Full text : 10.1932-1933 (0010)

Mein Leben mit und für Max Recger.

Nubere Kenntnis von Max Reger, die wir dem
pietätvollen Werk Adalbert Lindners, Regers Briefen
und unzähligen Anekdoten von bezwingender Ursprüng—
tichkeit verdanken, konnte nicht reicher namentlich nach der
nenschlichen Seite bereichert und vertieft werden als durch
das köstliche Werk: Mein Leben mit und für Max
Reger, das wir der Feder seiner Frau Elsa Reger ver—
danken — trefflich ausgestattet von der Verlagsanstalt K. F.
ßKoehler und Amelang in Leipzig, Preis 8,50 M. in Ganz⸗
seinen gebunden.
Elsa Reger geb. von Bagenski entstammte selbst einer
hochmusikalischen Familie und konnte deshalb dem ernsten
zielbewußten Schaffen ihres Mannes vollstes Verständnis
entgegenbringen. Max Regers Wiege stand in dem
Jeinen Dörfchen Brand der bayrischen Oberpfalz in einem
dehrerhaus. Seine glänzende musikalische Begabung wies
hm den Weg zum Musikstudium. Zuerst Lehrer für Theorie,
ßomposition und Orgelspiel in München, dann am könig—
ichen Konservatorium in Leipzig führte ihn sein ruhm—
poller Aufstieg an den Hof zu Meiningen, wo er unter
dem kunstsinnigen Herzog Georg II. Generalmusikdirektor
vurde. Elsa Reger erzählt in ihrem Buch von ihrem
außerordentlich reichen Leben mit Max Reger. Kompo—
sitionen, Unterricht, Liederabende, Konzertreisen folgten
in buntem Wechsel. Trotzdem Regers Kunst später Ehrungen
des In- und Auslandes erfuhr, mußte er zunächst sehr
uim Anerkennung kämpfen, denn seine Musik war dem
Publikum nicht leicht zugänglich. Aber hinter seinen Werken,
die in Form von Sonaten, Konzerten, Requien, Motetten,
Kantaten und Chorälen zu uns sprechen, steht der Mensch
Max Reger, der sagt: „Ich weiß was ich will, ich will
was ich weiß.“ Wer Reger richtig kennenlernen will, der
studiere ihn in seinen Werken, denn in ihnen hat er sich
erlebt. Jedes Werk steht bei ihm als wahrem Künstler in
Beziehung zu Erlebtem, ist wahrhaft in Goetheschem Sinne
Bruchstück einer großen Konfession. So nennt er seine Cello—
sonate op. 116 ein „Gespräch mit dem lieben Gott“, sein
Ek-Moll-Trio ist ein „Gebet um das Leben seiner kranken
Frau“, und ein Requiem., das er 1914 schrieb, ist „den

deultsche

Ruth Schaumann.
Aus Mond und Morgenröte
Ist deiner Wangen Paar gemacht
Wie Harfenspiel und Flöte
Fin Lied gesetzt um Mitternacht:
Von Gott und Gottes Sternen,
Das alle Blumen lernen.
Wir kennen unter unsern schaffenden Künstlerinnen
MVNewenige, die gleich Ruth Schaumann in so vielfacher
Sprache zu uns zu reden vermögen. In ihren Kinder—
züchern: Die Rose, 24 handkolorierte Holzschnitte mit
Versen, gebd. 10, — RM. und Die geliebten Dinge,
17 handkolorierte Holzschnitte in Offserdruck, Blockbuch in
Art der japanischen Holzschnittbücher, gebd. 6,7. RM.
zeide im Verlag Kösel &Pustet, München, erschienen,
tritt sie uns als Dichterin und Zeichnerin voll hoher Ge—
staltungskraft entgegen, in Dürer'schem Sinne inwendig
poller Figur. Kindlich einfache Holzschnitte deuten die
nebenstehenden Verse. Keine weltbewegenden Probleme
bilden den Inhalt, alltägliche Dinge, aber in ihrem ganzen
Reichtum uͤnd ihrer niefsten Symbolhaftigkeit geschaut:
Mutter, Geschwister, Gänsehirt, Löwenzahn, Lämmchen —
illes wie mit den Augen eines Kindes gesehen! In „die
geliebten Dinge“ ist der Rahmen noch enger gespannt. Die
Rätsel des eigenen Körpers begegnen dem Kind und werden
gedeutet: die Stirn, die Augen, die Hände, der Mund,
die Nase, die Ohren, die Haare und das Herz. Ruth
Schaumann versteht es, all diesen Dingen eine besondere
Deutung zu geben. Eine gläubige, starke Weltauffassung
teht dahinter, die jedes noch so kleine Geschehen in höhere
Siunzusanenbande einordnet, in den Willen Gottes. Von

zefallenen Helden“ gewidmet. In seinem unerschütterlichen
ßlauben an alles Deutsche, an die Zukunft
deutschlands, wird er stets als urdeutscher Musiker ange—
prochen werden. Nicht zuletzt zeigt sich seine urdeutsche
rt in seinem Familienleben. Wenig erfreut über große
zesellschaften und rauschende Feste, verlebte er die glück—
ichsten Stunden im kleinen Freundeskreis und in der
jamilie mit seiner Elsa und den beiden Adoptivkindern
khrista und Lotti. Ueber die Heiligkeit der Familie äußert
»òx sich einmal mit folgenden Worten: „Wehe der Nation,
velche die Heiligkeit der Religion, der Ehe und der Fa—
nilie antastet, sie geht unrettbar ihrem Untergang ent—
egen.“
Nur kurze Zeit nach der Uebersiedlung in das Reger—
aus in Jena starb der große Meister auf der Höhe seines
rebens. Seine Witwe, für die nun „der einsame Weg in
tummer Not, der Weg nach Sonnenuntergang“ begann,
etzte sich eifrig im Verein mit Regerfreunden für sein
ostbares Erbe ein. Seine Freunde, besonders Adalbert
indner, Karl Straube und Philipp Wolfrum und seine
zliteschüler Hugo Holle, Hermann Grabner, Hermann
zoppen und Hermann Unger ehrten ihren Meister in
donzerten, die im kleinsten Kreise begannen, denen bald
ber alljährliche große Regerkonzerte und Regergedächtnis—
eiern folgten. Elsa Reger errichtete in treuem Gedenken
in ihren großen bewunderten Mann in Weimar das
degerarchiv, und so brachte sie der ganzen Nation
steger als Mensch und Persönlichkeit nahe. Von dieser Frau,
»eren ganzes Sein Max Reger gehört, gelten die Worte
Friedrich Lienhards: „In jedem Menschen steckt ein Künstler,
sesonders aber in der Frau. Sie kann alle Dissonanzen
»es Lebens in Harmonien auflösen und aus dem Chaos
»as Kosmos schaffen.“ Diese Aufgabe hat Elsa Reger wahr—
jaft erfüllt indem sie als Frau eines berufenen Künstlers
ziesem die Dissonanzen des Lebens in seinen täglichen
donflikten auflöste in Harmonien. Das Denkmal, das sie
n ihrem prachtvollen Werk ihrem verewigten Mann er—
ichtet, bedeutet gleichzeitig ein Ehrenmal für sie selbst
Dr. M. Bauer.

Franuen.

Sinnen und Gliedern redet sie zum Kinde in seelenvoller
Beratung: Daß sie gesegnet bleiben zu jeder Zeit und
Tat, sollft Du sie dem verschreiben, der sie geschaffen hat.“
Dder: „Mein liebstes Kind, ich sehe Dich gern, auf Deiner
Ztirne steht ein Stern .... Er lenkt Dich hin, so nah,
o fern, zu aller Sterne Stern und Herrn.“ Visionär
chaut sie in ergreifender Mystik auf den Schultern das
astende Kreuz, aber auch „zwei Flügel“, weich wie Seide,
ie trotz aller Bürge schweben machen. Ihre Dichtungen
fuellen von holder Musik: man lauscht und sinnt. Gerade
nunserer zerrissenen Zeit müssen wir Ruth Schaumann
ankbar sein, daß sie uns solche wertvollen Bücher schenkte,
»ie so wohltuend gesund und klar dem Kind die Welt
erschließen und zu erobern helfen. Man darf wohl be—
aupten, daß Ruth Schaumanns Kinderbücher, die uns
ille wieder zu Kindern machen, verdienen, den besten ihrer
Art zugezählt zu werden und Wege ins deutsche Haus zu
inden.
Ihre Gedichtsammlungen: Der Knospengrund
Preis 5 RM.) und Der Rebenhang (Preis 5 RM.)
m gleichen Verlag erschienen, haben ebenfalls mit Recht
»as Interesse weiter Kreise zu wecken vermocht. Nun hat
stuth Schaumann uns ihren ersten Prosaband beschert:
der blühende Stab, ebenfalls bei Kösel K Pustet,
Nünchen, verlegt, neue Geschichten und neue handkolorierte
dolzschnitte, in Halbleinen gebd. 7 RM. Die Meisterin des
Vortes und der Form beweist auch hier ihr großes Können.
sdeun inhaltlich getrennte Erzählungen enthält das Buch.
Legenden“, sagse die Dichterin, trotzdem mehr als die
Zälfte von ihnen nicht im üblichen Sinn legendär zu
iennen sind. Die tiefe Gläubigkeit und eine feine Symbolik
roreifft uns qouch hier innerlich und macht uns stumm
            
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