Seite 266 u IIIn Saar-⸗Sänger-⸗Bunde!“ Junn Nr. 11
auch diese Frage einer uns alle befriedigenden Lösung ent. währt hat, von dem Unzweckmäßigen scharf zu trennen
zegenzuführen. Wie wichtig und bedeutungsvoll dieser Teil und aus den Erfahrungen die Lehren zu ziehen, die den
unserer Aufgabe ist, das hat uns unser Bündesführer schon künftigen Erfolg verbürgen. Wenn wir so an die Vorbe—
so oft und so anschaulich ausgeführt, daß ich mich darüuber reitungen zu den nächsten Wertungssingen
nicht weiter zu verbreisen brauche. Aber in die Mittel, herangehen, wenn wir in dieser Weise die richtigen Nutz—
durch deren Änwendung wir dieses Ziel anstreben, müssen anwendungen zu finden uns bemühen und wenn wir auch
wir uns noch eingehend vertiefen, und wir wollen uns in diesem wichtigen Zweige unserer Tätigkeit Hand in Hand
von vorneheréein darüber klar sein, daß dieser, Teil unseres mit dem Bunde arbeiten, der auf unsere Beobachtungen
Aufgabenkomplexes wahrlich nicht zu den einfachsten ge- angewiesen ist und der mit uns aus unseren Erfahrungen
zählt werden darf. Ich hoffe aber, daß an der Größe der ernen muß, dann werden wir mit dazu beitragen, den
Aufgabe auch unser Eifer und unsere Arbeitsfreudigkeit zuten Ruf, den der Saar-Sänger-Bund stets genossen hat
wachsen werden. Besondere Sorgfalt müssen wir auf,die uand heute noch genießt, fester und sicherer zu begründen.
Frage verwenden, in welcher Weise und in welchem Um— Daneben aber werden wir das Verständnis derjenigen
fange wir in unserem Gaun den Zusammenschluß unserer Sangesbrüder, die auch heute noch dem von uns
kleiner Vereine zu erwägen und zu fördern haben. längst überwundenen Standpunkte des Wettsingens das
Wir müssen uns endlich auf dem Standpunkte treffen, Wort reden, für den fortbildenden und sittlichen Wert des
daß nur durch die Zusammenfassung der zersplitterten und Wertungssingens gewinnen und sie davon üherzeugen, daß
dadurch für uns verlorenen Kräfte die Bewegung ge- in demselben Maße, wie das Wettsingen Zwietracht und
schafsen werden kann, die uns allen als das Ideal vor- donkurrenzneid zwischen den Brudervéreinen aufzurichten
schwebt und die zu schaffen uns höchstes Ziel, zugleich aber geeignet ist, das Wertungssingen dazu beiträgt, die tren—
auch schönfter Lohn sein muß: die Bewegung naͤmlich, die jende Kluft zu überbrücken und die Vereine zur Gemein—
im Gemeinschaftsfingen und in der Pflege des deutschen chaftsarbeit zusammenzuführen. Auf die Durchführung der
Liedes ihr einigendes Band um alle Volksgenossen schlingt Wertungssingen allein darf sich unsere gemeinschaftliche
und sie erst dadurch zu wahren und liebenswerten Men⸗ Tätigkeit natürlich nicht beschränken. Mehr als bisher
schen macht. Unsere Gegenwart bietet nun einmal keinen müssen wir versuchen, unsere innere Verbundenheit durch
Raum mehr für jene kümmerlichen Gebilde, die durch den zroße und geschlossene Veranstaltungen auch nach außen
Mangel jeglicher ideellen und materiellen Leistungsfähig⸗ hin zu demönstrieren und damit allen denen, die dieser
keit dem großen Gedanken, der uns beseelt, eher abträge lleberzeugung noch bedürfen, den Beweis zu liefern, daß
lich zu sein geeignet find, als ihn zu fördern. Wenn wir in der Geschlossenheit die Schlagkraft und das Geheimnis
uns nur einheitlich zu dem Grundsatze bekennen, daß unter des Erfolges ruht. Diesen großen Z8wecken müssen wir
allen UÜmftänden die Sache über die Person zu unsere künftigen Gauveranstaltungen dienstbar
ftellen ift, dann werden wir der Schwierigkeiten auch auf nachen. Hierbei sowohl wie auch bei dem Wertungssingen
biefem Gebiete um vieles leichter Herr werden. Ich dars deschränkt sich meine Aufgabe wiederum nur auf das rein
n diesem Zusammenhang auf die Ereignisse der jüngsten Organisatorische, während wir uns hinsichtlich der musi—
Zeit hinwessen. Vor einigen Wochen, haben sich zwei alte alischen Ausgestaltung der Führung des Gauüchormeisters
Burbaͤcher Vereine, nämlich die M. G.V. Concordia und und seiner Mitarbeiter anvertrauen müssen und wollen.
Rheingold Saarbrücken 5 zur „Sänervereinigung Con⸗- Ich überlasse es daher auch ihm, Ihnen Näheres darüber
rordia? Rheingolde zusammengeschlossen, und gesstern wurde Ju sagen, wie er sich diese Veranstaltungen denkt, ob sie
unter meinem Vorsitz der Zusammenschlußz zwekter Gau- n Förm von Werbefingen oder Gaukonzerteén
bereine und eines dem Bunde bisher nicht angehörenden ktattfinden sollen oder ob wir uns bemühen müssen, ihnen
Vereines in Ällenkefsel, nämlich der großen Toncordia, »inen neuen und von den bisherigen Gepflogenheiten ab—
der Sangesfreunde und der Liedertafel, zur „Sängerver- veichenden Rahmen zu geben. Es sei mir äber erlaubt,
einigung Allenkessel-Reudorf“ ohne jede Schwierigkeit voll- bei, dieser Gelegenheit dargauf hinzuweisen, daß wir die
zogen. Iedentin e Wuen e e auch — unter⸗
* ssingen der 3. Gruppe in Güchenbach schätzen dürfen. Es hat sich in der Vergangenheit immer
a terdehe Vnnee u vom 53 eingeführtenn als nützlich und befruchtend erwiesen, wenn sich die Sanges—
Gruppenwertungssingens seinen Abschluß gefunden. Es brüder verschiedener Vereine zu zwanglosem Vergnügen
hird eine unferer vornehmsten Aufgaben sein, mit Fleiß einmal zusammenfinden, um als Mensch dem Menschen
ind peinlichster Sorgfalt'alle die Erfahrungen zusammen⸗ näherzulommen. Warum sollen wir hier nicht einmal den
sraden die die bisherige Arbeit auf diesem Gebiete ge- Gedanken erwägen, ob es nicht schön und zweckmäßig wäre.
zraͤcht hat, alles das, was sich als gut und brauchbar be— daß drei oder vier räumlich nicht allzu weit Auseando
wurfsvolle Klagen in ihre Seele! — Und als sie nun gar
mit dem Burschen im Tanze sich drehte, der ihr so nahe
stehen sollte und ihrem Herzen so fremd war, als sie da—
hinflog und droben vom Orchester dieselbe Weise ihre Seele
uͤmflukete, die einstens die Liebe in ihrem Gemüt zum Er—
blühen gebracht, da brach ihr das Herz. Ein Tränenstrom
entstürzte ihren Augen, Bleich, zitternd wankte sie aus
den Reihen; in der Ecke knickte sie schluchzend zusammen
Im gleichen Moment brach die Musik mit schrillem Miß
klang ab.
„Laßt mich, ich muß hinunter! Ihr haltet mich nicht,
ihr nicht und die ganze Welt nicht!“
„Daß dich der Geier! Ist denn heut auch der Teufel
los? Solchen Tanz hab ich noch nicht erlebt, und ich hab
doch schon manches erfahren!“ meinte der Wasserfuchs ganz
aufgeregt, „was? Bist du rein toll? Willst du dich drunten
halbtot schlagen lassen? Siehst du dem Martin und seinen
Kameraden nicht an, was gegen dich vorliegt?“
„Was kümmert mich das? Und wenn Himmel und Erde
darüber zugrunde gingen, ich muß, muß hinunter?“
„Wozu?“ fragte der Zimmerdick bekümmert und hiellt
ihn gewaltsam zurück, „was willst du? Neue Verwirrung,
neues Unheil anrichten? — Paule, nimm Vernunft an!
Bedenk, du kommst doch zu spät, für dich ist hier das
Spiel verloren!“
„Und wenn es verloren ist, und wenn ich hundertmal
zu spät komme, ich muß hinunter!“ schrie Paul außer sich
und suchte sich loszureißen, „laßt mich los, gebt Raum“
Oder, bei Gott! ich springe über das Geländer!“
GFortseßung folgt)
meines, stürmisches Jauchzen aus, die ganze Versammlung
kam plötzlich in drehende, hüpfende Bewegung.
und doch, trotz der übermütigen, lustigen Weise, die
wie Schaumwein erregend durch alle Nerven drickelte, war
der Gefang der Trompete eigentlich nichts weniger als
lustig. Das Blasen klang ja doch nicht anders, als ein
herzzerreißender Schmerzensschrei, wie eine wilde Klage
zines Verzweifelten, der sich im größten Jammer noch selbsi
verspottet und verhöhnt. Der Zimmerdick schüttelte zu—
erst den Kopf. Bald meinte der Wasserfuchs, dem der
Schweiß in großen Tropfen auf der Stirn stand: „Das ist
sa die reine Satansmusik, eiskalt überläuft's einen dabei!“
Zelbst auf die Tänzer blieb dieser Widerspruch nicht ohne
Eindruck; das Jauchzen verstummte; da und dort trat ein
Paar aus den RKeihen und blickte nach dem bleichen Bur—
schen, dessen sunkelnder Trompete immer aufregendere Töne
und Weisen entquollen.
Für alle war diese Musik ein geheimnisvolles, fast un—
heimliches Rätsel, nur ein Mädchen verstand dieses Lied!
Schon nach den ersten Takten ward sie bleich und begann
zu zittern; eine unwiderstehliche Gewalt zwang sie, nack
dem Orchester zu Slicken; der Blitz, der ihr aus Paul⸗
Augen entgegenleuchtete, brachte sie vollends in Verwir—
rung. Wie um sich selbst zu überwinden, zu bezwingen, zog
sie Martin in den Reihen. Vergeblich! Die Trompete dort
oben hörte nicht auf zu klingen, immer wilder, schneiden—
der wurden die Weisen, die ihr entströmten. Bald perlten
die Töne daher wie helle Tränen, bald verhauchten sie wie
schmerzliche Seufzer; dann wieder klangen sie wie Angst-⸗
und Weherufe nder sie schmetftterfen wie zürnende. vor