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Je und je werden wir hier auf Berührung und Durch—
dringung der eigenen mit fremden Kulturen aufmerk—
sam gemacht, aber auch mit der Bereicherung, die ihr
immer wieder aus dem schöpferischen germanischen
Geiste zuteil ward. Wir hören hier, daß die Kultur—
geschichte unseres Volkes um 1800 v. Chr. anhebt in
der Bronzezeit, dem „goldenen Zeitalter des
Germanentums“, weil ihre Kultur in dieser Zeit den
Eindruck großer Ruhe, Geschlossenheit und Selbstsicher⸗
heit macht. Noch sind die Geräte der Steinzeit aus
Stein, Horn, Ton, Holz in Benutzung, aber schon
werden Geräte aller Art: Keil, Axt, Hammer, Lanzen
und Pfeilspitze, Dolch und Schwert, Schmuck und Nadel
aus Bronze erstellt. Wir entnehmen dem genannten
Werke als Probe hohen Kultursinns, allerdings in
verkleinerter Nachbildung: Horn von Wismar,
Mecklenburg (um 1400 v. Chr.). Der Versasser erklärt
trefflich das Bild: „bloß die bronzenen Beschläge sind
erhalten. Das Horn wurde an einer Schnur getragen
die durch die beiden Oesen lief. Die sechs Ringe des
Schallstückes sind mit Zierrat, Zeichen und Bildwerk
reich bedacht. In dem abgerollt herausgegeichneten
Teile sieht man im dritten Ringe vom Schallwande
weg vier Räder, einen Kreis und um ihn sechs Ge—
stalten, wohl die Andeutung eines Wagens, Kessels
und der in ihm Geopferten. Es folgen in einem Ge—s
hege vier Zeichen, die man als die Opferpriesterinnen
im umhegten Haine deuten könnte, der auf einer Insel
liegt, an der die Schiffe von rechts her anlegen““ Wird
nicht aus diesem Beispiel schon die hohe Kulturstufe
unserer Ahnen deutlich, die Sinnhaftigkeit ihres Ge—
staltungswillens und der hohe Grad technischer Kunst—
fertigkeit? Und welche Schätze sind weiterhin ans Licht
gehoben aus der frühen Eisenzeit von 800 v. Chr. bis
200 n. Chr. und aus dem dritten Jahrhundert dent—
scher Frühkultur, der späten Eisenzeit von 200 u. Chr
bis 1200 n. Chr., wahre Meisterwerke an Urnen, Haus—
geräten, Wagen, Schiffen, Waffen, Schmuck, an Töpser—
gefäßen und geschnitzten Truhen! Das Werk von
Wolfgang Schultz rückt sie in trefflichen Nachbildungen
und klaren Erläuterungen nebeneinander, so daß eine
leichte Ueberschau über den schöpferischen Genius der
Germanen möglich wird. Und dazu macht er auf
heldische Größe, Bodenständigkeit, Eigenwilligkeit,—
Ethos und künstlerische Geformtheit auch des dichte—
rischen Werkes, des heldischen Liedes, jener Frühepoche
aufmerksam. Die Lektüre dieses herzerfrischenden Buches
läßt des Staunens kein Ende sein!
Der deutsche Mensch formte sich in vieltausendjäh—
rigem Werdegang seine Sprache: Sie ist der tiefste
Ausdruck des germanischen Denkens und Fühlens, des
deutschen Genius. Sie hat den lebendigsten Anteil an
der deutschen Volkwerdung, sie ist zu allen Zeiten
aber auch die stärkste Waffe im Kampf für deutsche
Selbstbehauptung gewesen und geblieben. Georg
Schmidt-Rohr macht dies deutlich in seinem auf gründ—
lichsten Studien, namentlich der vergleichenden Sprachwissenschaft
gestützten überaus bedeutsamen Werke
Mutter Sprache, vom Amt der Sprache bei der Volk—
werdung, Eugen Dietrichs Verlag, Jena, Preis
9,80 M., gebd. 12,50 M. Wir lernen hier erkennen,
daß die Sprache nicht nur von den Völkern gebildet
wurde, sondern daß sie selbst Bildnerin der Völker
war, die beispielsweise dem deutschen Volke im Laufe
pon Jahrhunderten üöher viele Blutrassen hinweg die
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Einheit im Geiste brachte, die Einheitlichkeit der
arischen Rasse, die Rasse als schaffende Macht. Jede
neue Wortbildung, jede neue Sinnbetonung und Be—
griffsbenutzung bedeutet geistige Leistung eines Volkes
an der jeder Volksgenosse Anteil hat. Im Sprechen
vird die Sprache als etwas Lebendiges in stetem Fluß
zgehalten, geprägte Form, die lebend sich entwickelt. Im
ZStadium der Verschriftung aber wächst die Zahl der
ertigen Gedankenprägungen und damit die Gefahr der
Erstarrung. Das Wort als Kraft wird deutlich aus der
Textprobe dieses Heftes. Man muß sich darüber klar
verden: Jede Sprache lehrt ihre Sprecherschaft eine
hesondere Weise des Denkens, des Empfindens, des
Wertens und des Handelns. Die verschiedenen Sprachen
ehren deshalb verschiedenes Fühlen, Werten, Wollen.
Und der einzelne steht in Abhängigkeit von der
Bruppenseele seiner Sprachgemeinschaft, in der
Bruppeneinheit gleichen Seelentums, wie im Leib—
ichen, so auch im Seelischen in seinem Volke. Volk
ist eben die aus der Kraft der Sprache gewachsene
Bemeinschaft einheitlicher Geistigkeit und einheitlichen
Seelentums, es ist Gruppenpersönlichkeit von Eigen
brägung, die ihre Glieder in eine bestimmte Wesens—
art hineinzwingt. Jeder Sprachbruder muß sich deshalb
als Volksgenosse fühlen. So stellt dieses Werk einen
Aufruf dar zur Volkstumserhaltung durch Sprachen—
erhaltung. Was deutsch ist, soll deutsch bleiben dürfen
iberall in der Welt. Der Entdeutschungsvorgang an
oielen Stellen der Erde muß mit aller Kraft zum
Stillstand gerufen werden, und das kann nur ge—
schehen, wenn die deutsche Sprache als volkstumerhale
tende Macht erkannt ist. In diesem grundlegenden
Werke ist ein gewaltiger Fragenkreis durchleuchtet, der
Vergangenes, Seiendes und Werdenes umfaßt, das
Schicksal unseres Volkes! Dem Verfasser muß es zum
Lobe nachgesagt werden, daß er der Versuchung wider—
standen hat, sich unverständlicher technischer Ausdrücke
zu bedienen, um seinem Werk den Nimbus strenger
Wissenschaftlichkeit zu sichern, daß er vielmehr — selbst
aus harter Fronterfahrung heraus — zutiefst vom
deutschen Genius beschwingt, dem deutschen Volke seine
Mutter Sprache als heilige Erzieherin ins Licht gerückt
hat. Sein Buch muß deshalb Volksbuch werden!
Literarischen Aufzeichnungen über den deutschen
Menschen begegnen wir erst in der Römerzeit.
Dr. Herbert Ronge hat im Verlag Ernst Heimeran,
München, unter dem Titel Germania des Tacitus
sateinisch und in deutscher Uebersetzung dieses ent—
scheidende Quellwerk deutscher Frühgeschichte ver—
zffentlicht, Preis 3 M., gebd. 4 M. erfreulicherweise
iber bereichert durch die wichtigsten Ausschnitte aus
zleichzeitigen Werken antiker Schriftsteller über Deutsch—
land. Diese ausgezeichnete und dabei wohlfeibe Aus—
zabe der klassischen Berichte über unsere Ahnen er—
öffnet Tacitus mit seiner überaus interessanten, vor—
arteilslosen geographisch-ethnographischen Studie „Ger—
nania“, die den deutschen Boden, in dessen Grenzen
sich Deutschlands schicksalvolle Kämpfe um deutsche
Selbstbehauptung abspielten, die Vielheit der Stämme
die auf einer Scholle soviel Eigenwilligkeit ermög—
lichte, den deutschen Menschen in Glauben und Dich—
ten, in Stellung zu Frau und Kind, zu Ehe, Rassen—
reinheit, Sitte, Krieg und Frieden, zu Spiel und
Jagd, zu Verfassung, Siedlung, Blutsverwandtschaft,
Beselligkeit und Gosffreundschaft. zu Schmerfertanz.