Full text : 11.1933-1934 (0011)

Nr. 8 III
Diese Aufzählung und schlaglichtartige Beleuchtung kann
keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Ausschöpfung er—
heben. Die verschwiegenen Werke waren darum nicht alle
Nieten. Der Begriff der neuen aber verlangt die Heraus—
stellung des andersgearteten Wertvollen, das beĩ aller
Problematik doch um eine neue Vokalgesinnung ringt, die
in der oben stkizzierten Richtung sich bewegt. Gesungen
wurde mit Eifer und Hingäbe än den teils recht unge—
wohnten Aufgaben. Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem
einzelnen Versuch, für gutes, neues Liedgut eine Bresche
zu legen. Es wird der Sache des deutschen Liedes mehr
gedient als durch unentwegtes Abhaspeln „bewährter“ Wett—
streitchöre. Dies dient vornehmlich der äußeren Politur,
jenes dem schöpferischen Unterbauen kulturbewußter Ab—
sichten. E. Suter.
Steierischer Säugerbund. Vom Bundeschormeister des
Steirischen Sängerbundes Professor Roman Köle geht der
Schriftleitung ein Schreiben zu, das wertvollen Aufschluß
über die Kulturarbeit unseres Bruderbundes vermittelt.
Da heißt es: „Mit großem Interesse habe ich das 1. Heft
„Deutsches Sängerbuch“ gelesen. Ich gratuüliere Ihrem
Bundesvorstand zu dieser vorbildlichen Arbeit zur Fort—
bildung der Chormeister und Sänger. Gerne will ich in
unferer nächsten Steirischen Sängerzeitung auf dieses Heft
hinweisen und auch unseren Chormeistern dies im nächsten
Chormeisterkurs im September auf das wärmste empfehlen
Ich wäre Ihnen dankbar, einen kurzen Bericht über Ihre
Musikpolitik zu erhalten. Hier in Steiermark haben
wir jedes Jahr einen Chormeisterkursus in der Dauer von
14 Tagen. Abends werden die Proben der großen städtischen
Vereine besucht, Musterchöre vorgetragen, EChöreé studiert
und Probedirigieren vorgenommen. Vom Frühjahr bis
Herbst werden die Wertungssingen abgehalten, zu denen
im Laufe von 2 Jahren alle Vereine eingeteilt werden
Dabei studiert der Bevollmächtigte vom Musikausschuß
die Pflichtchöre als Gesamtchöre ein. Jeder Verein singt
dann den vom Bund bestimmten Chor und einen freige—
wählten, der aber vom Bund genehmigt werden muß. Diese
Einführung der Wertungssingen halte ich nach unseren Er—
fahrungen für sehr wertvoll in erzieherischer Hinsicht. Ganz
kleine Vereine auf dem Lande leisten im Vortrag von
Volksliedern Mustervorträge. Allerdings singen die kleinen
Vereine ihre Volkslieder, an denen unser Alpenland
überaus reich ist. Die Chormeister sind bei uns meist
Lehrer, die durch die neuen Lehrpläne für Lehrerbildungs—
anstalten eine erweiterte Musikbildung erhalten. So ist
durch 5 Jahre Klavierspiel obligat, Violine Nebenfach, Ge—
sang und Musikgeschichte jedes Jahr zu 2 Wochenstunden
und 1 Jahr Gitarrenspiel. Davon erwaärten wir uns einen
tüchtigen Nachwuchs von Chormeistern, die ja die Stützen

lll Saar⸗Sänger⸗Bund
sedes Vereins, die Träger unserer deutschen Musikkultur
auf dem Lande sind. Die Schundliteratur bildet auch ber
uns ernste Arbeit, erfordert konsequente Aufklärung. Es
wird zuviel von Unberufenen komponiert, die das Hañdwerl
gar nicht verstehen oder keinen Einfall haben.“ (Chor—
meisterchöre.)“

phh Seite 187

Hundertjahrfeier
des Einghereins *
Annweiler 1834

Väν,

Am 17. Zuni 193 4 begeht der Singverein Annweiler
1834 seine Hundertjahrfeier. Das Fest soll entsprechend seiner
Bedeutung in einem sehr breiten Rahmen gehalten werden.
Wir gestatten uns daher schon heute auf dieses seltene Ereignis
aufmerksam zu machen und alle Sangesbrüder und Freunde
zur Beteiligung herzlichst einzuladen.
Um einen Ueberblick zu bekommen bitten wir die Vereine diesen
Tag für das Annweiler Fest frei zu halten und uns die unge—
fähre Anzahl der Teilnehmer gefl. umgehend mitzuteilen. 24
Mit deutschem Sängergruß Heil Hitler!
Munzert, Vereinsleiter. Seyfried, Vereinsschriftwart.
Der Kreisleiter des Trifelskreises: Dr. Reinhardit—

Mägdekammer befanden. Zum Glück hatte der Baß unseres
Freundes außer andern auch die wuünderbare Eigenschaft,
daß er einer neuen Stimmung fast nie bedurfte. Obgleich
nun das Orchester wirklich einige Fuß über den Boden des
Tanzplatzes erhöht war, gebrauchte der Wirt einen ganz
richtigen Ausdruck, wenn er die Musikanten aufforderte,
hinein zu kriechen.
Das Hineinkriechen und Platznehmen erforderte Mühe
und Zeit. Bei Hanshenner und dem Zimmerdick ging das
nicht ohne schwere Seufzer ab. Endlich aber saßen alle
Musikanten wie Hühner auf, der Stange, die Instrumente
wurden gestimmt, noch einmal machte der Gießer die Runde,
dann wendete sich der Bergkasper an die Violinspieler mit
den Worten: „Achtung jeßt! Aufgekjatzt, daß die Haare
davonfliegen!“ Der Müuͤhljohann nickte, klopfte mit seinem
Bogen auf die Brüstung, dann ging es los, „daß 'ne alte
Wand wackelt!“ wie der Wasserfuchs zufrieden bemerkte
Beim Beginn der Musik war der Saal noch völlig leer
Kaum erklang jedoch der erste Akkord, so prasselte ein
Schwarm gepuützter Mädchen wie ein Flug Tauben herein;
ihnen folgken auf dem Fuße jauchzend, stampfend, hüpfend
und schnalzend die Burschen. Statt der Aufforderung streck—
ten sie nur — immer im Takt forthüpfend — den Arm
aus; aus dem dichtesten Schwarm der Mädchen schoß die
Auserwählte wie ein Pfeil hervor in die Arme des Tän—
zers, und fort ging es in sausender Flucht.
Unter solchen Umständen ist die Aufregung unsers
Freundes begreiflich. Daß der Hofmartin, wenn er wirk—
lich um das Simesevebärble bitten gegangen war, von den
Eltern nicht abgewiesen werden würde, daran durfte er

tach. den heutigen Vorgängen nicht zweifeln; es war nur
roch die Frage, wie das Evebärble diese offene Werbung
aufnehmen, ob sie dem Burschen folgen würde. Und warum
ollte sie nicht? Bei allem törichten Trotz und Eigenfinn,
den er selbst jetzt noch keineswegs überwunden hatte, war
ein Denken völlig klar, dazu war er auch viel zu prakf—
tisch, als daß er sich nicht selbst gesagt hätte: Und warum
ollte sie nicht? Von mir hat sie nun einmal nichts zu
zoffen; daß ich hier in Dammsbrück sitze und zum Tanz
russpiele, muß uns ja scheiden. Warum sollte sie nun solch
hrenvollen Antrag, der ihr gewiß nicht zum zweitenmal
ommt, abweisen? Warum bei einem Burschen nicht Trost
uchen, an dessen Ruf selbst Neid und Bosheit nicht zu
ühren wagten? Warum sollte sie sein freundliches Ent—
zegenkommen — grade heute! — nicht für einen Wink des
himmels nehmen, in ihm einen Ersatz des verlorenen Lieb⸗
ten sehen? Mußte sie nicht, da der Tausch so sehr zu
hrem Vorteil ausfiel? — Schülzle fieberte, es zuckte ihm
zurch die Finger, die Trompete, die am Ende an all seinem
Anglück schuld war, zusammenzupressen und weit von sich
zu schleudern. Wenn Evebärble kam, wenn sie an der
Zeite jenes Burschen kam, — was sollte er beginnen? Er
uchte sich vorzubereiten, zu fassen, vergeblich; was auch
ein Verstand sagen mochte, die Hoffnung wollte sich nicht
ersticken lassen, fort und fort sprach es in ihm: Es kann
nicht sein, sie kann doch nicht kommen!
Die Musikanten beobachteten Paul sorgenvoll. Längst
var ja Unmut und Zorn verflogen, nur herzliches Mit—
leid, inniges Bedauern geblieben. Der Schneidersnikel hielt
still sein Horn im Arm, den ganzen Abend war noch kein
            
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