Full text : 11.1933-1934 (0011)

Nr. 5 IIII.
des vaterländischen Lebens: wieviel edle Begeisterung
für Volk und Vaterland hat gerade hier an der Saar das
deutsche Lied schon in Tausenden von Herzen entflammen kön—
nen! Sie liegt auch auf dem Gebiete des gesellschaftlichen, des
sozialen Lebens: allem Trennenden in Glauben, Partei
und Klasseuschichtung das versöhnende und verbrüdernde, auf
hohes freudiges Menschentum gestellte Lied entgegenzustellen!
Aber darüber darf die Hauptaufgabe unserer Männergesang—
vereine nicht vergessen werden: die künstlerische, Arbeit.
Sie muß im Mittelpunkt unseres Wirkens stehen, nicht Aus—
flüge, Unterhaltungsabende, Fahnenweihen, Karneval...
September 1926.
Tausende von Knaben und Mädchen verlassen Ostern die
Schule. Viele von ihnen stehen sogleich in ernster Berufsvor—
bereitung, in schwerer Arbeit
Wir wollen
in unseren Bundesvereinen Ausspannung und Erholung
bieten, um unsere Jugend gesund und glücklich zu machen,
Ausspannung und Erholung aber nicht nur dem Leibe
— denn wir sind nicht nur Mustelmenschen, sondern vor
Anen auch Geistesmenschen mit Verstand, Herz und Seele
wollen
in einer Zeit der gesteigerten Anforderungen die Hand
bieten zur Weiterbildung, zur Befriedigung der geistigen
Bedürfnisse. Sowohl unsere Gesangstunden, wie auch unsere
Konzerte und Vortragsabende leisten dem Geist diesen
Dienst.
wollen
der Verflachung des Gemütslebens entgegenwirken durch
das Schöne, Große und Edle, durch die deutsche Kunst!
In ihrer Pflege wird der Mensch besser, das Herz ge—
täutert; rein, rein muß das Herz des Sängers sein!
wollen
den Glauben in unserer Jugend entfachen und stärken, daß
es gegenüber all den boberflächlichen Zerstreuungen bei
Bier und Ball auch noch lautere Kameradschaftlichkeit, edle
Geselligkeit und reine Freude gibt. Unsere Jungen und
Mädchen sollen sich nicht nur bei Arbeit und Vergnü—

Uhh Saar⸗Sänger⸗Bund n agph Seite 113
gungen kennen lernen, sondern beim Singen deutscher
vieder!
vollen
dem jungen Menschen auch die gesunderhaltenden Kräfte
des Singens in Haltung, Atmung, Aussprache und Be—
herrijchung der Stimme nutzbar machen!
vollen
alle, die deutsch denken und fühlen, über alle einengenden
Schranken hinweg mit dem ewig grünenden Kranze deut—
cher Lieder zu einer geschlossenen Einheit umwinden,
holksgemeinschaft gilt es zu schaffen, zu pflegen und zu
ertiefen!
vollen
»eshalb in den Stromkreis unserer volkserzieherischen,
„olksbildenden und Volk bildenden Arbeit alle einschal—
en: Jugend und Alter, Mädchen und Jünglinge, Frauen
ind Männer, Sänger und Sangesfreunde! Nicht nur in
unseren größeren Vereinen, auch auf dem Lande ist sich
»ie Mehrzahl unserer Chormeister der volkserzieherischen
Pflicht bewußt geworden, in besonderen Abendstunden
ruch der Jugend, den Mädchen und Frauen Gelegenheit
zum Lernen und Singen zu geben.
vollen
auf diese Weise den ganzen Reichtum deutscher Kunst zum
Singen und Klingen bringen, denn ungeahnte Schätze
uinserer großen Meister, für den Jugendchor, Frauenchor—
ind Gemischten Chor geschrieben, liegen noch ungehoben da
vollen
durch Einbeziehung aller Schichten unseres Volkes das
Volkslied wieder bei der Arbeit, im Beruf lebendig
machen und durch die Lieder unserer Mädchen und Frauen
mit edler Hausmusik das deutsche „Heim“ erneuern. Deutsche
Kunst soll wieder deutsche Kinderstuben segnen! Wir müs
ien wieder ein singendes Volk werden! Mai 1929.
Die deutsche Sängerschaft verwaltet ein Gut, das für die
Volksgemeinschaft von ungeheurem Wert ist, für die seelische
Besundüng und Gesunderhaltung: das deutsche Lied! Gerade

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wurde, konnten sie nicht auch gleich mit ihrer Meinung
ergu⸗gehens Den Tadlern rechnete er jedes Wort zum
erbrechen, und den Bergkasper, den einzigen, der sich
seiner angenommen, den Bergkasper hätte er für seinen
Beifall und seine Aufmunterung am liebsten geohrfeigt. Ja,
er war hellisch falsch, der Schülzle, um uns eines be—
zeichnenden Bergheimer Ausdrucks zu bedienen, und um
seinen Unmut zů vollenden, malte er sich schon jetzt mit
krotziger Selbstquälerei die Szenen aus, die ihn daheim
bei seiner Mutter erwarteten.
Weiß beschneit, die Stiefeln voll Schnee trat er ins
Haus und erschreckte durch sein verstörtes Wesen die Mutter
nicht wenig. Llengstlich trippelte die bekümmerte Alte um
den störrigen, wortkargen Sohn, den ihre übertriebene Teil—
nahme und Hilfebereitschaft nur noch mehr, erbitterte
Grimmig schleuderte er auf ihre Mahnungen die feuchten
Stiefel und Strümpfe in eine Ecke und schrie, während er
die Füße neu bekleidete: „Himmelherrgott! macht mir den
Kopf nicht warm, Mutter! In einem Stück war ich euch
zu Willen, nun laßt mich auch in Frieden! Ich geh' nach
Ddammsbrück, dabei bleibt's, und ist's dem Simeslorenz
nicht recht, mag er's links nehmen. Ich bin kein Schulbub
mehr, hab lange bewiesen, daß ich auf eigenen Füßen zu
stehen vermag.“ Von der Musik lasse ich nicht. ein für alle—
mal nicht. Punktum!“
„Paule, Paule, was ist doch in dich gefahren? Man
kennt dich kaum mehr, so wüst und wild tust du!“ klagte
die Mutter, „ist's auch eine Art, gut gemeinte Ratschläge
so aufzunehmen? Geschieht's nicht zu deinem Besten, wenn
der Simeslsorenz versangat. du sosist das Spielen sein lassen?“

„Verlangt! Kreuz Hagel und Strohsack! Das ist's ja
eben! Wer gibt ihm das Recht, so was von mir zu ver—
langen? Ich bin eine gute Haut; mit einem guten Wort
vickelt man mich um einen Finger. Aber ich habe auch
Ehre im Leib, und befehlen lasse ich mir nichts!“
„Gut bist du, niemand weiß das besser als ich, deine
Mütter. Auch ist's richtig, daß man dich um einen Finger
winden kann, aber nur zuzeiten und wenn eben dein Kopif
nicht dazwischenkommt. Hast du den erst einmal aufge—
setzi, dann sind gute und böse Worte gleich sehr verloren.
dät dich nicht das Evebärble vor Gott, und nach Gott ge—
beten, ihr zu Lieb solltest du die Musik aufgeben?“
„Und warum mußte sie so eigenwillig auf ihrem Kopf
hbestehen, da sie sah, es wird mir schwer, mich von den
Musikanten loszumachen? Konnte sie mir das Vergnügen
nicht gönnen, bis ich's von selber aufgab?“
„Sie sieht eben ein, daß sich das Tanzaufspielen, das
Kirmeslaufen und was noch darum und daran hängt, nicht
für einen Bauer schickt, der einen Hof in Ordnung halten
soll. Paule, Paule, denk daran, was dein Vater wohl
sagen würde, wenn er noch lebte!“
„Ha Himmelelement, wer sagt, daß ich das nicht auch
insehe?“ schrie der Bursche aufspringend, „aber treiben
lasse ich mich nicht, lasse mir nichts vorschreiben, ertrage
einen Zwang. Konnten das Evebärble und ihr Alter nicht
ruch meinen Einsichten vertrauen?“
„Du bist ein guter Bursch, Paule,“ sagte die Mutter,
die ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken konnte, „aber
hesondere Einsichten hast du meines Wissens noch nirgends
an den Tag gegeben. Wie soll man sich auf dein eigenes

Un Malzkaffeeiad
UnIO-O EO& ist der Beste!
Hersteller: Malz- und Malzkaffee-Fabriken , Union“ A.-G.
Saarbrũûcken 3, Neusrabenwes 2, Telephon Nummer 20225
M
            
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