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Monatitsschrift
Ueber Z00 Bereine mit über 3Z0 ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes 2
von Stadtschulrat Dr. . c. Haus Bongard und Rektor Walther Stein, Saarbrücken. B
Ddruch und Verlag der Buch— und Kunstoruckerei Bebr. Hofer A GS. Saarbrücken. *
Böllktlingen und Teinzig. Bezugspreis Er. 5.— viertelzährlich. Einzeluummer Ar. 2. — —F—
Juli 1032 12. Jahrgang
Musik in Boethes Elternhaus.
Edn Hausmusik gehörte zu Goethes Zeit zur
Kultur des guten Bürgerhauses. So finden wir
in Goethes Elternhaus am Hirschgraben in
Frankfurt, da Frau Ajas feine Hand über dem Werden
und Wachsen Jung-Wolfgangs
wvaltete, neben den Staatszimmern
auch ein besonderes Musikzimmer,
in dem die Gäste, die zum Deut—
schen Sängerbundesfest in die
Boethestadt kommen, gewiß mit
zesonders gehobenen Gefühlen
veilen werden. Noch sind die
alten Tapeten erhalten und der
anmutige Schmuck der in Stuck
gearbeiteten Decke, in die der
Künstler symbolisch einige Musik—
instrumente hineingewoben hat,
Beigen und Flöten.
Es scheint bedeutungsvoll ge—
nug, im Goethejahr einmal dar—
auf hinzuweisen, wie in Goethes
Jugendtagen dieses Zimmer wider⸗
hallte von froher Hausmusik, wel⸗
chen Anteil die Musik am häus—
ichen Leben hatte und welches die
Luft war, die den jungen Goethe
in seinen Kindertagen umwehte.
Während die große Musik—
literatur, wie sie eben Haydn, Soethes Mutter: Frau
Mozart und Beethoven schufen,
den Künstlern im Konzertsaal vorbehalten blieben, griff
Boethes Elternhaus, wie die bürgerlichen Kreise der da—
maligen Zeit überhaupt, zu leicht ausführbarer und leicht
eingängiger Musik: zu Tänzen und Liedbegleitungen.
Der musikalische Sinn, der schon in den Ahnen
GBoethes lebte, sollte natürlich auch in den beiden
Kindern geweckt werden. So lauschten Wolfgang und
seine Schwester Cornelia von frühester Kindheit an
nicht nur dem heiteren Spiel der Mutter, des Vaters,
folgten mit ihren Kinderaugen nicht nur dem Finger—
spiel illustrer Gäste, sondern erhielten alsbald auch
selbst Musikunterricht. Sie wurden beide im Klavier—
spiel unterwiesen, und Wolfgang bekam auch durch
seinen Unterricht im Cellospiel lebendige Beziehung
zur Streichmusik. Daß sich der junge Goethe des
Bildungswertes der Musik bereits im Elternhaus be—
wußt wurde, spiegelt sich in einem Briefe wieder. den
der 16jährige Leipziger Student an seine Schwester
Tornelia nach Frankfurt richtet: „..... sie solle die
S„prachen immerfort treiben, und die Haushaltung,
vie nicht weniger die Kochkunst studieren, auch sich auf
dem Claviere wohl üben.
Aus diesem kunstsinnigen El—
ternhaus übernahm Goethe die
Melodik und den Rhythmus,
wodurch all sein Dichten be—
schwingt wird. Immer wieder
haben die Komponisten aller Zei—
ten: Reichardt, André, Zelter,
aber auch ein Haydn, Gluck,
Mozart, Beethoven, Schubert,
Mendelssohn bis zu Trunk, Kel—
dorfer und Lendvai seine Dich—
tungen als einen „Apell an das
Genie“ empfunden und sich in
ihren Schöpfungen dem musika—
lischen Zauber seiner Verse hin—
gegeben. Aber Goethe regte nicht
nur die Großen seiner Zeit zu
ihren Schöpfungen an, sondern er
nahm frühgepflegte Musik auch in
sein Heim auf. Er konnte sich
eben keine Hausführung denken,
die nicht auch die Musik in
ihre Kreise zog. So erklärt
sich „die kleine Sing—
akademie“, die er Jahre hin—
zurch fast ununterbrochen allwöchentlich in Weimar ver—
instaltete. Auch auf seiner Italienreise schenkte Goethe der
Musik sein Herz, und zwar waren es hier die alten
talienischen Meister wie Palestrina und andere Ton—
chöpfer der Kirchenmusik, deren kostbare Sachen er in die
»eutsche Heimat brachte. Neben der Kirchenmusik war
s die heitere und volkstümliche Musik, die Goethes
derz bezauberte. Daraus erklärt sich auch seine eifrige
Zuche nach alten Volksliedern im Elsaß, die er in dem
zerrlichen Liebesfrühling, den er in Sesenheim verleben
zurfte, „den Kehlen der ältesten Mütterchen ablauschte“.
Für ihn war die Musik, wie er selbst sagte, „eine der
schönsten Offenbarungen Gottes, und er gibt dieser Emp—
findung auch Ausdruck in den Worten: „Wer Musik nicht
liebt, verdient nicht, ein Mensch genannt zu werden; wer
sie nur liebt, ist erst ein halber Mensch, wer sie aber
reibt. ist ein ganzer Mensch!“ H. Strehl.
Aia.