Ihr. Orchester zu ver—
größern, zur Freude aller derer, die schon jetzt so gerne
Ihrem Ensemble lauschen!“

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— — * — — Mulperzte. 56. Telefon 22537/ 308
            
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