Full text : 11.1933-1934 (0011)

Seite 210 ff*

ulssl Saar⸗ Sänger⸗Bund lllun
deutscher Liedergarten 3. hest

th Nr. 9

Am nächsten Tag reiste der Chor reichbeladen mit Ehrun—
gen und Geschenken aller Art mit der Hoffnung nach Wien
zurück, während der im nächsten Jahre geplanten Konzert—
reise durch Deutschböhmen wieder so erhebende Tage ver—
leben zu können. Walter Neubauer.
Noten zur Heiligen Weihnacht. Wir verweisen zunächst
auf die letzte Nummer unserer Bundeszeitschrift, in der
wir die Weihnachtschöre aufführen, die der D.S. B. als
Liederblätter herausgebracht hat und die den Vereinen
wertvolles Chorgut zu billigen Preisen darbieten. Im An—
schluß daran nannten wir auch das im gleichen Verlag
erschienene neue Weihnachtsoratorium „Weihnachtsidyll“ für
Männerchor mit Kinder- oder Frauenchor (ad lib.), Sopran
und Baritonsolo, Streichorchester, Oboe, Klarinette, zwei
Trompeten, zwei Posaunen (ad lib.), Orgel und Klavier
von Ludwig Heß. Wir fügen heute für Haus, Schule
und Verein hinzu: Alte und neue Weihnachts—
lbieder für Schule und Haus, gesammelt von Carpline
Wichern, Hamburg, Agentur des Rauhen Hauses. Das
altee deutsche Weihnachtslied, eine Auswahl mit
den Weisen im Klaviersatz, herausgegeben von Karl Budde
und Arnold Mendelssohn, Hanseatische Verlagsanstalt, Ham
burg. Susani, ein Weihnachtsbuch für das deutsche Haus
herausgegeben von Johannes Hatzfeld, Volksvereinsberlag
München-Gladbach. Deutsche Lieder vergangener
Jahrhunderte, für drei Stimmen in polyphonem Satz
von Walter Rein, Georg Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel.
-Dichtungen für Deklamationen befinden sich in „Deut—
sches Weihnachtsbuch“, eine Sammlung der schönsten
Weihnachtsdichtungen, ausgewählt von Max Gros, Hamburg.
eneß Deutsche-Dichter-Gedächtnisstiftung Hamburg-Groß—
orstel.
Volkslieder-Wettbewerb um den Adolfj-Hitler-Preis. Nach
Abschluß der umfangreichen Arbeit des Prüsungsaus—
schusses im deutschen Volkslieder-Komponisten-Wettbewerb
um den Ehrenpreis des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler
war der Wettstreit der in engere Wahl gestellten Volks—
lieder-Kompositionen ursprünglich für 1. November d. J.
in den Festsälen der Krolloper Berlin vorgesehen. Infolge
der Reichsstags-Neuwahlen hat sich die Leitung der Deut—
schen Musik-Premieren-Bühne e. V. gezwungen gesehen,
die Austragung des Wettbewerbs, der von der gesamten
deutschen Musikwelt mit größter Spannung erwartet wird,
erst nach den Wahlen vorzunehmen. Der Aufführungstag
der besten deutschen Volkslieder des Wettbewerbs ist nun—
mehr auf Mittwoch, den 15. November 1933 festgelegt
worden. Da die Präfungsarbeiten bereits zum Abschluß ge—
kommen sind, kann trotz der Verlegung des Aufführungs-—

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———
Vaterlandische Gesange aus alter und neuer Zeit
⸗ —— Stimmen.
horcrusgeseben von
Bruno Ceipold
Wer

Verlag von Karl hochstein heidelberg

tages eine weitere Entgegennahme von Kompositionen zum
Wettbewerb nicht mehr erfolgen. Anläßlich seiner Anwesen—
heit in Berlin hat sich der Ehrenpräfident der Deutschen
Musik⸗Premieren-Bühné e. Vy Herr Dr. Richard Strauß.
vom Vorstand der DMpPwW. über den Verlauf des Wett
bewerbs eingehend informieren lassen und bereits die zur
engeren Wahl zugelassenen Volkslieder-Kompositionen zu
Lrüfung und Beurteilung entgegengenommen. Pr. Richard
Ztrauß wird in seiner, Eigenschaft als Vorsitzender des
Degerichte dem Volkslieder-Wettbewerb perfönlich bei—
wohnen,
Von Paul Gläser, dem Komponisten des Oratoriums
Jesus, liegt aus dem Hochburg-Verlag Dresden ein neues
größeres Werk im Klavierauszug vor: Es ist vollbracht!
Dratorium über Jesu Tod und Nuferstehung für Sopran—.
Alt-, Baritonsolo, gem. Chor, kleines Orchester und Orgel.
Den Text schrieb Paul Schöne, Dresden.

sich vollständig beruhigt haben, allein so bald sollte es
ihm nicht so gut werden.
Die Unterredung Martins mit seinen Kameraden dauerte
lange, schon ging der zweite Tanz zu Ende, und noch immer
standen sie in ihrer Ecke. Jetzt — der Mühljohann gab
eben das Zeichen zum Beginn der Musik — schien man
dort einen Entschluß gefaßt zu haben, die Burschen nickten
sich eifrig zu, und von zweien begleitet verließ der Hof—
martin rasch den Tanzplatz. Der Wasserfuchs ließ ein
dumpfes Knurren hören. Der Eckenpeter, der sonst so teil—
nahmlose Mensch, setzte die Trompete ab, blickte aus den
Augenwinkeln auf Schülzle und sagte: „Hör' du, um deine
Sache steht's schlecht! Ich glaub' meiner Seel', der Martin
geht ins Simeshaus uünd holt das Evebärble! Schülzle,
Schülzle, dasmal ist's g'ifehlt bei dir!“
Schülzle saß regungslos. Was sollte er sagen? Es ist
in der Bergheimer Gegend nicht Sitte, daß die Burschen
die Mädchen aus dem elterlichen Haus zum Tanz abholen.
Man bestellt sich an irgendeinen Ort, sei es auf einen
Tanzplatz, einen Jahrmaärkt, ein Vogelschießen oder eine
Kirmse und trifft dort zusammen, ohne die Eltern erst
viel zu fragen oder sie überhaupt eiwas von der Bestellung
merken zu lassen. Daß ihnen nichts verborgen bleibt, dessen
ist man ja ohnedies gewiß; Schwätzer und Zuträger fehlen
nirgends. Kommt nun aber ein Bursch dennoch einmal in
ein Haus, um sich die erwachsene Tochter zur Tänzerin zu
erbitten, so ist dies ein wichtiges Ereignis. Solche Bitte
gilt für eine entschiedene Werbung, und geben die Eltern
der Tochter die Erlaubnis, mit dem Burschen den Tanz⸗
platz zu besuchen, willigt auch das Mädchen ein, mitzu—
gehen, so werden beide von Freunden und Bekannten als
Brautpaar betrachtet.

„Hmuhm! — Ja, was vorliegt, das liegt vor, daran ist
nichts abzuzwacken; und daran auch nicht? Was eben vor—
liegt, muß gemacht werden! — Hm! — Aber! — Was
knüffst du mich, he? — Nikel, du bist kein dummer Kerl,
aber ich weiß auch, was ich red', drum brauchst du mich
nicht anzustoßen! — Ja, — eben, — hm! SHöllisch ver—
punderlich ist mir's doch! Hätt' doch nicht gedächt, daß das
fwebärble gar so fix ernst macht mit 'nem andern! —
)m, hm! — Ja, die Welt ist rund und dreht sich, sagt
inser Herr Kanter, und wenn ich so den Lauf der Dinge
»etrachte, möcht' mir das schier selber einleuchten, obgleich
ch für meinen Part nunmehr drauf sterben will daß die
Zonne auf und unter geht, wie in unsrer Zeit gelehrt
vorden ist und wie's täglich der Augenschein ergibt! —
dm, hm! — Ja, trau einer dem Wewerbolk, das ist 'ne
vetterwendische Art, obgleich — wenn man's recht über—
egt — das Mädle eigentlich nicht zu tadeln ist. Hmu—
da, mußt eben denken, Paule, es hat so sein sollen —
»der — eigentlich ist das wieder nichts! Daß dich der
Beier! — 's ist eine verzwickte Geschichte. man weiß eigent—
ich gar nicht, was vorliegt!“
„Warum hab' ich dich angestoßen?“ knurrte der
Schneidersnikel den Wasserfuchs ärgerlich an, als dieser
endlich sehr kleinlaut mit seiner großen Rede zu Ende
zekommen war, hab' ich's doch vordus gewußt, daß es ein
traurig Ende mit deinem Geschwätz nehmen werde. Was
zilft das Reden dem Burschen? So leid er mir tut, das
st einmal nicht abzustreiten: er ist selber schuld an seinem
Unglück; und er muß nun eben zusehen, wie er's trägt,
kein Mensch kann ihm helfen. Drum soll man ihn auch
in Ruhe lassen und ihm nicht erst noch den Kopf heifß
ichmwätzen!“ (Fortsetzung folat.)
            
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