Full text : 11.1933-1934 (0011)

Tlara 383chumann.

hpppuh Nr. 9

Allgemein bekannt ist die Vater-Tochter-Tragödie des
F Leipziger Musikpädagogen Friedrich Wieck und seiner
Tochter Clara Schumann. In ihr sind alle mensch—
lichen und künmnstlerischen Elemente des Vater-Tochter-Ver—
hältnisses besonders rein ausgeprägt. Wieck bildere als außer—
ordentlich begabter Erzieher seine Tochter nach eigener
Methode heran, und sie haätte schon mit acht Jahren große
Erfolge als Pianistin. Vielleicht liebte er sie besonders
zärtlich, weil er die von ihrer Mutter verschmähte Liebe
auf sie übertrug. Diese ließ sich von ihm scheiden und
heiratete den Musiker Bargiel. Herrschsüchtig wollte er nur
seinen Willen in ihrem Leben gelten lassen und sah voll
Eifersucht auf jeden anderen Einfluß. Wieck, der sich selbst
aus tiefster Armut herausgearbeitet hatte, erstrebte ziel—

In der schlanken, feinen Frau mit dem tiefen Blick
lebt die gleiche Energie und Zaͤhigkeit wie in ihrem Vater.
Sie schenkt Schumann ein reiches Glück, das sich bei ihm
in unerhört zarten, farbenschimmernden und seelenvollen
Briefen und Kompositionen kundtut. Nach seiner Erkran—
ung und seinem frühen Tode erzieht sie ihre acht Kinder
aus eigener Kraft, nimmt eine ruhmreiche Konzertlauf—
bahn und eine umfangreiche musikpädagogische Tätigkeit auf.
Ihre Erziehung zu planmäßiger Arbeit und ihr Erbe an
gesunder Lebenskraft unterbauen diese großartigen VLei—
tungen. Vor allem ist es aber ihr Seelenadel, der Zauber
des Genies, der die Hörer bis an ihr Lebensende in ihren
Bann zwingt und ihr die ritterliche Verehrung eines
Brahms, Joachim, Stockhausen gewinnt.
Wieck zog 1840 nach Dresden, wo er einen großen
Schülerkreis um sich scharte. Schon nach einem Jahr sandte
Clara ihm einen Geburtstagsglückwunsch, und als Schu—
manns eine Zeitlang in Dresden lebten, verkehrten sie
freundlich mit ihm. In Marie, seiner Tochter aus zweiter
Ehe, hatte das Schicksal dem Vater eine Art Ersatz für
Clara vorbehalten. Er bildete sie zur Pianistin aus und
sie errang Erfolge in ganz Deutschland, Schweden, Eng—⸗
land, Nußlanb Liebevoll hing sie an „Väterchen“ und
beugte sich ganz seiner Autorität, — nicht so genial wie
Clara, aber doch ein Musikmensch echter Prägung. Unver—
heiratet lebte sie in Dresden und wirkte noch als fast
Achtzigjährige mit „bewundernswerter Sicherheit und er—
staunlicher Frische“ bei einer Schumann-Feier mit. Als
Berthold Lizmann das Werk „Clara Schuümann“ heraus—
gab (Verlag Breitkopf K Härtel), in dem auch der ganze,
bon Claras Töchtern zur Verfügung gestellte Briefwechsei
der Braut⸗ und Kampfjahre mitveröffentlicht wurde, fühlte
Marie Wieck den Drang, als Verteidigerin ihres Vater!
aufzutreten. Sie gab den Band „Aus dem Kreise Wieck—
Schumann“ heraus (Verlag Pierson), der sich zwar mil
den glut⸗e und vpoesievollen Brautbriefen des Schumann⸗
Paars nicht messen kann; er bringt aber manch inter⸗
eꝛssantes Dokument aus dem Musikleben und aus Wiecks
musikpädagogischer Tätigkeit. Als Verteidigung für sein
VBerhalten gegen Schumann weiß Marie Wieck allerdingt
nichts anderes anzuführen, als: er habe nicht voraussehen
können, daß der Charakter seiner Tochter sich so groß—
artig gestalten würde. Else Frobinius,
Väter und Töchter.
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Ist's der Ofen lieber Leser
oder Gasherd geh' zu ss
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Erstes Herde und Hfenspezialgeschaͤft
Saarbrüclen 3, Bahnhofstr. 8 u. I0
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Klara Schumann.

sicher eine gesicherte Lebensstellung und gedachte sie durch
sein „Wunderkind“ zu gewinnen. Zur Konfirmation schreibt
er in das gemeinsame Tagebuch, in dem Vater und Toch—
ter abwechselnd Claras Werdegang verzeichnen? „Meine
Tochter! Du sollst nun selbständig werden; das ist von
höchster Bedeutung. Ich habe Dir und Deiner Ausbildung
fast zehn Jahre gewidmet; bedenke, welche Verpflichtungen
Du hast...“ Clara hängt leidenschaftlich an diesem Vater,
der viel Humor und Klugheit besitzt ünd ihr alle Wege
ebnet. Und er ist scheinbar sehr glücklich, wenn er im
Konzert stattlich im Frack hinter ihr steht und die Noten
umwendet. Die Gemeinschaft musikalischen Strebens ver—
bindet sie ebenso eng wie die des Blutes.
Da erwacht die Liebe zu Schumann, der als Wiecks
Schüler jahrelang sein Hausgenosse war und schon dem
neunjährigen Mädel Märchen erzählt und Spiellieder ge—
sungen hat. Wieck hat zwar seiner Mutter geschrieben,
daß er ihn besonnener, fester, kräftiger — „darf ich's
sagen, kälter und männlicher“ wünsche. Andererseits nennt
er ihn aber einen „noblen, herrlichen, schwärmerischen,
hochbegabten, bis ins Tiefste geistig ausgebildeten, genialen
Tonsetzer und Schriftsteller“. Darum ist das junge Paar
schmerzlich überrascht, als er Schumauns Werbung eine
entschiedene Weigerung entgegensetzt, ihm sein Haus ver—
bietet und sich Clara gegenüber in den stärksten Ver—
unglimpfungen und Verdächtigungen gegen ihn ergeht..
Nach vierjährigem Kampfe kommt es 1840 zur Heirat
Wieck leidet in dieser Zeit an einer förmlichen Raserei
g rntter Vaterliebe, sucht Claras Konzerterfolge zu schä—
igen, sendet Warnbriefe gegen Schumann —— älle Welt.
Dennoch hört Clara nie auf, ihn zu lieben. „ ... Er
dauert mich so sehr. Ein freundliches Wort von ihm, und
ich wollte nicht mehr der Schmerzen gedenken, die er mir
verursacht hat.“

Iut

— Buchdru cher
der adt Ublauß Puspb
—UVVV—
            
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