Full text : 11.1933-1934 (0011)

Nr. 12 sli
des Volkes, das damit, als ureigenster Mitschöpfer, ein
Anrecht darauf erwirbt, sich selbst im klärenden Spiegel—
bild seiner Kunst zu betrachten. Mit solchem Vorrecht ist
jsjedoch die Pflicht verbunden, teilzunehmen an allen
Aeußerungen dieser Kunst und sie einzugliedern in das
harakteristische Eigengepräge und Leben eines Stammes,
einer Gemeinde. Nur so wird die Gefahr der geistvernich—
tenden Uniformierung beschworen, wird in der Einheit
die Vielheit bereitet. Nur so werden die für die ver—
gangene Epoche bezeichnenden Entartungserscheinungen der
Musik beseitigt: Persönlichkeitskult und Liebedienerei vor
dem Massengeschmack, zwei Dinge, die sich, äußerlich be—

ullll—I Saar⸗Sänger-VBund jin
ehen, zu widersprechen scheinen, und die doch so treulich
iebeneinander hergingen. Und wie im neuen Staate des
tändischen Aufbaus kein Platz mehr ist, für „Prominente“
»der „Masse“, so auch in der Verwaltung der Musik als
Element der Volkskultur: ein Jeder von uns be—
scheiden, nur der Gesamtdeit dienend, nicht
der eigenen Person, an seinem Platze, mit
seinen Kräften zur höheren Ehre der deut—
schen Kunst und des deutschen Volkes!
Hermann Unger,
Höln.

IIIPPSeite 283

Wusfsikn

nß y01K.

O ie Kumnst ist keine Sache einer kleinen Gruppe, sondern
eine Angelenheit des ganzen Volkes. Kunst
und Kultur gehören zusammen, wenn man nicht beide für
identisch erklären will.
Da nach seiner Kunst und Kultur ein ganzes Volk von
anderen Völkern beurteilt wird, so ist es notwendig, daß
das ganze Volk an Kunst und Kultur teil hat. Wahre
Kunst und Kultur wurzeln im Boden ihres Volkes und
sind in ihm verankert. Kunst und Volk kann man nicht
trennen, wenn man nicht das Volk in den Abgrund stür—
zen lassen will. Das war der schwere Fehler der vergangenen
Fahre, der seine Keime schon in der Vorkriegszeit liegen
hatte, daß Volk und Künstlerr immer weiter gaus—
einander kamen, der Künstler Werke schuf, die das Volf
nicht verstand und über die es nur den Kopf schüttelte
Die Verbindung mit dem Volke war verloren gegangen
Statt aus dem' Volke zu schöpfen, setzte man diesem art—
fremde Erzeugnisse vor. Man glaubte schon längst nich
mehr an einennationale, völkische Kunst. Auch sie
erkkärte man für international. Man sah nicht mehr, daß
jede Kunst erst national ist, denn jede Kunst trägt die
Eigenarten ihres Volkes in sich, und daß sie dann erst
auch bei andern Völkern Eingang findet. Auch für die
deutsche Musik gilt das Gleiche, So ist zum Beispiel auch
Richard Wagner ein deutscher Meister, der seine Werke für
fein Volk geschrieben und aus seinem Volkstum geschöpft
hat. So wird auch jedes Volk am besten seine eigenen
Meister verstehen — vorausgesetzt, daß ihr Schaffen aus
den Quellen des eigenen völkischen Lebens fließt.
Aufgabe des neuen Deutschland ist es, die Verbindung
und Wechselwirkung von Kunst und Künstler einerseits und
Volk andererseits wieder herzustellen. Der Künstler muß
aus seiner Isoliertheit wieder heraus. Der Künstler muß
zum Volke gehen und mit ihm die Kunst. Das ganze Volk
muß Anteil haben an dem Schaffen seiner Künstler. Ihr
Schaffen muß eine Angelegenheit des ganzen Volkes sein
Keine Kunst hat es an sich so leicht, wieder die Verbin—
dung mit; dem Volke aufzunehmen und Allgemeingut des
Volkes zu werden, wie die Musik. Sie wendet sich an den
inneren Menschen, an seine Seele, an sein Gemüt. Sie
verlangt keine Kenntnifse exakter und abstrakter Wissen—
schaften. Sie verlangt nur Aufgeschlossenheit und Aufnahme—
fähigkeit. Der Deutsche ist sehr musikempfänglich und selbst
sehr“ musizierfreudig. Die Vorbedingungen sind hier also
gegeben.
Es gilt nun, die Musik, instrumentale wie vokale, ins
Voslk FhRineinzutragen. Konzerte dürfen nicht mehr nur

zine Angelegenheit einer gewissen „Oberschicht“ sein, die da
zlaubt, allein musikalisch zu sein, in Wirklichkeit aber oft
nur die Konzerte besucht, „weil es zum guten Ton gehört“.
Systematisch muß das Volk dazu erzogen werden, auch die
großen Werke zu verstehen. Man wird deshalb mit guter,
eichterer Musik beginnen. Eng mit dieser Aufgabe hängt
die Gestaltung der Eintrittspreise zusammen. Die
Veranstalter müssen Preise verlangen, die es jedem Volks—
zenossen, der in Arbeit und Brot steht, ermöglichen, Kon—
serte zu besuchen. Die Unkosten sind auf ein Mindestmaß
zerabzudrücken. Die großen „Kanonen“ werden sich mit
zinem bescheideneren Honorar begnügen müssen. Einen
vesentlichen Schritt vorwärts würde man schon kommen,
venn eine Konzertbesucherorganisation bestünde, ähnlich der
„Deutschen Bühne“ für die Theaterbesucher. Viel wird man
ich von der Organifation „Kraft durch Freude“ versprechen
zönnen. Sie wird viele Volksgenossen der Musik näher
bringen.
Aber nicht nur das Anhören von Musik, also die passive
Zinstellung des einzelnen dazu, sondern auch die aktive
Betätigung, das eigene Musizieren, soll gefördert
verden. Gerade dieses läßt den einzelnen lebhaften Anteil
ain unserem Musikgeschehen nehmen. Der Charakter des
Menschen, sein Junenleben, wird verfeinert, veredelt. Hier
ind zunächst unsere Chorvereinigungen zu nennen.
Bekauntlich ist das deutsche Volk recht sangesfroh. Die
Pflege des deutschen Volksliedes liegt der Reichsregierung
ehr am Herzen. Es wird ein Weg gefunden werden müssen,
daß gerade unsere Jugend neben ällen anderen Verpflich—
tungen auch noch Zeit findet, den Gesangvereinen beizu—
reten, um aktiv mitsingen zu können.
Dann ist in diesem Zusammenhang an die Vereinigungen
zu denken, die Volksmusikinstrumente spielen, Bis—
ang sah man von gewisser Seite etwas herablassend auf
diefe „aienorchester“ herab und hielt sie nicht für voll—
pertig. Und doch nehmen sie im Musikleben unseres Volkes
einen“großen Platz ein. Gerade die Musikpflege des „kleinen
Mannés“ “ist von größter Bedeutung bei der Beurteilung
inferes gesamten Musiklebens. Diese Orchester sind jetzt
zusammengefaßt und haben im dritten Reich ihre An—
rkennung“ gefunden. Auch hier gilt das gleiche wie bei
den Gesangbereinen, um eine aktive Mitarbeit zu ermög—
ichen. Werden diese Aufgaben zielbewußt durchgeführt,
dann wird unser Volk auch am Musikschaffen wieder teil—
haben.

Dr. H. Haes
.Haejssler
Jena. sler,

OVNSEREFE SAMNGER

ihre Jrauen und KHinderx, werden am billigsten, beffe n un d zuverläl läglt en in den Gesckäflen
bedienkt, deren Inkaber in unserer Sängexzeilsckrift Anzeigen aufgeben. Sorgkl dalür. a aub Deine Jrau
de m — a edem Einb esent 588 eine Nnzeige in unse Aaßzt hal,
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nisvoll unler stützl, kann erwarten, daa war nger 1bnqo bbur üntz en!
            
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