Nr. 4 Inνν
AuhSaar⸗Sänuger-Bunde
sn Seite 79
Aus dem
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unde.
Letzter Aufruf!
Das Frankfurter Sängerfest steht vor der Tür! Es
ist Ehrensache auch der Mitglieder des SEB. soweit sie
irgend können, das Fest zu besuchen. Es ist kein Fest im
eigentlichen Sinne, sondern eine große Kundgebung für das
deutsche Lied, namentlich für große zeitgenössische Kunst!
Wohl kaum wird je ein Deutsches Sängerbundesfest so in
unserer Nähe stattfinden. Deshalb: Schließt die Reihen!
Die bisherigen Feste des Deutschen Sängerbundes.
Vom 16. bis 253. Juli feiert der Deutsche Sängerbund
n Frankfurt a. M. sein 11. Deutsches Sängerbundesfest.
Damit beherbergt die Stadt zum ersten Male das größte
eutsche Sängerfest. Bereits im Jahre 1848 war aller—
ings für Frankfurt a. M. ein „allgemeines Deutsches
Zängerfest“ — die Vorläufer der heutigen Bundesfeste —
orgesehen, das jedoch wegen der Revolution unterblieb
uind erst 1851 in Passau stattfand. Außerdem fanden
1845 in Würzburg und 1861 in Nürnberg „Allgemeine
deutsche Sängerfeste“ statt. Die guten Erfahrungen führten
861 zur Gründung des Deutschen Sängerbundes, der in—
‚wischen über 20 „Sängertage“ im engeren Rahmen und
10 große „Sängerbundesfeste“ veranstaltete.
Das 1. Deutsche Sängerbundesfest fand 1865 in Dresden
nit einem Besuche von etwa 16000 Sängern statt. Es
olgten dann die Feste von 1874 in München (5000 Sänger),
1882 in Hamburg (7000 Sänger), 1890 in Wien (13 000
Sänger), 1896 in Stuttgart (110000 Sänger), 1902 in
Braz (12000 Sänger), sowie 1907 in Breslau (12000
Sänger). Das letzte große Deutsche Sängerbundesfest vor
dem Kriege fand 1918 in Nürnberg mit einer Beteiligung
von 34000 Sängern statt. Nach dem Kriege wurde das
erste Fest 1924 in Hannover abgehalten, wobei 43000
Zänger erschienen. Den größten Besuch hatte jedoch das
10. Deutsche Sängerbundesfest 1928 in Wien, welches der
FEhrung Schuberts gewidmet war, mit einem Besuche von
er 120 000 Sängern aus allen Gegenden deutscher
unge.
Auch das 11. Deutsche Sängerbundesfest lehnt sich an
einen Erinnerungstag an, den nicht nur die deutschspraächige
Welt, sondern die ganze Menschheit in seltener Einmütig—
teit feiert; an den 100jährigen Todestag des Dichter—
ürsten Goethe. Goethe hat zwar selbst keine Musik aktiv
ausgeführt, aber sein Verständnis für das Musikleben war
doch entschieden besser als zahlreiche seiner Biographen
schreiben. Mit der deutschen Sängerschaft ist er jedoch aufs
engste verbunden, weil kein zweiter deutscher Dichter eine
ähnliche Anzahl von Liedertexten geschrieben hat, die
später zu Chören vertont wurden. Das Festprogramm
zeigt auch zahlreiche NAufführungen, teils bekannter und
teils erstmalig aufzusührender Vertonungen Goethe'scher
Werke. Schon die feierliche Eröffnung in der Paulskirche
»ringt 2 Uraufführungen von Werken mit Goethetexten.
In der Volksdeutschen Weihestunde wird Goethes „Be—
freiungslied der Deutschen“ in einer Schöpfung von Arnim
dnab gesungen. Bei der gemeinsamen Kundgebung im
Stadion bekunden alle zu einem Chor vereinigten Sänger
Boethe und seinem zeitgenössischen Komponisten Zelter ihre
Verehrung mit dem Liede „In allen guten Stunden“.
Fast keine der 29 Konzertveranstaltungen, in denen Chöre
tus allen deutschen Gauen und aus zahlreichen auslands—
zeutschen Gebieten mitwirken, enthält nicht irgend eine
Fhrung Goethes durch Wiedergabe einer Vertonung seiner
rieder.
Die deutsche Sängerschaft bekundet weiter, ihre Treue
zu dem Genius, welcher den besten Wortausdruck für ihre
sßedanken gefunden hat durch eine lebhafte Beteiligung.
Trotz aller Not kann die Feststadt mit dem Besuche von
nehr als 30 000 Sängern rechnen. Die Besucherzahl schließt
ich also würdig den früheren Veranstaltungen an, wenn—
zleich die Rekördziffer des Wiener Festes infolge der
Wirtschaftslage bei weitem nicht erreicht wird. Frankfurt
st sich der Verantwortung bewußt, und das jetzt festge—
tellte Programm läßt erwarten, daß auch vom 11. Deut—
chen Sängerbundesfest neue Bande der Einigkeit um die
eutsche Sängerwelt sowie einige erhebende Tage in dem
Frnste der Zeit erwartet werden können.
Von den Festblättern für das Deutsche Sängerbun desfest
st soeben das 9. Heft erschienen (Verlag der Festblätter,
Frankfurt a. M., Blücherstr. 2022, Gesamtbezugspreis
3. M. Bei Sammelbestellungen von 6 Stück ab franko.
Einzelheft 60 Pfg.). Noch ist es Zeit, sich in den Besitz
ieser trefflich redigierten und ausgestatteten Festblätter
zu setzen, die sowohl für die Teilnehmer eine Erinnerung
z»n bohem bleibenden Wert bhleiben werden, als oiuch
Generalprobe.
Am Sonntag, den 17. Juli 1932, abends 8 Uhr,
indet im Saalbau Saarbrücken eine Generxral⸗
probe für das Frankfurter Sängerfest statt:
Rhapsodie für Männerchor und Alt⸗
solo von Brahms.
Herbst, Kantate für Männerchor und
Altsolo von Moldenhauer (vorgetragen
von der Sängervereinigung Homburg und
dem MGV. Neunkirchen unter Musik⸗
direktor Beck).
Psalm der Befreiung für Männerchor
und Sopransolo von Erwin Lendvai
vorgetragen vom Massenchor der Saar⸗
ängerschaft unter Bundeschormeister
Stilz).
Numerierte Plätze zu 3.- Fr. wollen möglichst
sofort bei der Geschaäͤftsstelle bestellt werden. Die
Belieferung der Vereine erfolgt in der Reihen⸗
folge des Eingangs der Bestellungen.
Der VPsalm der Besreiung von Erwin Lendvai sindet in
der „Zeitschrift für Musik“ eine fachmännische Würdigung,
die wir unsern Lesern nicht vorenthalten möchten. Sie
autet: Nach einem ergreifenden Vorspiel, dem die Witten—
zerger Weise des Chorals „Aus tiefer Not“ zugrunde liegt,
bestreitet gesanglich der Männerchor allein den ersten Teil,
der fast durchweg sehr dramatisch gestaltet ist. Im zweiten
Teil, der lyrisch und ruhig beginnt und sich zu, einem ge—
valtigen Schluß „Denn Sein ist das Reich“ usw. hinauf—
teigert, tritt der Solosopran mit herrlich weitgeschwungenen
Melodiebbgen zum Chor hinzu. Der dritte Teil bringt
zunächst eine Erinneruͤng an den ersten Teil, geht gber
bald in Chor und Solo eigene, wundervolle Wege. Takt
130 bis 211 vereinigen sich Solosopran, Männerchor,
Orchester und Orgel (ad lih. aber unbedingt zu empfehlen)
zu einer großartigen Umschreibung und Auslegung des
sm LTTenoöoͤr Uegenden Cöthener Chorals „Einer ist König,
Immanuel sieget“. Nach einer freudigen Stretta „Alles,
was Odem hat, lobe den Herrn! Alleluja!“ schließt das
Werk mit breiten, machtvollen Akkorden in A-Dur. Mit
diesem Psalm, zu dem Lendvai vielleicht durch Franz
Wüllner angeregt wurde, sind jedem leistungsfähigen
Männerchor üußerst dankbare Aufgaben gestellt. Die ge—
sanglichen Schwierigkeiten sind nicht allzu groß. Dafür
ist das Werk aber durchweg so grundmusikalisch, daß es
jiedem Sänger und Hörer Freude bereiten wird.
Prof. Fos. Achté lif.