Nr. 10 settttusstst Saar⸗Sänger-Buud lshnmnin
Vundesvorstandssitzung des erweiterten Bundesvorstandes
am 16. September 19833 im Sängerheim Stadtpark Ludwigs—
berg zu Saarbrücken. Bundesführer Dr. Bongard eröffnet
die Sitzung mit herzlicher Begrüßung an die Vertreter der
Gaue und Presse. J1. Der Bericht üher die letzte erweiterto
Buudesvorstandssitzung wird vorgelesen und genehmigt.
2. Der Bundesführer weist bei Besprechung des für den 1.
und 2. September 1934 vorgesehenen Bundesfestes daraus
hin, daß hier künstlerisch ganz neue Wege beschritten werden
sollen, nämlich: Zusammenballung aller Veranstaltungen
in die denkbar kuͤrzeste Zeitspanne von 150 Tagen, Ge—
schlossenheit der ganzen Veranstaltungen in dem Leitge—
danken: Einigkeit, Recht und Freiheit, Wiedererweckung der
alten Intradenmusik, Beschränkung jedes Konzertes —
außer den Hauptaufführungen — auf . Stunde, Zuteilung
der Sonderkonzerte nicht an Vereine, sondern vom Bundeé
aus an die Gaue, Ueéberweisung der künstlerischen Ver—
antwortlichkeit dem Bundeschormeister gegenüber an die
Gauchormeister, künstlerisch wertvolle Konzertfolgen, die
einen klaren Einblick in zeitgenössisches Chorschaffen geben,
Erfassung aller musikalischen Formen, nicht nur des Männer—
chores. 3. Bundeschormeister Musikdirektor Beck umreiß!
nun das ganze Festprogramm: Bannerühergabe, Festsitzung
Aufführung des „Psalms der Befreiung“, dann am folgeuüͤ—
den Tag: Sonderkonzerte, Haaurang zugleich Ge—
dächtnisstunde mit Sätzen aus dem „Requiem“ von Brahms
Gesangprobe, Festzug, Kundgebung, und abends: Ausklang
mit der Aufführung von Bruckners „Te Deum“. In An
lehnung an diese Aufstellung kennzeichnete der Bundes
chormeister die künstlerischen Erfordernisse jeder dieser Ver
anstaltungen und den Anteil der Gaue an ihrer Erfüllung
Er wies darauf hin, daß in den nächsten Tagen jedem
Gau seine Aufgaben mitgeteilt würden. Die Vorlagent des
Bundesvorstandes fanden allseitige Zustimmung. Das
Notenmaterial soll den Vereinen möglichst sofort zugesand
werden. 4. Der Bundesführer fordert erneut die kleinen
und leistungsschwachen Vereine auf, sich durch Zusammen—
schluß die Möglichkeit fruchtbarer Mitarbeit zuͤ sichern. Er
mahnt zur Vorsicht bei Aufnahme von Vereinen, die dem
Bunde bisher fernstanden, und erklärt, daß Neugründungen
nicht mehr genehmigt, werden können. 5. Der Bundesführer
bestätigt alle bisherigen Gauführer bis zum Bundestag
kommissarisch in ihren Aemtern. 6. Der Dirigententag des
Bundes wird auf den 2. Dezember in das Sängerheim
Ludwigsberg einberufen. Als Redner über die Mufgabe
„Neuzeitliche Chorliteratur“ ist Professor Walter Rein
aus Frankfurt gewonnen. Der Besuch des Dirigententages
wird allen Chorleitern des gesamten Bundesgebietes uͤn
bedingt zur Pflicht gemacht. 7. Gauführer Franz, Wad—
gassen, berichtet namens der Grenzziehungskommifflon über
den Abschluß ihrer Arbeit. Darnach ist“ das Gebiet des
früheren S..B. in 12 Gauen zusammengefaßt, das des
hinzugezogenen Mosel- und Nahegebietes soll in 10 Gauen
aufgeteilt werden. Einzelne Gauführer gaben noch kleinere
Anregungen, über die mit den beteiligten Gauen zu ver—
handeln ist. Im ganzen aber fand die Vorlage der Grenz—
ziehungskommission allseitige Zustimmung. Es wurde be—
schlossen, die Gaueinteilung nicht mit in die neuen Satzungen
hineinzunehmen. 8. Der Bundeschormeister berichtet, daß
die künstlerische Arbeit in den neuen Gauen erfolgreich auf⸗
gegriffen ist. Es wird der Vorschlag gemacht, in Trier eine
zweite Bibliothek zu errichten. 9. Bié Verhandlungen über
ein neues Bundesabzeichen werden bis zur nächsten Sitzung
vertagt. 10. Als Teilnehmer an dem diesjährigen Slaat
lichen Fortbildungskursus in Berlin wird Gauchormeister
Meyer, Elpersberg, bestimmt. 11. Der Bundesfchatzmeister
berichtet über die Eingänge der Bundesbeiträge. 12. Ddie
nächste Sitzung des erweiterten Bundesvorstandes, zugleich
mit dem Musikausschuß, findet im Dezember in Trier statt.
gez. Bongard, gez. Stein, gez. Grebe,
Bundesführer. 1. Bundesschriftführer. 2. Bundesschriftführer
— evenshhl Seite 280
dieses Standpunktes sind u. a. die allgemein bekannten
zedenklichen und schädlichen Beweggründe, Begleit⸗ und
Folgeerscheinungen der Wettstreite. — Auch der Beutsche
ZängerBund., vertritt heute diese unbedingt ableh—
nende Haltung und hat zunächst das Wettsingen um Geld—
oreise verboten; die Beseitigung des dem Chorsingen als
musikalischer, d. h. künstlerischer Aufgabe völlig artfremden
Punktesystems wird folgen.
Trotz dieser Sachlage ist leider nicht von allen Vereinen
des Saarz-Sänger-Bundes der vonñ ihnen selbst mitbe—
schlossenen Ablehnung in der Praris entsprochen worden,
und neuerdings scheint sogar in völliger Verkennung nicht
aur des Wesens des Chorgesanges, sondern auch der ganzen
Kultur und volkspolitischen Lage der Gegenwart das Wett
ingen an einigen Stellen des Bundesgebietes wieder auf—
eben zu wollen.
Angesichts dieser Tatsache hat sich die Bundesführung
n einer Sitzung vom 8. 11. noch eiumal von Gruns auf
mit der Frage beschäftigt. In Verfolg dieser Beratung
und der früheren Bundestagsbeschlüsse wird hierdurch allen
Bereinen die Abhaltung und der Besuch von
Besangwettstreiten uñtersagt. Das Verbot gilt auch
für die Wettstreite, deren Vorbereitung bohne Fühlung—
nahme mit der Bundesführung bereits begonnen (ist.
Vereine, die dieser Anordnung zuwiderhandeln, werden
unter allen Umständen aus dem Bunde ausgeschlossen.
Saarbrücken, den 28. November 1938.
Bongard.
Ueber die Erweiterte Bundesvorstandssitzung und die
Tagung des Erweiterten Musikausschusses in Trier ver—
»ffentlichen wir demnächst die amtliche Niederschrift. Heute
geben wir diesen vorläufigen Bericht: Der durch Zusammen—
schluß des Saar-Sänger-Bundes mit Mosel und Nahe er—
zeblich vergrößerte Wirkungskreis macht es notwendig,
Sitzungen des Erweiterten Bundesvorstandes und des
Erweiterten Musikausschusses des „Rheinischen Sänger—
Bundes Nahe-Mosel-Saar“ von Fall zu Fall auch nach
uußerhalb des Saargebiets zu verlegen. So fand jetzt eine
»edeutsame Tagung in Trier statt, zu der alle 820Gaue
hre Vertreter entsandt hatten. Warme Worte der Be—
zrüßung fanden die Gauführer Süß und Dr. Kaempfert,
velch letzterer dem Wunsche Ausdruck gab, daß durch diese
Tagung das Ideengut des Nationalspzialismus fruͤchtbar
gjemacht werde, für die Sängerbewegung. Bundesfuührer
Or. Bongard kennzeichnete den deutschen Geist, der aus
dieser uralten ehrwürdigen Stadt Trier spricht, der in
allen Epochen so viel aufnahm, verarbeitend überwand
und das Wertvolle immer wieder in neue Lebensformen
amzuleiten wußte. In diesem Geiste geschieht auch unsere
Pflege der Muttersprache, des deutschen Liedes und der
deutschen Musik, in denen sich zu allen Zeiten das Tiefste
und Beste des deutschen Menschen ausgesprochen hat. Wir
vollen namentlich das deutsche Volkslied wieder in die
derzen hineinsingen im Sinne unseres Volkskanzlers: Volk
und Vaterland müssen sterben, wenn wir sie im Herzen
sterben lassen! Die Verhandlungen standen in Vortrag
and Aussprache auf hohem Niveau. Sie galten der musi⸗
kalischen Umrahmung des Bundestages, der im April in
Trier, und des Bundesfestes, das im September in Saar—⸗
»rücken stattfinden wird und echte Chorliteratur klingen
äßt, neben Brahms und Bruckner die in erster Front
tehenden zeitgenössischen Komponisten. Bundeschormeister
Beck zeigte dabei die Pflichten der gesamten Sängerschaft
ruf, an den Massenchören der Kundgebung und der Gaue,
sich ebenfalls nach sorgsamster, gewissenhaftester Vorbe⸗
reitung an den Sonderkonzerten zu beteiligen. Er führde
dann aus dem Gesichtswinkel der volksdeütschen Misfion
der Sängerschaft aus, wie notwendig der Vorstoß zum Ge⸗
neinschaftssingen ist, und welche hohe Bedeutung dabei
dem Kanon zukommt, der ja aus dem Gemeinschaftsgedanken
gergaus erwachsen ist. Und weil er zugleich der natürliche
Führer gus der Melodik in Harmonik darstellt, soll der
iächste Bundestag in besonderem Maße dieser Kunstform
gewidmet sein. Lebhafte Aussprache setzte auch bei Be—
Pprechung der Wertungssingen ein, die kunsterzieherische
Früchte an den saarländischen Vereinen bereits in hohem
Maße getragen haben und mit ihrer Schulungsarbeit nun
nuch auf die übrigen Gaue übergreifen sollen. Und nicht
zuletzt rückte das Problem in den Vordergrund, die deutsche
ZFugend in die Sinagemeinschoft einzuschließen. um mit
Unter keinen Untständen noch Gesangwetistreite.
Die Bundestage des Saar-Sänger-Bundes haben
wiederholt in einstimmig gefaßten Beschlüssen das Wett—
singen verurteilt, weil es nichts ist als eine durchaus ober—
flächliche und unsachliche Uebertragung äußerlicher Maß—
stähe von ganz andersgrtigen und anderswertigenü Formen
und Aeußerungen des Vereins- und öffentlichen Lebens und
mit Wesen und Sinn des deutschen Choörgesanges im
schroffen Widersnruch steht. Beweis für die Rimtiakeit