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ihr und durch sie wieder ein singendes Volk zu werden.
Hier wird es sich wesentlich um die Förderung des ein—
stimmigen Liedes und um Lieder handeln, die ihrem In—
halte nach das aussprechen, was heute unserer Jugend
wieder am Herzen liegt: Das Bekenntnis zu Volk und
Vaterland und zu seinem Führer. Bundesschriftführen
Walther Stein rief in seinem ausführlichen Pressereferat
zur Treue gegen die eigene Bundeszeitschrift und die des
Deutschen Sängerbundes auf. Er forderte, daß die Bericht—
erstattung kurz, knapp, sachlich und ohne Eigenlob ge—
schehen möge, ünd wies dabei Wege, wie die Bundesvereine
ihrer Arbeit Widerhall in der Provinz- und Ortspresse
sichern, indem sie deren Vertreter zu Konzerten und Ta—
gungen einladen, damit sie sich selhst ein Bild von unserm
Wirken machen und dann von sich aus kritisch dazu Stel—
lung nehmen können. Der als Gast erschienene, herzlich
begrüßte Vertreter der Landesführung, Schlemmer, gab
der Freude über die Arbeit des Bundes Ausdruck, nament-—
lich auch über die vorbildliche und früchtereiche Wirksam—
keit des Saarsängerbundes. Möchte es gelingen, den Rhei—
nischen Sängerbund Nahe-Mosel-Saar durch alle Klippen
organisatorisch, künstlerisch und in volksdeutschem Sinne
zum Segen für Volk und Vaterland in eine neue große
Zukunft hineinzusteuern!
Der Bundesvorstand übermittelte dem greisen Pro—
fessor Gustav Wohlgemut in Leipzig zu seinem
70. Geburtstage in sangesbrüderlicher Verbundenheit die
herzlichsten Glückwünsche. Als Sohn einfacher Bürgersleute
am 25 Dezember 1863 in Leipzig geboren, besuchte er
1878 -1884 das Lehrerseminar zu Grimma und leitete
im letzten Seminarjahr als „Musikpräfekt“ die gemischt—
chörigen Motetten in der Klosterkirche. Bereits als junger
Lehrer wurde Wohlgemut für den Männerchor gewonnen,
in dessen Dienst er hinfort sein ganzes Leben gestellt hat.
Er begründete durch Zusammenschluß den Leipziger Männer—
chor, besuchte 37jährig unter Austritt aus dem Lehramt
Alshhl Saar⸗Sänger-Bund see—
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zurt (1932). Es muß für den verdienten Chorführer ein
erhebendes Gefühl sein zu sehen, wie Saat, die er in
ungen Jahren und dann ein ganzes Leben hindurch aus—
geworfen hat, heute in der machtvollen Chorbewegung des
D.S. B. so reiche Frucht trägt. Möchte Professor Wohlgemut
ein gesegneter Lebensabend beschieden sein, um diese Auf—
värtsentwicklung weiter verfolgen zu können!
Der Musikausschuß des Deutschen Sängerbundes, der sich
aus zwei Berufsmusikern, zwei hauptämtlichen Kirchen—
nusikern und drei Lehrer-Chorleitern zusammensetzt, be—
schäftigte in seiner letzten Sitzung in Berlin sich eingehend
nit der Frage der nebenberuflichen Chorleitertätigkeit. Er
'am einmütig zu folgenden Erklärungen: 1. Der Vehrer ist
in der Pflege des deutschen Chorgesanges nicht zu ent—
hehren. 2. In Dörfern und Landstädten ist und bleibt im
allgemeinen der Lehrer der gegebene Leiter der Chor—
»ereine. 3. Es ist dringend notwendig, daß im Sinne der
Frickschen Erlasse Chorleiterstellen fre gemacht werden für
dauptberufler, deren Befähigung dafür jedoch unzweifel—
zaft nachgewiesen werden muß. 4. In Städten und deren
Randgebieten haben im allgemeinen die Nebenberufler den
»orhandenen hauptberuflichen Chorleitern den Vorrang zu
assen. Die Entscheidung darüber, ob ein Wechsel in der
nusikalischen Leitung eines Chorvereins tunlich erscheint
»der ob für das Verbleiben des Nebenberuflers ein „wesent—
iches öffentliches Interesse“ vorliegt, fällen die amtlichen
Ztellen nach vorheriger Befragung des örtlich zuständigen
Zängerführers und des Landeskultüramtes (bzw. des Kampf—
»undes für deutsche Kultur). 5. Die Nebenberufler, die nach
dage der jeweiligen Verhältnisse nicht durch Hauptberufler
ersetzt werden können, haben unbedingt Anspruch auf Ent—
chädigung für ihre chormeisterliche Tätigkeit. Die von einer
Stelle vorgeschlagene Regelung, den Nebenberuflern nur
—
tatten, fördert keinesfalls den Gedanken der Arbeitsbe—
schaffung. 6. Unbedingt anzustreben ist, daß seitens der
Reichsregierung ein staatlicher Befähigungsnachweis für
Chorleiter verlangt wird, damit die künstlerische Tätigkeit
gewährleistet ist.
Der Psalin der Befreinug von Erwin Lendvai erlebte
in letzter Zeit wieder eine Reihe glänzender Auffüh—
rungen. So schreibt eben die Tremonia: „Mit Lendvais
„Psalm der Befreiung“ hatte der Dortmunder M.G.V.
die eigentliche Sensation seines großen Chorkonzertes zu—
gunsten des Winterhilfswerkes. Es ist ohne Zweifel ein
Wierk von ungewöhnlicher Größe der Formen
wie der Intensität des Ausdrucks. Lendvai ist
ein Kontrapunktiker, dessen kompositionstechnisches Können
alle Probleme löst. Er findet aber auch für die Dichtung
von Walther Stein, für den inbrünstigen Gebetsruf, die
Erkenntnis der menschlichen Schwachheit, für den Ueber—
gang vom flehenden Gebet zum Jubel einen überzeugenden
Ausdruck, und das ist schließlich das Entscheidende für den
Gehalt des Werkes. Durch den strengen polyphonen Stil
erhalten die drei Teile eine innere musikalische Geschlossen—
heit, die sich mit der durch den Text gegebenen Gefühls—
kurve deckt. Chor- und Orchestersatz, der stark chromatisch,
aber linear ist, sind organisch verbunden; selbständige
Orchesterstücke, wie die Einleitung mit dem cantus firmüs
„Aus tiefer Not“ verbinden mit ihrer durchsichtigen Stimm—
jührung eine geschmackvolle Instrumentierung. Vor allem
wirkt. das Werk durch seinen klangvollen und sangbaren
Chorsatz. Auch er hat von Händel gelernt, Homophonie
und Polyphonie miteinander zu verbinden. Es herrscht
zin lebendiger Rhythmus in der Entwicklung der Gedanken.
die sich in den Finales der Sätze zu mächliger Klangent—
vicklung auftürmen. Da ist das kühn gesteigerte „Der Herr
vird rüfen aus der Höhe“, das Fuügatoe VDer Mensch muß
mmer in Streit sein“ und besonders das extatische, bei
aller Strenge der Stimmführung klangschwelgerische Lobe;
den Herrn“, mit dem jauchzenden „Alles, waͤs Odem hat“.
Mankann den Psalm der Befreiung nach der
Broßzügigkeit seiner Anlage als éines von
den wenigen monumentalen Chorwerkenbe—
zeichnen, welche die Allgemeingefühle un—
rerer Leit in einem dem Vollksempfinden
faßbaren und doch nicht zu Konzessionen be—
zeiten Stil widerspiegeln: von diesem Gesichts—
punkte muß man dem Psalm eine seinem Gehalt ent—
prechende Verbreitung wünschen.“
Professor Gustav Wohlgemut.
213 Jahre das Leipziger Konservatorium und blieb nun
führend in der Chorhewegung: Dirigent der Singakademie,
Bundesnmusikdirektor des Leipziger Gausängerbundes, Säch⸗
sischer Buundeschormeister, Mirglied des Gesamtausschufses
des D.S. B. zwanzig Jahre lang Schriftleiter der DS.B.
Zeitung, als eine der markanlesten Chorleiterpersönlich—
keiten allen bekannt, die deutsche Sängerbundesfeste be—
suchten: Stuttgart (13896), Graz (1902), Breslau (1907)
Nürnberg (1912), Hannover (19259, Wien (1988), Frank—