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sprudelnde Kräfte in das Flußbett deutschen Geistes- und
Volkslebens geleitet werden wollen, für die Reize echter
Hausmusik empfänglich zu machen. Die Notwendigkeit der
Pflege dieser im Grunde genommen tiefsten und schönsten
Kunst durch die Jugend wird dadurch erwiesen, daß der
ethischen und veredelnden Kräfte derselben nur derjenige
teilhaftig wird, „für den die Kunst eigene Lebensbetäti—
gung ist, in dessen Leben sie nicht als Fremdkörper steht“.
Damit offenbart sich uns von selbst, wie die Hausmusik
insbesondere für die Jugend beschaffen sein soll. Es bedarf
All Saar⸗Sänger-Bund ih
alleinige Möglichkeit musikalischer Eigenbetätigung. Wenn
das Leben wie die firnigen Häupter der Alpen in die jungen
Tage leuchtet, wenn grauer Not kalte Nebel die empfind—
lichen Herzen umlagern, wenn kameradschaftliche Treue und
frischer Mut die Pulse kräftiger schlagen läßt, stets be—
darf der junge deutsche Mensch seiner Musik, die der Span—
nungen unseres wechselvollen Geschickes harmonischer Aus—
zleich ist. Tiefen Einfluß auf sein zukünftiges Leben übt
also Geist und Form der Musik auf den Jüngling aus, in
diesen empfänglichsten und empfindsamsten aller Lebens—
kreise des Menschen, dessen Charakter und Denkweise, kurz
sein Seelenleben mitbestimmend. Die Musik ist eben neben
der Religion die tiefste Aeußerung seelischen Lebens. Das
läßt uns einerseits ihre ungewöhnliche Bedeutung als Er—
ziehungs- und Bilduüngsmittel für die reifende
Jugend schätzen, anderseits aber erkennen, welches Maß
von Sorgfalt der Art musikalischer Literalur zuzuwenden
ist, die von der Jugend gespielt wird. Wird diese „lieder—
lose“ Zeit des Jünglings (sie ist auch beim Mädchen, wenn—
gleich nicht so ausgesprochen, zu finden), die von der
Elternschaft im allgemeinen noch nicht als die „kritische“
erkannt wird, so von „junger“, reiner Instrumentalmusik
durchsetzt, so darf man mit Ruhe nicht nur der musikalischen,
sondern auch der allgemein seelischen Entwicklung des ju—
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Gotisches Duett in vornehmem Hause
kaum weiterer Erwähnung, daß alles verwerflich ist, was
die Formen der Musik und ihrer Darbietung, wie sie in
den Konzerten, Opernhäusern und dgl. sich dem Erwachsenen
gegenüberstellen ()D, ins Miniaturhafte zu transponieren
sucht. Die Jugend bedarf einer ihr ganz und gar eigenen
Musik, eigen ĩin Gehalt und Gestaält. Sie muß sich zwang—
los ihrem Leben eingliedern, damit sie ihr überall dort
unentbehrlich wird, wo das flache Leben warmen, tiefen
Andachtsstunden, freudig jubelnden Sonnentagen ihrer iu—
gendlichen Seelen weicht.
Zu allen Zeiten erfreute sich die Instrumental⸗—
muüusirf mit ihrem Klangreichtum und ihrer spielerischen
Lebhaftigkeit der besonderen Liebe des deutschen Hauses.
Zumal für die männliche Jugend aber, die oft einige Jahre
durch die Mutation des einzigartigen Instrumentes, das
Mutter Natur dem Menschen in die Wiege legte, der Kehle
Wohlklang entbehren muß, ist sie in bedeutundsvollster Zeit
E
Israhel von Meckenem
Zzudwig Richter.
Hausmusik in der Dachkammer
zendlichen Spielers entgegenwarten. Daneben ist ohne wei—
lers einseuchtend, daß derjenige Jüngling, der sich bereits
während des Stimmbruchs in einem hohen Grade künst—
lerisch — dies immer im Sinne laienhafter, häuslicher
unst gedacht — mit einem Instrument zu beschäftigen und
zurch dasselbe seelisch auszusprechen vermag, nach über—
vundener Mutation der Kunst nicht erst gewonnen werden
»raucht, was in jedem anderen Falle meist geschehen muß.
Wenden wir uns nun der Hausmusik selbst zu! Die innere
Beschaffenheit der Musik für die Jugend wurde, wenn auch
bei der Gedrängtheit des darzubsetenden Stoffes nur an—
deutungsweise, bereits besprochen. Es wurde besonders
darauf hingewiesen, daß sie sich dem Leben der Jugend
harmonisch einzufügen hat, woraus klar hervorgeht, daß
sie einfach, durchsichtig, aufrichtig und schön, immer
rational, nach Möglichkeit deutsch sein muß, also Eigen—
schaften ihr anhaften müssen. wie sie zahllose Werke unserer
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