Full text : 11.1933-1934 (0011)

mllihh Saar⸗Sänger⸗Bundun

klaren Natürlichkeit der melodischen Linie und dem Fein—
gefühl im dynamischen Aufbau. Aus der chorischen Wieder—
zabe unter der Leitung des Musikdirektors Theodor Behr
sprach eindeutig die Liebe und Hingabe für die Chorkunst
der alten Meister. Der ausgezeichnet geschulte A-cappella-Chor
 gab den Chorsätzen die stimmliche und harmonische
Klarheit, wie, wir sie auch gewohnt sind, aus den Instru—
mentalsätzen jener Zeit zu hören. Schlichtheit und Wahr—
haftigkeit der Darstellung begründeten einen ungetrübten
Genuß. Man lernte diese alten Chorsätze nicht nur achten,
sondern auch lieben.“ Koblenzer Generalanzeiger: „Um
diese A-cappella-Chöre ist es etwas ganz Eigenes, Groß—
artiges, Erhebendes. Der Chor bewies unter Leitung von
Musikdirektor Theodor Behr, mit welcher Liebe er dieses
bedeutsame Gut zu pflegen weiß. Das war ein Singen
das ins Herz strömte. Hinsichtlich Reinheit und Stetigkeit
der Intonation wird man kaum eine vorbildlichere Chor—
schulung finden, als sie unser Gastchor in seinem Konzert
unter Beweis stellte. Dem Klangideal des altdeutschen
Meisters jener Epoche war der Vortrag weitgehend an—
genähert und bewies nicht nur beste Kenntnis, sondern
auch Routine in der A-cappella-Stilpflege. Der sprachliche
Ausdruck war ebenso betont, sauber, wie der musikalische.
Seelenvoller, poetisch-schlichter musikalischer Ausdruck in
Form und Intonation, verbunden mit bester Sprach—
schulung und vorbildlicher Chordisziplin, schufen Leistungen,
die man qualifizieren darf, und die, das merkte man deut—
lich an diesem Abend, alle Zuhörer in ihren Bann zogen.“
Gau Saartlonis.
Seit dem Jubelfest des Franziskus-Gesang-Vereins 1848
Saarlouis 1 hat sich der Verein auch weiter tatkräftig in
den Dienst des deutschen Liedes gestellt. Als Mitglied der
Arbeitsgemeinschaft der Gesangvereine der Stadt Saar—
louis nahm er an verschiedenen Veranstaltungen teil und
beteiligte sich auch mit einer stattlichen Anzahl an dem
Gau-Jubel-Konzert. Am 9. September half er dem Straßen—
bahner-Verein Sagarlouis den Familienabend zu gestalten
und trug folgende Chöre unter großem Beifall vor:
„Deutschland, heil'ger Name“ von Waldemar v. Baußnern,
„Der Spielmann“ von Emil Kraemer, „Auf dein Wohl,
du rheinische Maid“ von Alfred Dregert, und „Kapitän
und Leutenant“ von Hans Heinrichs. Am folgenden Sonn—
tag brachte der Verein seinen im Krankenhause liegenden
Mitgliedern, auch den übrigen Patienten, ein mit Freuden
aufgenommenes Ständchen. Nunmehr rüstet der Verein zu
seinem Winterfest. Unserem Chorleiter, der z. Zt. in Er—
holung weilt, wünscht der Verein ein baldiges uünd frohes
Wiedersehen. Der Bruder desselben, der während dieser
Zeit den Verein leitet, hat bereits mit Erfolg dem Verein
vorgestanden.
Der Gau Saarlonis gab sich mit 900 Sängern vor dem
Schloß des Herrn Vizekanzlers von Papen in Wallerfangen
ein Stelldichein zu einer machtvollen vaterländischen Kund—
gebung. Unter dem Stabe von Gauchormeister Gottlieb
Hoffmann erklangen überaus eindrucksvoll der deutsche
Sängergruß, Hans Heinrichs „Mahnung“, Waldemar von
Baußnerns „Deutschland, heil'ger Name“ und die von Rud
Just gedichtete „Saarhymne“ von M. Beck. Unter Ueber—⸗
reichung eines Blumenstraußes führte Gauvorsitzender Rupp
aus: „Eure Exzellenz! Zweck unseres Kommens ist, dem
erfolgreichen Staatsmanne und dem hoch angesehenen
Bürger unseres Heimatgaues unsere Liebe und Verehrung
durch die herzliche Sprache des deutschen Liedes zum Aus—
druck zu bringen. Wir verehren und schätzen Eure Exzellenz
als mit uns verbunden und als Vertreter unseres geeinten
deutschen Vaterlandes. Als Mitarbeiter des Kanzlers Hitler,
dem die Sängerschar des Gaues Saarlouis allezeit in Treue
ergeben sein wird, aber auch als Freund und Gönner
unserer Bestrebungen schätzen wir Eure Erzellenz, der, wie
wir in Erfahrung brachten, die deutsche Sangeskunst so
gerne hört und sie auch aktiv fördert, in Ihrer Eigenschaft
als Ehrenmitglied des Brudervereins „Liedertafel“ Waller—
fangen. Die Sangesbrüder, ob alt oder jung, danken Eurer
Exzellenz, daß Sie ihnen heute Gelegenheit gegeben haben,
diefse Kundgebung darbringen zu dürfen, wobei sie ihre
innersten Gefühle durch Singen von Herzen zum Ausdruck
bringen können, wie sie sich mit den Brüdern im Reich eins
fühlen. Wir bitten Sie, unserem Führer die treudeutschen
GBrüße des Gaues Saarlouis zu übermitteln und dabei aus—
zusprechen, daß wir uns sehnen, recht bald zu unserer

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pphhh Nr

Der Vorstand des Gaues Saarlouis beim Bizekanzler v. Papen.

Mutter Germania zurückkehren zu können, zu der Mutter
die uns die Sprache gelehrt, in der wir heuͤte und immer
wieder an der Saar unsere Lieder erklingen lassen werden
Wir bitten Eure Exzellenz, dieses Blumenarrangement mit
den schönen deutschen Farben und dem deutschen Abzeichen
entgegenzunehmen. Wir versichern Eurer Exzellenz, daß
wir Gott bitten, daß er Ihnen die Gesundheit verleiht
die Sie zu Ihrem verantwortlichen Amte als Stellver
treter des Reichskanzlers so notwendig haben und begrüßen
Sie mit einem dreifachen „Sieg Heil!“ Vizekanzler von
Papen antwortete darauf: „Dem Gau Saarlouis des Saar—
ängerbundes danke ich von ganzem Herzen für die Freude
und die Ehre, die Sie mir durch den Vortrag dieser Lieder
erwiesen haben. Der Inhalt dieser Lieder zeigt, daß Sie
ieben der Begrüßung Ihres Ihnen so eng heimatverbun—
denen deutschen Vizekanzlers insbesondere zu der großen
deutschen Sache halten, der wir alle dienen. Das deutsche
ried ist für uns der ständige Quell innerer Erhebung und
Erbauung. Es reißt uns aus dem Grau des Alltags mit
einen Sorgen und seinen Mühen heraus und führt uüns zu
den Ideglen, die allein uns befähigen, zu neuen Zielen vor—
värtszustreben. Deutsches Lied ist der eindringlichste und
prechendste Zeuge unseres kulturellen Wollens. Noch immer
venn das deutsche Volk seiner großen geschichtlichen Tra—
dition gedachte, geschah es am ausdrucksvollsten in der Dich—
tung und im Liede. Von Walther von der Vogelweide an
bis auf den heutigen Tag. Deshalb hat Richard Wagner
recht, wenn er in seinen Meistersingern den Hans Sachs
von dieser Kunst sagen läßt:
Daß unsere Meister sie gepflegt,
Grad recht nach ihrer Art,
Nach ihrem Sinn treu gehegt,
Daß sie recht bewahrt,
Blieb sie adlig wie zur Zeit,
Wo Höf' und Fürsten sie geweiht;
Im Drange der grimmigen Jahr
Blieb sie doch deutsch und wahr.
Gilt dieses Wort nicht gerade für uns an der Grenzmark
des Reiches? Im Drange der schlimmen Jahr blieb sie
doch deutsch und wahr. Ja, diese deutsche Künst zu singen
vas aus dem Herzen quillt, was an Sorgen und Qual,
aber auch an Hoffnung und Zuversicht in uns lebt, das
ist ein Gut, wohl wert der Pflege und eine nicht zu unter—
schätzende Waffe in der Hand deutschen Geistes Daher
möchte ich zum Danke für den heutigen Tag und zur Pflege
dieser edlen Kunst euch einen Preis stiften, einen Preis,
der im nächsten Jahr ausgetragen werden soll, einen Preis
für das beste deutsche Lied über das Saarland und seine
diebe zur großen deutschen Heimat. Grüßen wir diese
unsere Heimat““ Die ganze Festversammlung sang nun
das Deutschlandlied. Als die letzte Strophe gesungen war,
in die auch die vielen hundert Menschen, die draußen am
Tor den Vorgängen im Freihof zusahen, einstimmten, er⸗
'olgte die Vorstellung des Vorstandes Darauf sangen die
Thöre noch das Lied „Deutschland, dir mein Vaterland“.
Damit war die offizielle Veranstaltung beendet. Nun
solgten die Vorstände und die Chorleiter der Vereine der
Einladung in das Schloß, wo manch herzliches und zu—
kunftverheißendes Wort gesprochen wurde. Den Teilnehmern
dieses intimen Aktes wurde ein mit der persönlichen Unter—
schrift versehenes Bild des Vizekanzlers v. Voven üherreicht
            
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