Full text : 11.1933-1934 (0011)

Wargam nicht Quartelte im

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In den „Richtlinien des DSB.“ steht unter der Ueber—
schrift Aufforderung zum Zusammenschluß
bei Abschnitt 6 der prächtige Satz: „Quartette und Doppel-—
quartette dürfen nicht als selbständige Korporationen in
den Gau aufgenommen werden, wenn Bundesvereine am
Platze sind.“ Wenn es zu dieser Fassung — sie mag für
manchen Menschen hart klingen — gekommen ist, so ist
doch dem Gedanken an und für sich die Berechtigung in
keiner Weise abzusprechen. Er ist entwicklungsgeschichtlich
geworden; nur waren es, von einsichtigen Sängern abge—
sehen, leider zu wenige Menschen, die schon früher im
Quartettwesen ein Unwesen erblickt hatten. Meines Er—
achtens hat nur dann ein Quartett Erxistenzberechtigung,
wenn es sich aus Künstlern bildet, die sich zum Ziel ge—
setzt haben, das Volkslied in höchster Form—
vollendung zu bieten, um so als Lehrchor einen
Zweig denutscher Sangeskunst zu demon⸗—
strieren. Unsere landläufigen Quartette
und Doppelquartette sind im allgemeinen
typische Sammelbecken, aller sog. Sanges⸗—
brüder, die sich im großen Verein nicht wohl—
fühlen können Verschiedenerlei kann die Vorbedin—
gung zur Quartettbildung sein. Oft sind es soziale
Verstiegenheiten einzelner Sänger, die auf Ab—
sonderung vom großen Chor drängen, Mitunter ist es
ein von einem Verein ausgebooteter Diri—
gent, der aus Verärgerung heraus hinfort „in Quartett
macht“. Ein schmelzender Tenor, ein abgrundtiefer Baß,
und nicht weit entfernt ist das Gefühl „Ich bin zu
schade“ für einen Chor! Dieser ungesunde Ehrgeiz, unter
allen Umständen an exponierter Stelle gehört und
gesehen zu werden, treibt meistens zur Quartettbil⸗
dung.“ Und wie oft hat bei Quartettgründung nicht ein
Wirt mit „neu renoviertem Sälchen“ Pate gestan;
den? Kommt dann noch hinzu, daß ein „schneidiges
Quartett“ bei einem Kehlkopffporttreffen — manche Men—
schen nennen das Wettstreit und Preissingen — einen
Pokal gewinnt, dann ist des Ruhmes kein Ende. Betört
lauscht das Publikum, das oft selbst einer Wertung und
Würdigung wahren Chorgesanges nicht immer fähig ist,
den akthlekischen Bemühungen der, kleinen „Heldenschar“,
dié sich nicht selten an einem großen Chorwerk vergreift,
und daͤnn durch gewaltigen stimmlichen Kraftaufwand, ver—
bunden mit aller möglichen atemraubenden Akrobatik, den
Zuhörer über den Unfug einer solchen Singerei hinweg⸗
zutäuschen versucht. Nun könnte man ja an dem ganzen
Quarteltunwesen als an einer klingenden Privatangelegen—
heit vorübergehen, wenn unsere Chorvereine nicht unter
diefen Sondererscheinungen zu leiden hätten. Es dürfte

doch wohl selten vorkommen, daß sich ein Quartett bildet
aus 82-416 Menschen, die das Singen erlernen wollen.
Nein, geschulte Sänger müssen es sein. Und die holt man
im Gesangverein, wo sie singen gelernt haben. Und
o»ft mit welchen Mitteln? Es soll Quartette geben, die
die wirtschaftliche Not der Zeit ausnützen. In unsern
Bundesvereinen hat jeder Aktive, wenn es ihm auch noch
so schwer fällt, seinen monatlichen Beitrag zu zahlen, und
er erhält sich so durch seine Leistung auch die ihm
zukommenden Rechte. Manche Quartette haben
hre aktiven Sänger von jeglicher geldlicher Verpflichtung
3ntbunden. Da ist für manchen wenig vereinstreuen
Zänger der Weg von seinem Stammverein zum Quartett
öft nicht allzu weit, besonders in Zeiten der Wirtschafts—
not. Kann man ein solches Gebahren mit „Sammlung
der Kräfte“ bezeichnen. Soll dieser Ruf, der sich heute
zebieterisch vor jeder Korporation erhebt, ausnahmeweise
um die Sängerschaft herumgehen? Und wenn es heute
noch Quartette geben sollte, die dieses Signal zum großen
Zammeln nicht hören wollen — viele dieser Zwerginstitute
haben ihr Eigendasein aufgegeben und haben heimgefun—
den zun Verein, den sie einstens durch ihr Sonderbündler—
tum empfindlich geschwächt haben —, hat dann das Wort
Aseres Führers Geltung: „Gemeinnutz geht vor Eigen—
nutz!“?
Man ist heute dabei, auch im Saargebiet, Vereine zu—
ammenzulegen. Soll man dann Quartette durch Auf⸗—
tahme in den SEB. in ihrem Weiterbestand noch sanktio—
nieren? Oder glaubt man, dem Zusammenschluß, sowie er
erwünscht ist und kommen wird, vorgearbeitet zu haben,
wenn man heute noch Quartette in den Bund aufnimmt?
Ungleich schwerer wird es dann sein, an einem Quartett,
das im Bund ist, die geforderten Richtlinien durchzusetzen,
als ihm heute der Weg zu weisen zum großen
Verein!
Starke Parteien mit stolzer Tradition im Saargebiet
haben ihr Eigenleben aufgegeben, nur um mit andern ein
großes Ganzes sein zu köñnen. Und ein Quariett soll
nicht den Mut aufbringen, zu gestehen: „Meine Zeits
ist um! Ich muß mich opfern, denn weil ich
selber ein Ganzes nüicht sein kann, muß ich
In Deutschlands Sängerschaft aufgehen!“
Das „Stirb und Werde“ ist immer wahr, heute erst recht.
Dann erst können wir alle flammenden Herzens bekennen:
„Wir Brüder aber lebenslang stehn einig Hand in Hand,
in Treue fest dem deutschen Sang, und treu dem
deutschen Land!“
Wilhelm Jung.

D i 5i b
as Mainzer Singbuch.
600 meillt dreistimmige Gesänge für gleiche oder gemischte Stimmen: Verlag Schott.
Gchon wieder ein neues Chorbuch? Kaum ist der Widerhall arbeiten der Chorleiter unerläßlich sein. Erst der Chorleiter
Ades Lobedasingebuches verklungen, kaum hat sich der Streit wird und muß die einzelnen Sätze zum Klingen bringen.
der Meinungen über dieses Buch gelegt, ein Streit, dem übrigens Denn was da schwarz auf weiß steht, ist sozusagen der objektive
die Frage der Finanzierung meist ein vorschnelles Ende be— Durchschnitt durch die Vielheit der Klangmöglichkeiten, aus denen
reitete, so erscheint wieder ein Buch, das weiteste Beachtung lich der Chorbeiter die geeignetste durch Transpofition erst heraus—
aller am Chocwesen interefsierter Kreise verdient. Der be— uchen muß. Das ist nicht, immer leicht. Bei manchen Stücken
wußten Beschränkung des Lobedasingebuches steht uͤmn Mainzer ind allerdings in den Anmerkungen Fingerzeige, manchma
Singbuch eine ebenso bewußte Verbreiterung des Raͤh- zenaue Angaben gegeben.
mens gegenüber. Das Mainzer Singbuch will gleichzeitig mög— Wenn also zwar eine Reihe von Sätzen gleichzeitig ohne
lichst aThe Thorgattungen erfassen, den Männer⸗, Frauen- und Zwang für Fraueu-, Männer- und Gemischten Chor möglich
Gemischten Chor. In dieser Zielsetzung liegt das Plus, aber ind, etwa die hübsche Chorvariation „Herzlich tut mich erfreuen“
quch das Minus des Buches. Es kam darauf an, für möglichst on Lendvai oder der markige „Sonnenspruch“, der eigenartige
viele, wenn nicht gar alle Stücke jede dieser Besetzungen Hausspruch“ von Rein (diese beiden allerdings für Gemischten
zu ermöglichen. Da die bedeutendsten unserer Chorpraktiker, Thor nur durch Oktavieren, also durch Koppelung von drei—
wie Haas, Knab, Rein, Lendvai, Hans Lang, an diesem Wert kimmigem Frauen- und dreistimmigem Männerchor), so merkt
gearbeitet, alles Meister, denen der Männer- wie der Frauen- man doch den meisten Sätzen eine gewisse vorbestimmte Him—
Und Gemischte Chor so viel verdankt, war, die Gewähr dafür ieigung zu einer best immten Chorgattung an. Die Sätze
gegeben, daß bei einer Anzahl von Stücken diese Abficht hon Gerster zum Beispiel, die uns hier im Saaͤrgebiet deshalb
auch latsächlich gelingen, konntẽ. Allerdings wird bei dieser desonders interessieren, weil die Texte alle von dem Saar⸗
vielfeitigen Verwendbarkeit bei weitaus der größeren Zahl der drücker, Dichter Albert Korn stammen, scheinen mir ur—
ee ee pt tes, ja nisweisen mitschänferischeß Mit- vrünalich für dreistimmigen Gomischten Chor gaedacht zu sein
            
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