Seite 226 IIII.
diese Behauptung? Die Geschichte gibt sie uns.
Noch nie ist eine Volksbewegung so untrennbar mit
dem Liede verknüpft gewesen als unsere nationale Er—
hebung. Noch nie hat ein Gesang die große Masse so
begeistert und tief gefaßt als das schlicht-schöne Horst—
Wessellied! Wen aber die Wirkung dieses Liedes noch
nicht bis ins Innerste erschüttert hat, der wird nie den
tieferen Sinn unserer Freiheitsbewegung verstehen
lernen. Und wo liegen diese geheimen Mächte? Das
deutsche Lied ist die Kraftquelle urdeutschen
Wesens und Seins. Mit dem deutschen Lied auf
den Lippen stürmte deutsche Jugend in den Kampf, in
den Tod. Im deutschen Liede hielt sich trotz aller am
Werke befindlichen Zerstörungskräfte ein starkber, un—
beugsamer Glaube an eine Wiedergeburt. Das deutsche
Lied half dem nationalen Kämpfer seine schwere Auf
gabe zum erfolgreichen Ende zu bringen. Im deutschen,
nationalen Marschlied schwingt zündend und mit—
reißend das stolze Freiheitsbewußtsein marschierender
Kolonnen. Diesen hinreißenden Schwung, die dem Liede
entspringende Gemeinschaftskraft aufzufangen,
auf den Nachwuchs, die Jugend, zu übertragen, und da—
mit die Grundlagen einer neuen — zur Einheit füh—
renden — Volkserziehung zu schaffen, muß vornehmste
Aufgabe des Musikerziehers werden!
Wer sich dieser Aufgabe unterzieht — und kein
deutschbewußter Sänger wird sich ihr entziehen wollen
— der arbeitet nicht nur an dem Wiederaufbau
des neuen Deutschland tatkräftig mit, sondern
erweist auch der Erziehung zum Chorgesang
die besten Dienste. Mit der Beendigung der Schulzeit
bricht für Tausende von Jugendlichen die musikalische
Unterweisung — ja für viele jegliche Musikbetätigung
— jählings ab. Erwiesenermaßen zieht die Entfrem—
dung der Jugendlichen vom Chorgesang gerade in den
Jahren nach dem Schulleben die tiefsten Furchen. In
der Berufsvorbereitung ist dem Musizierenden kein
Plätzchen gegönnt. Der jahrelang so vernachlässigte
junge Mensch findet später nur schwer wieder den
Mut zum Singen und den Weg zur Chorgemeinschaft.
Die nationalsozialistische Bewegung hat bereits auch
hier eine SFammlung der Kräfte bewirkt, indem
die hunderte von Gruppen und Grüppchen zu großen
Verbänden zusammengeschlossen werden. Hier muß die
Arbeit der musikalischen Schulung einsetzen; die Jugend
sollte sich nicht selbst oder der Willkür unzureichend
Vorgebildeter überlassen bleiben. Die ordnende und
leitende Hand des berufenen Musikerziehers
muß über der Erziehungsarbeit walten. Der musik—
hungrigen Jugend müssen die Tore zu unserem herr—
lichen Volksgut geöffnet und die Wege gezeigt werden,
wie sie von sich aus zu den Pforten gelangen kann.
So kann es sich nicht nur um die abstrakte Uebermitt—
lung des Liedgutes handeln, sondern die musikalische
Untérweisung muß eine Fortsetzung der for—
malen Bildung und Geistesschulung sein
uisfsi Saar⸗Sänger-⸗Bund
FcsPülhpp Nr. 10
wie sie der Schulmusikunterricht zeitigen soll. Das
Jugendsingen hat die schwere Aufgabe zu lösen, die
naivkindliche genießerische Freude am Klang, das schöp—
ferische Mittun, wie es die Schularbeit vermittelt,
wveiterzupflegen, umzuformen und überzuleiten in das
spekulative Interesse des künstlerischen Wollens, in das
ahnende Verstehen gottnaher Kunstäußerung. Aller—
dings: leicht ist diese Aufgabe nicht! Wie die Erfah—
rung gelehrt hat, gehört viel pädagogisches Können
und ein feines Fingerspitzengefühl dazu, mit der
Unterhaltung die Belehrung zu verbin—
den, aus dem gezwungenen Mittun, ein freudig-bereit—
williges Mitschaffen zu gestalten. Die Teilnahme an
der Schulung darf keineswegs der Freiwilligkeit über
lassen bleiben, wenn sie anders nicht der Zwecklosigkeit
berfallen soll! Wenn so die in Gruppen eingeteilten
Jugendlichen beiderlei Geschlechtes — als „Sing-—
gemeinschaft der Jugendlichen“ nach einheit—
lichen pädagogischen Grundsätzen, also auf gleichen
Wegen zu gleichen Zielen geführt würden, dann wäre
die Singgemeinschaft ein festes Bindeglied zwi—
schen Schul- und Chorgesang und wäre im—
stande, dem Chorgesang unversiegbare Kraftauellen zu
strömen zu lassen.
In der Verknüpfung der beiden hohen Ziele: Er—
ziehuung zum neuen deutschen Volksstaat
und zur deutschen Volkskunst liegt die wer—
hende Kraft der Idee: die Singgemeinschaft
der Jugendlichen. Wir Sänger wollen ihr Weg—
hereiter sein. Darum: Ihr Chormeister nehmt
euch der Jugendlichen an und sucht Einfluß in ihrem
Reihen zu gewinnen, Ihr Sänger, nähert euch der
Jugend und nehmt die Jugendgruppen in eure Reihen
auf, zieht sie bei euren Veranstaltungen zur Mitwir—
kung heran. An diesen Veranstaltungen sollen die
Jugendlichen ihre Werbe-Freude, die Fernstehenden den
Beweis für eine erfolgreiche Arbeit und die Zusammen—
gehörigkeit von jung und alt haben! Die Singgemein—
schaft müßte korporativ im D.S. B. verankert sein.
Ebenso selbstverständlich aber müßte es auch sein, daß
aur der in der „Singgemeinschaft“ Geschulte später
Mitglied im Chorverein werden kann. Es ist klar, daß
die Bemühung um die Jugend eine beträchtliche Mehr—
arbeit mit sich bringt. Was kann aber die Mehrbe—
lastung bedeuten gegenüber dem köstlichen Lohn, der
uns erwächst! Den Traum der Väter hätten wir zur
Wirklichkeit gebracht: Im D.S. B. vereinigt sich nun
das gesamte singende Deutschland, das gesamte ge—
schult singende Deutschland! Das deutsche Lied wäre
der Höherentwicklung unserer volkstümlichen Kunst—
äußerung und der Erziehung zum deutschen Volksstaai
restlos dienstbar gemacht!
Dtto Scheuch,
Fachreferent für Schul- und Jugendmusik
in der Abteilung für Volksbildung der
NEDAP., Gau Kurhessen, Kassel.
Hahrende Schüler.
Htudentein war zu allen Zeiten schön, aber nicht
zu allen Zeiten so angenehm wie im vorigen Jahr—
hündert oder in den Vorkriegsjahren mit ihrem Wohl—
stand. Damals hatte es die lernende Jugend bequem;
des Vaters Geldheutel stand offen. die Stfivendien flossen
Wer Maß und Haus zu halten wußte, brauchte sich mit
des Lebens Ernst noch nicht auseinanderzusetzen.
Wie anders sah es dagegen früher aus! Noch im 18.
Jahrhundert konnte man an manchen Orten ein Studenten—
sehen bedrhachten. das irgendwie an das eines Werf—