Full text : 11.1933-1934 (0011)

Nr. 5 n“
wo es gar nicht anders geht, diese Rede an den Anfang
stellen, damit der Zusammenhang des Konzerts nicht ge—
stört wird. Auch Rezitationen gehören nicht in ein Kon—
zert. Wohl ist das Umgekehrte möglich, die Hinzuziehung
des Liedes zu den Rezitationen, ja zu einem Vortrag,
etwa in einer Goethegedenkfeier. Dann ist aber die Musitk
nur Beiprogramm, die Hauptsache das gesprochene Wort,
und die Einstellung des Publikums demgemäß von Grund
auf anders.
Die Dauer des Konzerts.
Ein Konzert dauere solange, als es die Aufnahmefähig—
keit des Publikums zuläßt. Diese war in früheren Zeiten
gegen heute geradezu enorm. Heute sind wohl zwei Stun—
den das Normale. Wenn mancherorts, etwa in kleineren
Drten darüber hinausgegangen wird, so liegt das meist in
den endlosen Einlagen eines Orchesters, das dann die Rolle
eines Kaffeehausorchesters spielt. Wie sollen nun die ver—
schiedenen Nummern geordnet werden? Jedenfalls so, daß
auch fürs Auge ein übersichtliches Bild entsteht. Also
Symmetrie zwischen den einzelnen Teilen. Das Normal—
schema wäre etwä: 1. Chor bzw. Chöre (a, b, e), 2. Soli
(vokal oder instrumental), 38. Chor. Pause. 4. Chor, 5. Soli,
6. Chor. Längere Chöre, große Kunstchöre stehen natur—
gemäß allein, kleinere können bis zu dreien und mehr in
einer Nummer zusammengesaßt werden. Selbstverständlich
können je nach Bedarf auch mehr als 6 Nummern auf—
gestellt werden.
Die „Fassade“ des Programms.
Gemeint sind damit all die außermusikalischen Dinge,

asshj Saar⸗Sänger-Bund
die zum Gesamteindruck des Konzerts, vor allem auch dem
sichtbaren, wesentlich beitragen. Hier kurz ein paar War—
nungsschilder: 1. Nicht rauchen; 2. Kein Bieraus
schank; 3. Keine Tische, nur Stuhlreihen; 4. Keine über—
dekorierte Bühne.
Zu diesem Kapitel rechne ich auch die Fassade des Pro—
grammzettels. Auch das sollten sich Dirigent und Vor—
stand angelegen sein lassen. Auch der Programmzet—
tdel soll übersichtlich und geschmackvoll sein; er ist die
Visitenkarte des Vereins. Vielfsach kann man das nicht
den Druckereien überlassen. Einzelheiten darüber führen
ins Gebiet der Graphik. Nur ein paar Hinweise. Häufig
vird vor den Namen des Künstlers das schöne Wor
„Herr“, „Frau“ oder „Fräulein“ gesetzt oder gar einer
der schönen bürgerlichen Titel. Es ist überflüssig. Der
Künstler, dazu ist in diesem Fall auch der Chorleiter zu
crechnen, steht beim Konzert außerhalb der bürgerlichen
Formen. Also nicht „Mitwirkung: Herr N. N.“, sondern
chlicht „N. N.“
Genaue Angabe des Komponisten mit Vornamen ist un—
erläßlich. Man mag auch dahinter Geburts- und Todesjahr
zur besseren Orientierung über den Komponisten setzen. Den
Dichter bringt man am besten nach dem Abdruck des Wort—
lauts der Gesänge unter. Handelt es sich um eine Be—
arbeitung, dann darf auch der Name des Bearbeiters nich!
fehlen. Also „Innsbruck, ich muß dich lassen ... Heinrich
Isaak, Bearbeitung von Hugo Jüngst, oder Carl Hanne—
mann“. (Letztere Bearbeitung Lobedasingebuch] ist übrigens
originalgetreuer.) Dr. Ernst Stilz.

I Seite 117

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