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aicht allein auf diesen einen Zweig des Musiklebens be—
chränken und auf die Teilnahme aller übrigen musikali—
chen Faktoren verzichten. Der „Deutsche Liedertag“ ließe
ich ohne sonderliche Mühe zu einem „Tag der nationalen
Musik“ erweitern unter Beteiligung aller Gattungen der
tachschöpferischen Kunst. Aehnlich vielleicht, wie der kürz—
ich stattgefundene „Tag der Musikpflege“ in Oesterreich
Alle verfügbaren Orchester vom Staatstheater bis zur Lieb—
habervereinigung, alle Sänger, Instrumentalquartette, Kon—
ervatorien, Kirchenmusiker usw. produzierten sich vor dem
Volke ohne Entgelt. In Wien allein fanden mehr als
80 Veranstaltungen mit 7000 Musikern vor 60000 Zu—
hörern statt, elf Streichquartette spielten zu gleicher Stund⸗
für 23000 Schüler.
Ein solcher Tag der Musik würde in Deutschland einen
angleich stärkeren Widerhall finden als in Oesterreich, wo
die Resonanz eines national geeinigten Volkes fehlt. Eine
derartige Werbe-Aktion für deutsche Musik würde das Volk
zur Selbstbesinnung auf die musikalischen Schätze der Nation
ühren. Die Beteiligung aller Kulturorchester, aller Kon—
zerte und Opernsänger würde für den einzelnen Künstler,
ür das einzelne Kunstinstitut eine bessere und ideellere
Reklame bedeuten als die schriftliche Empfehlung, als das
gedruckte Wort.
Einmal im Jahre den Aermsten unter dem Volke musi—
ralische Freuden schenken — einmal im Jahre der Flut
der mechanischen Musik den tönenden Protest einer allum—
fassenden musikalischen Kundgebung entgegenhalten — das
ist der Sinn eines „Tag der nationalen Musik“!
Dr. Fritz Stege, Berlin.
I rotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist Deutschland
D nöoch immer reich an großen Musikfesten, reich an musi—
kalischen Tagungen, Kunstwochen und dergleichen — arm
dagegen an musikalischen Volksfeierstunden, die sich nicht
an zahlungsfähige Festbesucher wenden, sondern an die
Gesamtheit des Volkes. Bisherige Aktionen, die das Volk
zum Musikgenuß herangezogen haben, sind immer ver—
einzelt gebliseben und lokal begrenzt. Da aber die Musik
als die sozialste aller Künste zu gelten hat, so wäre eine
Zusammenfassung des Volkes zu gemeinsamem Erleben der
fönenden Kunst eine Tat von weittragender kulturpolitischer
Bedeutung.
Ein solcher „Tag der nationalen Musik“ müßte aus der
Enge der Opernhäuser und Konzertsäle hinausführen in
die Freiheit der Natur, um mit Hilfe der Musik das Ge—
fühl für die innere Naturverbundenheit im deutschen Volke
wiederzuerwecken und zu befestigen. Eine solche Einrichtung
besitzt unser Land bisher lediglich im „Deutschen Lie—
dertag“, den der Deutsche Sängerbund geschaffen hat
und der auch dieses Jahr am 25. Juni stattgefunden hat.
An diesem Tage ertönten überall in Stadt und Land auf
öffentlichen Plätzen heimische Volksweisen, vorgetragen von
den Männerchorvereinen, die diesem Bund angeschlossen
sind. Dieser Werbetag für das deutsche Lied und den deut—
schen Chorgesang hat bei der Bevölkerung größten Anklang
gefunden. Damit hat der Deutsche Sängerbund gerade in
sozialer Beziehung einen verdienstvollen Anteil an der
Ausgestaltung des volkstümlichen Musiklebens genommen.
Wohl ist der Männerchorgesang eine Eigenheit typisch
deutschen, völkischen Musizierens. Aber man sollte sick
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Sangesbrüder, Lehrer 55 Küppehen im Oberthal!
Fußmarsch 5.5 Km von Thkoley durck der Waxus-Wals., kalwärks. ie ielgelegenheit in schalligen nlagen. illige
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nüssen mitmachen. Innerlich zutiefst und bis ins Letzte
durchdrungen von der Bedeutsämkeit seines Zieles setzt er
dem uͤnerschütterlichen Glauben an dessen Exrreichung sein
Alles ein im Sinne des: Nehmen sie den Leib — das Reich
muß uns doch bleiben!
So entzündet sich der Führer immer wieder an der
zigenen Flamme. Er gehört nie zu den „Ewig-Gestrigen“,
sondern stets zu den „Ewig-Jungen“. Führer über—
altern nicht, die Elastizität des Geistes rückt sie — selbst
ilter werdend — immer wieder treibend und führend in
ede neue Jugendreihe hinein, die aufwärts will Gegen—
äüber beklagenswert viel blasierter, vergreister Jugend ölei—
en Führer noch im weißen Haar die für alles Hohe, Edle
Schöne, Gute, Göttliche weit aufgeschlossenen Jungen!
Die deutsche Sängerschaft mag wohl zusehen,
daß ihr dieses Führertum, in dem ihr Schicksal beschlofsen
ist, stets erhalten bleibt. Wir bedürfen dieser Führer an
der Spitze des Bundes, der Bünde, der Gaue, an der
Spitze jedes noch so kleinen Vereins im In- und Ausland.
Wir bedürfen dieses Geistes für unsere Vorsitzer, Schrift—
ührer und Kassenwarte, wie für die eigentlichen Träger
unserer Bewegung, die Chormeister. Denn wir sind nicht
usammengeschlossen in irgendeinem Zweckverband, der eine
reue Straßenbahnlinie in einen Stadtteil gelegt haben
nöchte, nicht in einem Wertverband wie etwä die Kant—,
Shakespeares, Goethe- oder Bachgemeinschaft. deren Mit—
glieder einander nicht kennen und persönlich nichts mit—
inander zu tun haben, sondern zu einer Wesensgemein—
schaft, der die Pflege des Liedes ein köstliches Mittel ist,
n sangesbrüderlichem Aneinanderrückeuü den ganzen Men—
schen nach Leib und Seele zu erfassen, volkserzieherische
oolksdeutsche Kulturarbeit, zu leisten. Wir stehen im Deut—
ichen Sängerbund nicht in einem konservativen Treuhän—
dertum gegenüber einem toten Erbe. sondern in einer
schaffenden Lebensgemeinschaft, die sich berufen weiß, die
n unserer Bewegung ruhenden inwendigen Kräfte zur
Entfaltung zu bringen.
Malher Stein
Gine geistige Bewegung läßt sich nur schaffen und
BRorganisatorisch durchsetzen und verwirklichen durch
Führer. Deshalb ist die Erörterung des Führerproblems
für uns eine Lebensnotwendigkeit. Wir müssen erkennen
lernen, welches die Kennzeichen wahren Führertums sind
um die „Böcke von den Schafen“ trennen zu können.
Die Masse steht unter dem Gesetz der Beharrung, sie ist
selbstgenügsam und zufrieden und möchte aus ihrer be—
haglichen Ruhe nicht aufgeschreckt sein. Da erscheint der
Führer, wendet sich mit allen Energien gegen den Zeit—
geist, die Mode, die Tradition und weckt neues Leben
Mit klugem Blick wählt er verstehende und tätige Helfer
Gleichstrebende. Richtungverwandte, Gefährten gleicher Not
und gleicher Sehnsucht. Allmählich erkennt die Masse, daf
es sich um eine Angelegenheit handelt, die sie selbst angeht,
sie horcht auf, und allmählich werden die erst widerstreben⸗
den Wellen zu tragenden. Der Führer ist es, der die Ant—
wort schon bereit hält, wenn die Menge gerade bei der
Fragestellung angelangt ist. Er eilt seiner Zeit voraus,
sieht früher und sieht weiter und, was die Hauptsache ist,
er unterscheidet das Wesentliche von dem Unwesentlichen
Führer sind Männer der Tat. Wo sie fehlen, bleibt
es beim Sehnen. Hoffen, Wünschen. Wo sie sind, erfüllt
sich die Zeit. Der Führer ist seiner Sache ganz hin—
gegeben, er stolpert nicht über Zwirnsfäden, er hängt
nicht an „Pöstchen“, weil es ihm nur um die Sache geht.
Die Ungeistigen lieben Sensation, Mode, Mache, Kon—
struiertes, Verschraubtheiten, das Technische, das Vir—
tuosenhafte. Der Führer ist als Geistiger immer erfolg—
reich, weil er die geniale einfache Linie findet,
das Natürliche, Ursprüngliche, Urwüchsige, Gewachsene, Ge—
sunde, Schlichte. weil er unverbildet und vorurteilslos an
Menschen und Dinge herangeht, gewissermaßen einmal wie—
der ganz von vorne anfängt zu denken. Aus dieser naiven
Kraft hergaus schlug Hans Sachs das Beckmessertum, das
lebendige Volkslied wiederum den erstarrten Meistergesang
Im Führer erleben wir die Zusammenfassungaller
Kräfteqaufein Ziel hin. Nuch die Lauen und Halben