Full text : 11.1933-1934 (0011)

VB0m

uhhh Saar⸗Sänger⸗Bundue llll Seite 223
— t
üncher isnsch.

Zeitschrift für Musik, gegründet 1834 von Robert Schumann
Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik,
Herausgeber und Verlag Gustav Bosse, Regensburg; Preis
vierteljährlich 3.60 RM., Einzelheft 1,368 RM. Gerade aus der
Perspektive des Grenzlandsdeutschtums bringen wir dem soeben
erschienenen Novemberheft der Z.f. M., das dem deutschen Osten
gewidmet ist, lebhaftes Interesse entgegen. Die Einführung gibt
Gotthold Frotscher mit „Musik und Musikpfblege im deutschen
Ostraum“. Hier zeigt er die sieghafte Kraft des deutschen Liedes
zur Zeit des Deutschen Ordens und des deutschen Bürgertums
und die Gefahren, die der deutschen Kulturgemeinschaft durch
die Abtrennung deutschstämmiger Gebiete entstanden sind. Georg
Richard Kruse zeichnet anschaulich Leben und Wirken der drei
Opernmeister von Königsberg: E. T. A. Hoffmann, Otto Nicolai
und Hermann Goetz. Harold Creutzburg bespiegeblt die deutsche
Musit im Baltikum. Zur 450. Wiederkehr seines Geburtstages
bespricht Bertha Witt „Luther und die Musik“. Es folgt von
Lena Roffmann „Choralsfingen im Luthergeist“. Paul Bülow
ehrt Hans von Wolzogen zu seinem 85. Geburtstag als „Grals—
hüter von Bayreuth“. Es folgen Berichte über Berliner Musik,
Musik im Rheinlaud, Wiener Musik, Preisrätsel, hunderterlei
Mitteilungen und Berichte über Musik und Musiker, Erste und
Uraufführungen, Musikfeste, Tagungen, Konzert, Oper, Festspiele,
wesellschaften, Hochschule, Konservatorien, Unterricht, Kirche, Funk,
Film, deutsche Musik im Ausland, Neuerscheinungen, wiederum
ein reicher Quell der Belehrung, Unterhaltung und Anregung!

Dem „Löwen des Nordens“ setzt Hermann Vortisch ein Dent
nal in dem spannend geschriebenen Wert „Gustav Adolf'“,
Lhrist und Held, Stiftungsverlag Potsdam, wohlfeile Volks—
ausgabe in Halbleinen 2655 RMi, in Leinen 3,660 RM. In
ein treffliches Kulturbild seiner bewegten Zeit ist seine scharf—
Jeschnittene ritterliche Gestalt hineingerückt mit allen Zügen
ꝛdlen Menschentums Von besonderem Interesse sind seine Be—
gegnungen mit führenden Männern der deutschen Geistes—
geschichte. Das Werk begegnet sicher auch dem starken Interesse
der heranwachsenden Jugend.

Wenn wir nun zum Schluß, aber wahrlich nicht als weniger
»edeutsam, ebenteuerfrohe Jugend hinweisen dürfen auf Sven
dedin, meine erste Reise, Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig,
Preis 2,80 RMe ein prachtvolles, bildgeschmücktes Werk, in
dem wir Bericht erhalten über die erste Reise des damals
erst zwanzigjährigen Schweden, die dann seinen Weltruf be—
zründete, seine gefahrvolle und erlebnisreiche Fahrt nach Baku,
iber das Kaspische Meer, nach Teheran, Isfahan, zum Grabe
)es Cyrus, den Tigris aufwärts, nach Bagdad. Und die Er—
vachsenen möchte ich aufmerksant machen auf eines der in—
eressantesten Bücher, die uns in letzter Zeit begegnet sind:
Zdaha Whenug, das Land, das ich gesucht. Mit Kind und Kegel
durch die Südsee, von Colin Roß, mit 68 Abbildungen und
ziner Karte, ebenfalls im Verlage F. A. Brockhaus, Leipzig,
Preis 4,288 RM., in Leinen gebunden 6 RM. Der ruhelofe
Weltwanderer, der schon auf seiner letzten großen Expedition
»urch, Afrika und Australien mit „Kind und Kegel“ auszog,
nit seiner Frau, einem Töchterchen Renate und dem kleinen
Ralph, hat mit ihnen auch die jüngste, überaus romantische,
ain Landschaftszauber, Menschenbegegnungen, Gefahren und
Zchrecken so überreiche Fahrt durch die paradiesischen, sagen—
imwobenen Inseln der Südsee unternommen, von denen dieses
rachtvolle, bilderreiche Werk Bericht gibt. Der Verfafser weiß
o fesselnd zu schreiben, daß wir uͤns immer und überall in
einer Begleitung und ganz im Banne seiner Schicksale ein—
gesponnen fühlen. Von Neuseeland führt die Abenteuerfahrt
»urch die Gletscherinsel im Pazifik, zur Geiselinsel, in die
dorallengürten des Großen Barrierriffs, nach Papua in die
Welt der Wilden, zu Tropennächten auf dem Stern der
Südsee nach Rabaul, der Hauptstadt von New Britani und
vieder zurück in die Heimal. Eine völlig fremde Welt tut sich
anserem staunenden Auge auf. Aber es fehlt nicht an heimat—
lichen Klängen: Berührung mit dem Auslandsdeutschtum und
den Missionsschulen, in denen schwarze Jungens und Mädels
noch heute deutsch sprechen, lesen und schreiben lernen. Es ist
gewiß: alle Leser werden an diesem interessanten Buche rechte
Weihnachtsfreude haben!

Herbert Blank verdanken wir ein überaus zeitgemäßes Werk:
Soldaten“, Preußisches Führertum von Waterloo bis Ypern,
Idce, Geschichte und Gestalt des Offiziers, Verlag Gerhard
Stalling, Oldenburg (Preis 4,80 RM, gebd. 5,80 RM.). Der
sachkundige Autor vergegenwärtigt uns die Zeit deutschen Führer⸗
und Heldentums von den Tagen der Befreiungskriege und dem
Wirken Scharnhorsts an über Moltke, der ursprünglich im Mittel
punkt des ganzen Buches stehen sollte, und die deutschen Eini—
gungskriege bis zu der gewaältigen Kraftleistung des dentschen
Volkes und seiner Führer im Welkkriege. Indes haben wir es hier
nicht mit einem historischen Werk von gestern oder nur einem
Spiegel von heute zu tun, sondern mit einem flammenden
Anruf an das Morgen des deutschen Volkes; fesselnd und an—
schaulich geschrieben, in großen Perspektiven gesehen und deshalb
voll reichster und lebendigster Anregungen für alle, die unsere
Zeit, die ja wieder im Zeichen großen Führertums steht, im
Inwendigen verstehen und miterleben wohllen

„Nietzschre in seinen Briefen und Berichten der Zeitgenossen.“
Die Lebensgeschichte in Dokumenten. Herausgegeben von Pro—
fessor Alfred Baeumler. (KKröners Taschenausgabe Band 100
Alfred Kröner Verlag in Leipzig C. 1.) 592 Seiten Oktav
Mit 11 Abbildungen und 3 Handschriftproben. In Leinen 4 RM—
— Der geistige —*2— um Nietzsches Werk scheint in eine neu⸗—
Phase eingetreten zu sein. Erregten in letzter Zeit Veröffent
lichungen über seinen Nachlaß, über neu gefundene Dokument
zu seiner Lebensgeschichte Aufsehen, so waren sie nur sichtbarste
Zeichen für eine viel tiefere zwischen den Fronten vorgehende
geistige Auseinandersetzung. Nietzsche wurde Kampfobjekt. Sehen
die weltanschauliche Linke, die fortschrittlich gesinnte Mitte
in ihm vorwiegend den Zerstörer lebensunfähiger Tradition,
lebensfeindlicher Vorurteile, den Verkünder geistiger Unabhängig—
eit, so erhebt ihn die nationale Bewegung als den großen
Erzieher zur Mannhaftigkeit, als den Verächter allen Eigen—
nutzes, selbst des Lebens, wenn es um die Idee, die große
Sache geht, auf den Schild, als den antidemokratischen Ver—
künder der natürlichen Rangordnung von Führer und Ge—
führten. In die gleiche Auseinandersetzung wie das Werk trat
die Person Nietzsches. So war die Zeit reif für einen offenen,
Wschließenden Blick auf Nietzsches vielumstrittene Gestalt und
debensgeschichte, wie er Professor Baeumlers aus den Doku—
menten aufgebaute Biographie auszeichnet. Sie vereinigt, durch
den verbindenden Text des Herausgebers zusammengehalten,
alle irgend bedeutsamen Briefe Nietzsches und die Berichte der
Zeitgenossen über ihn zu einem unsagbar großen, erschütternden
Denkmal seines geistigen Lebenskampfes. Wie Nietzsches Leben
in vielem die Schlüsselstellung zum Verständnis seines Werkes
bildet, so wird man in Zukunft kaum anders und sicherlich
nirgends besser zu seinem Werke gelangen als über diesen
srareifenbhen Band.

EKonsenauenz.

„Wenn ich so von liberalen Ideen reden höre, so verwundere ich mich
immer, wie die Menschen sich gern mit leeren Wortschällen hinhalten: ein
Idee darf nicht liberal sein! Kräftig sei sie, tüchtig, in sich selbst geschlossen
damit sie den göttlichen Auftrag, produktiv zu sein, exfülle *Goethe
Dieses Wort gilt auch für die Idee der Enzyklopädie
des Universal-Lexikons: diese Idee wird wesenslos, ver—
schwommen, „liberal“, wenn man von ihrem Kern abläßt —
durch eine Sammlung alles Wissens ein Gesamtbild der Welt
zu schaffen, aus einer Weltanschauung das Leben in seinen
unzählbar vielen Ausstrahlungen zu begreifen. Konsequenz
bei dem Lexikon-Weltbuch heißt also, ein Weltbild geben
ein Ganzes, ein Geordnetes.
Weshalb lesen die Menschen heute so viel und warum
schreiben sie fast noch mehr? Zum Teil, weil sie ratlos
sind, unsicher, auf Kenntnis und Erkenntnis bedacht! Aber
fließt nicht diese Unsicherheit daraus, daß man sich nicht
darauf versteht, jedes Einzelding in seiner Ordnung inner—
halb des Lebensganzen zu beuürteilen und zu verstehen?
Und wenn das so ist, muß nicht daraus eine Konsequenz
gezogen werden? Und welche? Man sollte nicht da und
dort sich belehren und Wissen häufen, sondern darauf
ichten, im Buch wie in der selbsterlebten Wirklichkeit das
ganze Leben, eine Lebensauffassung und eine Weltschau
zu finden. Ein Lexikon, das seine Aufgabe recht versteht,
ist das einzige Literaturwerk, das diesem Zweck genügt.
Darum hat die Enzyklopädie heute wieder einen wichtigen
Rand im Kulturleben
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.