Full text : 11.1933-1934 (0011)

Seite 24 Illi
stellt?“ Nein, das hatte ich nicht. Wie gesagt, er fragte
keinen Gast, er hielt das für Aufdringlichkeit.
Am Leben unsers Vereins nahm er lebhaften Anteil.
Wenn wir ihn um etwas fragten, sei es um eine Bühnen—
dekoration oder ein ähnliches Bedürfnis, dann sprang er
nicht etwa gleich, sondern meinte blinzelnd: „Da meesse ma
mol gugge.“ Aber wir konnten uns fest auf ihn verlassen,
er ließ uns nicht im Stich.
Er begleitete unsern Vereain auch, wenn er auswärts
ging, d. h. er begleitete uns nicht — das ging ihm zu
schnell — er kam nach, aber totsicher.
Vor einigen Jahren — es war 1929 — machte der Verein
einen Ausflug nach der Mosel. Vorher erging ein Aufruf
an alle Vereinsmitglieder, daß die Teilnehmer der Fahrt
sich melden sollten. In Trier standen zum Umsteigen nur
10 Minuten zur Verfügung. Zwei Sangesbrüder sollten
in einem Vorzug fahren und in Trier die Karten nach Bern—
kastel lösen. Wir marschierten vom Vereinslokal ab. Unser
Vereinswirt stand noch in Hemdsärmeln da. Gefragt, ob
er nicht Lust habe mitzufahren, meinte er: „Da messe ma
mol gugge.“ Und erst, als wir am Bahnhofe standen, kam
er, püstend wie die Lokomotive des eben einlaufenden Zuges
Ich hatte sein Nachkommen geahnt und fragte ihn schnell, ob
er eine Karte habe. „Nän, ich hunn kän.“ Er haätte sich
natürlich nicht gemeldet. Wir können noch eben in den Zug
springen. In Trier fehlte ihm auch die Karte zur Weiter—
fahrt. Aber das machte ihm nichts aus. Wir fahren von
Trier ab. Der Zugführer erscheint: „Bitte, meine Herren,
die Fahrkarten!“ Als er zu unserm Vereinswirt kommt
und die Karte verlangt, entwickelt sich folgender Dialog:
„Ihre Fahrkarte, bitte“ „Wat mähnda?“ „Ihre Ifrrore
sollen Sie vorzeigen.“ „Ma, ich hu jo kän.“ „Wie, Sie
haben keine?“ „Nän, ich hu kän.“ „Weshalb haben Sie
denn keine?“ „Mä, ich humma kän gelist.“ „Weshalb haben
Sie denn keine gelöst?“ „Ich hu noch kän Gelähenhät (Ge⸗
legenheit) gehaaf.“ „Das müssen Sie mir doch melden.“
„Dat maachen ich jo weil.“ „Nein, das mußten Sie vorher
hesorgen.“ „Ma, ich kann Eich doch net abeischläfe (herbei—
schleifen) gihn.“ Vielleicht wäre das so weiter gegangen,
wenn wir nicht in eine Lachsalve ausgebrochen wären. Der
Zugführer hatte ein Einsehen und trug ihm auf, in Wenge—
rohr nachzulösen, was unser Vereinswirt quittiert mit den
Worten: „Mä, good dann.“ In W. frage ich ihn, was er
bezahlen mußte. Da sagt er seelenruhig blinzelnd: „20
Penning mehr wie Diä, un dofür hääd da jo Sbaß gehott.“
In Bernkastel sollen wir zur Burg Landshut. In einer
Wirtschaft trinken wir erst ein Glas Bier. Ich frage ihn,
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Inh. Frite Sasse 0 Früher Saar-Sängerheim
ER IGEKUCHE
— — — — — —
Neufanę-Iaenisch, Deutsch-Pilsner und Lagerbier,
Beckers Extra, Münchner und Original Pilsner Urauell
 Park-Gelegsenheit mit Auto-Rewachung.

Saar⸗Sänger⸗Bund
»b er mit zur Burg gehe Da meint er, indem er zur
Burg emporblinzelt: „Nän, et eß ma se gei (steil).“ Wir
tehen etwa 24 Stunde bei der Burg und bewundern Gottes
chöne Welt. Wir wollen eben wieder abwärts gehen, da
ommt, in Schweiß gebadet, unser Vereinswirt an, von
uns mit „Hallo“ empfangen. „Ich wär jo net komm,“ sagt
er, „awer ene von Eich hät sein Hendsche (Handschuhe) lete
zeloß.“ Auf die Frage, wie er dazu komme, sagt er: „Die
hun of dem Desch geleh, wo Dia gesääs hät.“ Und da stellt
iich heraus, daß es die Handschuhe eines fremden Herrn
varen, der sie zum Billardspielen auf unsern Tisch abgelegt
jatte. Na, unser Wirt brauchte für keinen Spott zu sorgen.
Unser Vereinswirt ist tot. Aber bei uns lebt er weiter
als ein Mann mit durchaus uneigennützigem Charakter
und einer biedern Ehrlichkeit. Und wenn ich unsern Bundes⸗
overeinen etwas Gutes wünschen darf, so ist es ein Vereins—
wirt, der ist, wie er war, unser Vereinswirt Jakob Mischler.
J. Griebler.

—hhl Nr. 1

Sterbetafel.
Beorg Siebert, Oberpost⸗Sekretär i. R. Vereinswirt,
unterstützendes Mitglied des MGV. Liedertafel e. V.
Mettlach, gestorben am 18. Februar im Alter von
59 Jahren.
Ferdinand Loesgen, pass. Mitglied des MGV. Güchen⸗
bach, gestorben am 8. Februar im Alter von 67
Jahren.
Peter Burger, Ehrenmitglied des MGV. Eintracht Fenne.
Jakob Henrici, Ehrenvorsitzender des MGV. Rheingold
1907 Saarbrücken 5, gestorben am 20. Januar im
Alter von 75 Jahren.
dskar Schmidt, aklives Mitglied des MGV. Liedertafel
Wiebelskirchen, tödlich verunglückt bei Ausübung
seines Berufes (Grubenbahnhof) auf Grube Kohl—
wald am 3. Januar im Alter von 27 Jahren.
Wilhelm Jung, akt. Mitglied des MGV. Tholey, gestor⸗
ben am 27. Februar im Alter von 45 Jahren.
„Stumm schlaäft der Saͤnger..........“,
Verein, Gau, Bund bewahren ihnen ein dankbares Andenken.

Jeinkt das gule nalulicsie

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