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Wiedergabe zeitgenössischer Quellen, anschaulich durch seine
Karten und Uebersichten — so bezeugt es den Fachmann,
den Pädagogen. Aber auch beseelt von hohem vaterlän—
dischen Schwung, voll feinem Verständnis für die „groß—
artige Bewegung, der es gelungen ist, den Deutschen wieder
auf sich selbst zu stellen, ihn innerlich zu läutern und auf—
zurichten im Glauben an das Gute, Ehrliche und Völkische!“
Eine interessante Erscheinung unter den Gegenwarts—
pädagogen ist der Schweizer Paul Häberlin, im Thurgau
geboren, Student der Theologie in Basel, Göttingen und
Berlin, sich dann den Naturwissenschaften zuwendend,
Direktor des Lehrerseminars seiner Heimat, seit 1914
Professor der Philosophie, Psychologie und Pädagogik in
Bern, seit 1922 in gleicher Eigenschaft in Basel. Im Ver—
lag Kober C. F. Spittler Nachf., Basel, erschien sein grund—
legendes Werk Das Ziel der Erziehung, Preis
4,40 M., und — die Folgerungen ziehend — Wege unsd
Irrwege der Erziehung, Preis 7,70 M. Häberlin
geht an das pädagogische Problem von der Seite der
Bhilosophie heran. Entscheidend ist für ihn die Frage
nach dem Erziehungsziel. Das ist ihm zunächst eine Tat—
sachenfrage, die sich aus psychologischen und historischen
Motiven erklärt. Bedeutungsvoller, ja entscheidend, ist ihm
die Richtigkeitsfrage: während die erstere wissen will, was
dem Handelnden in seinem pädagogischen Verhalten als
Wert vorschwebt, will die Richtigkeitsfrage erörtern und
festlegen, ob dieser Wert mit Recht als Wert gesetzt wird,
Das ist nur möglich, wenn man den Glauben an ein
absolutes Erziehungsziel hat, erwachsen aus dem Gewissens—
erlebnis, aus der Weltanschauung. Endergebnis dieser sitt—
lichen Erziehung ist die geistig gerichtete und darum ge—
meinschaftsbereite und gemeinschaftsfähige Menschheit, in
der der einzelne das für ihn mögliche Reifemaximum er—
reichen soll. Wir verfolgen also mit dem pädagogischen
Individualziel zugleich das Glück des Zöglings, aber nur
soweit, als es im Rahmen der sozialkulturellen Notwendig
keit möglich ist.
Das Erziehungsziel ist dem Autor ein in sich verbun—
denes dreifaches: das Gesinnungsziel, d. h. die Gewissens—
erziehung, ein bestimmtes Lebensideal in sich tragen, das
Tüchtigkeitserziehungsziel, d. h. der Drang, dieses Lebens—
ideal zu verwirklichen, und das Gesundheitserziehungsziel
d. h. die Sammlung der für die Verwirklichung des Lebens—
ideals notwendigen körperlichen und seelischen Kräfte. So
soll die Erziehung in Haus und Schule Wegbereiterin sein
für den werdenden Menschen bis zu jener Wegstelle, da er
ins Geleise des gereiften Lebens in Beruf, und JFamilie
einbiegt und die aus der Willensbildung ermöglichte Selbst
bildung beginnt, mit der er zeitlebens nicht fertig wird
dessen sich gerade der „freie Mensch“ stets bewußt bleibt
In dem Jenenser Pädagogen Dr. Peter Petersen, ge—
bürtig aus dem Flensburger Kreis, als Student Schüler
Karl Lamprechts, Wilhelm Wundts und Rudolf Euckens
Oberlehrer an der Gelehrtenschusle in Hamburg, dann
Direktor der Lichtwarkschule daselbst, 1923 Professor der
Pädagogik an der Universität Jena, den Gesichtskreis durch
zahlreiche Auslandsreisen nach Dänemark, Norwegen, die
Niederlande, die Vereinigten Staaten von Nordamerika
und Chile erweiternd und bereichernd, haben wir einen der
führenden Vertreter der autonomen Pädagogik vor uns,
der also auf die Entbindung aller Kräfte im Jugendlichen
abzielt, ihn zur sittlichen Selbstbestimmung zu führen. Man
gewinnt trefflich Einblick in seine pädagoögische Gedanken—
welt und ihre praktische Durchführung aus den im Verlag
Hermann Böhlaus Nachf.,, Weimar, erschienenen Werken
Schulleben und Unterricht einer freien all—
gemeinen Volksschule nach den Grundsätzen
Neuer Erziehung, Preis 6,30 M., gebd. 7,65 M.,
und (nit Arno Förtschs Das gestaltende Schaffen
im Schulversuch der Jenaer Universitäts-—
hl Saar⸗Sänger⸗VBurs“
schule 1925—1930, Preis 5,40 M., gebd. 6,75 M. Ferner
nennen wir mit Nachdruck die sehr interessante kleinere
Schrift Grundfragen einer pädagogischen
CLharakterologie, Verlag Kurt Stenger, Erfurt,
Preis 1,35 M. Der Verfasser vergegenwärtigt uns hier
Beschichte und Aufbau seiner auf Anregung der Jenenser
Elternschaft aus Kindern, verschieden in Alter, Geschlecht,
ozialer Lage und Begabung, zusammengeschlossenen freien
Schulgemeinschaft. Unter Aufsicht eines Gruppenleiters und
in engster Zusammenarbeit mit der Elternschaft bilden sich
zum „natürlichen Lernen“ die Arbeitsgemeinschaften mit
Betonung nach der praktischen Seite hin. In den Kindern
vird die „innere Ruhe“, der „seelische Gleichstrom“ er—
halten, der Gesamtunterricht konzentriert alle Kräfte auf
die Gestaltung der ganzen Persönlichkeit. Wir dürfen dann
eilnehmen am Werkunterricht, an der Rhythmik und am
olastischen Gestalten, alles Mittel zur Entfaltung der dem
inde innewohnenden Kräfte, Neigungen und Begabungen.
Diese pädagogische Grundhaltung fordert naturgemäß die
denntnis der Individualitäten. Ihnen folgt Petersen in
einer Charakterologie, den trotz gleicher Betätigung in
Erscheinung tretenden Besonderheiten in Schriftzügen,
Farbenzusammenstellungen, Formgebungen, Bewegung
nnerhalb eines rhythmischen Systems wie Voheland,
Bode, Daleroze. Und so deckt er die geistige und seelische
donstitution des Kindes auf nach Vernunft- und Trieb—
eben, Begabung, Pubertätsstand usw. Unter Leitung des
dehrers als „Führer“, nicht als Herrscher, lebt sich der
Zögling allmählich in die Gemeinschaft hinein mit der
ganzen Kraft seiner Individualität. Jede individuelle
Kraft ist ja schließlich nur eine „Richtungsvariante“ der
Gemeinschaft, eine besonders geschliffene Linse, in der sich
das einem Volk Gemeinsame, sein Kulturgut, bricht!
Walther Stein.
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