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der Richtung auszubauen, daß es schließlich zum Wett—
singen wird. Die heutige Tagung wird sich mit einem
diesbezüglichen Antrag beschäftigen. Die jetzige Form des
Wertungssingens ist erst vor einem Jahre geschaffen wor—
den. Ich hatte es damals für meine Pflicht gehalten, aus—
drücklich davor zu warnen, eine gewisse Rangordnung unter
den beteiligten Vereinen zu schaffen, indem man durch den
Wertungsrichter den Spitzenverein feststellen und Prädikate
erteilen läßt. Die bedauerlichen Vorkommnisse, wie sie
leider mehrmals in der verflossenen Zeit beim Wertungs—
singen der Gruppe 1 festzustellen waren, haben gezeigt,
daß wir es unterlassen hatten, mit den Sportparagraphen
auch den echten Sportgeist mit zu übernehmen. Unter
Sportgeist verstehe ich natürlich nicht etwa die Sensations—
gier der Massen, die die Sportplätze umstehen und von
denen das Sportblatt der „Saarbrücker Zeitung“ vom
11. 4. 32 folgendes schreibt: „Hat das noch etwas mit
Sport zu tun, wenn Tausende auf den Rängen sich vor
Begeisterung oder Mut heiser schreien?“ Sondern ich über—
setze das Wort „Sportgeist“ für unsere Sangessache mit
dem schönen, aber leider so oft mißbrauchten Wort „Sanges—
brüderlichkeit“. Sie muß es fertigbringen, dem erfolgreichen
Verein neidlose Anerkennung zu zollen, es aber auch unter—
lassen, die Fehler des unterlegenen Vereines aufzubauschen.
Warum sollen wir Sänger nicht ebenso wie die Sportler
den edlen Brauch einfuhren, sich nach erfolgtem Kampf
die Hand zu reichen und in versöhnlicher Stimmung aus—
einanderzugehen. Ich habe beispielsweise noch nie beob—
achtet, daß einem erfolgreichen Chorleiter bei Wertungs⸗
singen von einem seiner Kollegen gratuliert worden ist.
Ldassen wir uns also in Zukunft mehr als bisher von dem
edlsen Geiste der Kameradschaft und Sangesbrüderlichkeit
leiten, dann wird es nicht schwer fallen, die Wertungs—
singen ohne die häßlichen, beim Wettsingen üblichen Be—
zleiterscheinungen durchzuführen.
In der klaren Erkenntnis, daß mit der Lösung des
Problems „Chorleiternachwuchs“ unser gesamtes Chorwesen
steht oder fällt, hat sich der S. S. B. seit seinem Bestehen
mit dieser Angelegenheit durch Abhaltung von Chorleiter—
kursen beschäftigt. Auch im verflossenen Jahre fand ein
derartiger Kursus an 8 Kursustagen in dillingen unter
der Leĩstung von Sangesbruder Beck, Homburg, statt. Die
Teilnehmerzahl betrug 64, gewiß eine erfreulich hohe Zahl.
Zweifellos haben die Teilnehmer dieses in vorbildlicher
Weise geleiteten Kursus die ftärksten Anregungen mit in
ihre Vereine genommen. Es ist von der Bundesleitung
nicht unbeachtet geblieben, daß sich in mehreren Fällen
zanz augenfällige Erfolge durch gesteigerte Chorleistungen
dipph Saar⸗Sãänger-Bund Il uffsIlh Nr. 3
ingestellt haben. Es kann jedoch nicht verborgen werden,
zaß im allgemeinen der Aufwand an Zeit und Mühe in
einem Verhältnis zu den Erfolgen steht und zwar aus
Ursachen, die zum Teil in der so ganz verschiedenen Vor—
zildung der meist zufällig zusammengewürfelten Teilnehmer
zegründet sind. Wie man kein Haus in die Luft bauen
ann, sondern sich zunächst um einen Bauplatz kümmern
ind eine feste Grundlage durch Errichtung von Grund—
nauern schaffen muß, ebensowenig kann man an der Aus—
zildung eines Menschen zum Chorleiter mit Erfolg arbei—
en, wenn man nicht weiß, ob überhaupt eine solide
ßrundlage in gesanglicher, musikalischer und pädagogischer
dinsicht vorhanden ist. Der Bundesbvorstand hat sich daher
intschlossen, der Gründung einer Chorleiterschule näherzu—
reten, die gedacht ist als eine von sangesbrüderlichem
veiste beseelte Arbeitsgemeinschaft, in der in erster Linie
ereits chorpraktisch arbeitende Musiker, aber auch andere
Musiker, die sich berufen fühlen, unter fachkundiger Leitung
as theoretische, praktische, musikpädagogische und volks—
erzieherische seug erwerben können.
Die musikalische Urbeit in den Uebungsstunden der
bereine fand ihre Krönung in 106 Gau- und Vereins—
onzerten mit zum Teil wertvollen Vortragsfolgen. Es
iegt in der Natur der Sache, daß sich die Abwendung von
den süßlichen Schmarren und die Zuͤwendung zu herbem,
iber gesundem Chorgut nur allmählich vollziehen kann.
Jedenfalls ist in dieser Hinsicht gegenüber dem Vorjahr
in Fortschritt auf der ganzen Linie erfreulicher Weise
estzustellen.
Ich schließe meinen Bericht mit der weiteren Feststellung,
»aß die Vorbereitung der für das Deutsche Sängerbundes
est, in Frankfurt vorgesehene Uraufführung der Kantate
„Psalm der Befreiung“ von Erwin Lendvan so weit fort—
jeschritten ist, daß mit einem dem herrlichen Werk wür—
digen Herausbringen zu rechnen ist. Gewiß ist es ein
Wagnis, sich mit vörtlich getrennten Chorvereinigungen an
eine derartig große Aufgabe heranzuwagen. Aber wenn
die wackern Sänger der beteiligten Vereine bei der Stange
»leiben und nicht etwa mutlos die Flinte ins Korn werfen,
vird es bestimmt gelingen, aller Schwierigkeiten Herr zu
verden. Der „Psalm der Befreiung“ wird alsdann hoffent—
ich nicht nur in Frankfurt gesungen werden, sondern auch
n verschiedenen Orten an der Saar zum Himmel dringen
7 so Zum reed der endlichen Befreiung unserer
iieben Heimat werden. J
Pphil. Stilz.
Bericht auf dem Bundestag
in Großrosseln.
Der Staodtnfeifer. Von W. 5. Riehl.
Oas war eine angstvolle Hochzeit! — Als der Weilburger
Stadtpfeifer Kullmann mit seiner Braut vor den Altar
trat, dröhnten dumpfe Kanonenschläge aus der Ferne her—
über. Die Gemeinde war ohnehin diesmal klein beisammen,
und wie nun gar die unheimlichen Töne den Leuten durch
Mark und Besin schütterten, schlich einer nach dem andern
sacht davon, und da der Pfarrer aus der Sakristei schritt,
stand nur noch das Brautpaar mit den nächsten Ange—
hörigen, dem Küster und einigen Hochzeitsgästen, in dem
Thor der Dorfkirche.
Der Siebenjährige Krieg hatte seine Verwüstung auch
in die westlichen Gaue Deutschlands getragen; die Fran—
zosen unter dem Herzoge von Broglio hielten das Lahntal
und den Westerwald besetzt und suchten durch Niederhessen
nach Hannover vorzudringen. Sie fetzten eben dem Berg—
schloß Dillenburg heftig zu, und die wechselsweise Heraus—
orderung und Antwort der Geschütze war es, was in den
Wölbungen der Kirche des benächbarten Ebersbach dem
Hochzeitszug so schaurig in die Ohren klang.
Den Stadtpfeifer überlief es kalt; er zitterte nicht, er
war auch nicht mutlos, aber er hörte auch nicht die Worte
des Pfarrers. So schneidend war es ihm noch nicht in die
Seele eingegangen, welch große Verantwortung er auf fich
nehme durch die Verheiratung in so ungewissen Tagen.,
als jetzt, wo die Kanonen ihm zum Altare läuteten. Die
Braut an seiner Seite hatte nicht geweint; die roten Wan—
gen des Bauernmädchens waren blaß geworden, aber sie
stand fest und heftete den Blick voll Zuversicht unver—
wandt auf den Geistlichen
„Ihr werdet's vielleicht Kindern und Enkeln noch er—
ählen,“ sprach der Pfarrer, „daß der 14. Juli 1760, ein
Tag der Angst, euer Hochzeitstag war. Da, werdet ihr
sagen, war kein lustiger Tanz, kein fröhliches Schmausen,
die Franzosen spielten zur Hochzeit auf im tiefsten Baß,
und den Spielleuten selber brachte es wohl gar den Tod.
Aber Heil euch, wenn ihr dann hinzufüget: In Sorgen
»egannen wir den Ehestand, darum ist es nachgehends so
sell und fröhlich geworden in unserem Hause. Zuerst er—
annten wir die schweren Pflichten des eigenen Herdes, dann
chmeckten wir dessen stille Süßigkeit. Stehet fest! Kummer
uind Trübsal sind groß, aber ein treues Weib macht uns
zitel Freude daraus.“
Der Stadtpfeifer hatte aufgehorcht bei diesen Worten.
Er war ernst von Aussehen und doch eine leicht gefugte
Zeele, bei der es gar flink von einer Tonart in die andere
iberging. Wer von der Musik leben muß, der wird das
asche Modulieren gewohnt. So verließ ihn auch bei dieser
Ansprache plötzlich das qualvolle Zagen. Er blickte auf
eine Christine, wie sie so mutig dastand, und eine helle
Freude durchleuchtete sein Gemüt; und weil just die Ka—
ionen doppelt stark brummten, war es ihm als sei er ein
Fürst, und als donnerten da draußen die Jubelsalven, weil
der Priester Christinens Hand in die seine lege.
Als der Hochzeitszug die Kirche verließ, schwirrte und
ummte schon das ganze Dorf wie ein gestörter Bienen—
tand. Ganz Ebersbach war vor Schreck toll geworden. Es
varen Frohnhäuser Fuhrleute gekommen, die erzählten,
seute noch müsse das Dillenburger Schloß fallen; mörgen
tünden die Franzosen in Ebersbach; deun auch General
Fhabot rückte jeßrt von Siegen und Graf Gnerchy von